Prozessmanagement-Anbieter Signavio wird übernommen „Abheben mit SAP“ für eine einfachere Cloud-Migration

Autor: Elke Witmer-Goßner

„Rise with SAP“ – ein schönes Motto für ein neues Angebot, um Unternehmen für Cloud-ERP zu erwärmen. Im neuen Geschäftsjahr soll SAP S/4HANA deutlich attraktiver für Umsteiger und Neukunden werden.

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„Rise with SAP“ soll den Wechsel in eine Cloud-Umgebung attraktiver machen, indem bisher On-Premises laufende Systeme ohne Funktionsverluste auf eine subskriptionsbasierte Cloud-Abrechnung umgestellt werden können.
„Rise with SAP“ soll den Wechsel in eine Cloud-Umgebung attraktiver machen, indem bisher On-Premises laufende Systeme ohne Funktionsverluste auf eine subskriptionsbasierte Cloud-Abrechnung umgestellt werden können.
(Bild: © beeboys - stock.adobe.com)

Dass die erwarteten Erträge aufgrund der Corona-Krise nicht zu erfüllen waren, hatte sich bereits während des Geschäftsjahrs abgezeichnet. Entsprechend war der Ausblick bereits angepasst worden. Der aktuelle Geschäftsbericht zeigt: Die Umsatzziele für 2020 wurden übertroffen, die Cloud-Erlöse (Non-IFRS) steigen währungsbereinigt um 18 Prozent im Gesamtjahr 2020.

Vor allem im vierten Quartal 2020 konnte SAP im Cloud-Geschäft noch Fahrt aufnehmen. 900 neue SAP-S/4HANA-Kunden kamen hinzu. Somit stieg die Gesamtzahl der Cloud-ERP-Kunden gegenüber der Vorjahresperiode um 16 Prozent auf rund 16.000, etwa 40 Prozent davon waren Neukunden.

Wechsel in die Cloud soll attraktiver werden

SAP will mit dem am 27. Januar 2021 vorgestellten neuen Angebot „Rise with SAP“ neue Cloud-Gewinne und Geschäftsimpulse ziehen. Kunden sollen es künftig leichter möglich sein, ihre geschäftskritischen Systeme in die Cloud zu verlagern und ihr Unternehmen neu auszurichten.

Kein geringerer Anspruch, als die geschäftliche Transformation von Unternehmen zu revolutionieren, steht hinter dem neuen SAP-Konzept, wie Vorstandssprecher Christian Klein in einer eigens angesetzten Keynote zur Einführung verkündete. Hinter „Rise with SAP“ steht „Business Transformation as a Service“, ein ganzheitliches Paket, das mit einer vereinheitlichten Subskriptionsgebühr bereitgestellt wird, damit Unternehmen ihre Geschäftsprozesse schnell anpassen können. Zusammen mit dem Partnernetzwerk will SAP schnelle Time-to-Value und Flexibilität bieten, damit Kunden beim digitalen Wandel auch ohne hohe Vorabinvestitionen erfolgreich sein könnten.

„Geopolitische Spannungen, ökologische Herausforderungen und die anhaltende Pandemie zwingen Unternehmen dazu, sich schneller als je zuvor mit Veränderungen ihrer Geschäfte auseinanderzusetzen“, sagte Klein. Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse schnell anpassen könnten, gehörten dabei zu den Gewinnern. Genau darum ginge es: „Wir helfen Kunden, Geschäftsabläufe in der Cloud neu zu erschließen und damit dem Wettbewerb in ihrer Branche voraus zu sein.“

„Rise with SAP“ ist ein Angebot inklusive Einzelvertrag, das jedem Kunden einen Weg zum intelligenten Unternehmen eröffnen soll, unabhängig von Startpunkt oder Komplexität. Bei Angeboten auf Abonnementbasis, soll es einen einzigen zuständigen Vertragspartner für Service Level Agreement (SLA), Betrieb und Support geben. Der ganzheitliche Ansatz werde Unternehmen helfen, ihr Geschäft grundsätzlich zu verändern, verspricht SAP. Kernkomponenten dabei sind Business Process Intelligence, technische Migration und der Aufbau eines intelligenten Unternehmens.

SAP übernimmt Signavio

Business Process Intelligence basiert auf dem Geschäftsmodell- und Prozessfachwissen von SAP als Ergebnis der Zusammenarbeit mit über 400.000 Kunden in 25 Branchen. Kunden können kontinuierlich analysieren, wie Prozesse funktionieren, sie mit Branchenstandards vergleichen und ganz einfach an neue Voraussetzungen und Geschäftsanforderungen anpassen. Intelligenz lässt sich nahtlos in Geschäftsprozesse einbetten, dank einer direkten Verbindung zum SAP-Workflow, zu robotergestützten Prozessautomatisierung (RPA) und anderen KI-Diensten.

CEO Christian Klein gab bei der Vorstellung des Services „RISE with SAP: The Introduction“ auch die Pläne für die strategische Akquisition von Signavio bekannt.
CEO Christian Klein gab bei der Vorstellung des Services „RISE with SAP: The Introduction“ auch die Pläne für die strategische Akquisition von Signavio bekannt.
(Bild: SAP SE)

Zur Stärkung der eigenen Business-Process-Intelligence-Expertise wird SAP die auf dieses Produktsegment spezialisierte Signavio übernehmen. Deren integrierte cloud-native Prozess-Suite soll die Business-Process-Intelligence-Lösung von SAP ergänzen. Mit Signavio will SAP eine Suite mit Lösungen zur Prozesstransformation anbieten zur Analyse, zum Design und zur Verbesserung von Geschäftsprozessen sowie zum Management von Prozessänderungen. Die Suite soll es Kunden zudem ermöglichen, den langfristigen Erfolg dieser Prozessänderungen zu überwachen.

Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2021 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Über den Kaufpreis und weitere finanzielle Details der Transaktion haben SAP und Signavio Stillschweigen vereinbart.

Technische Migration

SAP-Tools und -Services sollen die Kunden auf dem gesamten technischen Weg unterstützen, ergänzt durch Angebote aus dem SAP-Partnernetzwerk. Hierzu gehören automatisierte Services, die den Wechsel zu modularen und standardisierten Lösungslandschaften in der Cloud erleichtern und somit Innovationen schneller nutzbar machen sollen. Zudem unterstützen technische Architekten die Migration. Weiteres technisches Element von „Rise with SAP“ ist die Cloud-Infrastruktur, die sich in einem SAP-Rechenzentrum oder bei einem Hyperscaler eigener Wahl betreiben lässt. Kunden könnten somit von den Infrastructure-as-a-Service-Funktionen ohne eine Daten- und Systembindung profitieren.

„Bauen Sie Ihr intelligentes Unternehmen!“

Erstmal klingt es nur wie eine Marketingphrase. Dahinter steht allerdings ein wesentliches Element des neuen SAP-Angebots: die SAP Business Technology Platform. Sie liefert eine einzige semantische Schicht im gesamten Unternehmen und soll so die Grundlage für eine ganzheitliche Unternehmenstransformation bilden. Technologien wie SAP HANA, SAP Analytics Cloud, die SAP Integration Suite und die SAP Extension Suite unterstützen Kunden dabei, Anwendungen zu entwickeln, zu integrieren und zu erweitern, um schneller geschäftlichen Nutzen aus ihren Daten ziehen zu können.

Der Ansatz soll die Kern-Applikationen sauber halten und eine einfachere Nutzung ermöglichen, indem sich jede andere Lösung von SAP, Partnern oder Drittanbieter ergänzen, erweitern oder integrieren lassen unter Verwendung desselben Datenmodells und derselben Plattform-Services wie die SAP-Anwendungen. Über 2.200 APIs sollen die Integration mit On-Premises- und Nicht-SAP-Anwendungen gewährleisten. Die einzige semantische Datenschicht erlaubt das Echtzeit-Steuern und -Planen im gesamten Unternehmen und eine zuverlässig hohe Datenqualität für Analyse-, Planungs- und KI-Szenarien. Darüber hinaus erweitern Low-Code-No-Code-Funktionen die SAP-Lösungen, intelligentes RPA dient zur Automatisierung und ein Workflow-Service zur Änderung von Prozessen im laufenden Betrieb.

Individualreisen in die Cloud werden möglich

Die Interessenvertretung von mehr als 3.700 SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum, die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) begrüßte die SAP-Initiative, die Unternehmen auf ihrem individuellen Weg in die Cloud unterstützen will. „S/4HANA aus der Public oder Private Cloud kann ein Mittel der Wahl sein“, kommentierte DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen. Denn die Anforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit, Effizienz und intelligenten Prozessen würden kontinuierlich wachsen. Deshalb benötigten Unternehmen passende Software und Technologien. „Doch die IT-Landschaften der Unternehmen sind heterogen, weshalb eine Technologiestrategie für alle nicht funktioniert.“

Für Steffen Pietsch, DSAG-Fachvorstand Technologie, liegt die Chance und gleichzeitig Herausforderung beim Wechsel von der Business Suite zu S/4HANA in der damit einhergehenden Business-Transformation und der Anpassung von Geschäftsprozessen: „Ein reines ‚Lift-and-Shift‘ von On-Premises-Systemen in eine Cloud-Umgebung reicht nicht aus bzw. kann nur der erste Schritt sein.“ Diese Umstellung sei keine technische Migration, sondern eine Transformation, die die inhaltliche Auseinandersetzung mit fachlichen Anforderungen und einen ganzheitlichen Blick auf die Systemlandschaft erforderlich mache, erklärte Pietsch. Gelinge dieser Übergang, sei das Zielbild attraktiv, vor allem dann, wenn es sich um eine „echte“ Cloud-Landschaft und kein Hosting handele. „Am Ende zählt die betriebswirtschaftliche Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung aus Kundensicht. Derzeit liegen jedoch noch zu wenige Informationen vor, um die Tragfähigkeit des Rise-Modells bewerten zu können.“

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Versöhnlicher Schlusspunkt im Cloud-Geschäft 2020

SAP konnte alle angepassten Umsatzziele für 2020 übertreffen und erreichte das obere Ende des angepassten Ausblicks für das Betriebsergebnis. Im Gesamtjahr stieg der Current Cloud Backlog im Vergleich zum Vorjahr um 7 % auf 7,15 Mrd. € (beziehungsweise währungsbereinigt um 14 %) trotz anhaltender Effekte der Corona-Krise auf das SAP-Cloudgeschäft.

  • Die Clouderlöse erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um 17 % auf 8,08 Mrd. € (IFRS) beziehungsweise um 15 % auf 8,09 Mrd. € (Non-IFRS) und um 18 % auf 8,24 Mrd. € (Non-IFRS, währungsbereinigt), womit das angepasste Gesamtjahresziel übertroffen wurde (8,0 Mrd. € bis 8,2 Mrd. €, Non-IFRS, währungsbereinigt).
  • Anhaltend geringere Transaktionsumsätze, vor allem im Concur-Geschäft, hatten einen negativen Effekt von 4 Prozentpunkten auf das Cloud-Wachstum.
  • Die Cloud-Erlöse aus den SaaS/PaaS-Angeboten, die nicht zu Intelligent Spend gehören, und aus dem IaaS-Angebot wuchsen jeweils um 27 % und um 23 % (Non-IFRS, währungsbereinigt).
  • Die Softwarelizenzerlöse sanken um 20 % im Vergleich zum Vorjahr auf 3,64 Mrd. € (IFRS und Non-IFRS) und um 17 % (Non-IFRS, währungsbereinigt).
  • Die Cloud- und Softwareerlöse stiegen um 1 % im Vergleich zum Vorjahr auf 23,23 Mrd. € (IFRS und Non-IFRS) und um 3 % auf 23,72 Mrd. € (Non-IFRS, währungsbereinigt), womit das angepasste Gesamtjahresziel übertroffen wurde (23,1 Mrd. € bis 23,6 Mrd. €).
  • Die Umsatzerlöse verringerten sich gegenüber dem Vorjahr um 1 % auf 27,34 Mrd. € (IFRS und Non-IFRS) und erhöhten sich um 1 % auf 27,90 Mrd. € (Non-IFRS, währungsberei-nigt), womit ebenfalls das angepasste Gesamtjahresziel übertroffen wurde (27,2 Mrd. € bis 27,8 Mrd. €).
  • Der Anteil der besser planbaren Umsätze an den gesamten Umsatzerlösen stieg im Gesamtjahr 2020 um 5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf 72 %.
  • Die Cloud-Bruttomarge erhöhte sich um 3,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr auf 66,5 % (IFRS) beziehungsweise um 1,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr auf 69,6 % (Non-IFRS).

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de