Kommentar: Artegic-Vorstand mahnt zur Besonnenheit

EU-Datenschutz-Grundverordnung – Chance oder Risiko?

| Autor / Redakteur: Stefan von Lieven* / Elke Witmer-Goßner

Firmen sollten die geplante neue EU-Datenschutzverordnung nicht als Gefahr, sondern als Chance für bewussteres und sicheres Dialogmarketing begreifen.
Firmen sollten die geplante neue EU-Datenschutzverordnung nicht als Gefahr, sondern als Chance für bewussteres und sicheres Dialogmarketing begreifen. (Bild: © AlienCat - Fotolia)

Auch über ein Jahr nach Bekanntwerden der ersten Entwürfe zur neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung reißt die teils kontroverse Debatte um den europäischen Datenschutz nicht ab. Dabei malen die Kritiker riesige Schreckensbilder von steigender Rechtsunsicherheit bis zum kompletten Zusammenbruch der Wirtschaft.

0,8 bis 3,9 Prozent Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in der EU, 11 Prozent weniger Industrieexporte: das ist das apokalyptische Szenario einer Prognose der US-Handelskammer für die Auswirkungen der geplanten EU-Datenschutz-Grundverordnung auf die Volkswirtschaft in der Europäischen Union. Auf der anderen Seite wächst das Interesse der Öffentlichkeit am Datenschutz und die vermeintliche Skepsis gegenüber dem Umgang mit Daten durch Unternehmen. Zeit also, sich die Frage zu stellen, welche Auswirkungen die geplante EU-Datenschutz-Grundverordnung für deutsche und europäische Unternehmen im Online Dialogmarketing hätte und ob sie tatsächlich eine Bedrohung ist oder nicht auch Chancen auf Wettbewerbsvorteile bietet.

Dass das Thema Datenschutz an Bedeutung gewinnt, zeigt allein die Entwicklung der digitalen Wirtschaft in Deutschland, die nach einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. im Jahr 2014 einen Umsatz von ca. 120 Mrd. Euro erwirtschaften wird. Damit ist die Digitalbranche zu einem wichtigen Standbein der deutschen Wirtschaft geworden. Für Unternehmen ist Datenerfassung und -verarbeitung längst ein elementarer Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. In Anbetracht der bereits seit Jahren vergleichsweise hohen Datenschutzstandards in Deutschland, zeigt der Erfolg der deutschen Digitalwirtschaft aber auch, dass Wirtschaftlichkeit und Datenschutz keine Gegensätze sein müssen. Unternehmen brauchen jedoch klare, einheitliche Richtlinien, die auch dem internationalen Wettbewerb standhalten.

Rechtslage bringt Unsicherheit

Datenschutz genießt einen hohen Stellenwert in Europa und insbesondere in Deutschland. In der Artegic-Studie „Datenschutz im Dialogmarketing“ erkennen 83,8 Prozent der deutschen Unternehmen Datenschutz als wichtige Aufgabe. Rund drei Viertel (77,4 Prozent) sehen die Bedeutung von Datenschutz im Dialogmarketing künftig weiter steigen. Auch bei den Konsumenten ist eine steigende Sensibilisierung für das Thema Datenschutz zu beobachten. Laut einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom sorgen sich 55 Prozent der deutschen Internetnutzer um die Sicherheit ihrer Daten im Internet.

Die Artegic-Studie zeigt jedoch auch, dass Unternehmen die momentane Gesetzeslage zum Thema Datenschutz kritisch sehen. Über die Hälfte aller Befragten (54,6 Prozent) empfindet die aktuelle Rechtslage im Datenschutz als nicht transparent und verständlich. Zudem sehen nur 29,2 Prozent die Gesetze zum Datenschutz in Bezug auf das Dialogmarketing als aktuell an. Dies gilt insbesondere im internationalen Wettbewerb, wo deutsche Unternehmen auf teils sehr unterschiedliche Datenschutzrichtlinien treffen, was sowohl zu rechtlicher Unsicherheit als auch zu Mehraufwand bei der Umsetzung dieser Richtlinien führt. 69,6 Prozent plädieren daher für eine europaweite Vereinheitlichung, wie sie etwa im Rahmen der EU-Datenschutz-Grundverordnung geplant ist.

Sachliche Diskussion im Interesse des europäischen Wettbewerbs

Daten werden mehr und mehr zum Treiber des Marketings. Effizientes Marketing ohne Datenverarbeitung und weitreichende Integration von IT-Anwendungen wird in Zukunft kaum noch vorstellbar sein. Dieser Trend zeigt sich auch auf Seite der Konsumenten. Der moderne, digitale Konsument nutzt mit größter Selbstverständlichkeit Online-Kanäle wie E-Mail, Social oder Webshops und involviert dabei zunehmend persönliche Daten. Die Erfassung und Verarbeitung dieser Daten ermöglicht einerseits die präzise, service-orientierte Ansprache von Kunden und Interessenten, erzeugt aber andererseits auch Unsicherheit bei den betroffenen Nutzern. Dass Nutzer misstrauisch gegenüber datengetriebenen Unternehmen sind, ist nach den teils aufgeregt geführten öffentlichen Diskussionen verständlich und sollte von Unternehmen und Politik ernst genommen werden.

Diese Diskussionen kreisen jedoch oftmals um Extreme, wie Datenausspähungen durch Geheimdienste oder vereinzelte Missbrauchsfälle, bei denen sogar gegen diese Bestimmungen verstoßen wurde. Das Tagesgeschäft vieler Unternehmen, die unter Einhaltung der gesetzlichen Regelungen in der Praxis mit Daten arbeiten, bleibt in diesen Diskussionen meist außen vor. Hier ist eine sachliche Diskussion von Nöten, um Vertrauen und Transparenz für den Verbraucher zu schaffen. Die EU-Datenschutzverordnung kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die Leitplanken für den europäischen Datenschutz setzt und insbesondere auch klarstellt, was erlaubt ist und was nicht. Nutzer müssten – auch international – nicht mehr jedes Unternehmen einzeln auf seine Vertrauenswürdigkeit prüfen, sondern würden das Vertrauen aus dem Rechtskontext ziehen. Die neue Datenschutz Verordnung kann somit als Chance gesehen werden, klare und transparente Regeln für einen einheitlichen Wettbewerb zu schaffen, bei dem europäische Unternehmen aber auch die Verbraucher gewinnen.

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