Der Zweck bestimmt die „Spezialwolke“

Purpose-built Clouds – der Erfolg steckt in der Nische

| Autor / Redakteur: Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska* / Elke Witmer-Goßner

Anbieter maßgeschneiderter Cloud-Anwendungen punkten durch Einfachheit und Zuverlässigkeit gegenüber umfassenden Umgebungen.
Anbieter maßgeschneiderter Cloud-Anwendungen punkten durch Einfachheit und Zuverlässigkeit gegenüber umfassenden Umgebungen. (Bild: © tai111 - stock.adobe.com)

Um sich im Wettbewerb mit den Cloud-Giganten zu behaupten, setzen innovative Nischenanbieter auf spezialisierte Lösungen für Unternehmen mit besonderen Ansprüchen. Hat die eierlegende Wollmilchsau also ausgedient?

Das Angebot von Hyperscale-Clouds in roher Ausführung von der Stange scheint einige Unternehmen nicht zu überzeugen. Dieser Eindruck entsteht beim Betrachten des aktuellen Magic Quadrants von Gartner für Cloud-Infrastrukturen als ein Dienst (Gartners Magic Quadrant for Cloud Infrastructure as a Service). Denn während die Mega-Clouds in ihrer schieren Größe weiterhin wachsen, scheinen sich die kleinen Anbieter in ihren strategisch gewählten Nischen nicht nur erfolgreich zu behaupten, sondern sogar von Jahr zu Jahr zu vermehren. Offenbar bleibt das eine oder andere drückende IT-Bedürfnis der Unternehmen bei den Mega-Clouds auf der Strecke.

Mit chirurgischer Präzision

Viele der Anbieter der Nischen-Clouds glänzen durch innovativen Pioniergeist, der sich in ihren fein abgestimmten Diensten niederschlägt. Sie adressieren mit chirurgischer Präzision einige der drückendsten IT-Probleme, welche Cloud-Giganten nur ansatzweise diagnostizieren, aber kaum behandeln können. Virtustream (Teil von Dell EMC) hat sich beispielsweise auf Purpose-built-Clouds für unternehmenskritische SAP-Anwendungen spezialisiert. Bis 2020 wird das Marktsegment für unternehmenskritische IaaS-Dienste 25 bis 30 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen, erwartet Rodney Rogers, der Geschäftsführer von Virtustream.

Nach dem Import einer On-Premise-Umgebung für eine traditionelle Anwendung in die softwaredefinierte Skytap-Umgebung können Unternehmen ihre Workloads in aller Seelenruhe modernisieren. Im Beispiel nutzt die Anwendung sowohl Power/AIX als auch x86/VMware-VMs, einen Lastverteiler, Domain-Kontroller und einen Host für Docker-Container.
Nach dem Import einer On-Premise-Umgebung für eine traditionelle Anwendung in die softwaredefinierte Skytap-Umgebung können Unternehmen ihre Workloads in aller Seelenruhe modernisieren. Im Beispiel nutzt die Anwendung sowohl Power/AIX als auch x86/VMware-VMs, einen Lastverteiler, Domain-Kontroller und einen Host für Docker-Container. (Bild: Skytap)

Skytap spezialisiert sich auf das sogenannte Rehosting von Altlasten-Anwendungen in der Cloud - das Replizieren von On-premise-Umgebungen in der Wolke - und hat sich die sanfte Migration unternehmenskritischer Altlasten-Workloads auf die Fahnen geschrieben. Unternehmen können ihre existierenden Datencenter softwaredefiniert in die Skytap-Cloud übertragen und hier die benötigten Workloads simulieren, um unternehmenskritische Altlasten-Anwendungen in aller Seelenruhe zu modernisieren. „Die einzige Cloud für traditionelle Anwendungen“ soll traditionelle Umgebungen mit modernsten Technologien verschmelzen. Zu den unterstützten Betriebssystemen zählen Linux, Windows auf x86, Solaris auf x86, AIX auf Power; die bereitgestellten Integrationen decken unter anderem Java, .Net, Puppet, Chef, UrbanCode, Docker, Jenkins und Kubernetes ab.

Unternehmen werden zunehmend „cloud-nativ“, d.h. sie verwenden speziell für Cloud Computing konzipierte und entwickelte Anwendungen. Laut einer Studie von Capgemini verstehen sich etwa 15 Prozent von insgesamt 900 befragten Firmen als cloud-nativ. Im Laufe der nächsten drei Jahre soll sich diese Anzahl aber verdoppeln. Dennoch: In einem von drei Unternehmen wurde im Laufe der vergangenen zwei Jahre mindestens ein Digitalisierungsprojekt abgebrochen.

Zu diesem Schluss kam Fujitsu Deutschland in einer am 26. Februar veröffentlichten Studie. Den durchschnittlichen Verlust gescheiterter Projekte beziffert die Studie auf 1,1 Millionen Euro in Deutschland und 500.000 Euro im globalen Vergleich. Drei von vier der Befragten weltweit sorgten sich über die Fähigkeit ihres Unternehmens, sich mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz auseinander zu setzen. 71 Prozent der Befragten wurmt zudem der Fachkräftemangel in ihren Organisationen. Diese Zahlen unterstreichen den enormen Bedarf an externen Kompetenzen und bedarfsgerecht optimierten IT-Lösungen. Nischenanbieter von Purpose-built-Clouds wie Skytap punkten hier durch den Fokus auf Simplizität und Zuverlässigkeit und setzen sich damit von den Mega-Clouds ab.

Händchen halten oder der Wert der Aufmerksamkeit

Gartners Magic Quadrant for Cloud Infrastructure as a Service, Worldwide June 2017, zeigt das Aufkeimen von Nischen-Clouds.
Gartners Magic Quadrant for Cloud Infrastructure as a Service, Worldwide June 2017, zeigt das Aufkeimen von Nischen-Clouds. (Bild: Gartner)

Laut Gartners Schätzungen tummeln sich derzeit mehrere tausend dieser „Spezialwolken“ im Markt und es kämen stets neue hinzu. Ob sie alle überleben würden, ist eine andere Sache. Und auch Owen Rogers, Forschungsdirektor der Digital Economics-Abteilung bei 451 Research, sieht große Marktverschiebungen voraus. Er glaubt, die Nischenanbieter würden in Zukunft den Aufbau und die Verwaltung unternehmerischer Anwendungen unter Einbezug von Bausteinen der Cloud-Giganten AWS und Microsoft unterstützen müssen. In diesem Modell würden die Benutzer den Zugriff auf eine große Auswahl an Diensten der Hyperscale-Clouds genießen, während sie gleichzeitig von der Entwicklung und dem Management in der Hand eines kleinen Nischenanbieters profitieren und mit dem sie eine starke Beziehung genießen würden. Dieses hybride Modell haben einige Anbieter, darunter CenturyLink, NTT und Fujitsu, für ihre Purpose-Built-Clouds bereits ins Visier genommen.

Maßarbeit schlägt Konfektionsware

Für Unternehmen ist die Cloud-Migration zwar nicht ohne gewisse Risiken, doch sie lässt sich im Zweifelsfall nicht aussitzen. Purpose-built-Clouds trumpfen in diesem Kontext gegenüber den Hyperscalern mit zwei entscheidenden Features: maßgeschneiderte optimierte Diensten und eine große Kundennähe.

* Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska, Soft1T S.a r.l. Beratungsgesellschaft mbH McKinley Denali Inc. (USA)

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45390103 / Entwicklung)