Huaweis Achterbahnfahrt auf Gartners Hype-Zyklus

Cloud-Visionen von einer besseren Welt

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Die Huawei Eco-Connect Europe 2017 stand unter dem Motto „Go Digital – Go Cloud“.
Die Huawei Eco-Connect Europe 2017 stand unter dem Motto „Go Digital – Go Cloud“. (Bild: Srocke)

Auf der Eco-Connect Europe 2017 wollte Huawei nicht nur zeigen, wie digitaler Wandel die Welt verbessert. Zudem präsentierte sich der breit aufgestellte Technologie- und Kommunikationsausrüster selbst als Dreh- und Angelpunkt eines offenen Ökosystems.

Gemeinsam mit 2.000 Partnern, Kunden und Analysten wollte Huawei Ende Oktober die Stärke offener Ökosysteme und Industriepartnerschaften feiern. Dazu hatte der IT- und Netzwerkausrüster unter dem Motto „Go Digital – Go Cloud“ nach Berlin geladen. Auch kritische Zwischentöne konnten besonders aufmerksame Besucher im CityCube Berlin ausmachen, wenn sie denn die Fassade der oft visionären Beiträge genauer hinterfragten. Das fiel beim zumeist positiven Grundton allerdings nicht immer leicht.

Visionen und Anwendungsszenarien

So stimmte etwa Yuri van Geest, Gründer der Singularity University, auf der Keynote-Bühne ein Loblied auf exponentielle Organisationen an. Tenor des Ganzen: Die Realität ist ein permanentes Museum. Wenn sich konservative Unternehmen hier bequem einrichten, werden die Hölle auf Erden erleben und schließlich verschwinden. Experimentierfreudigen und fortschrittlichen Firmen dagegen gehöre die Zukunft.

Passend zu diesem Duktus bestieg Javier Esplugas Cuadrado mit einer AR-Brille vor der Nase die Bühne und präsentierte DHL als besonders innovatives Logistikunternehmen, das heute bereits das Morgen gestalte. Im Detail beschrieb der Vice President of IT Planning and Architecture at DHL Supply Chain beispielsweise, wie die Roboterwagen (Effibot), Indoor-Drohnen und Augmented Reality die Arbeit in den Depots effizienter gestalten. Zudem skizzierte Cuadrado die Potenziale von Blockchain-Technologie und Internet of Things.

Huawei präsentiert DHL nur allzu gern als Vorzeigekunden für NB-IoT, also die Vernetzung von Dingen über schmalbandige Mobilfunknetze. DHL nutzt die Technik, um mit Sensoren den Status von Laderampen zu überwachen und Lastwagen per App zum passenden Tor zu führen. Damit habe man die Wartezeiten halbieren können.

Eine aus Sicht von Datenschützern und Endkunden vielleicht etwas fragwürdige IoT-Anwendung beschrieb Rolf Schumann, SVP Global General Manager Platform and Innovation, SAP Cloud Platforms. Demnach sei der Sportartikelhersteller und SAP-Kunde Under Armour nun in der Lage, Kunden noch besser anzusprechen: Dank Sensoren in Schuhen und Analysen in der Cloud.

Wolkige OceanConnect-Plattform

Mit OceanConnect bietet Huawei eine IoT-Plattform an, die noch weit mehr Möglichkeiten für derlei Vernetzungsszenarien bietet. Über den Cloud-Hub sollen sich Sensoren und Anwendungen verschiedenster Partner miteinander integrieren lassen. So arbeitet etwa das zu QSC gehörende Unternehmen Q-loud derzeit daran, die eigene EnergyCam zur Energiedatenerfassung mit herkömmlichen Stromzählern in die Cloud zu bringen. Von hier aus könnten die Informationen dann an weitere Anwendungen zur Auswertung weitergereicht werden.

Der Konjunktiv stellt sich aktuell allerdings noch als ziemlicher Knackpunkt der Plattform dar. So versicherte das Standpersonal von Huawei in Berlin zwar, prinzipiell Schnittstellen zu jeder Anwendung realisieren zu können. Selbst auf mehrmaliges Nachfragen hin konnte der Anbieter vor Ort allerdings nicht ein konkretes Szenario vorführen.

Für Ernüchterung sorgten auch Auskünfte des Huawei-Partners T-Systems vor Ort. Der Anbieter setzt in seinen Rechenzentren zwar auf Hardware und den OpenStack-Ableger FusionSphere von Huawei, bietet die OceanConnect-Plattform allerdings bislang nicht als Teil der Open Telekom Cloud an. Immerhin befasse man sich intern mit dem Thema und könne OceanConnect auf expliziten Kundenwunsch wohl auch individuell aufsetzen.

Ambitionierte Pläne und Hype-Zyklus

So wundert es auch nicht, dass Huawei sich laut eigener Pressemitteilung zur Eco-Connect noch selbst in der Planungsphase seines digitalen Ökosystems sieht. Für die Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens sprechen unter anderem das intensive Werben um Partner und die OpenLab-Initiative des Herstellers: Bis 2019 will Huawei weltweit 20 dieser Entwicklungseinrichtungen betreiben, um gemeinsam mit Partnern vor Ort an kundenorientierten und innovativen Lösungen zu arbeiten.

Damit nicht genug, kündigte Huawei an, im kommenden Jahr einen eigenen AppStore sowie einen Videodienst zu starten. Hierfür sei man Partnerschaften mit 15 App- und Spiele-Entwicklern sowie zwei Anbietern von Videoinhalten eingegangen.

Kritiker können andererseits hinterfragen, ob die derzeit kommunizierten Pläne des chinesischen Anbieters nicht eine Spur zu ambitioniert sind. Denn auch hierfür gab es in Berlin Indizien. In seiner Keynote sprach Prof. Dr. Detlev Zühlke vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz nicht nur zum Thema Industrie 4.0, sondern verortete China auch gleich gemäß Gartners Hype-Zyklus. Demnach besteigen die Asiaten derzeit den Gipfel der überzogenen Erwartungen.

Werben um künftige Fachkräfte und Ideen

Nichtsdestotrotz warb Huawei mit der DigitALL Night zum Ausklang der Eco-Connect um angehende Fachkräfte. Für Schüler und Studenten der Region gab es dabei neben Vorträgen aus dem Start-Up-Umfeld auch Snacks und musikalische Unterhaltung. Überdies kämpften die Vertreter hinter sieben studentischen Geschäftsideen um den Sieg in der Connected Campus Idea Competition (CCIC). Publikum und Jury stimmten schließlich unabhängig voneinander für Eric Matamoros Morales' Ansatz zur IT-gestützten Klassifizierung von Tumoren. Auf Rang zwei folgten laut Jury Er Hai Fang und Yu Xin Liu mit der Idee eines „Smart Sniffer“ genannten, vernetzten Wearables, das seinen Träger vor Allergenen warnt. Der dritte Platz ging an Cas Verstappen und Yasmin Amel Gharib für die Weiterentwicklung des ökologischen Konzept-Pkw Lina.

Transparenzhinweis

Der Autor reiste auf Einladung Huaweis zur Veranstaltung. Der Hersteller übernahm sämtliche Reisekosten.

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