Kooperation mit Hyperscalern vervollständigt Oracle Cloud World 2024: Bühne frei für die „Open MultiCloud“

Von Dr. Jakob Jung 8 min Lesedauer

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Die diesjährige Oracle Cloud World stand im Zeichen der Kooperation. Mit Amazon Web Services ist jetzt auch der dritte Hyperscaler an Bord. Vom noch im letzten Jahr verkündeten Anspruch, der vierte Hyperscaler zu sein, hat sich Oracle leise verabschiedet.

Larry Ellison, CTO Oracle, rief in seiner Keynote die Ära der „Open MultiCloud“ in Verbindung mit künstlicher Intelligenz und Cloud Security aus.(Bild:  GAMMA NINE PHOTOGRAPHY)
Larry Ellison, CTO Oracle, rief in seiner Keynote die Ära der „Open MultiCloud“ in Verbindung mit künstlicher Intelligenz und Cloud Security aus.
(Bild: GAMMA NINE PHOTOGRAPHY)

Auf der Oracle Cloud World hat der Datenbankriese nun sein Cloud-Netzwerk fest geknüpft. Die Vereinbarung mit AWS vervollständigt das Trio der großen Cloud-Provider-Partnerschaften für Oracle, wobei die Datenbankdienste von Oracle auf der Oracle Cloud Infrastructure (OCI) direkt auf AWS, Google Cloud und Microsoft Azure laufen. Eine gemeinsame Cloud Region mit Azure in Deutschland gibt es bereits, 2025 sollen dann weitere folgen.

Zurück zu den Wurzeln

In ihrer Keynote auf der Oracle Cloud World im Las Vegas Venetian Convention Center betonte Oracles CEO Safra Catz, dass zwei Dinge im Vordergrund stünden: die Technologie und die Kunden. Es gehe darum, Technologie zum Leben zu erwecken. Die Oracle Cloud sei auf Schnelligkeit und Sicherheit ausgerichtet, in jeder Form, auch auf Schiffen. Die einstigen Rivalen Microsoft, AWS und Google seien heute allesamt Partner von Oracle. „Für uns ist das eine Rückkehr zu unseren Wurzeln – diese Veranstaltung hieß früher Oracle Open World“, sagte Catz.

Anschließend lud Catz die Partner zu einer Weltreise ein, die bei den MGM Hotels in Las Vegas begann. Bill Hornbuckle, CEO von MGM, gab einen Überblick über die Entwicklung des Casino-Standortes in den letzten 50 Jahren zu einer Unterhaltungsplattform und einer Geschäftsdestination von Weltrang, die sich auch biographisch spiegelt: Vor 50 Jahren begann Hornbuckle als Barkeeper und Busfahrer in Las Vegas, Catz als Kellnerin.

„Covid hat uns zum digitalen Check-in gezwungen“, berichtete Hornbuckle. Seitdem habe sich die Technologie weiterentwickelt und MGM setze auf die Oracle Cloud. KI sei für MGM ein Gamechanger: „50 Prozent unserer Spieleumsätze kommen von einem Prozent unserer Kunden und mit KI können wir besser auf ihre Wünsche eingehen.“

Geheimdienstlich geprüfte Sicherheit

Der nächste Kunde war die Central Intelligence Agency (CIA), aus der Oracle einmal als Spin-off hervorgegangen ist. Die CIA war auch der erste Oracle-Kunde im Jahr 1977 und ist dem Konzern seit 47 Jahren treu geblieben. La’Naia Jones, CIO dieses US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes, erklärte die verschiedenen globalen Bedrohungen und wie Oracles Technologie helfe, diese zu bekämpfen.

Oracles CEO Safra Catz: „Die CIA ist unser härtester Kunde und alle unsere Produkte werden nur freigegeben, wenn sie die Sicherheitsanforderungen der CIA erfüllen.“(Bild:  Oracle)
Oracles CEO Safra Catz: „Die CIA ist unser härtester Kunde und alle unsere Produkte werden nur freigegeben, wenn sie die Sicherheitsanforderungen der CIA erfüllen.“
(Bild: Oracle)

„Sicherheit ist für Oracle genauso wichtig wie für Oracle. Wir sind Partner in dieser globalen Mission.“ Jones begann als Datenbankadministrator: „Die Technologie hat für uns alles verändert.“ Auch für die Cybersicherheit sei GenAI ein wichtiger Faktor. „Die Bedrohungslage verschärft sich ständig und GenAI hilft uns bei unserer Mission.“ Catz betonte: „Die CIA ist unser härtester Kunde und alle unsere Produkte werden nur freigegeben, wenn sie die Sicherheitsanforderungen der CIA erfüllen.“ Die CIA nutzt die Infrastruktur von Oracle nach wie vor auf vielfältige Weise, was den Anspruch von Oracle untermauert, die höchsten Sicherheits-, Skalierbarkeits- und Leistungsanforderungen des wohl größten Geheimdienstes der Welt zu erfüllen.

Die französische Bank BNP Paribas berichtete anschließend mit den beiden Referenten Jean-Yves Fillion, Vice-Chairman Board of Directors, BNP Paribas, und Bernard Gavgani, Chief Information Officer, BNP Paribas, dass sie in 80 Ländern auf Oracle setzen. „Oracle ist für uns ein strategischer Partner“. Catz: „Ich bin stolz, dass wir an ihrem Erfolg teilhaben.“ BNP hat einen strategischen Plan mit vier Säulen entwickelt: Wachstum mit einer führenden Position in EMEA, Technologie mit einem starken Engagement. Bernard: „Die Technologie ist das Herzstück unseres Erfolgs und unserer Compliance. Wir verlagern unsere Workloads in die Oracle Cloud und setzen auf KI. Dafür haben wir gemeinsam ein tragfähiges Konzept entwickelt. Es gibt bereits mehr als 500 Anwendungsfälle. KI bringt uns Mehrwert gepaart mit hoher Sicherheit.“

Die neue Offenheit bei Oracle

Anschließend rief Larry Ellison, CTO Oracle, in seiner Keynote die Ära der „Open MultiCloud“ in Verbindung mit KI und Cloud Security aus. In der Vergangenheit sei die IT-Branche mit Walled Gardens [geschlossene Plattformen oder Softwaresysteme mit Restriktionen; Anm. d. Red.] auf einen Irrweg geraten. Jetzt gehe es darum, wieder Offenheit zu schaffen. In der Realität nutzten die Kunden viele verschiedene Infrastruktur-Clouds, die aber nicht gut aufeinander abgestimmt seien.

Wenn Kunden z.B. die Oracle Exadata Datenbank innerhalb von AWS nutzen wollen, dann sei eine bestehende Interconnection keine optimale Lösung und es könne zu Latenzproblemen und ähnlichem kommen, erklärte Ellison. Viel besser wäre es, innerhalb von AWS ein Rechenzentrum mit Oracle Open Cloud Infrastructure (OCI) zu betreiben, für höchste Performance, einfache Bedienung, Fehlertoleranz und Skalierbarkeit.

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„Genau das machen wir jetzt mit AWS“, sagte Ellison. Im Dezember 2024 sollen die Datenbanken Oracle Exadata, 23a, Autonomous auf AWS live gehen. Auftritt Matt Garman, CEO von AWS: „AWS ist die beliebteste Cloud und Kunden wollen Workloads wie die Oracle-Datenbanken auf AWS nutzen. Wir schaffen dafür eine großartige Lösung, die sich wie eine native AWS-Lösung anfühlt und auf dem AWS Marketplace verfügbar ist“. Ellison: „Das ist ein lang gehegter Wunsch vieler Kunden und jetzt passiert es wirklich“. Garman: „Das ist superspannend und ermöglicht eine schnelle Migration. Wir starten in einer Region und expandieren dann schnell“. In der anschließenden Pressekonferenz erklärten Sprecher beider Unternehmen, dass die Startregion in den USA im Dezember 2024 sein werde, gefolgt von EMEA im Jahr 2025.

Ellison fährt fort: „Die Situation ist anders als noch vor ein paar Jahren. Die neue Multicloud-Ära bedeutet, dass wir OCI-Rechenzentren in AWS, MS und Google sowie Fujitsu und NTT in Japan integriert haben. Die Anwendungen der Kunden können nun die Dienste verschiedener Public Clouds nutzen. Das ist keine Einbahnstraße und es geht nicht nur um die Oracle Datenbank, sondern zum Beispiel kann auch Google Gemini im OCI genutzt werden“. Es gebe viele neue Clouds, wie z.B. Alloy Clouds (für die Börse Tokio), Sovereign Clouds für Staaten und Behörden, um alle Daten im jeweiligen Land hinter einer Firewall zu belassen, und Enterprise DRC@C Private Clouds.

Die Oracle Private Cloud ist technisch identisch mit der Public Cloud. Oracle verfügt über 162 Rechenzentren für die OCI Public und Private Cloud und plant weitere. Die Rechenzentren sind identisch und unterscheiden sich nur in der Größe. Das kleinste hat 144 KW, das größte 800 MW, und werden beispielsweise von großen KI-Unternehmen wie Nvidia, OpenAI und x Grok genutzt.

Sicherheit gepaart mit künstlicher Intelligenz

Das zweite große Thema in Ellisons Keynote war die Sicherheit in der Cloud. Diese soll mit Hilfe künstlicher Intelligenz dramatisch verbessert werden. Oracles Sicherheitsstrategie fußt auf vier Säulen: Data Security, App Security, User Identity und Network Security. „Unsere Cyber Defense Robots stehen in Konflikt mit ihren Attack Bots“, aber mit Autonomous Systems sei es ähnlich wie mit selbstfahrenden Autos: „sie sind viel sicherer als menschliche Fahrer.“

Ellison weiter: „Fast alle Cyber-Angriffe beginnen mit menschlichen Fehlern. Der Roboter in der Oracle Autonomous Database macht keine menschlichen Fehler. Er macht automatisch Backups und Restores und patcht sich selbst. Wenn mehr Prozessoren benötigt werden, werden diese automatisch hinzugefügt. Aber man muss bereit sein, weniger zu bezahlen.“ Damit meinte er, dass die neuen KI-Funktionen ohne Aufpreis in die Datenbanken integriert würden und der Kunde auch keine teuren Grafikkarten anschaffen müsse, weil OCI diese ebenfalls bereitstelle. „Alle unsere Anwendungen werden in Zukunft die Autonome Datenbank enthalten, die meisten Branchenlösungen nutzen sie bereits, der Rest wird im nächsten Jahr folgen“, fuhr Ellison fort. Die Oracle-Infrastruktur läuft auf der Autonomous Database, die sich um die Konfiguration, die Benutzerauthentifizierung und vieles mehr kümmert.

Mit der Oracle Low-Code-Programmiersprache APEX können nun anspruchsvolle Anwendungen sicher, zustandslos und zuverlässig ohne Schwachstellen erstellt werden. APEX steigere laut Ellison die Produktivität der Entwickler um den Faktor 10. „Biometrie ist einfacher, schneller und sicherer. Fingerabdrücke können nicht gefälscht werden. Passwörter sind out. Der nächste Schritt sind biometrische Kreditkarten. Mit der 23ai Vector Datenbank ist das möglich und wir können 22.000 Transaktionen pro Sekunde überprüfen. Es gibt viele weitere Anwendungen wie Reisepässe, Rezepte und so weiter“, betonte Ellison.

Großer Andrang auf der Oracle Cloud World 2024 vom 9. bis 12. September in Las Vegas.(Bild:  Oracle)
Großer Andrang auf der Oracle Cloud World 2024 vom 9. bis 12. September in Las Vegas.
(Bild: Oracle)

Eine neue Generation der Netzwerksicherheit wird mit ZPR Zero Trust Packet Routing (gesprochen Zipper) eingeläutet. „Das Problem bei der Netzwerksicherheit ist die Komplexität durch widersprüchliche Ziele: Geschwindigkeit versus Sicherheit. Deshalb ist es schwierig und riskant, die Netzwerkkonfiguration zu ändern. Kleine Fehler können Daten preisgeben. Die Lösung ist die Trennung der Netzwerksicherheit von der Netzwerkkonfiguration mit der ZPR Network Security Language, dem ZPR Generator und der ZPR Run Time“, erklärte Ellison.

ZPR reagiert automatisch auf Konfigurationsänderungen und legt keine Daten offen. Das vereinfacht die Netzwerksicherheit mit zentralisierten Richtlinien und sofortigen Updates. ZPR ist in OCI integriert. Ellison: „Die Hardware von OCI unterscheidet sich von anderen Clouds und ist daher schneller und sicherer. OCI ist vom öffentlichen Internet isoliert. Der Netzwerk-Controller und ZPR sind in die Netzwerk-Hardware von OCI der Generation 2 integriert. So kann niemand Daten exfiltrieren.“ Sicherer Datenzugriff mit Biometrie und ZPR blockiere die meisten Cyber-Angriffe. „ZPR ist ab sofort verfügbar und sorgt für Gen2 Security. So können wir die Cyberkriege stoppen“, schloss Ellison seine Keynote.

Oracles Strategie am deutschen Markt

Thorsten Herrmann, Country Leader Oracle Deutschland, setzt auf Kundennähe und Wahlfreiheit. Multicloud sieht er als nachhaltig gelebte Strategie. Damit sollen den Kunden Wahlmöglichkeiten in der Multicloud eröffnet werden. Durch die neuen Kooperationen mit Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure werde es für deutsche Kunden noch einfacher, die Oracle Datenbanken 23ai, Exadata Service und Autonomous in der hochsicheren und souveränen Oracle Cloud Infrastructure (OCI) ohne Latenzen in der Cloud einzusetzen. Eine Azure/OCI-Region in Deutschland gebe es bereits, weitere von AWS und Google würden 2025 folgen.

Herrmann verzeichnet bereits großes Interesse von Kunden aus dem Behörden- und Verteidigungsbereich. Eine Isolated Cloud für militärische Zwecke ermögliche beispielsweise eine kaskadierende Cloud vom Hauptquartier bis zum einzelnen Kriegsschiff. Auch das Gesundheitswesen, in dem Oracle in den USA durch die Übernahme von Cerner bereits eine sehr starke Position hat, solle in Deutschland ein sehr relevanter Markt werden. Oracle stehe, laut Herrmann, hier in intensivem Austausch mit den Regulierungsbehörden.

Die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland ist derzeit schwierig, doch Herrmann ist optimistisch: „Überall wird gespart, aber das ist nicht immer schlecht für uns. Mit unseren Cloud- und Industrielösungen können wir Kunden aus der Krise helfen und Innovationsprojekte vorantreiben. Wir werden mehr Wachstum generieren, als wir durch Einsparungen verlieren.“

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