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Die Zukunft der Datensicherung Cloud-Backup und Hybrid-Backup

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

Die Zukunft der Datensicherung wird zu großen Teilen in der Cloud stattfinden. Cloud-Backup und Hybrid-Backup schicken sich an, die Datensicherung so automatisiert wie nie zuvor durchzuführen.

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Die Zukunft des Backups liegt nicht über, sondern in den Wolken.
Die Zukunft des Backups liegt nicht über, sondern in den Wolken.
(Bild: © kx59 - stock.adobe.com)

Die Analysten von Gartner sind Spezialisten für Backup-Services; ihre Expertise fußt auf der Untersuchung und Bewertung einer ganzen Reihe von Anbietern. So haben sie auch Trends ausgemacht: Schon heute nutzen rund 30 Prozent aller mittelständischen Firmen die Public Cloud als Speicher für Backups – Tendenz natürlich steigend! Enterprise-Unternehmen sind da vorsichtiger; aktuell sind es laut dem Analystenhaus um die 20 Prozent, die sich auf Cloud-Backups verlassen. Immer mehr schickten sich zudem an, die Daten im Backup für weitere Zwecke als nur Disaster Recovery zu nutzen; vorrangig nennt Gartner hier Testing und Entwicklung.

Bevor wir uns Cloud-Backups und Hybrid-Backups – und damit die Zukunft des Disaster Recovery – genauer ansehen, wollen wir zunächst die Begrifflichkeiten klären.

Cloud-Backup

Beim Cloud-Backup werden laut Storage-Insider-Definition „Daten über ein Netzwerk auf externen Servern gesichert“. Alternative Begriffe wären etwa „Online-Backup“, „Web-Backup“ oder „Online-Datensicherung“.

Das Sichern der Daten in der Cloud ist eine Strategie, die sich insbesondere für Unternehmen, die nicht über mehrere Rechenzentren verfügen, anbietet. Es steht effektiv unendlich viel Speicherkapazität zur Verfügung, ohne Bandmedien oder andere Speichermedien managen zu müssen. Wichtige Daten liegen damit automatisch außerhalb des Standorts und sind immun gegen Fehler, Katastrophen oder Malware-Infektionen.

Für die Datensicherung benötigen Anwender in der Regel eine Client-Software, die vom Anbieter des Backup-Services stammt. Sie läuft auf dem zu sicherndem System und sammelt und überträgt automatisch die Daten auf den Speicher in der Cloud, entsprechend den Vorgaben des Anwenders. Dabei können volle, differenzielle oder inkrementell Backups gefahren werden; zusätzlich muss die Häufigkeit der Sicherung definiert werden.

Dies wiederum definiert die benötigte Zeit und Bandbreite – ein VDSL-Anschluss mit zehn Megabit pro Sekunde im Upload kann zehnmal mehr Daten transportieren als eine herkömmliche Internetleitung. „Moderne Backup-Lösungen reduzieren die Menge der zu schützenden Daten und die damit verbundenen Speicherkosten auf verschiedene Arten“, berichtet Sabine Schilg, Vice President EMEA bei Carbonite. Sie rät zum Einsatz von Datenreduktionstechniken wie Deduplizierung und Komprimierung. Sicherheitsmaßnahmen wie etwa Virenscanner, Access & Identity Management oder Verschlüsselung dürfen natürlich auch nicht fehlen, das versteht sich aber von selbst.

Gerne wird Cloud-Backup auch als Backup-as-a-Service oder Disaster-Recovery-as-a-Service offeriert. Dabei wird am Standort ein Backup der betreffenden Daten in einem speziellen Repository angelegt. In regelmäßigen Intervallen speichert der Service dann dieses Repository ab. Auch hier kommt es darauf an, welche Parameter der Anwender vorgibt.

Hybrid-Backup

Hybrid-Backup beschreibt Backups sowohl in lokalen Ressourcen als auch in der Cloud. Das eben erläuterte Cloud-Backup ist also ein integraler Bestandteil von Hybrid-Backup. Der Vor-Ort-Speicher, zum Beispiel eine netzwerkgebundene Storage-Appliance, ist in vielen Fällen das primäre Backup-Ziel und wird genutzt, wenn für das Disaster Recovery schnell auf kritische Daten zugegriffen werden muss.

Bessere Backup-Appliances enthalten Virtualisierungstechnologien, durch die eine Appliance vorübergehend an die Stelle eines ausgefallenen Servers treten kann. So ist der Betrieb innerhalb weniger Minuten wiederherstellbar, während das IT-Team nach einer dauerhafteren Lösung für das ausgefallene System sucht. Das greift natürlich nur, wenn nicht gleich das ganze Rechenzentrum abgebrannt ist.

In so einem so großen Katastrophenfall zahlt sich die 3-2-1-Backup-Regel aus, die vorgibt, dass mindestens drei Gesamtkopien der zu sichernden Dateien angelegt werden müssen – zwei davon lokal, aber auf verschiedenen Medien, und mindestens eine Kopie außerhalb des Standortes, gerne in der Cloud.

Da das Replizieren von Daten, die in herkömmlichen lokalen Rechenzentren auf einem dedizierten Speichersystem vor Ort gespeichert sind, in ein sekundäres Rechenzentrum mühsam und teuer sein kann, ist das Auslagern von Backup-Daten in die Cloud eine naheliegende und logische Folge. Darüber hinaus können Cloud-Backup-Services Unternehmen ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, schnellere Recovery-Zeiten und niedrigere Kosten bieten. Selbstredend müssen die Daten zwischen den verschiedenen Backups permanent synchronisiert werden, sodass die Daten übereinstimmen.

Erfüllung gesetzlicher Vorgaben

Der hybride Backup-Ansatz erweist sich auch und nicht zuletzt als sehr nützlich, wenn die Speicherung von Archivdaten wegen Compliance und anderer rechtlicher Vorgaben ein Muss ist. Ältere Backups können dafür in die Cloud migriert werden, wodurch Speicherplatz auf der Appliance frei wird.

Der Backup-Spezialist SEP weist zusätzlich darauf hin, dass IT-Leiter mit einem Hybrid-Backup nicht aus der Pflicht genommen werden. Der Cloud-Provider stellt lediglich den Speicherplatz zur Verfügung, die Verantwortung für den Schutz der Daten bleibt aber beim Anwender! „Viele Anbieter weisen in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen explizit darauf hin, dass der Nutzer selbst für das Backup verantwortlich ist. Die Risiken für die Datenhaltung sind gleich wie bei der lokalen Datenhaltung im Rechenzentrum“, fasst SEP zusammen.

Zu bedenken ist schließlich auch, in welchem Land die Cloud lokalisiert ist, die das Backup beherbergen soll. Viele deutsche und europäische Firmen sind durch rechtliche Vorgaben dazu gezwungen, nur Rechenzentren auf deutschem oder europäischem Boden zu nutzen.

Hybrides Backup hybrider Umgebungen

Nicht nur ein Backup-System kann hybrid aufgestellt sein, auch die IT-Infrastruktur in immer mehr Unternehmen ist hybrid aufgebaut. Die gebräuchlichste Variante der Hybrid Cloud ist nach wie vor die Erweiterung der bestehenden IT-Umgebung auf zusätzliche externe Rechen- und Speicherressourcen.

In einer gut aufeinander abgestimmten, interoperablen Konfiguration lassen sich die Vorteile unterschiedlicher Cloud-Service-Modelle nutzen – von Private Clouds, gerne On-Premises, bis hin zu externen Clouds; in zunehmendem Maße sind dies Public Clouds von Hyperscalern wie AWS oder Google. Darauf muss das Backup reagieren und Daten aus den unterschiedlichsten Umgebungen sammeln können.

Voraussetzung dafür ist, dass das Backup Support für unterschiedliche Hypervisoren bietet, etwa VMware, Hyper-V, Citrix oder XenServer. Auch sämtliche Datenbanken müssen konsistent gesichert und gegebenenfalls wiederhergestellt werden. Zudem benötigt man die Unterstützung aller gängigen Betriebssysteme wie Windows, Linux, Unix, MAC & Novell NetWare.

AWS beispielsweise definiert Hybrid-Backup als das Absichern von Unternehmensumgebungen, bestehend aus Cloud, lokalen Rechenzentren und Edge-Standorten – aus Sicht von Amazon leuchtet das ein. Man offeriert, lokale Netzwerk-, Sicherheits-, Speicher- und Zugriffssteuerungsinfrastrukturen für Backup und Disaster Recovery nahtlos zusammenzuführen.

Anbieter von Hybrid-Backup

Unter anderen hat Gartner die vielen verschiedenen Hybrid-Backup-Anbieter genauer untersucht. Zu nennen wären auszugsweise Actifio, Arcserve, Commvault, Dell EMC, HPE, IBM, Rubrik, Unitrends, Veeam und Veritas. Für Deutschland wird die SEP AG als Marktführer ausgewiesen. Mittlerweile offerieren auch die einschlägigen Hyperscaler wie AWS, Google und Microsoft eigene Cloud-Backups, sind aber naturgemäß nicht für lokale Backups zuständig.

Fazit

Es sprechen gute Gründe für ein Cloud-Backup beziehungsweise ein Hybrid-Backup. Der vielleicht überzeugendste Vorteil ist dabei – wie immer beim Einsatz von Cloud-Ressourcen – die Unabhängigkeit von eigener Hardware. Ein Cloud-Backup verringert generell den Aufwand, den ein Unternehmen für die Datensicherung betreiben muss. Auch werden dadurch Ressourcen im IT-Team für andere Aufgaben frei. Dies ist besonders in Zeiten wie diesen mit ihrer großen Personalknappheit ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Im Vergleich zu On-Premises-Lösungen sichern Cloud-Backup und Hybrid-Backup zudem besser gegen Katastrophenfälle auf dem Firmengelände ab. Es hat eben seine Gründe, warum Cloud-Backup und Hybrid-Backup die Zukunft des Backups generell darstellen.

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Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

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Journalist