Standardsoftware oder Individualentwicklung und die Vorteile von Open-Source-Software

Wie sich die Corporate-IT der Zukunft aufstellen muss (Teil 2)

| Autor / Redakteur: Thomas Wittbecker * / Florian Karlstetter

Im Artikel beschreibt Thomas Wittbecker von Adacor grundsätzliche Ansätze, wie man die IT-Infrastruktur im eigenen Unternehmen auch in Zukunft zu einem handfesten Wettbewerbsvorteil ausbauen kann.
Im Artikel beschreibt Thomas Wittbecker von Adacor grundsätzliche Ansätze, wie man die IT-Infrastruktur im eigenen Unternehmen auch in Zukunft zu einem handfesten Wettbewerbsvorteil ausbauen kann. (Bild: Adacor)

Der erste Teil des zweiteiligen Beitrags zur Corporate-IT der Zukunft hat insbesondere die unterschiedlichen Motivationen von Großunternehmen und Internet-Unternehmen bei der Aufstellung der IT beleuchtet. Im zweiten Teil werden Wege aufgezeigt, welche Schritte Großunternehmen heute gehen sollten, um ihre IT in Zukunft zu einem handfesten Wettbewerbsvorteil auszubauen.

Eine große Frage, die IT-Verantwortliche heute beschäftigt, ist die nach Standardsoftware oder Individualentwicklung. Die große Mehrheit der klassischen Großunternehmen setzt in fast allen Bereichen auf Standardsoftware. Häufig werden dann im Unternehmen die Prozesse an diese Software angepasst. Der Klassiker ist da sicher SAP. Es ist schlicht zu aufwendig oder teilweise auch unmöglich eine Standardsoftware exakt auf die individuellen Prozesse im Unternehmen anzupassen. Also werden die Unternehmensprozesse an die Software angepasst. In manchen Bereichen ist das auch absolut plausibel. Eine Individualentwicklung im Bereich Rechnungswesen ist mit Sicherheit nicht sinnvoll, denn hier gibt der Gesetzgeber im Großen und Ganzen den Rahmen vor. Über individuelle Prozesse sind in diesem Bereich kaum Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Zurück zum Amazon-Beispiel aus dem ersten Teil: Handelsunternehmen setzen erfahrungsgemäß auf kommerzielle E-Commerce-Plattformen, die dann angepasst werden. Doch kein Unternehmen hat eine solche Kontrolle über die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts wie Amazon. Wenn man das Know-how für die Entwicklung der Verkaufsplattform im eigenen Haus oder bei eng an das Unternehmen gebundene Dienstleister hat, kann man auf jede Erfahrung, die man im Geschäft macht, mit einer Optimierung der Abläufe und der Plattform reagieren. Das ermöglicht einen Prozess der stetigen Verbesserung aller Abläufe. So ein Kaizen getriebener Prozess wird allerdings abrupt gestoppt, wenn man die Plattform nicht frei weiterentwickeln kann, sondern von der Entwicklung eines Produktes durch einen Software-Hersteller abhängig ist.

Bei Banken und Versicherungen verhält es sich sehr ähnlich. Alle Geschäftsprozesse sind über die IT-Plattformen abgebildet und immer mehr Prozesse verlagern sich in das Internet. Aus diesem Grund entwickeln die meisten Internetunternehmen die zentralen Applikationen für das Kerngeschäft individuell und optimieren diese ständig.

Entwickeln oder entwickeln lassen?

Internet-Unternehmen tendieren dazu, möglichst viel selbst zu entwickeln, um das Know-how rund um die Produkte und Dienstleistungen im eigenen Haus zu halten. Sie wollen bei Kernkomponenten nicht von Dienstleistern abhängig sein.

Ein Grund dafür sind sicher auch die hoch profitablen Geschäftsmodelle von Unternehmen wie Google, Facebook, oder ebay. Sie können es sich schlicht leisten. Deshalb steht bei ihnen strategische Sicherheit vor Kostenoptimierung durch eine Supply-Chain. Überraschend ist, dass große Internetunternehmen abseits ihres Kerngeschäfts sogar Basistechnologien wie Dateisysteme, Datenbanken, Hardware oder Rechenzentrumstechnologien selbst entwickeln. Dass klassische Großunternehmen im Gegensatz dazu stärker zur Vergabe von Entwicklungsprojekten nach außen tendieren hat zwei Gründe: Erstens halten die meisten Unternehmen Softwareentwicklung nicht für ihre Kernkompetenz und lagern diese seit langem aus. Dementsprechend sind auch keine internen Ressourcen dafür vorhanden. Zweitens sind Industrieunternehmen gewohnt, mit vielen Zulieferern zu arbeiten und über die Supply-Chain Kosten zu optimieren.

Auch bei den Projektmanagement-Methoden unterscheiden sich traditionelle Konzerne von den Internetunternehmen. Während die Internetunternehmen getrieben durch die Softwareentwicklung von agilen Methoden wie Scrum oder Kanban beeinflusst sind, arbeiten die meisten IT-Abteilungen traditionell mit dem Wasserfallmodell: Analyse, Pflichtenheft, Umsetzung, Abnahme und dann Regelbetrieb. Agile Methoden zielen dagegen eher auf einen iterativen Ansatz der ständigen Verbesserung und der Weiterentwicklung.

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