Anbieter zum Thema
Die Komplexität der betriebswirtschaftlichen Seite
Bisher wurde Hardware und Software angeschafft (Systemgeschäft). Alle drei bis vier Jahre neue Rechner und Software, teure Rollouts, Entsorgung und zusätzliche Serviceverträge. Dafür werden auf der einen Seite Rückstellungen gebildet, auf der anderen Seite Abschreibungen und Auflösung von Rückstellungen dargestellt, eine klassische Erhaltungsinvestition. Es müssen ausreichend viele Softwarelizenzen mit entsprechender Lizenzkontrolle vorhanden sein, um Strafbarkeit auszuschließen. Soweit die konventionelle Seite.
Beim Cloud Computing vergüte ich meine Anbieter nach einem Nutzungsmodell. Moderne Anbieter und solche, die finanziell dazu in der Lage sind, bieten das „pay per use“-Modell an. Immer nur dann, wenn ein Dienst genutzt wird, fällt eine Zahlung an. Dabei sind die Zeitintervalle ausschlaggebend. Während sich –vor allem- große Anbieter mit Zwangs-Jahres-Abos im Markt bewegen, kommen immer mehr Anbieter mit Monats-Abos auf den Mittelstand zu. Der Vorteil für den Mittelstand liegt dann darin, dass auch Aushilfskräfte oder Freiberufler für die Dauer eines Projektes Zugriff auf die Lizenzen haben können.
Betriebswirtschaftlich wandeln sich die Rückstellungen nun in Miete. Das bedeutet eine Verbesserung der Liquidität, aber nicht zwingend eine Kosteneinsparung. Der Nachteil ist, dass man bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch mal ein- bis zwei Jahre länger mit einem Systemupgrade warten konnte. Dafür ist man im Cloud-Zeitalter immer up-to-date, doch die Liquidität dafür muss immer gewährleistet sein.
Ein weiterer Gesichtspunkt ist die bisherige Möglichkeit, eine Systemlösung bei der Bank zu finanzieren, dieses Finanzierungsinstrument entfällt im Zeitalter des Cloud Computing künftig aufgrund der konservativen Basel II/III-Kreditvergabepraktiken.
Die Komplexität des Multi Cloud Management
Im Gespräch mit dem Geschäftsführer eines modernen Handwerksbetriebes für Elektro, Klima, Heizung und Sanitär, Markus Schäfer der Firma Bonntech Hille in Bonn, stellte sich heraus, dass derartige KMU bereits mehrere Cloud-Lösungen benutzen. Und zwar bereits im Hinblick auf IoT (Internet of things)!
Bei der Fernsteuerung und Wartung von Heizungen, Solaranlagen, elektrischen Verbrauchern und der Steuerung von Smart Home kommen in diesem Betrieb herstellerbedingt etwa sechs bis zehn Cloud-Apps zum Einsatz. Zählt man die CRM, Office und ERP-Komponenten hinzu, dann sprechen wir von einer Größenordnung > zehn Clouddiensten. In jeden Dienst muss man sich einzeln einloggen, jeder Dienst rechnet unterschiedlich ab, jeder Dienst hat andere Sicherheitsstufen. Da gerät nicht nur ein Handwerksbetrieb schnell an die Grenzen der Verwaltbarkeit.
Man wünscht sich eine Konsole mit einmaligen Login, auf der die Sicherheits- und Abrechnungsparameter eingestellt werden können und mit dem ich meine persönlichen Cloudangebote -auch als Self Service für die Mitarbeiter- einfach verwalten kann. Dafür gibt es bereits Teil-Lösungen, die unter sich unter dem Begriff
iPaaS = Integration Platform-as-a-Service
sammeln. In diesem Zusammenhang taucht auch der Begriff „Cloud-Middleware“ auf, einem Dienst, der zwischen dem Nutzer und dem Cloud Provider steht.

* Der Autor Götz Piwinger ist Unternehmer, Publizist und Gründer der Initiative German Cloud. Er setzt sich für die mittelstandsfreundliche, digitale Transformation im Mittelstand unter der Maßgaben von Datenschutz und Datensicherheit ein.
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