Die Cloud als Motor der digitalen Wertschöpfung

EuroCloud nennt die 10 Cloud-Gebote für Unternehmen

| Autor / Redakteur: Andreas Weiss / Florian Karlstetter

Um die digitalen Herausforderungen der kommenden Jahre meistern zu können, kommt man um das Thema Cloud Computing kaum herum. Dabei gilt es, einige Grundregeln zu beachten.
Um die digitalen Herausforderungen der kommenden Jahre meistern zu können, kommt man um das Thema Cloud Computing kaum herum. Dabei gilt es, einige Grundregeln zu beachten. (Bild: © Love the wind - Fotolia.com)

Digitalisierung ist ein ganzheitlicher Veränderungsprozess, der uns die nächsten Jahre beschäftigen wird. Dabei geht es um Flexibilisierung und Agilität, den Entwurf neuer Arbeitsmodelle und Wertschöpfungsprozesse sowie die markt- und kundenorientierte Bereitstellung von Leistungen aller Art. Wesentliche Grundlage für all diese strategisch wichtigen Themen ist das Cloud Computing.

„Nur mittels Cloud Computing funktionieren die ganzen vielversprechenden Konzepte der neuen digitalen Wertschöpfung“, sagt Andreas Weiss, Direktor des EuroCloud Deutschland_eco e. V. und betont: „Oftmals geht es aber zunächst nicht um die ganz große Veränderung, sondern darum, Unternehmen durch Modernisierung für die Herausforderungen der kommenden Jahre zu rüsten.“

Dafür gilt es, einige wichtige Grundregeln zu beachten:

1. Klare Ziele setzen

Formulieren Sie Ihre Strategie und beschreiben Sie genau die erforderlichen Maßnahmen und Erfolgsfaktoren, denn: Wer nicht weiß, wohin er will, wird auch nie ankommen. Strategie – Design – Transformation – Betrieb ist der Regelkreis und Sie werden nicht daran vorbeikommen, diesen immer wieder neu zu prüfen und zu justieren.

2. Wahlfreiheit behalten

Auch wenn es zunächst aufwändig erscheint: Nutzen Sie mehrere Cloud-Anbieter oder wählen Sie die Unterstützung von IT-Dienstleistern mit einer Multi-Cloud-Strategie – die Vermeidung eines vollständigen Vendor-Lock-Ins sollte immer Priorität haben. Zur Orientierung gibt es umfangreiche Unterstützung, zum Beispiel durch Star Audit und die Initiative Trusted Cloud.

3. (Noch) keine binären IT-Entscheidungen treffen

Es wurde viel diskutiert, ob eine disruptive oder evolutionäre Strategie zu wählen ist, es bleibt aber eine sehr individuelle Betrachtung. Hybride Mischformen aus klassischer IT und dynamischen Cloud Services sehen viele als gangbaren Weg. Dabei sollten Sie aber vermeiden, nur das bestehende in ein neues Betriebsmodell zu überführen. Cloud-Anwendungen nutzen ganz andere Technologien, um agil, performant und ausfallsicher zu sein. Langfristig wird sich sowieso das meiste in die öffentliche Wolke verschieben.

4. Serviceorientiert denken

Lösen Sie sich von Strukturen, die Ihnen die bestehende Software vorgibt. Schauen Sie stattdessen genau, was Ihre (potenziellen) Kunden brauchen und welche Leistungen Sie im Unternehmen wirklich benötigen – das ist das Grundprinzip von Cloud Computing. Befreien Sie sich von Komplexität, denn in den meisten Fällen gehört IT nicht zum Kerngeschäft.

5. Den Blickwinkel verändern

Holen Sie sich Feedback, um neue Perspektiven für Ihre bestehenden Abläufe und Rahmenbedingungen zu gewinnen. Moderne Unternehmen bilden beispielsweise Patenschaften zwischen jungen Neueinsteigern und der Geschäftsleitung, bei denen der Chef vom Junior lernen möchte. Höre Sie genau hin, was die jungen Talente von ihrem Arbeitsplatz erwarten und nehmen Sie das Feedback ernst. Die „Digital Natives“ sind schon darauf eingestellt, ein Leben lang zu lernen, das gilt auch für Sie, wenn es um Digitalisierung geht.

6. Großes Augenmerk auf die Cyber- und Systemsicherheit richten

Mittlerweile weiß wohl jeder, dass die meisten Angriffe von außen über die Netzwerkverbindungen stattfinden – der größte Schaden aber entsteht, wenn diese Angriffe kombiniert mit der Fahrlässigkeit (bis hin zur kriminellen Energie) der Mitarbeiter erfolgen. Betrachten Sie jedes sensible System (egal, ob im Eigenbetrieb oder aus der Cloud) als angreifbares System und sichern Sie es separat ab. Verabschieden Sie sich von alten Schutzwallgedanken, denken Sie auch in Richtung Software Defined Perimeter (SDN) und nutzen Sie effektive Verschlüsselung, wo immer es geht.

7. Prozesse und Daten nach Risiko klassifizieren

Definieren Sie, für welche Bereiche hohe Sicherheits- und Überwachungsanforderungen bestehen und welche Daten bei mangelnder Absicherung signifikante Probleme (Datenschutz, Intellectual Property, Kundenhaftung) verursachen. Legen Sie auf dieser Basis das erforderliche Schutzniveau fest – entscheiden Sie, ob in den „Häusern“ eine Schließanlage für die Türen reicht oder Alarmanlagen und Panzerglas erforderlich sind.

8. Im Kleinen testen

Beginnen Sie mit kleinen Teams und überschaubaren Projekten. Verändern Sie nicht gesamte Betriebsabläufe, solange das Konzept nicht vollständig belastbar ist und die Vorteile herausgearbeitet wurden – das wäre sonst die OP am offenen Herzen.

9. Kommunizieren, wohin die Reise geht

Projektmarketing ist ein wichtiger Bestandteil, denn nicht jeder mag Veränderung. Viele Cloud-Projekte scheitern an der Abwehrhaltung der betroffenen Mitarbeiter. Planen Sie also ausreichende Ressourcen ein und binden Sie alle Stakeholder in den Prozess ein. Stellen Sie die Vorteile der Veränderung heraus, was Ihnen nur gelingt, wenn Sie sich selbst mit der Cloud vertraut machen und Fürsprecher in Ihrem Unternehmen identifizieren. Unterstützung bietet Ihnen der EuroCloud Leitfaden „Cloud Projektmarketing“.

Andreas Weiss, Direktor des EuroCloud Deutschland_eco e. V.
Andreas Weiss, Direktor des EuroCloud Deutschland_eco e. V. (Bild: HENNING GRANITZA@PHOTOETAGE / EuroCloud Deutschland)

10. Auf ausreichende Transparenz achten

Viele betrachten Cloud Computing als reine IT-Veranstaltung: Statt selbst Server und Anwendungen zu betreiben, macht es nun ein anderer. Doch die Konsequenzen sind viel weitreichender, denn Aspekte wie Datenschutz und Compliance, allgemeine Rechtsvorschriften sowie die Wahrung der Betriebsgeheimnisse müssen unter anderem beachtet werden. In erster Linie sind immer die Nutzer von Cloud-Diensten in der Pflicht, die Sorgfaltspflicht zu erfüllen. Wer nicht weiß, wo die Daten liegen, welche Dienstleister involviert sind und wie die Maßnahmen für einen sicheren Betrieb umgesetzt und kontrolliert werden, hat einen schweren Stand, wenn doch mal etwas schiefgeht.

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