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Datendrehscheibe für das Tourismusmarketing BayernCloud soll Touristen-Ströme lenken

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Urlaub in Deutschland boomt dank Corona, besonders in Bayern stauen sich die Besuchermassen. Eine „BayernCloud“ soll die Ströme lenken helfen.

Der Besucherandrang stellt den bayerischen Tourismus vor große Herausforderungen.
Der Besucherandrang stellt den bayerischen Tourismus vor große Herausforderungen.
(Bild: gemeinfrei© Felix Mittermeier / Pixabay )

Der Besucherandrang stellt den bayerischen Tourismus vor große Herausforderungen – Almwege sind überlaufen, Badeseen zugeparkt, vor den Bergbahnen kommt es zu längeren Warteschlangen als vor der Berliner In-Disco Berghain noch vor einem Jahr. Insbesondere an Wochenenden sind bei schönem Wetter Zufahrtstraßen und Parkplätze überfüllt. Aber auch Probleme mit dem Umgang mit der Natur oder mit der Sicherheit sind die Folge.

Ein Forschungsprojekt namens BayernCloud soll Abhilfe schaffen. Sie gibt den Besuchern Antworten auf Fragen wie „Welche Hütten haben noch freie Sitzplätze?“, „Wie lange sind die Wartezeiten an der Gondel?“ Wo sind noch Parkplätze frei?

„Aktuell ist es für Hüttenbetreiberinnen und Hüttenbetreiber noch sehr umständlich und aufwändig, tagesaktuell über Öffnungszeiten zu informieren. Dementsprechend ist es schwierig ist für Gäste, diesbezüglich verbindliche Informationen zu erhalten. Ziel ist es hier etwa, eine digitale Umgebung zu schaffen, in welcher Hüttenbetreiberinnen und Hüttenbetreiber quasi per Knopfdruck darüber informieren können, ob sie heute geöffnet haben oder nicht.“ Stefan Egenter, Allgäu GmbH.

Modellregion Allgäu als Vorreiter

Konkrete Beispiele aus der Modellregion Allgäu zeigen bereits das zukunftsweisende Potenzial: Mit dem „Ausflugsticker Bayern“ wurde letzten Monat bereits ein Online-Angebot vorgestellt, mit dem sich Urlaubsgäste und einheimische Tagesausflügler über die aktuelle Auslastung bei den Sehenswürdigkeiten informieren können, aber auch Inspirationen für noch unentdeckte Schätze erhalten. Denn auch bisher weniger stark besuchte Ziele haben durch den Ausflugssticker die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings müssen die Informationen aktuell noch händisch eingepflegt werden – die Daten sind somit nicht immer topaktuell.

„Die geplante ‚BayernCloud Tourismus‘ geht einen Schritt weiter und soll in Zukunft zur Datendrehscheibe für das Tourismusmarketing und Destinationsmanagement werden“, so der Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. „Sie vernetzt die Akteure der Tourismusbranche untereinander und stellt ihnen praxisrelevante Informationsquellen in Echtzeit zur Verfügung. Der Datenaustausch wird erleichtert: Informationen müssen vom Datenanbieter wie dem Veranstalter nur einmal eingegeben werden und erscheinen dann automatisch in Echtzeit auf den Webseiten der Tourist-Informationen oder in den Veranstaltungskalendern anderer Anbieter.“

Die cloud-basierte Datenplattform wird unter der Leitung von fortiss, dem Landesforschungsinstitut des Freistaats Bayern für software-intensive Systeme, entwickelt. Dabei handelt es sich nicht um eine Endanwendung oder App, denn als Forschungsinstitut entwickelt fortiss keine marktfähigen Lösungen. „Es entsteht eine Referenzarchitektur“, bringt Norman Schaffer von fortiss das Projekt auf den Punkt, „eine Art Blaupause zum Aufbau einer Backend-Infrastruktur, mit der Daten zentral gebündelt, kategorisiert und verfügbar gemacht werden können, um diese für Apps und andere Anwendungen, wie Widgets, nutzbar zu machen.” Daten, die in vielen Fällen zunächst einmal digitalisiert werden müssen.

Völlig neue Kombinationen und Einsatzfelder

Auch hierbei will die bereits 2017 gestartete BayernCloud Pionierarbeit leisten und die Zukunftsfähigkeit des bayerischen Tourismus und anderer Branchen fördern. Die marktfähige Ausarbeitung bleibt den Unternehmen überlassen – die aber mit der BayernCloud auf eine große Vielfalt und Vielzahl an Daten zugreifen und je nach unternehmerischer Kreativität völlig neue Kombinationen und Einsatzfelder samt passenden Anwendungen generieren können. Im Ergebnis können so insbesondere kleine und mittelständische Betriebe von zukunftsfähigen und anwenderfreundlichen digitalen Lösungen profitieren, die sie wie ein „Datennavi“ dabei unterstützen, Informationen abzurufen und bereitzustellen.

„Die BayernCloud wird kleinen und mittelständischen Betrieben Informationen bereitstellen und ihnen die Möglichkeit bieten, Daten auszutauschen. Denn Daten sind in vielen Fällen bereits vorhanden, aber dezentral und unzugänglich abgelegt“, so Prof. Dr. Helmut Krcmar, TU München. „Der Tourismus dient als erstes Anwendungsfeld. Durch unseren flexibel ausgerichteten Systemaufbau und die Nutzung von Open-Source-Technologien entsteht ein digitales Baukastensystem, das selbstverständlich auch auf andere Branchen und Bereiche übertragen werden kann.“

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Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

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Journalist