Nachhaltigkeit in der IT ist mehr als ein „Nice to Have”. Mit der EU-Richtlinie Corporate Sustainability Reporting (CSR) wird die Reduzierung des Fußabdrucks zur regulatorischen Vorschrift. Die gute Nachricht: Wer GreenOps beispielsweise innerhalb seiner Cloud-Infrastruktur etabliert, profitiert von FinOps – und kann effektiv Kosten einsparen.
Für mehr Nachhaltigkeit in Cloud-Umgebungen bzw. bei der Cloud-Nutzung gehen FinOps und GreenOps idealerweise Hand in Hand.
(Bild: mila103 - stock.adobe.com)
Der IT-Himmel bleibt unabhängig von der unsicheren Wirtschaftslage am Boden weiter wolkig. Laut Flexera State of the Cloud Report 2023 steigt der Anteil an Unternehmen, die die Cloud intensiv nutzen, kontinuierlich und liegt aktuell bei 65 Prozent. Mehr als die Hälfte der Workloads (53 %) und Daten (51 %) werden mittlerweile in der Public Cloud ausgeführt bzw. gespeichert. Damit klettern nicht nur die Cloud-Kosten in neue Höhen, auch der Energieverbrauch und damit der Carbon Cloud Footprint (CFF) legt zu. Bis 2023 soll der Stromverbrauch in deutschen Rechenzentrum nach Bitkom auf 23 bis 29 Milliarden kWh steigen. Der aktuelle KI-Boom, angestoßen von ChatGPT, ist dabei noch nicht einmal eingerechnet.
Eine neue Brisanz gewinnt das Thema mit der im November 2022 vom EU-Parlament verabschiedeten Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Die Richtlinie nimmt Unternehmen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung stärker in die Verantwortung. So verpflichtet sie Unternehmen dazu, die Wirkung von Nachhaltigkeitsaspekten auf die eigene wirtschaftliche Lage zu dokumentieren. Umgekehrt müssen sie zudem die Auswirkungen ihres Geschäftsbetriebs auf die Nachhaltigkeit offenlegen. Betroffen sind mit Ausnahme von Kleinstbetrieben alle an einem EU-regulierten Markt notierten Unternehmen, darunter schätzungsweise rund 15.000 allein in Deutschland.
GreenOps: Grünes Modell für die Cloud
Damit steht die IT, was die Frage der Nachhaltigkeit angeht, vor einer handfesten Herausforderung. Es gilt, die digitale Transformation – von On-Premises- über SaaS-Lösungen bis hin zur Cloud – nicht nur kosteneffektiv und ganzheitlich, sondern auch „grüner“ umzusetzen.
Multi-Cloud-Nutzung steigt: 87 % der Unternehmen greifen auf mehr als einen Anbieter zurück und 72 % investieren hybride Umgebungen aus Public und Private Clouds.
(Bild: Flexera)
Den vielversprechendsten Ansatz bietet GreenOps. Das Nachhaltigkeitsmodell umfasst alle Initiativen, die Unternehmen ergreifen, um den CO2-Fußabdruck innerhalb der IT und über alle IT-Assets hinweg zu minimieren. Wie das funktioniert, zeigt sich besonders schön am Beispiel der Cloud. GreenOps beginnt bei der selektiven Migration von Workloads und Anwendung, baut auf einer schlanken und modular aufgebauten Cloud-Architektur auf, beinhaltet energieeffiziente Rechenzentren – egal ob in-house oder beim Cloud-Anbieter – und endet beim kontinuierlichen Management von Cloud-Assets über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg.
In der Praxis ist dies jedoch leichter gesagt als getan. Eine der größten Hürden bei der Überwachung der hybriden IT-Landschaft ist mit Sicherheit der fehlende Einblick. Hinsichtlich der Cloud bieten zwar einige Hyperscaler wie AWS, Azure und GCP bereits entsprechende Dashboards mit Metriken und Daten an, die über die CO2-Emissionen der jeweiligen Cloud-Assets Aufschluss geben. Damit spiegeln sie jedoch nur Teilausschnitte einer immer komplexeren und dynamisch wachsenden Cloud- und IT-Infrastruktur wider. Die große Mehrheit der Unternehmen setzt nämlich nach wie vor auf mehr als einen Anbieter (Multi-Cloud, 87 %) und investiert in Public wie in Private Clouds (Hybrid-Cloud, 72 %).
Von FinOps lernen
Ein guter Ansatzpunkt für Nachhaltigkeit findet sich daher in einem verwandten Modell: FinOps. FinOps bzw. Cloud Financial Management wird oft als das Betriebsmodell für die Cloud bezeichnet und umfasst klar definierte Praktiken, Prozesse und Governance-Richtlinien zur Cloud-Kostenkontrolle. Die Verantwortung für die Cloud-Ausgaben trägt dabei nicht mehr allein die IT oder die Finance-Abteilung. Stattdessen wird jedes Team und jede Abteilung zum Kosten-Manager, der Cloud-Initiativen auf ihren Mehrwert hin überprüft, die Ausgaben für SaaS und Instanzen am Monatsende einsieht und ein gesundes Kosten-Nutzen-Verhältnis des Cloud Computings sicherstellt.
FinOps setzt – ähnlich wie bei der Etablierung von mehr Nachhaltigkeit – einen Wandel in der Unternehmenskultur voraus. Es geht darum, nur das zu nutzen, was tatsächlich benötigt wird, das Maximum aus bestehenden IT- und Cloud-Assets zu ziehen und unnötige Cloud-Ausgaben aus dem Portfolio zu tilgen. Damit ist nicht automatisch eine Kürzung des Cloud-Haushalts verbunden. Ziel ist es vielmehr, seine Cloud-Infrastruktur so schlank wie möglich zu halten, ohne in der digitalen Transformation zurückzufallen. Oder mit anderen Worten: Es geht um nachhaltiges Wirtschaften.
Dreisatz der Nachhaltigkeit
Grundsätzlich verläuft FinOps in drei Phasen. Transparenz schaffen, Optimierungspotentiale zunächst identifizieren und dann im laufenden IT-Betrieb umsetzen und feinjustieren. An diesem Bauplan für die Cloud knüpft GreenOps in vielfacher Hinsicht an und überschneidet sich sogar.
Stand: 08.12.2025
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Phase 1: Informieren
Egal ob Legacy-Anwendungen, On-Premises, SaaS oder Cloud-Instanzen – um datenbasierte IT-Entscheidungen treffen zu können, ist Transparenz das A und O. CIOs, CFOs, IT-Manager, Cloud-Architekten und Projektmanager müssen schnell und verlässlich zentrale Fragen beantworten können: Wie viele IT-Assets bestehen? Wie hoch ist die Nutzung bzw. Nichtnutzung? Welche Ausgaben fallen pro Tag/Monat/Asset/Anbieter an? Unter welche Kostenstelle sind diese zu verbuchen?
Ein Blick auf diese Fragen verdeutlicht bereits das Potential für GreenOps: Auch hier gilt es detaillierte Daten zu sammeln und IT-Assets nach spezifischen KPIs aufzuschlüsseln – nur dass anstelle von Kosten Nachhaltigkeits-Metriken wie z. B. Energieverbrauch und CO2-Emissionen im Fokus stehen.
Phase 2: Optimieren
Erst auf Basis dieser IT-Visibility lassen sich im nächsten Schritt Einsparungspotentiale identifizieren – sei es auf Kosten- oder Nachhaltigkeitsseite. Eine der offensichtlichsten Best Practices ist das Rightsizing, also die bedarfsgerechte Anpassung von IT-Ressourcen. Dazu zählt neben dem Entfernen von wenig bis gar nicht genutzte Anwendungen (z. B. SaaS) und der Deprovisionierung von ungenutzten Speicherkapazitäten das automatische Herunterfahren von Cloud-Workloads nach Geschäftsschluss. Ganz nach der Devise: „Der Letzte macht das Licht aus”. Die Optimierung der IT-Architektur – z. B. das Upgrade von Cloud-Instanzen auf stromsparende Prozessoren – kann darüber hinaus eine Optimierung beim Energieverbrauch und mitunter bei den Kosten nach sich ziehen.
Eine FinOps-Strategie durchläuft idealerweise drei Phasen.
(Bild: Flexera)
Eine wichtige Stellschraube stellt zum Beispiel die Public Cloud dar: Allein die Konsolidierung der Cloud-Nutzung macht sie in der Regel 2- bis 4-mal effizienter als die Private Cloud. Die großen Anbieter rund um AWS, Azure, Google & Co. betreiben ihre Rechenzentren zudem verstärkt über erneuerbare Energiequellen und reduzieren ihren CO2-Fußabdruck u. a. durch smarte Klimatisierung, langlebige Geräte/Server und neue Konzepte zur Abwärmenutzung. Allein mit dem Umstieg vom Komprimierungsstandard gzip auf zstd konnte AWS beispielsweise den Speicherbedarf für S3-Buckets um 30 Prozent reduzieren und damit eine CO2-Einsparung in ähnlicher Größenordnung verbuchen. Damit hängt die Wahl des Anbieters zukünftig nicht mehr nur von Kosten und Performance ab, sondern ebenso von GreenOps-Kriterien.
Phase 3: Ausführen
In der letzten Phase liegt der Schwerpunkt darauf, Verantwortlichkeit innerhalb des Unternehmens zu schaffen. Im Cloud Computing gehört dazu zum Beispiel ein dediziertes Cloud-Team (z. B. Cloud Center of Excellence, CCOE), das eine klare Rollen- und Aufgabenaufteilung vornimmt und Cloud-Best-Practices über interne Schulungen bereitstellt. Grundsätzlich lohnt es sich, die Effektivität von IT-Nachhaltigkeits-Praktiken aufzuzeigen und damit greifbare Anreize für Abteilungen und Teams zu schaffen.
Für FinOps gibt es bereits automatisierte IT-Asset-Managementsysteme, die den hybriden IT-Bestand, einschließlich Software, Hardware und Cloud, in ihrer Gesamtheit tracken und analysieren. Dabei legen die Daten nicht nur dar, wie stark die IT-Ressourcen von Nutzern in Anspruch genommen werden („Showback“). Sie zeigen schwarz auf weiß, wie viel die Nutzung (oder Nichtnutzung) dem Unternehmen kostet („Chargeback“). Der Einblick erlaubt es Projektleitern und Teams bei steigenden Kosten gegenzusteuern und Maßnahmen anzupassen. Solche granularen Analysen bieten sich im Rahmen der GreenOps an: Hier lassen sich zukünftig Nachhaltigkeitsaspekte nach Abteilung, Geschäftsbereich oder Service aufschlüsseln und bieten so die Grundlage für eine Compliance-konforme Berichterstattung gemäß CSR.
Chance für nachhaltiges Cloud-Management
FinOps und GreenOps korrelieren dort am stärksten, wo eine zunehmende Nutzung der IT-Assets sowohl mit höheren Kosten als auch mit höherem Energieverbrauch einhergeht. Aber Achtung: Nicht jede FinOps-Maßnahme wirkt sich automatisch in Richtung GreenOps aus. Wer beispielsweise aus Kostengründen auf eine Cloud in einer anderen Region wechselt, ist damit nicht zwangsläufig nachhaltiger. Im Worst-Case-Szenario verstößt er damit sogar gegen regulatorische Auflagen – sei es DSGVO oder CSR. Gleichzeitig gründet eine ernst gemeinte Nachhaltigkeitsstrategie in der IT nicht allein auf finanziellen Anreizen. Konstruktiver ist es, GreenOps trotz aller Herausforderungen als Chance zu verstehen, um ein ganzheitliches sowie buchstäblich nachhaltiges IT-Asset und Cloud-Management zu etablieren.
* Über den Autor Als Regional Vice President bei Flexera unterstützt Olav Strand Unternehmen in der DACH-Region bei Fragen rund um das Lizenz- und Software Asset Management (SAM) und Cloud Management. Der erfahrene Manager ist seit über 25 Jahren in verschiedenen Führungspositionen im IT-Sektor unterwegs und kann auf umfassende Expertise zurückgreifen. Er war unter anderem bei Branchenführern wie Splunk, Oracle, BMC Software, Tanium, Fusion und IPsoft tätig. Zudem war er Board Member im Artificial Intelligence Council von Bitkom.