Cloud-Storage: Anbieterwechsel en gros Wie die sichere Migration von Cloud zu Cloud funktioniert

Von Sebastian Bieber

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Daten aus herkömmlichen Storage-Systemen in die Cloud zu migrieren, ist bei einer stringenten, geplanten Vorgehensweise kein allzu komplexes Unterfangen. Die Migration von einem Cloud-Dienst zu einem anderen schreckt jedoch viele ab. Dabei ist dieser Wechsel ebenfalls absolut machbar – wenn er mit Sinn und Verstand begangen wird.

Die Migration von Cloud zu Cloud ist in der Tat etwas komplizierter als der erste Weg in die Cloud. Dennoch ist der Umzug meist nicht das Schreckgespenst, zu dem er oft hochstilisiert wird.
Die Migration von Cloud zu Cloud ist in der Tat etwas komplizierter als der erste Weg in die Cloud. Dennoch ist der Umzug meist nicht das Schreckgespenst, zu dem er oft hochstilisiert wird.
(Bild: zakokor - stock.adobe.com )

Die Geschäftswelt befindet sich in einem immerwährenden Wandel. Das muss sie, denn Stillstand ist bekanntlich der erste Schritt in Richtung eines Abstiegs. Angesichts dessen verwundert es nicht, dass sich eine beständig steigende Zahl von Unternehmen mit der Notwendigkeit konfrontiert sieht, ihre bereits vor längerer Zeit in die Cloud migrierten Daten auf möglichst direktem Wege zu einem anderen Anbieter zu transferieren – neben denjenigen, die erst kürzlich den Weg in die Cloud hinein beschritten haben.

Direktes Transferieren bedeutet in diesem Sinne, möglichst ohne den Rück- beziehungsweise Zwischenschritt über lokale Speichersystem agieren zu können: Die Daten werden einfach von der Cloud eines Anbieters in diejenige eines anderen migriert.

Das ist zwar kein ganz einfaches Unterfangen, ist aber auch nicht so schwierig und risikoreich, wie es oftmals angenommen wird.

Wann ist eine Cloud-zu-Cloud-Migration angeraten, und worauf ist beim neuen Anbieter zu achten?

Die Maxime „Never change a running system“ gilt natürlich ebenso in der Geschäftswelt mit Fokus auf die Cloud. Angesichts dessen gibt es mehrere probate Gründe für einen Anbieterwechsel. Etwa:

  • Es wurde bislang eine Public Cloud genutzt. Durch gestiegene Sicherheitsanforderungen soll diese jedoch nun durch eine Private Cloud abgelöst werden.
  • Durch einen Standortwechsel passt der bisherige Standort des Cloud-Providers nicht mehr perfekt.
  • Die Kosten für den bisherigen Anbieter laufen (mitunter durch gestiegene Ansprüche an den Cloud-Dienst) aus dem Ruder, und es wird ein günstigerer Anbieter benötigt.
  • Es kam zu einem – wie auch immer gelagerten – Zusammenschluss zweier Unternehmen, die unterschiedliche Cloud-Dienste nutzten. Eine der Firmen muss deshalb für einheitliche Arbeitsgrundlagen zum Provider des anderen Unternehmens wechseln. Mitunter verlassen sogar beide Häuser ihre bisherigen Anbieter, um zu einem dritten Dienstleister zu wechseln, der für die nun gestiegenen Ansprüche bessere Rahmenbedingungen bereitstellt.
  • Für die künftigen Aufgaben ist das bisherige Single-Cloud-Modell nicht mehr optimal. Daher soll künftig eine Multi- oder Hybrid-Cloud-Herangehensweise bessere Ergebnisse garantieren.

Diese fünf Beispiele kommen im unternehmerischen Umfeld besonders häufig vor. Letztlich ist der Anlass für die Migration also immer: „Die bisherige Cloud passt aus gutem Grund nicht mehr.“

Natürlich muss bei der Auswahl eines neuen Anbieters, zu dem die Migration erfolgt, als oberstes Credo gelten, dass bei diesem keiner derjenigen Gründe existiert, die überhaupt erst Anlass für die Migration weg vom alten Anbieter gaben. Allerdings ist die Sachlage damit noch nicht beendet. Weiter sollten bei der Auswahl unbedingt folgende Positionen angesprochen werden:

  • Plattformgleichartigkeit: Viele Cloud-Dienste arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien, etwa was den Umfang von Metadaten, unterstützte Dateiformate et cetera anbelangt. Hier sollte unbedingt ein Anbieter gesucht werden, der sich diesbezüglich nicht allzu sehr vom Althergebrachten unterscheidet. Andernfalls kann die Migration vor allem, aber nicht nur, auf User-Seite rasch Probleme verursachen.
  • Umwelt- und Klimaschutz: Der Weg in die Cloud ist aus Sicht des Treibhausgas-Ausstoßes sowieso ein sehr machtvolles Werkzeug. Bei der Auswahl des künftigen Providers kann und sollte jedoch im besonderen Maß ein Akzent gesetzt werden, der hierbei noch weitere Optimierungen ermöglicht – viele Anbieter tun sich bei diesem speziellen Punkt derzeit besonders hervor, etwa indem sie umfassende Rekuperationsmaßnahmen betreiben, um anfallende Abwärme zu nutzen.
  • Wachstumspotenzial: Wenn die alte Cloud limitiert, dann wurde eventuell schon bei deren Auswahl ein Fehler begangen. Der neue Provider sollte deshalb unbedingt mit einem besonderen Fokus auf möglichst großes Entwicklungspotenzial ausgewählt werden – schließlich soll nicht allzu bald ein erneuter Wechsel nötig sein.
  • Lock-In-Szenarien: Eine der größten Herausforderungen beim Umzug sind Daten, Anwendungen oder Infrastrukturen, die zu tief beim alten Anbieter integriert sind und sich deshalb nicht auf einfachem Weg migrieren lassen; man spricht hier vom sogenannten Cloud-Lock-In. Der neue Dienstleister sollte deshalb sowohl diesbezüglich wenigstens seinerseits eine einfache Migration gestatten als auch selbst nicht anfällig für (neue) Lock-Ins sein.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang überdies, sich nicht von irgendwelchen „Schauermärchen“ über hochkomplexe oder gar fehlgeschlagene Migrationen von Cloud zu Cloud verunsichern zu lassen.

Wie umfangreich und schwierig es in der Praxis wird, hängt unmittelbar mit der Art der zu migrierenden Daten zusammen: Je mehr sowohl alte als auch neue Cloud einer reinen Bereitstellung von Speicherplatz ähneln, desto einfacher wird es erfahrungsgemäß. Der Anbieterwechsel verkompliziert sich nur dann, wenn Anwendungen, Tools et cetera umziehen sollen. Doch selbst dann gibt es praktisch immer eine Lösung für jede denkbare Herausforderung.

1. Die Planungsphase

So, wie jeder herkömmliche Umzug wohlgeplant sein will, verhält es sich ebenfalls bei der Cloud-zu-Cloud-Migration. In dieser ersten Phase werden dementsprechend Zeiträume festgelegt, Kündigungsfristen gesichtet und eingehalten.

Aktuell (April 2022) befinden wir uns noch in einer Zeit vor der endgültigen Verabschiedung des neuen EU Data Acts. Da dieser erst von der EU-Kommission vorgeschlagen wurde, dauert seine Einführung noch an. Jedoch: Er beinhaltet unter anderem die Maßgabe, Standards festzulegen, die einen möglichst einfachen Wechsel zwischen Cloud-Dienstleistern ermöglichen sollen.

Heißt, Unternehmen, die es nicht besonders eilig haben, sollten eventuell mit dem Umzug noch etwas warten, da er nach Einführung des Gesetzes bedeutend leichter und weniger zeitaufwändig werden könnte.

2. Die Reduktions- und Aufarbeitungsphase

Je mehr Kartons verlagert werden müssen und je mehr diese beinhalten, desto aufwendiger wird das gesamte Prozedere eines Umzugs. Nicht anders verhält es sich bei den „digitalen Umzugskartons“ und deren Inhalt in Form von Daten und Anwendungen.

Je mehr von beidem von Provider zu Provider migriert werden muss, desto

  • langwieriger wird das Prozedere insgesamt,
  • größer sind die Risiken für etwaige Probleme oder Verzögerungen und
  • größer ist die Gefahr, unnötige Altlasten in die neue Cloud zu überführen.

Der Umzug von einem Cloud-Dienst zu einem anderen ist deshalb eine absolut probate Gelegenheit, Daten zu analysieren, zu löschen, was nicht mehr benötigt wird und zu definieren, ob es überhaupt notwendig ist, den gesamten alten Inhalt eins zu eins zum neuen Dienst zu übertragen. Beinahe unabdingbar hierfür ist der Einsatz automatisierter Tools, weil diese nicht nur selbst größte Datenmengen auffinden und analysieren, sondern interne Verflechtungen, Zusammenhänge und dergleichen aufdecken können, die womöglich bei einer Migration zu Problemstellungen führen.

Dies sollte nicht zuletzt mit weiterführenden Hintergedanken getan werden: Da viele Cloud-Anbieter bei der Übertragung Daten on the flight analysieren können, können sich gleichsam mit der Migration neue Erkenntnisse und Einblicke ergeben.

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Allerdings ist damit dieser Teil der Vorarbeit noch nicht gänzlich erledigt. Zuletzt ist es nötig, die gesamten Details der bisherigen Konfiguration zu analysieren, etwa Adressierungen, Spezifikationen, Speichereinteilungen und Ähnliches. Vorsicht zudem bei besonders kritischen Informationen, die unter die DSGVO fallen oder für das Unternehmen (etwa durch Urheberrechte) von besonderer Brisanz sind und deshalb spezielle Aufmerksamkeit benötigen. In diesem Zusammenhang sollten unbedingt bestehende Zugriffsrechte überprüft und gegebenenfalls angepasst werden – oftmals deckt erst eine Migration von Anbieter zu Anbieter bedenkliche Lücken in der bisherigen Sicherheitsarchitektur auf, die natürlich rasch geschlossen werden sollten.

3. Die eigentliche Migrationsphase

Wenn alle Vorarbeiten erledigt wurden und alle Zeiträume feststehen, erfolgt die eigentliche Migration des verbliebenen Inhalts der alten Cloud. Wie dies in der Praxis geschieht, hängt sowohl vom alten als auch neuen Cloud-Dienstleister, verfügbaren Geschwindigkeiten, Standorten und den Wünschen des Unternehmens ab.

Möglich ist hier zwischen Transfers mit großen externen Festplatten bis zum direkten Weg über VPN oder direkte Verbindungen zwischen den Anbietern vieles:

  • Es sollte im Zweifelsfall immer dem sichereren Weg der Vorzug vor dem schnelleren Weg gegeben werden.
  • Es muss in jedem Fall garantiert sein, dass die alten Daten so lange für eine Disaster Recovery vorhanden bleiben, bis die gesamte Übertragung abgeschlossen ist.
  • Es sollte in betrieblicher Hinsicht unbedingt eine Phase geringster Auslastung gewählt werden, um gegen die praktisch nie vermeidbaren Downtimes gewappnet zu sein.

Sind die eigentlichen Daten und Anwendungen übertragen, erfolgt die abschließende Arbeit: In der neuen Cloud wird wieder eine funktionierende Infrastruktur erstellt. Es wird also beispielsweise das Zugriffsmanagement eingerichtet, Datenbanken werden erstellt und Volumes eingeteilt.

Danach erfolgt der wichtigste Schritt: Das gesamte System wird mit automatisierten Anwendungen auf Herz, Nieren und Vollständigkeit hin überprüft und ausgiebig getestet. Dem folgt dann die Integration in die bestehenden User. Das heißt, diese werden mit der neuen Umgebung und eventuell neuen Vorgehensweisen umfassend vertraut gemacht – bei einer sorgsam durchgeführten Migration sind die User oftmals das Zünglein an der Waage, da ihnen vielfach die Umstellung bedeutend schwerer fällt als allen dahinterstehenden digitalen Systemen.

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