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Der Einsatz von Open Source im Unternehmen
Natürlich entwickeln auch Internetunternehmen nicht alles selber. Auffällig ist, dass auch sehr große Internetunternehmen viel Open-Source-Software einsetzen, obwohl sie sich auch die in der Corporate-IT beliebten IBM- oder Oracle-Produkte leisten könnten. Wenn die Kosten keine Rollen spielen, was könnte der Grund für diese strategische Vorgehensweise sein?
Open-Source-Software bietet, gerade bei einer großen Entwickler-Community, den Vorteil der Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern. Durch die offene Struktur von Open-Source-Projekten lässt sich frei entscheiden, wie viel internes Know-how im Unternehmen aufgebaut wird. Von einer reinen Nutzung mit zugekauftem Support bis zur aktiven Teilnahme an den Projekten mit eigenen Entwicklungen ist vieles möglich. Aus der Perspektive des Betriebs von Infrastruktur bietet Open-Source-Software die Möglichkeit, bei der Fehlersuche bis auf die Code-Ebene hinunter zu gehen, ohne auf einen kommerziellen Support angewiesen zu sein.
Gerade bei kritischen Plattformen, ist es sehr frustrierend, wenn ein wichtiger Dienstleister seine SLAs bricht und man selber, außer auf einen Rückruf zu warten, absolut nichts tun kann. Gerade bei kommerzieller Software, bei der das Tiefen-Know-how nicht so weit verbreitet ist wie z.B. bei Microsoft oder Oracle, ist es sehr schwer, Workarounds zu finden, wenn der Support oder der Dienstleister versagen. Bei Open-Source-Produkten sind in der Regel große Wissensdatenbanken im Internet verfügbar, in denen man alle bekannten Fehler mit Workarounds findet, oder man kann direkt Kontakt zu der Entwicklergemeinde aufbauen.
Die Corporate-IT denkt genau umgekehrt: Sie versucht, so viel Verantwortung und damit indirekt auch Know-how für ihre Plattformen auszulagern, und präferiert kommerzielle Software mit Support-Verträgen. Ähnlich wie bei der Frage „auslagern oder selber machen?“ sichert sich natürlich auch der einzelne Entscheider damit ab. Für Probleme mit Unternehmen wie SAP, IBM oder Microsoft wird niemand gefeuert, für Probleme mit einer Open-Source-Software schon.
Die Beurteilung von Risiken in Projekten wird von der Corporate-IT dann nach Aktenlage entschieden. Hersteller X garantiert mir in einem SLA 99,99 Prozent Verfügbarkeit, Hersteller Y 99,5 Prozent usw. Nur, was passiert wenn die Hersteller diese SLAs nicht einhalten? Je größer der Hersteller, desto weniger. Meistens also gar nichts.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Es gibt sehr viel tolle kommerzielle Software und die kann auch problemlos produktiv eingesetzt werden. Es geht darum, die Risiken aufzuzeigen und zu erklären, warum in der Internet-IT Open-Source-Software so beliebt ist.
Ein weiterer Grund für den Einsatz von Open-Source-Software ist die Möglichkeit, auf der vorhandenen Basis eine eigene angepasste Lösung zu entwickeln. Da Internetunternehmen häufig vieles selber entwickeln, wird das gerne genutzt. In der Corporate-IT weniger, da auch weniger Entwicklungsressourcen vorhanden sind.
Veränderung muss von oben kommen
Es ist offensichtlich, dass Unternehmen aus der Dienstleistungs-, Telekommunikations- oder Handelswelt sich besser für die Zukunft aufstellen können, wenn sie einige Methoden der Internetunternehmen übernehmen. Da aber viele Unterschiede in der DNA der Unternehmen liegen, muss der Anstoß zum Wandel von ganz oben kommen. Nur der Vorstand (es ist zu hoffen, dass der CIO Teil des Vorstands ist) kann die Unternehmenskultur ändern und die Türen für neue Methoden öffnen. Das mittlere Management in der IT muss motiviert werden, mehr Verantwortung zu übernehmen, eigenes Know-how in den Abteilungen aufzubauen und auch ergebnisoffene Projekt zu wagen, flexibler zu budgetieren und vieles mehr.
In den Worten von Amazon-Gründer Jeff Bezos klingt das dann so: "If you never want to be criticized, for goodness' sake don't do anything new."
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