Kostenkontrolle im Cloud-Betrieb ist schwierig TCO entscheidet beim Cloud-Preisvergleich

Ein Gastbeitrag von Tytus Kurek, Canonical* 5 min Lesedauer

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Für Unternehmen weltweit ist es eine Herausforderung, die Kosten aller Cloud-Plattformen zu verstehen. Anfangs bitten die Cloud-Anbieter die Unternehmen darum, ihre Cloud-Nutzung zu schätzen. Auf dieser Grundlage stellen sie dann ihre Dienste bereit – und dann kann es überraschend teuer werden.

Kostenoptimierung ist für viele Unternehmen der Hauptgrund, eine hybride (Multi-)Cloud aufzubauen.(Bild:  Andrey Popov - stock.adobe.com)
Kostenoptimierung ist für viele Unternehmen der Hauptgrund, eine hybride (Multi-)Cloud aufzubauen.
(Bild: Andrey Popov - stock.adobe.com)

Denn mit Vertragsabschluss liegt es am Kunden selbst, die tatsächlich genutzten Cloud-Dienste mit den in Rechnung gestellten Kosten zu vergleichen. Die Realität ist, dass Unternehmen sehr häufig zu viel für die in Anspruch genommenen Dienste in Rechnung gestellt wird.

Wenn Unternehmen versuchen, die Gesamtbetriebskosten ihrer Cloud-Ausgaben zu ermitteln, müssen sie sich ansehen, was Public Cloud- und Private Cloud-Anbieter berechnen, und versuchen, die richtige Mischung für Cloud-Dienste zu finden. In der Regel sind Unternehmen nicht in der Lage, ihren Bedarf an allen Arten von Cloud-Ressourcen selbst zu berechnen.

Für den Cloud Pricing 2022 Report befragte Canonical, der Herausgeber von Ubuntu, mehr als 300 Unternehmen aus aller Welt. Untersucht wurden die Cloud-Listenpreise und Servicegebühren führender öffentlicher und privater Cloud-Anbieter zum Stand Juli 2022. Anschließend zeigten die Forscher beispielhafte Kostenszenarien auf und schätzten die Gesamtbetriebskosten (TCO) für dieselbe Arbeitslast in Amazon Web Services (AWS), Azure, Google Cloud Platform (GCP) und Canonical OpenStack, wobei sie die von den Anbietern bereitgestellten TCO-Rechner verwendeten.

Kosten – erst schätzen, dann rechnen

Bei der Schätzung der TCO ihrer Workloads prüfen Unternehmen in der Regel zuerst die Cloud-Listenpreise. Anhand der Listenpreise können sie die Kosten grob abschätzen, verschiedene Cloud-Anbieter vergleichen und erste Entscheidungen bezüglich der verwendeten Cloud-Architektur treffen.

Um die Listenpreise der führenden Public-Cloud-Anbieter einschätzen zu können, muss ein Unternehmen wissen, was es genau vergleichen will. Denn es gibt Hunderte von verschiedenen Instanz-Typen in ihrem Portfolio und Dutzende von verschiedenen Metriken, die nach Verbrauch gemessen und abgerechnet werden. Da die Rechenressourcen in der Regel den größten Teil der TCO ausmachen, geht es im Folgenden hauptsächlich um die Kosten pro Instanz.

Ein Vergleich der Referenzpreise führender Private-Cloud-Anbieter ist sehr viel unkomplizierter. Bei der Implementierung einer Private Cloud setzt sich die Servicegebühr des Anbieters in der Regel aus den Lizenzkosten, den Kosten für Design und Bereitstellung sowie den laufenden im Abo enthaltenen Kosten für den Support zusammen. Darüber hinaus bieten einige Anbieter vollständig verwaltete Dienste für ihre Cloud-Plattformen an, um die Betriebsteams der Unternehmen zu entlasten.

Obwohl die Cloud-Listenpreise Unternehmen helfen, die Kosten abzuschätzen, wirken sich viele andere Faktoren auf die TCO aus. Dies liegt daran, dass zusätzliche Gebühren für Speicher- und Netzwerkverbrauchs erhoben werden. Bei langfristig ausgeführten Workloads sind erhebliche Rabatte möglich. Umfassende Schätzungen bei Private Clouds sollten Hardwarekosten, Hosting-Gebühren sowie Betriebs- und Wartungskosten beinhalten. Um die Preise verschiedener Cloud-Anbieter zu vergleichen, sollte daher ein TCO-Rechner verwendet werden.

Hybride Multi-Cloud-Architektur zur Kostenoptimierung

Ein Weg, die Infrastrukturkosten zu optimieren, ist die Verwendung einer hybriden Cloud-Architektur. Damit nutzen Unternehmen gleichzeitig Private und der Public Clouds – und profitieren von den jeweiligen Vorzügen. Sie führen dabei den Großteil ihrer Workloads in der Private Cloud aus und greifen nur dann auf hoch skalierbare, aber teurere Public-Cloud-Ressourcen zurück, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Das können Aufgaben mit hoher Auslastung sowie gelegentliche ressourcenintensive Arbeitslasten, wie z. B. die Datenanalyse sein.

Wer parallel mindestens zwei Cloud-Plattformen von zwei verschiedenen Cloud-Anbietern verwendet, arbeitet mit einer Multi-Cloud-Infrastruktur. Deren Vorteil ist die Anbieterunabhängigkeit. Zudem verbessert sie die Zuverlässigkeit der Workloads, da die Verteilung von Geschäftsanwendungen auf mehrere Cloud-Plattformen die negativen Auswirkungen potenzieller Cloud-Ausfälle eliminiert.

Ausgaben steigen – gefühlt oder real?

Die Ausgaben für Cloud-Infrastrukturen machen in der Regel einen erheblichen Teil des Budgets eines Unternehmens aus. Laut unserer Umfrage sind mehr als 55 Prozent der Befragten der Meinung, dass ihr Unternehmen (zu) viel für die Cloud-Infrastruktur bezahlt. Da die Unternehmen immer mehr Cloud-Dienste nutzen, steigen diese Ausgaben im Laufe der Zeit tendenziell an. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend verstärkt. Viele Unternehmen sind zu einer dezentralen Arbeitsweise übergegangen. Infolgedessen haben über 80 Prozent der Umfrageteilnehmer in den letzten Jahren einen Anstieg der Ausgaben für Cloud-Infrastrukturen festgestellt. Dennoch wissen viele von ihnen nicht genau, wie viel sie ausgeben.

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Wenn Unternehmen die Preise verschiedener Cloud-Plattformen vergleichen, achten sie vor allem auf die Gesamtbetriebskosten. Listenpreise von Public-Cloud-Anbietern und Servicegebühren von Private-Cloud-Anbietern sind von untergeordneter Bedeutung. Man ist sich einig, dass es mehrere Komponenten gibt, die bei Kostenschätzungen berücksichtigt werden müssen. Die meisten sind der Meinung, dass sowohl die Kosten für Public als auch für Private Clouds auf der Grundlage von Ressourcenanforderungen, Hardwarepreisen, Mitarbeitergehältern usw. geschätzt werden können. TCO-Rechner scheinen die bevorzugte Methode zur Durchführung von Kostenschätzungen zu sein.

Mehr als 50 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die effektivste Methode zur Senkung der Gesamtbetriebskosten darin besteht, Kosten zu schätzen, Kostenanalysen durchzuführen und datengestützte Entscheidungen zu treffen. Dies ist nicht überraschend. Der Bericht zeigt, dass die Optimierung der Cloud-Kosten keine triviale Aufgabe ist; sie erfordert einen analytischen Ansatz. Während Public Clouds in Fällen, die relativ geringe Arbeitslasten erfordern, die kosteneffektivste Option sind, können fortgeschrittenere Szenarien den Einsatz einer hybriden Multi-Cloud-Architektur erfordern.

Es überrascht nicht, dass die Kostenoptimierung der Hauptgrund für den Aufbau einer hybriden Cloud ist. Die gute Nachricht ist, dass die Mehrheit der Befragten bereits mehr als eine Cloud-Plattform nutzt, so dass die Einführung einer hybriden Multi-Cloud-Architektur keine große Herausforderung darstellen sollte. Viele Unternehmen weigern sich zwar, eine Private Cloud einzuführen, weil sie zu klein sind oder es sich einfach nicht leisten können, aber die meisten, die dies bereits getan haben, waren in der Lage, sie selbst bereitzustellen und zu betreiben. Und selbst wenn dies eine schwierige Aufgabe, bleibt, können diese Unternehmen die zahlreichen kommerziellen Dienste nutzen, die von Private-Cloud-Anbietern auf dem Markt angeboten werden.


* Der Autor Tytus Kurek ist Produktmanager bei Canonical, dem Herausgeber von Ubuntu. Er zeichnet verantwortlich für die Entwicklung und Pflege von Produkt-Roadmaps für OpenStack und Kubernetes. Seit über 10 Jahren in der IT-Branche tätig, hat er bereits zahlreiche komplexe Projekte mit Spitzentechnologien wie NFV, OpenStack, Kubernetes und anderen geleitet. Er hat einen Doktortitel in Cloud Computing und einen Master of Science in Telekommunikation.

Bildquelle: Canonical

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