DSAG-Jahreskongress 2025 SAP-Anwender pochen auf Wahlfreiheit zwischen Public und Private Cloud

Von Michael Matzer 8 min Lesedauer

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Der DSAG-Jahreskongress 2025 stellte das Thema „Stabilität in der Transformation“ in den Mittelpunkt. Vor rund 5.300 Besuchern in Bremen zeigten DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen und SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig die vielfältigen Aspekte dieses Spannungsfeldes auf.

„Security by Design“: DSAG-Chef Jens Hungershausen erläutert die Forderung der großen Mehrzahl der DSAG-Mitglieder nach mehr Sicherheit in allen SAP-Produkten.(Bild:  DSAG)
„Security by Design“: DSAG-Chef Jens Hungershausen erläutert die Forderung der großen Mehrzahl der DSAG-Mitglieder nach mehr Sicherheit in allen SAP-Produkten.
(Bild: DSAG)

Die digitale Transformation sollte angesichts des Endes der SAP-Wartung 2027 bzw. 2030 über die Bühne gebracht werden. Die beiden Programme „Rise with SAP“ und „Grow with SAP“ würden angenommen, sagte Thomas Saueressig, Vorstandsmitglied bei SAP Deutschland. „Wir haben schon 8.500 Kunden auf ‚Rise‘.“ Sein Unternehmen will so viele Kunden wie möglich mit in die Cloud nehmen. Die Migrationspfade dorthin seien klar.

Cloud darf kein Zwang zur Public Cloud werden

DSAG-Vorstandschef Jens Hungershausen forderte, dass die Migration von Cloud ERP bzw. Business Suite 2025 nicht bloß in die Public Cloud und die SAP Cloud erfolgen könne, sondern auch die Private Cloud berücksichtigen müsse. Saueressig wies im Gegenzug daraufhin, dass SAP bereits 400.000 Kunden in deren Private Cloud betreue. Darin dürfte also, so die Botschaft, nicht das Problem bestehen.

Jens Hungershausen wies darauf hin, dass es wichtig sei, zu prüfen, wo noch Ballast mit in die Cloud geschleppt wird und wie ein gezielter Clean-Core-Ansatz neue Ressourcen freisetzen könne. Aus Sicht der DSAG ist die Cloud der richtige Weg, doch er ist anspruchsvoll. Dabei sollte auch der Weg in die Private Cloud für einen Clean-Core-Ansatz genutzt werden. „Viele DSAG-Mitglieder sehen laut des aktuellen DSAG-Investitionsreports großes Potenzial, brauchen aber eine nachhaltige Strategie, die Stabilität und Fortschritt vereint.

Konsistente Architektur und transparente Lizenzmodelle

„Damit die Cloud-Transformation gelingt, braucht es eine konsistente und harmonisierte Architektur, einheitliche Betriebsmodelle, klare Migrationspfade sowie transparente Lizenz- und Rabattmodelle, die sich nach oben und unten skalieren lassen“, so Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG.

SAP geht hier in die Verantwortung, mit dem Versprechen geringerer Transformationskosten, einem schneller spürbaren Mehrwert, mehr Agilität und kontinuierlichen Innovationen. Aber damit die Unternehmen diesen Weg auch wirklich gehen, muss klarer werden, warum sich der Umstieg in die „neue“ SAP-Welt lohnt. Planungssicherheit ist hier ein ganz zentrales Stichwort.

Business AI, Data Cloud und BTP: Die neue SAP-Welt

Zur Beschleunigung der Cloud-Einführung will SAP künftig vorkonfigurierte Paketlösungen auf Basis der SAP Business Suite anbieten, die direkt in SAP Build integriert sind. Business AI ist als Überbegriff für die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) in SAP-Lösungen zu verstehen, entweder direkt integriert oder über den Joule-Copilot, der als Schnittstelle auf sogenannte KI-Agenten zugreift. Die Business Data Cloud wiederum dient als zentrale Datenplattform zur Harmonisierung, Verwaltung und Analyse von SAP- und Non-SAP-Daten. Die Business Technology Platform bildet letztlich das Fundament für die neue SAP-Welt.

Laut aktuellem Investitionsreport 2025 haben immer noch 51 Prozent der Befragten SAP ERP bzw. die „alte“ Business Suite im Einsatz. 42 Prozent nutzen S/4HANA-On-Premises, 33 Prozent S/4HANA in der Private Cloud und 13 Prozent in der Public Cloud. Das zeigt: Der Trend in die Cloud setzt sich fort, der Zuspruch für die S/4HANA-Cloud-Strategie wächst. Aber das Tempo von SAP ist nicht für alle Unternehmen realistisch.

DSAG setzt auf hybride Szenarien und rechtssichere Datenhoheit

Zudem führt die Verwendung unterschiedlicher Lizenzmodelle in der SAP Cloud ERP Public und Private Edition zu zusätzlicher Komplexität, insbesondere bei Two-Tier-Szenarien. Hier erwartet die DSAG eine stärkere Annäherung. Deshalb fordert die DSAG ein standardisiertes und offenes Betriebsmodell, das sowohl die Public als auch die Private Cloud umfasst. Dies würde Unternehmen helfen, hybride Szenarien effizient zu betreiben und Investitionsrisiken zu minimieren. Offenkundig befürwortet die DSAG hybride Betriebsmodelle. Das ist auch aus rechtlicher Sicht sinnvoll, denn so können Unternehmen den vertraulichen Teil ihrer Daten im eigenen Haus verarbeiten, nicht so sensible Daten jedoch zur Verarbeitung in die Public Cloud geben.

Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG, bekräftigt in seiner Keynote die  Forderungen der DSAG nach einer Bereitstellung der neuen Cloud ERP Plattform „Business Suite“ für die Private Cloud und der SAP-KI-Plattform auch on-premises.(Bild:  DSAG)
Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG, bekräftigt in seiner Keynote die Forderungen der DSAG nach einer Bereitstellung der neuen Cloud ERP Plattform „Business Suite“ für die Private Cloud und der SAP-KI-Plattform auch on-premises.
(Bild: DSAG)

Nach den Worten Hungershausens bedarf es darüber hinaus flexibler Lizenz- und Rabattmodelle, die den Wechsel für Kunden attraktiv und einfach machen. „Die Migrations- und Transformationskosten müssen gesenkt werden.“ Um den Adoptionsprozess zu unterstützen, verweist SAP auf das Zusammenspiel von Tools wie Signavio, LeanIX sowie unterstützende Methodologien. Saueressig wies auf den SAP-eigenen „Transformation Service“ hin und auf den Zukauf der LOB-Lösung „Smart Recruiters“. An Mehrwert mangelt es also wohl nicht.

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Hungershausen forderte, dass SAP sicherstellen solle, „dass sich die neue Business Suite nahtlos in bestehende Gesamtarchitekturen integrieren bzw. an andere Architekturen anbinden lässt und die Investitionssicherheit gegeben ist.“ Den generellen Adoptionsprozess muss SAP noch stärker unterstützen. Aus DSAG-Sicht sind dafür eine gute Kommunikation, transparente Roadmaps, faire Preis- und Lizenzmodelle sowie offen verfügbare Innovationen notwendig. Letztlich muss sich auch der KI-Einsatz für die Unternehmen „rechnen“ – nur dann bietet er einen echten Mehrwert.

KI als Wachstumstreiber – mit klaren Grenzen

400 neue KI-Apps wolle SAP zusätzlich zu den bereits ausgelieferten 130 Use Cases bis Ende dieses Jahres ausliefern, sagte Saueressig. „KI ist im Aufwind“, bestätigte Jens Hungershausen das Interesse an Business AI. Der Investitionsreport vom März habe gezeigt, dass 68 Prozent der Befragten KI generell eine hohe und mittlere Relevanz beimessen. Und 48 Prozent sahen einen sehr hohen und hohen potenziellen Nutzen von KI im SAP-Lösungsportfolio. Zudem planen 45 Prozent, bei ihren Investitionen KI sehr stark und stark zu berücksichtigen. Die Frage sei jedoch, ob sich die Use Cases auch für Lösungen eignen und ob sie sich leicht in die Geschäftsprozesse integrieren lassen würden.

Thomas Saueressig, Mitglied des Vorstands der SAP, bewertet die Migrationspfade auf cloudbasierten SAP-Betrieb als erfolgreichen Weg, die Umstellung gut und rechtzeitig zu bewältigen.(Bild:  DSAG)
Thomas Saueressig, Mitglied des Vorstands der SAP, bewertet die Migrationspfade auf cloudbasierten SAP-Betrieb als erfolgreichen Weg, die Umstellung gut und rechtzeitig zu bewältigen.
(Bild: DSAG)

Saueressig stellte die bidirektionale Integration mit Microsoft Copilot für Oktober in Aussicht. Er verwies auf die Schaffung und Integration von KI-Agenten mithilfe des A2A-Protokolls. Sein Plädoyer galt eindeutig der Cloud hinsichtlich der KI-Nutzung, ohne dass irgendwelche Prozesse on-premises genutzt würden. „Das wäre ja eine Frankenstein-Architektur“, wandte er ein, ließ aber die private Cloud gelten, für die sich die DSAG stark machte. „Wir stellen 40.000 anonymisierte Kundendaten zu Verfügung, mit denen Interessenten ihre KI-Apps testen können.“ Dies würden große Kunden wie der Chiphersteller AMD bereits tun. „Da wir sehr auf Ethik und Vertrauenswürdigkeit achten, ist auch für deutsche Firmen die Datenhoheit und der Datenschutz gesichert.“ SAP werde in Kürze 20 Milliarden Euro in Datensouveränität investieren.

„Wir begrüßen grundsätzlich, dass SAP leistungsstarke KI-Funktionen auf der Grundlage großer Mengen an Geschäftsdaten, die in SAP- und Non-SAP-Systemen gespeichert sind, für die Herausforderungen unserer Zeit zur Verfügung stellt“, so Hungershausen. Aus Sicht der DSAG müsse KI aber auch für On-Premises-Kunden zugänglich sein, unabhängig von bestehenden Cloud-Verträgen. „Ebenso wichtig ist die Transparenz darüber, wo KI in SAP-Lösungen eingesetzt wird und auf welchen Daten sie basiert“, so Hungershausen, im Hinblick auf die Frage der Datenhoheit. „Auch muss klar kommuniziert werden, wie KI in den bestehenden SAP-Landschaften genutzt werden kann und welche Kosten dabei anfallen.“

Souveräne Cloud-Angebote: Von Hyperscaler bis Delos Cloud

„SAP bietet drei unterschiedliche Lösungen im Kontext der Souveränen Cloud an“, sagt Hermann-Josef Haag, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Fachvorstand. Wenn man genau hinschaut, sind es sogar vier. Als erstes bietet SAP mit der neuen SAP Sovereign Cloud-Infrastruktur „mit seinen souveränen Cloud-Angeboten in Deutschland Cloud Services, die den Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hinsichtlich Datenschutz, Sicherheit und Geheimschutz entsprechen“, wie SAP in der Mitteilung schreibt. Und weiter: „SAP Sovereign Cloud ist mittlerweile in mehreren Ländern erhältlich und wird weiter ausgebaut.“

„Es gibt verschiedene Hyperscaler-Optionen, sowie eine Infrastructure-as-a-Service-Plattform, die auf Open-Source-Technologie basiert“, so Haag weiter. Die bestehende „Hyperscaler Option“ bedeutet, dass SAP „mit anerkannten Hyperscalern“ in bestimmten Märkten zusammenarbeitet, um Kunden die Möglichkeit zu geben, ihre Ressourcen schnell und bedarfsgerecht zu skalieren. „Die Kombination aus Flexibilität und nahtloser Integration ermöglicht es Kunden, schneller Innovationen zu entwickeln und gleichzeitig einen effizienten Betrieb aufrechtzuerhalten“, schreibt SAP auf seiner Sovereign-Webseite. Die meisten dieser Hyperscaler kommen bekanntlich aus den USA und müssen den US-Behörden per Gesetz Zugriff auf Inhalte deutscher Nutzer gewähren.

AWS und SAP erweitern Kooperation

AWS und SAP vertiefen ihre Partnerschaft für digitale Souveränität in Europa. Künftig werden die SAP Sovereign Cloud-Lösungen auch in der AWS European Sovereign Cloud verfügbar sein, deren erste Region bis Ende 2025 in Brandenburg startet. Damit sollen Organisationen in stark regulierten Branchen wie dem öffentlichen Sektor mehr Kontrolle über Datenlokalisierung und Compliance erhalten. AWS investiert 7,8 Milliarden Euro in den Aufbau der neuen Cloud. Die Zusammenarbeit kombiniert SAPs Expertise in Unternehmensanwendungen und souveräner Cloud mit der Infrastruktur und Sicherheitsarchitektur von AWS, um Innovation und KI-Nutzung unter europäischen Souveränitätsstandards zu fördern.

Die Delos Cloud ist ist nach den Worten Haags „ein Angebot, das ausschließlich für die deutsche Verwaltung konzipiert ist. Alle Kundendaten werden nur in Rechenzentren innerhalb Deutschlands verarbeitet. Die rechtliche Souveränität wird durch eine rein deutsche Betreiberfirma sichergestellt. Das Angebot basiert auf der Microsoft-Azure-Plattform und bietet neben den bekannten Kollaborationslösungen auch die Angebote von SAP. Wichtig ist auch, dass die Nutzung von Open-Source-Lösungen mitberücksichtigt wird.“ Die Infrastruktur werde isoliert betrieben, so dass keine Verbindung zu den anderen Microsoft-Netzen bestehe. Die Delos Cloud soll „in Kürze“ verfügbar werden.

Schließlich offeriert SAP seine neue „Sovereign Cloud On-Site“. „Sie beinhaltet, dass die Hardware im Rechenzentrum des Kunden verortet ist und von SAP betrieben wird“, so Haag. „Diese Option richtet sich an Organisationen mit sehr hohen Anforderungen an Datenhoheit, physische Kontrolle und regulatorische Compliance – etwa sicherheitskritische Einrichtungen oder Behörden und Unternehmen im hochregulierten Sektor, beispielsweise aus dem Bereich Militär oder Energieversorger.“

„Aus DSAG-Sicht gibt es drei Schwerpunkte, in die SAP vermutlich die angekündigten 20 Milliarden Euro investieren wird“, erläutert Haag: „Erstens in den Aufbau von Infrastruktur und Rechenzentren; zweitens in die Anpassung von bestehenden Software-Lösungen, um die Anforderungen der Souveränität zu erfüllen; und drittens in den Aufbau des notwendigen Personals. Denn: Der Betrieb souveräner Lösungen muss durch dedizierte Teams erfolgen. Diese müssen nicht nur entsprechende Qualifikationen mitbringen, sondern auch die notwendigen Sicherheitsanforderungen erfüllen.“

Sicherheit bleibt Top-Thema: Cybersecurity im Fokus

Da KI-Systeme große Mengen an Daten verarbeiten, sind hohe Standards für Datenschutz und Datensicherheit ein Muss. Laut Investitionsreport 2025 liegt Security bei den übergreifenden Themen klar auf Platz eins. 92 Prozent der befragten Unternehmen wiesen diesem Thema eine hohe und mittlere Relevanz zu. „Die Business Data Cloud bildet das neue Datenfundament – entscheidend ist aber, wie tragfähig es wirklich ist. Dafür sind verlässliche Data Products, modulare Insight-Apps, eine vollständig nutzbare Plattform auch über Partnerlösungen wie Databricks sowie ein klares und verständliches Lizenzmodell (so etwa zu „Capacity Units“) notwendig“, fasst Hungershausen zusammen.

SAP Sovereign Cloud will über die grundlegende digitale Souveränität hinausgehen und  länderspezifische regulatorische Standards in vier Schlüsselbereichen erfüllen.(Bild:  SAP)
SAP Sovereign Cloud will über die grundlegende digitale Souveränität hinausgehen und länderspezifische regulatorische Standards in vier Schlüsselbereichen erfüllen.
(Bild: SAP)

„Cybersecurity“, so der Vorstandsvorsitzende weiter, „meint den Schutz von Netzwerken, Geräten, Anwendungen, Systemen und Daten vor Cyberangriffen. Die Bedrohungslage im Cyberraum entwickelt sich hochdynamisch und ist nicht zuletzt auch aufgrund von KI eine kontinuierliche, komplexe und herausfordernde Aufgabe. Unternehmen und Organisationen müssen sich dringend mit diesem Thema auseinandersetzen. Es gilt, sowohl die Cloud-Infrastruktur als auch KI-Anwendungen vor Angriffen zu schützen – nicht zuletzt, da die künstliche Intelligenz ja in beide Richtungen wirken kann, also Schaden verhindern, aber auch verursachen.“

Hungershausen weiter: „SAP ist sich aus Sicht der DSAG durchaus der Bedeutung von Cybersicherheit bewusst und bescheinigt ihren Sicherheitsmaßnahmen in der Cloud die Einhaltung höchster Standards. Sicherheitsanforderungen sollten bereits bei der Entwicklung von Lösungen berücksichtigt werden – Stichwort: Security-by-Design. Und für die Unternehmen gilt: IT-Grundschutz entsprechend etablierter Normen wie ISO 27001 oder NIS-2 ist Pflicht.“ Die Zahl der Angriffe habe sich binnen zwölf Monate verdoppelt.

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