AWS und Google Cloud arbeiten an einer gemeinsamen Multicloud-Netzwerklösung. Die beiden Hyperscaler kündigten an, damit eine der größten Hürden moderner Cloud-Architekturen beseitigen zu wollen: die bislang aufwändige, manuelle und oft wochenlange Kopplung verschiedener Hyperscale-Infrastrukturen.
Die Kopplung der Systeme von AWS und Google Cloud soll dazu führen, dass Unternehmen private Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen beiden Cloud-Umgebungen in wenigen Minuten bereitstellen können.
Der neue Dienst kombiniert „AWS Interconnect – multicloud“ mit Googles „Cross-Cloud Interconnect“ und soll private Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen beiden Plattformen in wenigen Minuten bereitstellen. Mit Salesforce nennt der offizielle Blogpost zudem ein prominentes Unternehmen, das die neue Lösung bereits nutzt.
Die Ankündigung markiert einen strategisch bemerkenswerten Schritt in einem Markt, der bisher von Wettbewerbssilos geprägt war.
Ein Durchbruch für Multicloud-Architekturen
Multicloud-Strategien haben sich in den vergangenen Jahren zum De-facto-Standard in vielen Unternehmen entwickelt. Doch während Workloads zunehmend verteilt laufen, blieb die Vernetzung zwischen den Hyperscalern ein technisches Problemfeld. Kunden mussten physische Leitungen, Router, Carrier und umfangreiche Netzwerk-Konfigurationen selbst organisieren – ein Prozess, der enorme Ressourcen band und oft Monate in Anspruch nahm. Sowohl AWS als auch Google Cloud räumen ein, dass diese „Do-it-yourself“-Ansätze die Skalierbarkeit und Sicherheit vieler Architekturen bremsten.
Mit der nun vorgestellten Kooperation wollen beide Anbieter die Interoperabilität ihrer Clouds grundlegend vereinfachen. Die Lösung basiert auf einem gemeinsam entwickelten, offenen API-Standard, der auch anderen Cloud-Anbietern zur Verfügung steht. Kunden können künftig über ihre gewohnte AWS- oder Google-Konsole private Verbindungen aufbauen, Bandbreite flexibel zuweisen und die Anbindung automatisiert verwalten. Das Modell verabschiedet sich damit von schwerfälliger physischer Infrastruktur und führt erstmals eine vollständig cloud-native Herangehensweise an Multicloud-Networking ein.
Interoperabilität – der EU Data Act macht sie zur Pflicht
Interoperabilität gewinnt durch den EU Data Act weiter an Bedeutung, weil Unternehmen künftig nicht mehr dauerhaft an einen einzelnen Cloud-Anbieter gebunden sein sollen. Der Data Act verpflichtet Provider, den Wechsel zwischen Clouds technisch und vertraglich zu erleichtern, Lock-in-Effekte abzubauen und Daten portabel zu machen. Dafür braucht es standardisierte, sichere und reibungslose Verbindungen zwischen Plattformen. Nur wenn Clouds interoperabel sind, können Unternehmen ihre Daten und Workloads flexibel bewegen und die im Data Act vorgesehenen Rechte tatsächlich nutzen.
Salesforce setzt früh auf das neue Modell
In der Branche gilt AWS als zurückhaltend, wenn es um direkte Kooperationen mit anderen Hyperscalern geht. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Initiative auf Ebene der Netzwerkinfrastruktur stattfindet, dem Kernbereich jeder Cloud-Plattform. Google Cloud hingegen verfolgt seit längerem eine Strategie, die stärker auf Offenheit und Multicloud-Interoperabilität setzt. Das Unternehmen bewirbt sein Cross-Cloud-Network als zentralen Baustein für heterogene Cloud-Landschaften. Die nun kolportierte Zusammenarbeit bietet beiden Unternehmen strategische Vorteile: AWS könnte die Multicloud-Fähigkeiten für seine Kunden deutlich ausbauen, während Google Cloud als Enabler offener Cloud-Architekturen auftreten kann.
Besonders aussagekräftig ist das Testimonial aus dem Google-Blog: Demnach bestätigt Salesforce, dass es die neue Lösung für die Integration seiner Data-360-Plattform nutzt. Dass ausgerechnet Salesforce als erster Nutzer genannt wird, passt zur Cloud-Strategie des CRM-Anbieters. Salesforce betreibt seine Services in mehreren Hyperscaler-Umgebungen, darunter AWS, Google Cloud und Microsoft Azure. Eine schnellere und stabilere private Vernetzung zwischen AWS und Google könnte dem Unternehmen ermöglichen, Datenflüsse effizienter zu orchestrieren, Latenzen zu reduzieren und Services dynamischer zwischen Plattformen zu verschieben. Jim Ostrognai, SVP Software Engineering bei Salesforce, betont, dass „AWS Interconnect - multicloud“ nun dieselbe Einfachheit biete wie interne AWS-Ressourcen und dass die „native, verschlankte Erfahrung“ die Nutzung vertrauenswürdiger Daten über Cloud-Grenzen hinweg beschleunige.
„AWS Interconnect - multicloud“: Neuer Baustein für schnelle Cloud-Verbindungen
AWS hat erst vor wenigen Tagen die Preview von „AWS Interconnect - multicloud“ vorgestellt. Der Dienst soll erstmals einfache, private Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu anderen Cloud-Anbietern ermöglichen, zunächst zu Google Cloud und ab 2026 auch zu Microsoft Azure. Bislang mussten Unternehmen solche Verbindungen in aufwändiger Eigenregie aufbauen und komplexe globale Netzwerke managen. Mit „Interconnect - multicloud“ führt AWS ein speziell entwickeltes Produkt ein, das dedizierte Bandbreite, eingebaute Resilienz und eine schnelle, sichere Kopplung zwischen Amazon-VPCs und anderen Cloud-Umgebungen bereitstellen soll. Die Anbindung von AWS-Diensten wie Transit Gateway, Cloud WAN oder VPC könnte sich damit in Minuten statt in Wochen herstellen lassen. Die Preview ist bereits in fünf Regionen verfügbar, und dank eines offenen API-Pakets sollen auch andere Cloud-Anbieter das Modell leicht übernehmen können.
Weniger Komplexität, mehr Automatisierung
Die technische Neuerung der gemeinsamen Lösung besteht darin, die klassische Netzwerkinfrastruktur zu abstrahieren. Statt Carrier zu beauftragen oder Leitungen physisch bereitzustellen, nutzen Kunden eine verwaltete Architektur, die direkt in die Cloud-Plattformen integriert ist. Routing, Adressierung und Kapazitätsplanung laufen automatisiert ab, während dedizierte Bandbreite nun innerhalb weniger Minuten provisioniert werden kann.
Damit setzen AWS und Google Cloud genau an dem Punkt an, den Anwendende lange als Schwachstelle identifizierten: Multicloud war strategisch attraktiv, operational jedoch oft schwerfällig.
Die Anbieter betonen, dass Zuverlässigkeit und Sicherheit zentrale Designprinzipien waren. Die Infrastruktur ist quad-redundant aufgebaut, verteilt auf physisch getrennte Interconnect-Standorte und Router-Pfade. Beide Unternehmen überwachen die Systeme dauerhaft und lösen potenzielle Störungen proaktiv. Die Verbindung zwischen den Edge-Routern von AWS und Google ist durch MACsec verschlüsselt – ein Industriestandard, der hardwarebasierte Sicherheit bereitstellt und insbesondere bei kritischen Datenflüssen zum Einsatz kommt.
Ein Signal für mehr Offenheit im Cloud-Markt?
von Elke Witmer-Goßner
Robert Kennedy von AWS spricht in der Ankündigung von einem „fundamentalen Wandel“, der Kunden von physischer Komplexität befreie und Interoperabilität in den Mittelpunkt stelle. Google-Cloud-Manager Rob Enns ergänzt, dass die Kooperation die Vision eines offenen Cross-Cloud-Networks weiter vorantreibe. Mit der Publikation des API-Standards öffnen beide Anbieter den Weg für weitere Partner – ein Schritt, der langfristig sogar die Marktstruktur beeinflussen könnte. Multicloud könnte damit weniger ein technisches Hindernis und stärker ein strategisches Gestaltungsmittel werden. Mit dem gemeinsamen Netzwerkdienst heben AWS und Google Cloud die Interoperabilität ihrer Plattformen auf ein neues Niveau. Was früher Wochen dauerte, könnte sich nun in wesentlich kürzerer Zeit umsetzen lassen. Gleichzeitig stellt die Kooperation ein bemerkenswertes Signal für eine Branche dar, die bisher stark durch Konkurrenzdenken geprägt war. Wenn zwei der größten Hyperscaler beginnen, eine gemeinsame Infrastruktur zu betreiben, könnte das die Multicloud-Strategien vieler Anbieter neu ausrichten und den Druck auf Drittanbieter im Connectivity-Bereich erhöhen. Der Markt könnte sich somit in eine Richtung bewegen, die sich viele Unternehmen seit Jahren wünschen und die auch vom Gesetzgeber (siehe EU Data Act) gefordert wird: echte, standardisierte und einfach nutzbare Konnektivität über Hyperscaler-Grenzen hinweg.
(ID:50647873)
Stand: 08.12.2025
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