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Warum eine bessere Verzahnung von Business und IT notwendig ist

| Autor / Redakteur: Sacha Labourey * / Florian Karlstetter

Die Vorteile von Continuous Delivery, erklärt an einem aktuellen Beispiel: Die Kosten in Bezug auf ein Software-Update per Funk und einen Rückruf aller Fahrzeuge dürften sich erheblich unterscheiden.
Die Vorteile von Continuous Delivery, erklärt an einem aktuellen Beispiel: Die Kosten in Bezug auf ein Software-Update per Funk und einen Rückruf aller Fahrzeuge dürften sich erheblich unterscheiden. (Bild: Cloudbees)

In einem Blogeintrag erläutert Sacha Labourey von Cloudbees das Prinzip der „Continuous Delivery“: So sollten Business und IT so gestaltet werden, dass sie sich kontinuierlich gegenseitig ergänzen. Ein Plädoyer für bessere Zusammenarbeit also - und für spürbar schnellere Ergebnisse.

Seit den Anfängen der Computertechnik haben Unternehmen Mittel und Wege gefunden, um diese zur Optimierung ihrer Geschäftstätigkeit zu nutzen – zur Verbesserung ihrer Umsätze (Unterscheidungsmerkmale am Markt, verbesserte Time-to-Market, usw.) oder ihrer Gewinne (Ersetzung manueller Schritte durch Automatisierung, etc.). In der Praxis ist die IT zu einem beträchtlichen Ausgabenposten für jedes Unternehmen angewachsen – je nach Unternehmensgröße und -branche liegt der Anteil zwischen einem und sieben Prozent.

Während die IT an Bedeutung gewonnen hat, ist sie aber doch im Großen und Ganzen eine eigene Einheit innerhalb jedes Unternehmens geblieben. Die Leistungen der IT können maßgeblich oder gar entscheidend zum Erfolg des Unternehmens beitragen, die Mitarbeiter in diesem Bereich befinden sich jedoch meist in der passiven Rolle von Befehlsempfängern.

Vom Verfahren her sieht es normalerweise so aus wie folgt: Wenn im Unternehmen neue Chancen oder Herausforderungen anstehen, werden der IT die entsprechenden Anforderungen mitgeteilt, und es liegt dann an der IT, die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen. Der Bereich IT erfüllt seine Aufgaben üblicherweise mit relativ langen Zykluszeiten – zwischen 9 und 24 Monaten im günstigsten Fall. Wenn die IT schließlich die verlangte Lösung liefert, ist dies der Zeitpunkt im Unternehmen, an dem die Realitätsprüfung schmerzhaft sein kann: Waren die vor zwei Jahren gemachten Annahmen richtig? Gelten sie angesichts der aktuellen Marktbedingungen immer noch? Es passiert relativ häufig, dass es für eine gerade neu herausgebrachte Lösung schon wieder eine Flut von funktionalen Anforderungen für ein zweites Release gibt. Und dies nicht unbedingt, weil das erste Release so erfolgreich war und ihr Umfang erweitert werden muss, sondern weil es schlicht und ergreifend sein Ziel verfehlt hat. Die IT-Abteilung startet dann einen neuen Entwicklungszyklus, in der Hoffnung, das Unternehmen damit zufriedenzustellen. Die Antwort auf diese Frage ist wiederum etliche Monate entfernt.

Die aktuelle Beziehung zwischen Unternehmen und IT mag bei langfristigen Projekten funktionieren, bei denen sich die inneren und äußeren Bedingungen über lange Zeiträume nur wenig ändern. Aber ist dies wirklich die Welt, in der wir leben?

Die Welt, in der wir leben

« Kurzum, Software frisst die Welt auf.

Immer mehr große Unternehmen und Branchen basieren auf Software und erbringen ihre Leistungen als Online-Services – von der Filmbranche über die Landwirtschaft bis hin zur Landesverteidigung. (…) Für die kommenden 10 Jahre erwarte ich, dass noch mehr Branchen durch Software grundlegend verändert werden, (…)

Unternehmen in jeder Branche müssen damit rechnen, dass es eine Software-Revolution geben wird. (…) »

Internetpionier Marc Andreessen, 2011

In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Software in alle Teile unseres Lebens ausgebreitet, im privaten wie im beruflichen Bereich. Software ist nicht mehr nur ein Mittel, um die Art und Weise, wie wir etwas tun, zu verbessern. Software ist vielmehr zur Art und Weise geworden, wie wir Dinge tun. Sie bestimmt, wie wir mit unseren Kunden und Lieferanten umgehen, wie wir hochwertige, innovative und differenzierte Produkte und Leistungen liefern, wie wir diese vermarkten, usw. Alles, was in Unternehmen stattfindet, wird mehr oder weniger durch Software bestimmt, und dies in zunehmendem Maße.

Continuous Delivery am Beispiel Auto

Nehmen wir zum Beispiel das Auto. Noch vor wenigen Jahren hatten die wichtigsten Kriterien, abgesehen von offensichtlichen Merkmalen wie Größe, Form und Farbe, mit dem Motor, den Sicherheitsmerkmalen und dem Kraftstoffverbrauch zu tun. Heute wollen die Kunden außerdem wissen, wie gut ihr Smartphone in das Unterhaltungs- und Telefonsystem eingebunden werden kann. Wie steht es mit dem Navigationssystem? Muss ich eine vielleicht schon nicht mehr aktuelle DVD kaufen oder bekomme ich die aktuellen Daten per Funk? Welches elektronische Sicherheitssystem ist bei dem Fahrzeug vorhanden? Bremst es automatisch und verhindert es einen Spurwechsel, wenn ich nicht aufpasse?

Und hierbei sind noch nicht einmal die massiven Investitionen in selbstfahrende Fahrzeuge berücksichtigt, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen dürften. Würden Sie sich in zehn Jahren beim Kauf eines neuen selbstfahrenden Autos eher eines mit der besten Software (und damit auch dem besten Fahr- und Sicherheitsverhalten) oder eines mit dem besten Motor kaufen? Ich jedenfalls wüsste, was ich tun würde. Nehmen wir einmal Tesla als ein praktisches Beispiel dafür, wie dies zu einem großen Wettbewerbsvorteil werden kann. Nach Markteinführung ihres Modells S erlebten einige Fahrer einen Brand, der durch einige Batteriezellen verursacht wurde:

Nachdem mit hoher Geschwindigkeit Objekte aus Metall überfahren wurden, drangen diese in das Batteriepack ein und lösten dort einen Brand aus. Kurz darauf veranlasste Tesla ein Software-Update, das per Funk an alle Fahrzeuge am Markt übertragen wurde, ohne dass diese in die Werkstatt mussten. Dies bewirkt, dass bei Fahrten auf Schnellstraßen die Bodenfreiheit vergrößert wird und solche Unfälle verhindert werden. Die Kosten in Bezug auf ein Software-Update per Funk und einen Rückruf aller Fahrzeuge dürften sich erheblich unterscheiden.

Diese Erkenntnis mag trivial erscheinen, die Konsequenzen sind es jedoch nicht! Wenn wir akzeptieren, dass alle unsere Handlungen immer mehr mit Software verknüpft sind, so hat dies weitreichende Folgen. Eine davon ist, dass die Vorstellung, dass IT ein Werkzeug für das Unternehmen ist, ungefähr der Vorstellung entspricht, dass das Gehirn ebenfalls ein Werkzeug für den Körper ist. Dies ist nicht der Fall, denn beide sind untrennbar und symbiotisch miteinander verbunden, eines ohne das andere ergibt keinen Sinn. Gleiches gilt für die IT. Da die Software in den Unternehmen an Bedeutung gewinnt, müssen Unternehmen und IT zu ein und demselben Ganzen werden. Gehirn und Körper, sie sind Organe, die zusammenarbeiten und nicht das eine für das andere. Business ist IT, IT ist Business. Darum geht es bei „Continuous Delivery“: Business und IT sollen so gestaltet werden, dass sie sich gegenseitig ergänzen.

Sacha Labourey ist CEO und Gründer von Cloudbees.
Sacha Labourey ist CEO und Gründer von Cloudbees. (Bild: Cloudbees)

Im Laufe des kommenden Jahrzehnts werden die Unternehmen, ganz gleich in welcher Branche, neu lernen müssen, was es bedeutet, ein „Software-Unternehmen“ zu sein und welche organisatorischen, politischen und technischen Herausforderungen damit verbunden sind. Nur Unternehmen, die mit diesem Wandel Schritt halten können, werden auf Dauer überleben können. Die derzeitigen Unternehmen/IT-Organisationen sind vielfach einfach zu ineffektiv für die zukünftigen Herausforderungen und werden den Wandel nicht überleben.

* Sacha Labourey ist CEO und Gründer von Cloudbees, dem Enterprise Jenkins Unternehmen.

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