Auf dem Fsas Technologies Summit 2026 in München stellte das Fujitsu-Unternehmen seine Strategie für souveräne Cloud-, KI- und Quantentechnologien vor. Im Zentrum stehen Wahlfreiheit statt Vendor-Lock-in, On-Premises-KI und Resilienz gegen Cyberrisiken. Für IT-Entscheider bündelt der Anbieter Hardware, Software und Beratung zu einem Konzept, das technologische Kontrolle mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbinden soll.
Quantencomputing ist – als Baustein souveräner IT-Infrastrukturen – ein wichtiges Produktfeld im Fsas-Portfolio.
(Bild: Fsas Technologies)
Der diesjährige Summit in München stand unter dem Leitmotiv „Innovation und Resilienz“. Das Fujitsu-Unternehmen Fsas Technologies, als japanisch-deutscher Anbieter erst rund 15 Monate am europäischen Markt aktiv, positioniert sich als neutrale Alternative im umkämpften Infrastrukturmarkt – oder, wie es Deutschlandchef Santosh Wadwa auch schon im vergangenen Jahr formulierte, als „Schweiz der IT“.
Souveränität aktiv gestalten
Santosh Wadwa sprach über die rasante Entwicklung von KI, Quantencomputing und HPC und über die enormen Chancen, die diese Technologien in puncto Effizienz, Innovation und Leistungsfähigkeit eröffnen, aber auch um die kritischen Fragen nach potenziellen Risiken, Kontrollverlust und ethischen Herausforderungen.
(Bild: Patrick Pollmeier)
Zentraler Gedanke der Unternehmensstrategie: Digitale Souveränität dürfe nicht defensiv verstanden werden, sondern entstehe durch aktive Gestaltung. Die interne Zehn-Jahres-Strategie sieht den Ausbau souveräner Technik in den Feldern Compute, künstliche Intelligenz (KI) und Quantencomputing vor. Anerkennung dafür kommt laut Unternehmen auch von Gartner, das dem Anbieter globale Innovationskraft bei der Umsetzung betreibbarer Lösungen bescheinige.
Für IT-Entscheider relevant ist dabei vor allem die nüchterne Botschaft, dass vollständige technologische Souveränität eine Illusion bleibt. Stattdessen sei die faktenbasierte Gesamtrisikobetrachtung wichtig, indem Unternehmen ihre größten Abhängigkeiten systematisch analysieren und Partnerschaften konsequent auf Vertrauenswürdigkeit prüfen. Souveränität sei somit weniger eine Frage der technischen Machbarkeit als des systematischen Risikomanagements.
Governance statt Postleitzahl
Deutlich wurde die strategische Stoßrichtung in Wadwas Kritik an den Souveränitätsversprechen großer Hyperscaler. Der Standort eines Rechenzentrums allein garantiere keine Datensicherheit, solange Regelwerke wie der Patriot Act extraterritoriale Zugriffe ermöglichen – es sei „nicht die Frage der Postleitzahlen, sondern eine Frage der Governance“.
Als Wettbewerbsvorteil führt der Anbieter seine rechtliche Unabhängigkeit ins Feld: Man unterliege weder dem Patriot Act noch chinesischer Geheimdienstkontrolle und erfülle europäische Anforderungen wie DSGVO, NIS2 und DORA. Untermauert wird dies durch redundante Fertigung auf verschiedenen Kontinenten, etwa im wiedereröffneten Werk Kasashima, wo bereits souveräne KI-Server auch für den europäischen Markt produziert werden.
Wie fragil die Ausgangslage vieler Unternehmen ist, illustrierte Wadwa mit einem Cyberangriff auf einen IT-Dienstleister der Universitätsklinik Schleswig-Holstein, bei dem tausende sensible Patientendaten entwendet wurden. Angesichts KI-gestützter Attacken werde intelligente Datenresilienz und ein durchdachter Notfallplan zur Voraussetzung dafür, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.
Portfolio ohne Vendor-Lock-in
Die strategische Betonung der Wahlfreiheit spiegelt sich unmittelbar im Produktportfolio wider. Um Vendor-Lock-in zu vermeiden, kombiniert Fsas proprietäre und Open-Source-Lösungen: Beim Storage stehen die hauseigene Eternus-Plattform – deren jüngstes Modell EP 300 erst vor einem Monat vorgestellt wurde – und die Partnerschaft mit NetApp nebeneinander. Bei der Virtualisierung setzt der Anbieter auf eine Goldpartnerschaft mit dem Open-Source-Anbieter Proxmox sowie auf Nutanix, bei Datenbanken auf Fujitsu Enterprise PostgreSQL als Alternative zu etablierten proprietären Anbietern.
Die Quanten-Roadmap präsentierte Christian Schulte, Head of Consultative PreSales bei Fsas Technologies Deutschland, unter dem Aspekt: Wenn neue Technologien physikalische Grenzen austesten.
(Bild: Vogel IT-Medien / ewg)
Auf der Hardwareseite deckt die Server-Reihe Primergy vom Tower- bis zum GPU- und HPC-Server ein breites Anforderungsspektrum auf Basis von AMD und Intel ab. Strategisch bedeutsam ist die Kooperation mit Supermicro, mit der nicht nur KI-Server rasch ins Portfolio kamen, sondern auch der eigene Zwei-Nanometer-Chipsatz Monaka auf ARM-Basis gemeinsam entwickelt wird. Ab dem ersten Quartal 2027 soll er in Serie gehen – in Servern beider Hersteller. Für Cloud-Szenarien verweist der Anbieter auf die Zusammenarbeit mit Ionos als europäische Alternative.
Ergänzt wird das Angebot durch herstellerunabhängige Beratung. Wadwa nannte ein rund hundertköpfiges Consulting-Team sowie weitere achtzig Fachkräfte in der technischen Beratung. Über Managed-Maintenance-Verträge lassen sich zudem heterogene Herstellerlandschaften unter einer zentralen Anlaufstelle konsolidieren – ein Angebot, das das leidige Fingerpointing zwischen Hard- und Softwarelieferanten beenden soll. Flexible Bezahlmodelle unter der Marke uScale sollen angesichts steigender Komponentenpreise – etwa bei DRAM – die Investitionslast abfedern.
Stand: 08.12.2025
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Souveräne KI aus dem eigenen Rechenzentrum
Ein Schwerpunkt der Strategie liegt auf KI, die bewusst nicht primär auf Public Cloud, sondern auf On-Premises-Appliances und hybride Szenarien ausgerichtet ist, damit kritische Daten das Unternehmen nicht verlassen. Bereits 2019 – und damit fünf Jahre vor dem EU AI Act – habe sich Fujitsu einen eigenen Verhaltenskodex auferlegt, ergänzt um ein AI Ethics Framework mit Fokus auf Fairness, Erklärbarkeit und einen externen Ethikbeirat.
ARD-Wirtschaftsexpertin Anja Kohl (mit Santosh Wadwa) stellt in ihrer Keynote die Frage, warum es Unternehmen trotz der täglichen Warnsignale aus Politik und Wirtschaft extrem schwerfällt, die Dringlichkeit zu erkennen und konsequent technologische Eigenverantwortung zu übernehmen. Die Antwort gibt sie selbst: „Es fehlt der Mut in diesem Land.“
(Bild: Patrick Pollmeier)
Das KI-Portfolio umfasst unter anderem die On-Premises-Appliance Private GPT auf Basis des europäischen Modells Mistral, das Hochleistungsmodell Takane auf Basis von Cohere sowie die Agentic-AI-Lösung Mamoru für kritische IT-Infrastrukturen, die Vorschläge macht, aber erst nach menschlicher Freigabe aktiv eingreift. Als strategisch wertet das Unternehmen sein Investment in den kanadischen KI-Entwickler Cohere, der wiederum Aleph Alpha übernommen hat. Als Beleg der Innovationskraft nannte Wadwa die Aufnahme in den Gartner-Quadranten für aufstrebende KI-Anbieter als nach eigenen Angaben einzige gelistete Infrastruktur-Marke.
Über die reine Effizienz hinaus adressiert der Anbieter mit dem KI-gestützten Wissenstransfer-Ansatz „Silver Tsunami“ ein konkretes Zukunftsproblem: den drohenden Know-how-Verlust durch den Renteneintritt der Babyboomer.
Drei Zukunftstechnologien auf einer Plattform
Das langfristige Fundament der Strategie bildet die Verbindung von High Performance Computing (HPC), KI und Quantencomputing auf einer durchgängigen Plattform. Als Brückentechnologie zwischen klassischen x86-Systemen und Quantencomputern dient der Digital Annealer. Beim Quantencomputing gibt sich das Unternehmen ambitioniert: Aktuell betreibe man einen 256-Qubit-Rechner, für das kommende Jahr sei ein Sprung auf 1.024 Qubit und kurz darauf auf 10.000 Qubit geplant. Der international renommierte Fugaku-Supercomputer erhält mit „Fugaku Next“ einen Nachfolger.
Wie diese Technologien zusammenwirken, verdeutlichte Wadwa am Beispiel der Tsunami-Frühwarnung in Japan, bei der HPC Warnungen erzeugt, KI betroffene Gebiete identifiziert und Quantentechnologie die Evakuierung optimiert.
Gute Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit und Kosten
Steigende IT-Kosten, Energiepreise, Fachkräftemangel und regulatorische Anforderungen prägen den Alltag der Zielgruppe. Zugleich verschärft das ab Juli 2026 geltende Energieeffizienzgesetz mit seiner PUE-Vorgabe die Anforderungen an Rechenzentren. Fsas antwortet mit energieeffizienter Hardware wie der zu 98 Prozent recycelbaren Greenline-Serie und Liquid-Cooling-Systemen; auch der Monaka-Chip soll bei KI-Workloads deutlich energieeffizienter arbeiten als vergleichbare Prozessoren.
Die wirtschaftliche Perspektive lieferte Gastrednerin Anja Kohl. Die Kernbotschaft der Wirtschaftsexpertin und durch „Börse vor acht“ bekannten Journalistin an Entscheider: Digitalisierung sei von einer Effizienz- zu einer Resilienzfrage geworden, und jede unterlassene Investition sei ein potenzieller Wettbewerbsnachteil. Zugleich brauche der Return on Investment Geduld – Unternehmen müssten mittel- bis langfristig denken, mitunter über eine ganze Dekade. Verlässlichkeit und Souveränität hätten ihren Preis, zahlten sich aber aus: „Verlässlich ist wertvoller als nur billig.“
Fundament für geschäftskritische Systeme
Der Primergy RX4770 M8, ein Quad-Socket-x86-System in einem 3-HE-Chassis, ist ideal für geschäftskritische Workloads, umfangreiche, Virtualisierungen und In-Memory-Datenbanken.
(Bild: Vogel IT-Medien / ewg)
Dass die Strategie nicht nur programmatisch bleibt, unterstreicht das Unternehmen mit einem Leistungsnachweis für geschäftskritische SAP-Umgebungen. Der Primergy RX4770 M8 erzielte am 1. Juni 2026 einen Weltrekord im SAP-Quote-to-Cash-Benchmark in der 4-Socket-Kategorie mit 53.500 Benchmark-Usern und einem Durchsatz von 258.200 aSAPS. Mit den Primeflex-Lösungen positioniert Fsas moderne On-Premises-Infrastruktur als Basis für SAP-Betriebsmodelle, die Kontrolle über Daten und Workloads mit planbarer Performance und Compliance-Anforderungen verbindet.
Fazit für IT-Entscheider
Die Botschaft des Summits an IT-Verantwortliche ist klar: Souveränität bedeutet nicht Autarkie, sondern die Fähigkeit, bewusst zu entscheiden, wem man Daten, Infrastruktur und damit letztlich Kontrolle anvertraut. Fsas Technologies sieht sich mit einem durchgängigen Angebot von eigener Hardware über souveräne KI-Modelle bis zur Beratung dafür gut aufgestellt. Wahlfreiheit, Resilienz und Vertrauen sind ins Zentrum seiner Strategie gerückt. Für Entscheider, die zwischen regulatorischem Druck, geopolitischer Unsicherheit und steigenden Kosten navigieren, will der Anbieter einen Bezugsrahmen liefern, in dem Investitionsentscheidungen weniger technisch als strategisch zu treffen sind.