Automatisierte Infrastruktur soll gegen Blockchain punkten

Die Cloud abseits der Hyperscaler

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Wählerischer Anbieter: Gridscale will lieber zufriedene Kunden als Kunden um jeden Preis.
Wählerischer Anbieter: Gridscale will lieber zufriedene Kunden als Kunden um jeden Preis. (Bild: © Torbz - stock.adobe.com)

Gridscale-CEO Henrik Hasenkamp fürchtet weder Blockchain noch verlorene Aufträge. Im Interview erklärt der IaaS-Experte auch ganz genau, warum er manches Kundenprojekt lieber gleich ablehnt.

Mit der weltweit einfachsten IaaS-Lösung und komplementären PaaS-Bausteinen wirbt Gridscale auf der eigenen Homepage um Geschäfts- und Endkunden. Dabei will sich der 2014 gegründete Anbieter aus Köln insbesondere von komplexen sowie unverständlichen Produkten abheben und mit einem transparenten Preismodell überzeugen. Wir haben mit CEO Henrik Hasenkamp erörtert, ob das allein für einen langfristigen Erfolg auf dem Hostingmarkt genügt.

Sie sind 2014 als Start-up gegen Hyperscaler wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud Platform angetreten. Wie erfolgreich waren Sie bisher damit?

Henrik Hasenkamp: Als Gründer von Gridscale arbeiten wir seit über 15 Jahren sehr erfolgreich in der Cloud- und Hosting-Industrie. Seit vielen Jahren registrieren wir eine hohe Nachfrage nach flexiblen IaaS- und PaaS-Angeboten, die den Kunden erlauben ihre eigene IT agiler zu gestalten. Bestehende Lösungen sind dabei oft viel zu komplex – daher treten wir mit unseren Angeboten bewusst nicht gegen Hyperscaler an, sondern fokussieren uns auf eine Kundengruppe, die sich weniger Komplexität und mehr Automatisierung wünscht. Beispiele für die Umsetzung sind unsere Autoscaling-Technologien oder unsere autonomen Algorithmen, die für höchste Verfügbarkeit und höchste Qualität von Kunden-Workloads sorgen. Unseren Erfolg messen wir dabei an unserer hohen Kundenzufriedenheit und der agilen und schnellen Weiterentwicklung der Gridscale-Technologien.

Am Ende handelt es sich bei IaaS und PaaS doch aber um austauschbare Produkte. Mit welchen Angeboten und Funktionen wollen Sie sich auf Dauer vom Wettbewerb abheben?

Hasenkamp: Langfristig ist davon auszugehen, dass sich gute Technologien standardisieren werden. Zwar arbeiten viele Angebote mit technischen Lock-ins, wir gehen aber davon aus, dass sich offene Schnittstellen durchsetzen werden. Eine Abgrenzung kann dann durch vielfältige Weise realisiert werden. Die Technologie selbst lässt einen großen Raum für Optimierungen jeglicher Art. Nehmen sie beispielsweise unsere automatisch skalierenden Platform Services, mit denen wir ein relevantes Problem bestehender Angebote gelöst haben. Und schlussendlich bieten wir unsere Technologie als White-Label-Lösung an, damit sich viele Unternehmen, wie beispielsweise Systemhäuser oder Digitalagenturen, selbst mit einer innovativen Lösung am Markt positionieren können.

Dabei sichern Sie Ihren Kunden „Zero Downtime“ zu. Kann das tatsächlich funktionieren oder haben Sie die Verfügbarkeit ihres Angebotes da etwas optimistisch aufgerundet?

Hasenkamp: Das Zero-Downtime-Versprechen bedeutet erst einmal, dass unsere Kunden, anders als bei den meisten Angeboten, von Wartungsarbeiten niemals beeinträchtigt werden. Den Beweis dazu führen wir seit nun mehr als drei Jahren. Wir rollen mehrfach wöchentlich neue Software im Live-Betrieb aus, ohne Beeinträchtigung irgendeines Services. Zusätzlich garantieren wir eine 100-Prozent-Verfügbarkeit auf unsere Services. Diese Garantie fußt auf einer äußerst innovativen Technologie zur Identifizierung von Anomalien in großen IT-Infrastrukturen. Der mathematische Beweis dieses Versprechens endet in einer Grenzfunktion gegen 100 Prozent. Für unsere Kunden heißt das: Im Störungsfall zahlen wir ab der ersten Sekunde kompromisslos zurück.

Von ihren Kunden fordern Sie im Gegenzug eine offene und zukunftsorientierte Einstellung. Zäumen Sie das Pferd da nicht von hinten auf – schließlich sind Sie doch der Dienstleister?

Hasenkamp: Wir arbeiten bei Gridscale mit modernsten Technologien, die eine Offenheit unserer Kunden und Partner erfordern. Nehmen sie einmal das minutengenaue Abrechnungsmodell verwendeter Ressourcen. Die meisten Unternehmen haben kein Problem mit schwankenden Stromrechnungen, mit schwankenden Rechnungen eines IT-Dienstleisters aber schon. Sehr häufig werden wir zudem mit IT-Strukturen konfrontiert, die in einer modernen Cloud-Umgebung einfach keinen Sinn ergeben. Wir scheuen uns nicht vor klaren Worten, vor allem auch im Sinne des Kunden. Letztlich lehnen wir auch Projekte ab, wenn wir die Gefahr eines unzufriedenen Kunden erkennen.

Wenn ich Sie richtig verstehe, führt für Sie kein Weg an der Cloud vorbei. Was macht Sie da so sicher und sehen Sie da tatsächlich keine Ausnahmen?

Hasenkamp: Ja, ganz allgemein lässt sich die Entwicklung so beschreiben. Ein spezialisierter Cloud-Anbieter wie Gridscale wird viele Herausforderungen skalierbarer IT-Infrastrukturen ökonomischer lösen können, als ein einzelnes Unternehmen. Die Argumentation fußt hier auf dem sogenannten Total Cost of Ownership (TCO) einer Problemlösung. Nehmen Sie einfach mal die Skaleneffekte beim Einkauf. Wenn wir mit unseren Kunden sprechen sind wir teilweise erschrocken, wie hoch die Preisunterschiede alleine bei der Beschaffung von Hardware sind. Es wird aber auch in ferner Zukunft noch Spezialanwendungen für ein paar hochspezifische Bereiche geben, die nicht in der Cloud laufen werden.

Mit Blockchain und P2P-Netzen könnten auch Kunden selbst künftig als Hoster auftreten – HPE und ClearNode haben kürzlich entsprechend vorkonfigurierte Server für KMU vorgestellt. Werden Sie damit auf mittlere Sicht überflüssig?

Hasenkamp: Die Frage lautet also: Werden Cloud-Infrastruktur Anbieter damit künftig überflüssig? Wir beobachten die Entwicklung blockchainbasierter Anwendungen sehr interessiert, sehen aber mit ClearNode keinerlei Kannibalisierungspotential zu den Angeboten von Gridscale. Vielmehr handelt es sich bei der ClearNode um das iPhone des Kleinstunternehmers. Heute gibt es bereits zahlreiche Lösungen in diesem Feld. Nehmen Sie nur mal den Hersteller Synology mit seinem NAS. Auch hier lassen sich komfortabel Apps installieren und Speicherplatz verwalten. Ob eine dezentralisierte Speicherlösung mittels Blockchain dann letztendlich relevante Probleme in diesem Bereich adressieren kann, bleibt abzuwarten.

Henrik Hasenkamp ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker und schon seit Jahren in der Hosting-Branche aktiv.
Henrik Hasenkamp ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker und schon seit Jahren in der Hosting-Branche aktiv. (Bild: Gridscale)

Zur Person

Henrik Hasenkamp war 2014 einer der Mitgründer des Infrastructure- und Platform-as-a-Service-Anbieters Gridscale. Als dessen CEO verantwortet er aktuell Strategie und Ausrichtung des Unternehmens.

Seine Karriere begann der Diplom-Wirtschaftsinformatiker bei der PlusServer AG. Dort war Hasenkamp fast ein Jahrzehnt tätig und arbeitete unter anderem als Produktmanager eng mit dem Vorstand zusammen. Weitere Erfahrungen sammelte er als Leiter Professional Services beim IaaS-Provider ProfitBricks und der Betreuung der Vodafone-Geschäftssparte „Cloud & Hosting Germany“. Bei der Host Europe Group verantwortete Hasenkamp als Markengeschäftsführer die Post-Merger Integration internationaler Marken.

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