Lünendonk-Studie 2019

Bald kommen 50 Prozent der IT aus der Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Perspektivisch planen 72 Prozent der IT-Entscheider Teile ihrer IT-Landschaft in die Hybrid Cloud zu verlagern.
Perspektivisch planen 72 Prozent der IT-Entscheider Teile ihrer IT-Landschaft in die Hybrid Cloud zu verlagern. (Bild: gemeinfrei, kalhh / Pixabay)

Ein Meilenstein ist in greifbarer Nähe: Mittlerweile beziehen Unternehmen ihre IT zu 46 Prozent aus der Cloud. Das geht aus der neuen Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland“ hervor. Dahingegen sinke der Anteil der aus dem klassischen Rechenzentrumsbetrieb bezogenen IT-Ressourcen auf nur noch 54 Prozent.

Perspektivisch planten 72 Prozent der von Lünendonk & Hossenfelder befragten IT-Entscheider Teile ihrer IT-Landschaft in die Hybrid Cloud zu verlagern. Lediglich 15 Prozent der Studienteilnehmer setzten weiterhin ausschließlich auf klassisches On-Premise-Sourcing. Mit dieser Entwicklung einher gehe ein steigender Bedarf an Beratungsleistungen rund um die digitale Transformation und Cloud-Sourcing. Acht von zehn der untersuchten Unternehmen wollten hier ihre Ausgaben im laufenden Geschäftsjahr für externe Beratungsleistungen zur Entwicklung und Umsetzung von IT-Sourcing-Konzepten erhöhen.

Cloud und On-Premise werden künftig nebeneinander existieren

„Bei der Frage, ob Cloud oder On-Premise, wird es kein entweder/oder geben. Beide Deployment-Modelle werden künftig mehr oder weniger nebeneinander existieren, auch da es in einigen Fällen aus Kostengründen oder aufgrund regulatorischer Anforderungen keinen Sinn macht, in die Cloud zu gehen“, sagt Mario Zillmann, Partner des Marktforschungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder. „Die Herausforderung wird für viele Unternehmen daher sein, die Cloud-Welt mit der On-Premise-Welt zu einer Hybrid Cloud zu verknüpfen.“

Hybride IT-Landschaften verändern die IT-Abteilung

Der Trend zu hybriden IT-Landschaften verändere die Aufgaben der IT-Abteilung und die Anforderungen der IT-Organisation sehr stark. 89 Prozent der befragten IT-Entscheider sähen daher im Management der hybriden Bereitstellungsmodelle sowie in der steigenden Komplexität im IT-Betrieb zwei zentrale Herausforderungen, die es zu bewältigen gelte. „Denn die IT ist nicht mehr nur für stabile Prozesse und die IT-Arbeitsplatzumgebung verantwortlich, sondern vielmehr zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sowie von Produkten und Services“, so Zillmann.

Aus diesem Grund richteten 80 Prozent der befragten Unternehmen ihre IT-Organisation neu aus. Dazu gehöre vor allem die Umstellung auf agile Methoden und die damit verbundene engere Zusammenarbeit mit den Fachbereichen. Während die IT-Abteilung zu 100 Prozent bei der Planung von IT-Sourcing-Projekten mitspräche, sei mittlerweile auch jeder zweite Fachbereich (51 Prozent) involviert.

„Immer mehr Fachbereiche digitalisieren und modernisieren ihre Prozesse mit Hilfe von innovativen Softwaren-Lösungen, Automatisierungs-Tools sowie der Verlagerung von Prozessen in die Cloud“, sagt Zillmann. Weiterhin entstünden immer mehr softwarebasierte Geschäftsmodelle, beispielsweise rund um das Internet of Things (IoT) und Mobile Commerce. „Hier wird die zunehmende Bedeutung von Software und der IT als Umsetzungspartner von Business-Strategien im Zuge der digitalen Transformation deutlich.“

Cloud-Projekte haben Beratungsbedarf

Mit 61 Prozent seien IT-Sourcing-Berater häufig in die Projektplanung einbezogen. So sei der Bedarf vor allem bei der ERP-Transformation und dem Aufbau von hybriden Cloud-Strukturen zur Orchestrierung der einzelnen Deployment-Modelle besonders hoch. Speziell bei Cloud-Projekten benötigten die befragten IT-Manager externe Unterstützung. Für 78 Prozent bestehe demnach erhöhter Beratungsbedarf bei Fragen rund um Datenschutz- und Datensicherheit. Als zweitwichtigsten Bereich nannten die Befragten den Aufbau einer Cloud-Architektur (73 Prozent), änderten sich beim Cloud-Deployment doch nicht nur die Lizenzmodelle, sondern vor allem die Unternehmensprozesse. „Da Cloud-Lösungen häufig einen unmittelbaren Business-Bezug haben, müssen beispielsweise die Fach- und die IT-Prozesse deutlich enger miteinander verzahnt werden“, erläutert Mario Zillmann.

Anwender entscheiden sich häufig für Full-Service-Ansatz

Jeder zweite Studienteilnehmer gab an, künftig mit Beratungen zusammenarbeiten zu wollen, die das gesamte Spektrum der IT-Sourcing-Beratung abdecken. „Diese Entwicklung bedeutet vor allem für die Vielzahl kleiner und mittelgroßer IT-Sourcing-Beratungen, dass sie sich thematisch um neue Skills erweitern und mit Fachkräften in Themen wie IT-Security und Cloud-Sourcing verstärken, aber auch spezielles Know-how in Technologien wie intelligente Automatisierung oder IoT aufbauen müssen“, so Zillmann.

Dennoch könnten die IT-Sourcing-Berater weiter positiv in die Zukunft schauen. Der Bedarf der großen mittelständischen Unternehmen und Konzerne an Beratungsleistungen rund um IT-Sourcing-Themen sei 2019 erneut gestiegen. Das spiegle sich auch in den Ausgaben für IT-Sourcing-Beratung wider, die 79 Prozent der befragten Unternehmen erhöhen wollen – elf Prozent sogar um mehr als zehn Prozent.

Zur Lünendonk-Studie

Die Studie 2019 entstand in Zusammenarbeit mit Datagroup und HDP Management Consulting. Sie gibt einen Überblick über die Sourcing-Strategien von 102 Großunternehmen und Konzernen und beleuchtet deren organisatorischen und technologischen Fortschritte im Zuge des digitalen Wandels. Zusätzlich wurden für die Studie 29 der führenden IT-Sourcing-Beratungen befragt.

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