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Die Verzahnung von Business und IT steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, bedauert Lüerßen: „Die IT ist noch immer eher nach innen gerichtet und soll in erster Linie die Anforderungen von Marketing und Vertrieb umsetzen.“ Es zeigt sich aber auch, dass inzwischen viele technische Hürden überwunden sind und eine gemeinsame Sprachebene gefunden wurde. Der Druck kommt eher von Seite der Konsumenten, erklärt Lüerßen. Der Kunde ist durch hohe Qualität, ein großes Angebot sowie schnelle Lieferung und zügige Rücknahmeabwicklung verwöhnt. Geschwindigkeit mit hoher Qualität zu verbinden, ist daher heute Aufgabe der IT. Damit ist auch die Technik stärker in den Vordergrund gerückt. Doch die Erwartungen steigen immer weiter: „Hohe Qualität ist Standard und es wird erwartet, dass es noch immer besser zu machen ist.“ Daher müssen schnelle Innovationszyklen mit den hohen Qualitätsanforderungen Schritt halten und eben altes schnell modernisiert werden, fordert der Lünendonk-Analyst.
Fachbereiche überrollen die IT
Ähnlich sieht es Praxmarer: Noch ist die IT wenig kundenzentrisch aufgebaut. Die meisten Unternehmen haben eine produktzentrische Architektur. Das heißt, die Grundarchitektur ist schon dahingehend falsch aufgestellt, dass sich die IT nur serviceorientiert im Hintergrund sehen muss. Hier fehlt der Kundenaspekt noch komplett. Dabei erwarten Verbraucher heute die zunehmende Verzahnung von Anwendungen, wie beispielsweise die Verknüpfung einer im Smartphone gespeicherten Kontaktadresse mit dem Navigationsgerät im Auto.
Und auch Dr. Lempp von Capgemini kann diese Beobachtung nur bestätigen. Zwar hätten die meisten Unternehmen eine stabile IT mit CRM-System, um kundenbasierte Daten und marktbasierte Daten zusammen zu bringen. An der Flexibilität, wie sie die Geschäftsprozesse aber fordern, fehlt es noch. Geschäftsbereiche sind meist die Treiber, die die IT quasi überholen. Von hier kommen die Impulse. Gute IT-Abteilungen verzahnen sich eng mit den Fachbereichen und machen die Geschäftsprozesse flexibler. „Bewegliche IT wird immer mehr auch als Wettbewerbsfaktor wahrgenommen.“
An diesem Punkt widerspricht Praxmarer jedoch: „Verstehen allein hilft oft nicht. Der Druck auf die IT wächst hin zu mehr Innovation“. Nicht Agilität oder Stabilität sei gefordert. Nur aktive Integration führe zu mehr Innovation. Daher müssten auch radikale Veränderungen im Geschäftsmodell von der IT akzeptiert werden. Die IT-Abteilungen dürfen sich nicht nur auf den Betrieb beschränken. Sie müssen lernen, die Fachbereiche zu verstehen und Verständnis aufbringen. Diese Skills aufzubauen und die Organisation zu wandeln, ist künftig die größte Herausforderung für den CTO. Anders gesagt: „Der größte Feind der Cloud ist heute noch die IT-Abteilung.“
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