Den Kinderschuhen entwachsen Cloud-Trends, die die Zukunft prägen

Von Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martins* 6 min Lesedauer

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Die Cloud-Computing-Szene entwickelt sich geschwind weiter. Das neue Jahr 2024 steht im Zeichen mehrerer bedeutender Trends, die die Branche transformieren dürften. Eine gute Nachricht gleich zu Beginn: Cloud Computing „feuert“ auch im kommenden Jahr 2024 „auf allen Zylindern“.

Cloud Computing wird sich, befeuert insbesondere durch Künstliche Intelligenz, auch im kommenden Jahr dynamisch weiterentwickeln.(Bild:  Amgun - stock.adobe.com)
Cloud Computing wird sich, befeuert insbesondere durch Künstliche Intelligenz, auch im kommenden Jahr dynamisch weiterentwickeln.
(Bild: Amgun - stock.adobe.com)

Auf Erfolgskurs, Volldampf voraus

Die Cloud-Computing-Branche verzeichnet ein signifikantes zweistelliges Wachstum (21 % laut Statista), und zwar erfreulicherweise in mehreren Kategorien. Auf Expansionskurs sind vor allem Container-Dienste, Serverless-Funktionen, maschinelles Lernen und „althergebrachte“ Datenbanksysteme.

„KI-getrieben“: Künstliche Intelligenz ist der wichtigste Treiber der Cloud-Adoption.(Bild:  NetApp)
„KI-getrieben“: Künstliche Intelligenz ist der wichtigste Treiber der Cloud-Adoption.
(Bild: NetApp)

Der Bericht „Data Complexity Report“ von NetApp, der gerade im Oktober 2023 veröffentlicht wurde, malt für das kommende Jahr ein klares Bild einer dynamischen Großwetterlage. 98 Prozent der untersuchten Organisationen sind erst noch „inmitten ihrer Reise in die Cloud“ – und noch recht weit vom angestrebten Ziel entfernt. Viele Unternehmen brauchen Hilfe bei ihrer Migration. Die NetApp-Analysten schlussfolgern, dass das Ergebnis der internationalen Erhebung auf einen starken Bedarf an einer hybriden Multi-Cloud-Architektur hindeutet; die Implementierung ist offenbar kein leichtes Unterfangen.

Als wichtigsten Treiber der Cloud-Adoption nennen die Verantwortlichen Künstliche Intelligenz. 74 Prozent der von NetApp befragten Unternehmen nutzen ja auch bereits die Public Cloud für KI und Analytics. 72 Prozent haben generative KI im Einsatz. Doch auch andersherum wird ein Schuh draus: Bei der Frage nach dem wichtigsten Befähiger der Einführung von KI verweisen die IT-Verantwortlichen auf die Cloud. Doch während das Aufkommen von KI die Notwendigkeit für eine verstärkte Cloud-Adoption vorantreibt, befindet sich die überwiegende Mehrheit der Organisationen immer noch inmitten einer Cloud-Migration.

Erstmals im Jahre 2024 dürften die Ausgaben von Unternehmen für Cloud-Computing die stolze Marke von 1 Billion US-Dollar (Engl: $1 Trillion) überschreiten, so das Forschungsinstitut IDC in einer aktuellen Prognose. Solange Cloud Computing die KI-Adoption fördert, während der Bedarf an KI-Arbeitslasten aus allen Nähten platzt, dürfte Cloud Computing unverändert auf Wachstumskurs bleiben.

Generative KI „auf Wolke Sieben“

Die Cloud punktet bei KI-Workloads mit Hyper-Skalierbarkeit auf Abruf. Das war noch nie so wichtig wie jetzt. Mit der wachsenden Menge an Trainingsdaten nimmt typischerweise die Qualität eines KI/ML-Modells zu, frei nach dem Motto „Masse ist Klasse“. KI-Modelle wie das große Sprachmodell, das dem phänomenalen Erfolg von ChatGPT zu Grunde liegt, verschlingen dementsprechend – insbesondere in der Lernphase – riesige Datenmengen und eine enorme Rechenleistung.

Nur die wenigsten Unternehmen können zum Trainieren ihrer KI-Modelle auf eigene Infrastrukturen zurückgreifen. Sie müssen daher einen Weg finden, um diese Aufgabe im großen Maßstab zu bewältigen, ohne erst Hardware anzuschaffen. Cloud-Dienste kommen da wie gerufen.

Um leistungsstarke, massiv skalierbare KI-Modelle zu trainieren und auszuführen, nehmen Unternehmen KI-as-a-Service-Dienste in Anspruch und befreien sich dadurch von der Notwendigkeit, erhebliche hausinterne IT-Ressourcen aufzuwenden. Die resultierenden Modelle können dann nahezu überall laufen, wo wesentlich geringere Datenmengen anfallen – auch auf kleinen, vergleichsweise schwachen Endgeräten an der Edge.

Cloud-Infrastrukturen dürften im Jahre 2024 bei der „Demokratisierung“ des Zugangs zu generativer KI eine entscheidende Rolle spielen – sofern neue regulatorische Vorgaben diesen Fortschritt nicht voreilig ausbremsen.

Mit FinOps raus aus der Kostenfalle

Auch der Bericht „State of the Cloud“ von Flexera bescheinigt der Cloud ein großes Potenzial für anhaltendes Wachstum. Nicht einmal wirtschaftliche Unsicherheit vermag demnach den Siegeszug der Cloud auszubremsen. Ganz im Gegenteil: Schwache Konjunktur scheint stattdessen bloß die Priorität von FinOps (kurz für Financial Operations) anzuheben. Mit diesem Ansatz wehren sich Unternehmen vor der Kostenspirale eines leichtsinnigen bzw. unkoordinierten Cloud-Betriebs.

Cloud-Initiativen der Unternehmen konzentrieren sich darauf, die bestehende Nutzung der Cloud zu optimieren, mehr Workloads in die Cloud zu verschieben und eine Cloud-First-Strategie umzusetzen. 72 Prozent der von Flexera befragten Organisationen haben jetzt sogar ein dediziertes FinOps-Team.

Beim Umzug in die Cloud verliert die alte „Lift-and-Shift“-Mentalität immer stärker an Bedeutung. Die Cloud-Verantwortlichen sind bereit, die Ärmel hochzukrempeln und sich die Hände „schmutzig zu machen“, indem sie sogar bewährte Arbeitslasten an die Besonderheiten des Cloud-Betriebs anpassen.

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Die Analysten von Flexera führen diesen Trend auf die wachsende Bereitschaft zurück, das Kosten- und Leistungsprofil verschiedener Anwendungsarchitekturen zu berücksichtigen. Unternehmen, die nach einer geeigneten Heimat für ihre Workloads in der Cloud suchen, streben offenbar verstärkt eine ganzheitliche Optimierung ihres IT-Betriebs an.

Wofür die Cloud so alles gut ist

Im Jahr 2024 dürften viele Unternehmen auf dem Weg in die Cloud endlich „über ihren Schatten springen“; immer mehr Organisationen zeigen sich nämlich bereit, über die Zielsetzung der Kostensenkungen ihrer Cloud-Migration hinauszublicken und das wahre Potenzial der Cloud zu erkennen. Aufkommende Anwendungsfälle in allen Branchen zeigen deutlich, dass die Adoption der Cloud oft die Schlüsselentscheidung darstellt, wenn es darum geht, das Innovationstempo zu beschleunigen und mit höherer Agilität zu punkten.

Aufstieg der Cloud-Konstrukteure: Das Forschungsinstitut Gartner nennt das Aufkommen industrieller Cloud-Plattformen als einen zentralen Technologietrend des Jahres 2024. (Bild:  Gartner)
Aufstieg der Cloud-Konstrukteure: Das Forschungsinstitut Gartner nennt das Aufkommen industrieller Cloud-Plattformen als einen zentralen Technologietrend des Jahres 2024.
(Bild: Gartner)

Cloud Computing tritt hervor als Tor zu neuartigen Geschäftsmodellen. Denn transformative Technologien wie IoT/IIoT und Blockchain sind in der Cloud eben „zuhause“.

An Anwendungsszenarien mangelt es nicht. Maschinelle Lernalgorithmen kommen in der Industrie für prädiktive Wartung und die Vorhersage von Hardwareausfällen zum Einsatz. Auch die Automatisierung und Verbesserung von Betriebsabläufen können Ausgaben für Cloud-KI rechtfertigen. Das Forschungsinstitut Gartner nennt das Aufkommen industrieller Cloud-Plattformen als einen zentralen Technologietrend des Jahres 2024.

Viele der aufkommenden Anwendungsfälle verlangen Echtzeit-Analytics. Im Jahre 2024 dürften immer mehr Cloud-Nutzer mit echtzeitnaher Datenauswertung experimentieren.

Die Cloud reduziert die Notwendigkeit für direkte Investitionen in IT-Infrastrukturen. Sie verschafft Unternehmen neue Möglichkeiten zur schnelleren Evaluierung aufkommender Technologien und Geschäftsmodelle. Das bringt wiederum mehr Schwung in die strategische Neuausrichtung digitaltransformierter Organisationen.

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Die „eierlegende Wollmilch-Cloud“

Die ultimative, „eierlegende Wollmilch-Cloud“ gibt es bekannterweise nicht. Deshalb kommen Unternehmen auch nicht mit bloß einer Cloud aus.

Nur etwa 16 Prozent der Befragten haben ihre Public-Cloud-Arbeitslasten bei einem einzigen Anbieter konsolidieren können. Nahezu jedes Unternehmen aus der Flexera-Umfrage benutzt noch eine andere Cloud. Rund 70 Prozent aller Teilnehmer verbinden die Vorteile mindestens einer öffentlichen Cloud mit den Vorteilen mindestens einer privaten. 84 Prozent bezeichnen die eigene Cloud-Nutzung als „moderat“ bis „intensiv“.

Den Markt für Public Cloud dominieren nach wie vor AWS und Azure, wobei Microsoft beginnt, den Rivalen in einigen Kennzahlen um Längen zu schlagen. Azure führt unter anderem im Hinblick auf den Umsatz mit Großkunden und auf die Anzahl virtueller Maschinen an.

Bei AWS ist in vielerlei Hinsicht vorerst die Luft raus. Das Wachstum des Hyperscalers, einst bei soliden 40 Prozent pro Jahr, schrumpfte zuletzt auf rund 15 Prozent und fällt anscheinend weiter. Amazon hat seine Wettbewerbsvorteile eingebüßt, als es im Preiskrieg mit den Rivalen nicht mehr mithalten konnte. Steigende Energiekosten belasten AWS schwer. Während AWS mit dem einst rasanten Wachstum alle Hände voll zu tun hatte, investierten andere Cloud-Hyperscaler, allen voran Microsoft, in diverse Pilotprojekte mit Fokus auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Das trägt jetzt offenbar Früchte.

Ein weiterer Faktor, der die Karten im Cloud-Markt im Jahre 2024 aufmischen dürfte, ist das Aufkommen von Cloud-Föderation.

Auf in die föderierte Cloud!

Um die vielen Herausforderungen im Zusammenhang mit Cloud Computing zu meistern, zeigen sich immer mehr Organisationen bereit, neue Cloud-Modelle zu evaluieren, von hybrider Cloud-Bereitstellung über die Multi-Cloud bis hin zu föderierten Cloud-Systemen. Sie haben da offenbar keine Berührungsängste.

Das aufkommende Phänomen des Betriebs einer Multi-Cloud als einer vereinheitlichten Umgebung nennt sich Cloud-Föderation (Engl. Cloud Federation). Der Begriff bezieht sich auf die Zusammenarbeit von unabhängigen Ökosystemen mehrerer Cloud-Anbieter, um Ressourcen und Dienste über ihre jeweiligen Plattformen hinweg zu vereinen und zu teilen.

Durch diese Arrangements können Cloud-Nutzer von erweiterten Diensten sowie größerer Skalierbarkeit und verbesserter Resilienz profitieren.

Die Cloud auf Nummer Sicher? Geht doch!

Viele Unternehmen stehen dennoch vor erheblichen Herausforderungen, vor allem im Bereich der Cloud-Sicherheit und der Datenschutz-Compliance. Sicherheit bleibt mit Abstand die größte Herausforderung, gefolgt von der Komplexität der Verwaltung von Cloud-Kosten (FinOps lässt grüßen) und dem Mangel an Ressourcen. Die Sicherheitsbedenken in Bezug auf die Cloud umfassen Datenverstöße, unbefugten Zugriff, unsichere Schnittstellen und Compliance-Hindernisse technischer wie auch administrativer Natur.

Einfacher als gedacht, nachhaltiger als je zuvor

Low-Code/No-Code-Werkzeuge und intuitive Benutzeroberflächen vereinfachen zunehmend die Nutzung der Cloud, um die Technologie breiter zugänglich zu machen. So können auch technisch weniger versierte Personen eigene Cloud-Anwendungen erstellen und samt Cloud-Infrastrukturen verwalten.

Cloud-Dienstleister, allen voran Microsoft und Google, innovieren rund um die Nachhaltigkeit ihrer Dienste. Dieser Trend dürfte eine Signalwirkung auf die Tätigkeiten von Unternehmen auch jenseits der Cloud ausüben.

Fazit der Autoren

Die Cloud-Computing-Landschaft ist längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen und entwickelt sich dynamisch weiter. Die Trends des Jahres 2024 – soweit bereits absehbar – spiegeln eine Mischung aus technologischer Innovation, strategischen Transformationen und dem Streben nach einer höheren Effizienz, mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit wider. Es dürfte ein spannendes Jahr werden.

* Das Autorenduo Anna Kobylinska und Filipe Pereia Martins arbeitet für McKinley Denali, Inc., USA.

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