Trovarit Studie ERP-Systeme treffen auf neue Anforderungen

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Laut einer aktuellen Trovarit-Studie bleiben ERP-Systeme aus Anwendersicht leistungsfähig. Doch Integration, Modernisierung und komplexe Softwarelandschaften erhöhen den Handlungsdruck, die ERP-Systeme an neue Anforderungen anzupassen.

Kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung: Die Trovarit-Sudie zeigt einen ERP-Markt, in dem sich vor allem die Anforderungen spürbar verändern.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung: Die Trovarit-Sudie zeigt einen ERP-Markt, in dem sich vor allem die Anforderungen spürbar verändern.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

ERP-Systeme funktionieren – doch das reicht nicht mehr. Laut der aktuellen Trovarit-Studie „ERP in der Praxis – Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven 2026/2027“ bewerteten die befragten Anwender die Leistungsfähigkeit weiterhin positiv. Zugleich verdeutlicht die Studie, dass sich ERP-Systeme weiterentwickeln müssen. Getrieben wird dies von steigenden Integrationsanforderungen, Modernisierungsdruck und immer komplexeren Softwarelandschaften.

Zur Methodik der Trovarit-Studie

Für die 13. Ausgabe der Trovarit-Studienreihe gingen 1.538 Bewertungen von ERP-Installationen in die Auswertung ein. Die Studie weist insgesamt uneingeschränkte Zufriedenheitsbewertungen für knapp 40 ERP-Lösungen aus.

Gute Noten für ERP-Software – aber steigende Ansprüche

Die ERP-Systeme erreichen 2026 im Durchschnitt die Schulnote 1,89. Die Wartungs- und Softwarepartner kommen auf 2,01. Gegenüber 2024 fallen beide Bewertungen allerdings etwas schwächer aus.

Mit einer Durchschnittsnote von 1,89 für die ERP-Software und 2,01 für die betreuenden Wartungs- und Softwarepartner bleibt die Zufriedenheit auf einem guten Niveau. Gegenüber 2024 fallen beide Bewertungen allerdings etwas schwächer aus.(Bild:  2026 Trovarit AG)
Mit einer Durchschnittsnote von 1,89 für die ERP-Software und 2,01 für die betreuenden Wartungs- und Softwarepartner bleibt die Zufriedenheit auf einem guten Niveau. Gegenüber 2024 fallen beide Bewertungen allerdings etwas schwächer aus.
(Bild: 2026 Trovarit AG)

Die Eintrübung betrifft dabei nicht alle Bereiche gleichermaßen. Kritischer bewerten Anwender insbesondere Schnittstellen, Stabilität und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Positiv entwickeln sich dagegen unter anderem Dokumentation und Anwenderunterstützung. Die Ergebnisse zeigen damit: Die ERP-Systeme erfüllen ihre grundlegenden Aufgaben weiterhin zuverlässig, während die Erwartungen an Integration, Wirtschaftlichkeit und Modernisierungsfähigkeit steigen.

Auch die Herausforderungen verschieben sich: Mit rund 23 Prozent stehen die laufenden Kosten inzwischen an erster Stelle der priorisierten Probleme im ERP-Betrieb. Schnittstellen und Integration nennen rund 19 Prozent. Mit zunehmender Unternehmensgröße gewinnen zudem Datenqualität, Release-Wechsel und Administration deutlich an Gewicht.

Nutzen von ERP bleibt klassisch, wird aber anspruchsvoller

Der wichtigste Nutzen eines ERP-Systems liegt weiterhin in seinem klassischen Kern. Für etwa 60 Prozent der Anwender ist die Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen der wichtigste Nutzenbeitrag. Rund 52 Prozent sehen einen schnellen und einfachen Informationszugriff als wesentlichen Vorteil, knapp 49 Prozent die Bereitstellung korrekter und nützlicher Informationen. Gegenüber 2024 gewinnen jedoch insbesondere Fehlerreduktion sowie Transparenz und Prozessverständnis an Bedeutung.

Mit der Unternehmensgröße verändert sich die Rolle des ERP

Gleichzeitig verändert sich die Rolle des ERP mit wachsender Unternehmensgröße. In kleineren Unternehmen arbeitet ein deutlich größerer Anteil der Beschäftigten unmittelbar mit dem ERP-System. Bei größeren Unternehmen sinkt dieser Anteil – das ERP verliert dadurch jedoch nicht an Bedeutung. Vielmehr entwickelt es sich zunehmend zum transaktionalen und prozessualen Kern einer arbeitsteiligen Softwarelandschaft, in der spezialisierte Lösungen für CRM, Business Intelligence, MES oder andere Anwendungsbereiche zusätzliche Aufgaben übernehmen.

KI ist auf der ERP-Agenda angekommen

Besonders dynamisch entwickelt sich laut der Studie das Thema Künstliche Intelligenz. Noch 2022 stuften lediglich rund 16 Prozent der Anwender KI im ERP-Kontext als hoch relevant ein. 2024 waren es bereits 29 Prozent, 2026 sind es 57 Prozent.

Dabei werden auch die Anwendungsfelder konkreter. Besonders hohe Relevanz besitzen die automatische Text- und Dokumentenerstellung sowie KI-gestützte Suche und Wissensnutzung. Auch Stammdatenpflege, Übersetzungen und teilautonome Prozessschritte durch KI-Agenten stoßen auf großes Interesse.

Zwischen Relevanz und Umsetzung klafft eine Lücke

Zwischen wahrgenommener Relevanz und tatsächlicher Umsetzung besteht allerdings noch eine deutliche Lücke:

  • Rund 41 Prozent der Unternehmen befinden sich derzeit in der Orientierungsphase und prüfen, ob und wie sie KI einsetzen wollen. Weitere 10 Prozent sind bereits in der konkreten Planung.
  • Knapp 17 Prozent nutzen KI selektiv produktiv für einzelne Use Cases.
  • Breit oder regelmäßig eingesetzt wird KI bislang nur von 1,8 Prozent.
  • 27 Prozent der Unternehmen planen derzeit keinen KI-Einsatz.

Insgesamt zeichnet die Studie damit keinen ERP-Markt im radikalen Umbruch, sondern einen Markt, dessen Anforderungen sich deutlich weiterentwickeln. Die zentrale Frage lautet zunehmend nicht mehr nur: „Was kann unser ERP?“, sondern: „Wie gut beherrschen wir das Zusammenspiel von ERP, spezialisierten Anwendungen, Daten, Integration und Modernisierung?“

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