AWS Summit in Berlin

Amazon macht in Deutschland weitere Services verfügbar

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Die bislang größte Veranstaltung von AWS in Deutschland: der AWS Summit 2017 lockte über 3.600 Besucher und rund 70 Aussteller nach Berlin.
Die bislang größte Veranstaltung von AWS in Deutschland: der AWS Summit 2017 lockte über 3.600 Besucher und rund 70 Aussteller nach Berlin. (Bild: Amazon Web Services)

Amazon Web Services macht die Dienste Aurora und Lightsail sowie das Amazon Elastic File System in Deutschland verfügbar. Chief Architect Glenn Gore kündigte auf dem AWS Summit in Berlin an, dass Amazon Web Services zur Jahresmitte eine dritte Availability Zone in seiner Region Frankfurt/Main einrichten werde. Der Amazon-Machine-Learning-Experte Ralf Herbrich stellte die Roadmap für Cognitive Computing vor, und drei deutsche Kunden berichteten in Keynotes, wofür sie Amazons Cloud nutzen.

Glenn Gore, AWS Chief Architect in seiner Keynote.
Glenn Gore, AWS Chief Architect in seiner Keynote. (Bild: Amazon Web Services)

Vor über 3.600 Besuchern kündigte AWS Chief Architect Glenn Gore in seiner Keynote verschiedene Dienste an, die AWS nun auch in Deutschland und Europa verfügbar machen will. Sobald die dritte Availability Zone (AZ) in der Region Frankfurt/Main eröffnet worden ist, können AWS-Kunden den Datenbankdienst Amazon Aurora MySQL sowie das Amazon Elastic File System (EFS) nutzen.

Amazon Aurora

Mit der PostgreSQL-kompatiblen NoSQL-Datenbank Aurora haben MySQL-Entwickler neben MariaDB und PostgreSQL eine weitere Alternative zu der von Oracle verwalteten MySQL-Datenbank. Gore sagte, die Performance von Aurora liege fünf Mal höher als bei einem HPC-Cluster und die Kosten betrügen nur ein Zehntel einer kommerziellen Datenbank.

Gore ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, auf den Datenbank-Migrationsdienst hinzuweisen, den AWS anbietet. Auch mit dem DynamoDB Accelerator (DAX) lassen sich Datenbankanwendungen beschleunigen. Der Senior Advisor Thomas Fuhrmann schilderte in einer bestens besuchten Session, wie man es anstellt, die Kosten für die datenintensive Nutzung von AWS-Diensten günstiger zu gestalten, etwa mit ElastiCache.

Für den Service Amazon Redshift, der für Data Warehouses gedacht ist, bietet AWS neu Redshift Spectrum an, um Datalake-Abfragen zu beschleunigen. Hier geht es um Datenmengen im Peta- und Exabyte-Bereich. Gore machte eine interessante Rechnung auf: Ein Hive-Cluster aus 1000 Nodes benötigt bis zu fünf Jahre (!) für eine bestimmte Abfrage, für Redshift Spectrum nur 155 Sekunden benötigt. Der Medienkonzern Time Warner nutze den Service bereits.

Elastic File System (EFS)

Mit dem EFS lassen sich auch größere Instanzen, wie sie etwa Großkunden oder MSP benötigen, effizienter verwalten. Damit spielt AWS in einer Liga wie die Dateisysteme von IBM Spectrum (GPFS) oder Red Hat. Für HPC-Entwickler ist interessant, dass AWS auch Elastic GPUs auf seinem Dienst EC2 bereitstellt. Das erweitert die Compute-Möglichkeiten um die GPU-spezifischen Vorteile der Parallelverarbeitung und als Akzeleratoren. Welche GPUs dies sind, wurde nicht verlautbart.

„Für uns ist es enorm wichtig, Amazon Elastic File System für die aktive Tier-1-Datenhaltung von beispielsweise Satellitendaten einzusetzen, da wir hier aufgrund der Volumina sowohl bei der Datenverarbeitung als auch Storage den Scale-Out-Approach fahren müssen", erläuterte Thomas Schilling, Head of Information Technology, Bayer CropScience AG.

"Ein Großteil unserer Logiken steckt zudem in Postgres-Datenbanken, die wir als RDS Service nutzen. Hier wird die Aurora-Plattform den erhofften Performancegewinn bringen und uns eine aufwendige Migration in NoSQL Datenbanken ersparen.“ Schilling berichtete, wie die Anwendungen für Digital Farming, die Bayer Crop Science international einsetzt, mit Microservices erstellt und in Container gepackt wurden.

Amazon Lightsail

Seit Mitte Mai ist Amazon Lightsail in drei europäischen Regionen verfügbar, darunter auch in Frankfurt/Main. Mit Lightsail lassen sich Virtual Private Server (VPS) aufsetzen und betreiben. Für einen Einstiegspreis ab 5 US-Dollar/Monat bekommt der Abonnent eine VM, SSD-basierten Storage, Datentransfer, DNS-Management und eine statische IP. Der erste Monat ist kostenlos.

Cognitive Computing

Heiße Themen der Digitalisierung sind Cognitive Computing und IoT. Ralf Herbrich, Amazon-Direktor für Machine Learning, skizzierte die verfügbaren Dienste und eine Roadmap. Als Bestandteil von Machine Learning findet Deep-Learning im Bereich der Wahrnehmung und des Ausdrucks zunehmend Verwendung. Sprach- und Gesichtserkennung sind bereits realisiert, die Sprachausgabe ist etwas kniffliger.

Für Sprachausgabe hat Amazon bereits den Service "Polly" in Dublin und verschiedenen US-Regionen im Angebot. Mit "Vicki" steht nun endlich auch eine weibliche deutsche "Tonspur" zur Verfügung. Angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten, die Amazon Alexa und Echo im Endbenutzerbereich bieten, eröffnet "Vicki" interessante Möglichkeiten. Im Deep Learning setzt Amazon nicht auf die etablierten DL-Frameworks wie TensorFlow (Google), Torch oder IBM Caffe, sondern auf Apache MXnet und AWS Deep Learning AMIs.

Serverless Computing

Endgeräte wie Amazon Echo, Kindle und Fire generieren große Datenmengen im IoT-Bereich. Deshalb geht der Trend nach Angaben von Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS, dahin, die Compute-Funktion der Endgeräte in entsprechenden Serverless-Software-Komponenten einzubetten. Serverless bedeutet: ohne Provisionierung, aber mit Zugriffsrechten und Sicherheitsfunktionen (z.B. TLS-basierte HTTP-Verschlüsselung). Das spart Kapazitäten und Latenzzeiten für die Datenübertragung. Die IoT-Geräte übertragen vor allem Ergebnisse und Status-Logs. Das Prinzip ist als Edge- oder Fog-Computing bekannt.

Der zentrale Service für diesen Bereich ist AWS Lambda. Um aber entsprechend kleine Lösungen flexibel aufbauen zu können, so Gonzalez, stellt AWS mit dem EC2 Container Service (ECS) eine Plattform bereit, auf der Microservices in Docker-Container verpackt und auf einer Infrastruktur ausgeführt werden, in der nur für tatsächliche Nutzung zu bezahlen ist. Die individuelle Skalierung von Microservices ist ein bedeutender Vorteil. Mit dem Service Amazon X-Ray könne man verteilte Apps während des Betriebs analysieren und debuggen.

Security hat Vorrang

Dass die Container Plattform auch über Sicherheitsfunktionen wie IAM verfüge, unterstrichen Gonzalez und Gore. IoT-Geräte sollen keine Scheunentore für verschiedenartige DDoS-Angriffe bereitstellen. Gegen solche Angriffe bietet AWS den Service AWS Shield, der der Durchschlagskraft selbst heftigster Attacken standhalten soll. Shield wird a) für jeden Nutzer, b) für größere Unternehmen angeboten. Die Advanced-Version wird mit Web Application Firewall, CERT, CloudWatch-Service und Kostenschutz offeriert. Sicherheitsexperte und Solutions Architect Bertram Dorn erläuterte, wie AWS sich selbst und seine Nutzer auf den 25. Mai 2018 vorbereitet, wenn die Europäische Datengrundschutzverordnnung DSGVO bzw. GDPR in Kraft tritt.

Partnerpräsenz

Alex Fürst, Vice President DACH bei Rackspace.
Alex Fürst, Vice President DACH bei Rackspace. (Bild: Rackspace)

„Unser Anspruch ist es, Trusted Advisor für den Mittelstand zu sein, das heißt Berater auf Augenhöhe, der die individuellen Anforderungen der Kunden an die Cloud versteht und für sie umsetzt“, sagt Alex Fürst, Vice President DACH bei Rackspace. „Nur wer die richtigen Skills mitbringt, kann die Möglichkeiten der Cloud voll ausschöpfen. Wir sind unabhängig und bringen dank unserer langjährigen Expertise im Bereich Managed Cloud Services mit unseren Partnern Amazon, Microsoft, Google und VMWare alle Möglichkeiten für unsere Kunden mit.“ Seine Zielgruppe ist derzeit der deutsche Mittelstand, wo sich ihm das Szenario bietet, dass diese Firmen noch einen eigenen Mainframe und ihre IT on-premise betreiben.

„Die Cloud wird allenfalls für Entwicklung und Testing genutzt.“ Aber eine existierende Workload in die Cloud zu bringen, in der vertrauliche Kundendaten verarbeitet werden, sei eine ganz andere Sache. „Wir helfen dem Mittelstand bei ihrem Weg in die Cloud, holen sie dort ab, wo sie stehen und managen alle Anforderungen an Security und Compliance, um Schatten-IT vorzubeugen oder um Geschäftsmodelle mit IoT und Machine Learning zu realisieren.“

Viele weitere Partner stellten auf dem AWS Summit aus, so etwa DXC Technology, ein am 3. April 2017 gegründetes Joint Venture von HPE mit CSC, in dem HPE sein Outsourcing von Enterprise Services untergebracht hat. DXC bietet "umfassendes Hybrid Cloud Management" mit der Management Plattform "DXC Technology Agility Platform" für Unternehmen an. Weitere Partner sind der Systemintegrator Accenture und diverse Storage-Provider.

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