German Cloud untersucht Nutzung von Cloud-Technologien

Mittelstand blickt in überwiegend wolkenfreien IT-Himmel

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

So richtig können sich deutsche Mittelständler noch nicht mit der Cloud anfreunden. Bedenken zur Datensicherheit, aber auch fehlende Überzeugung von den Vorteilen bremsen die neuen Services aus.
So richtig können sich deutsche Mittelständler noch nicht mit der Cloud anfreunden. Bedenken zur Datensicherheit, aber auch fehlende Überzeugung von den Vorteilen bremsen die neuen Services aus. (Bild: MH, Fotolia)

„Die Cloud macht es euch bequemer, billiger und sicherer, IT-Ressourcen effizient zu nutzen!“ So oder ähnlich adressieren Cloud-Anbieter gerne kleine und mittelständische Unternehmen und malen ihnen die Vorteile von SaaS-, PaaS- und IaaS-Diensten in den schillernsten Farben.

Doch kam diese Botschaft beim Mittelstand bisher überhaupt an? Zur Beantwortung dieser Frage, ob und wie der deutsche Mittelstand Cloud-Technologien heute nutzt, hat die Zertifizierungsstelle für Cloud-Anbieter, German Cloud, eine nach eigener Aussage erste unabhängige Studie in Auftrag gegeben. Als Studienpartner konnte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rheinland-Pfalz unter Führung der IHK Koblenz gewonnen werden. Im Rahmen der regelmäßig durchgeführten Konjunkturumfrage wurden die Ansprechpartner der IHK – dies sind in der Regel Geschäftsführer mittelständischer Betriebe – in zusätzlichen Erhebungen zum Thema „Nutzung von Cloud-Technologien“ befragt.

Insgesamt haben 861 Unternehmen an der Umfrage Ende März 2013 teilgenommen. Die Ergebnisse sind anonymisiert, um ein sehr aussagekräftiges Ergebnis zu erreichen. Während andere Erhebungen nur die Top-50-Untermnehmen oder gar Anbieter direkt befragen, bewertet German Cloud diese Durchdringung des Mittelstandes als einmalig.

Wolkenfreie Zone

Die Ergebnisse der German-Cloud-Erhebung sprechen Bände: Über 80 Prozent der befragten Mittelständler nutzen noch keine Cloud-Technologien. Rund 15 Prozent der Befragten gaben an, bereits Cloud-Services zu nutzen. Dabei kam allerdings zu Tage, dass wohl einzelne Abteilungen in Unternehmen dieses ohne das Wissen des Umfrageteilnehmers tun. In diesen Fällen mahnt German Cloud Steuerungsbedarf in den betroffenen Unternehmen an, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Dass sich der Großteil der befragten Unternehmen noch in Zurückhaltung übt, spricht laut German Cloud zum einen für ein großes zu erwartendes Wachstum in Cloud-Service, zum anderen aber auch für die Vorsicht des deutschen Mittelstandes.

Auf die Frage, ob die Mittelständler darauf achten, dass ihre Daten in Deutschland gespeichert werden, antworteten rund dreiviertel der Befragten mit „ja“ – für German Cloud ein erfreuliches Ergebnis. Allerdings birgt dieses Vertrauen in „bekannte“ Serviceanbieter auch Gefahren: Da mittelständische Unternehmen ihre Lieferantenbeziehungen pflegen, stehen sie in Gefahr, zum Beispiel Cloud-Services von langjährigen, aber nicht-zertifizierten Systemhauspartnern in Anspruch zu nehmen. Die Auslagerung oder die ausgelagerte Verarbeitung wertvoller Firmendaten, ohne dafür zertifiziert zu sein, sei aber leichtsinnig, warnt German Cloud und empfiehlt ein Qualitätsaudit für alle Anbieter: Geringer Aufwand für alle Beteiligten, verbesserte Sicherheit und Haftungsminimierung für das Unternehmen.

Abwarten und Tee trinken

Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen haben noch Bedenken, Cloud-Technologien zu nutzen und planen aktuell keine Auslagerung von Teilen ihrer EDV. Sie wollen ihre IT-Abteilung weiter im Haus betreiben bzw. glauben nicht daran, dass sie mit der Auslagerung von Daten und Diensten Einsparungen erzielen und gleichzeitig die Sicherheit erhöhen können. Weniger als einem Prozent der Umfrageteilnehmer war die Möglichkeit, den Betrieb von EDV-Programmen auszulagern, bisher noch nicht bekannt. Etwa ein Drittel der befragten Mittelständler hat noch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Firmendaten. Dies zeuge, so German Cloud, von gesundem Unternehmerverstand. Diese Unternehmen werden den Schritt der Auslagerung vermutlich in nächster Zeit beschreiten, sobald es klare Sicherheitsprozesse gibt.

Die 213 Firmen, die ihre EDV-Abteilung wie bisher betreiben wollen, könnten allerdings ein anderes Problem haben, denn eine Umstellung der Firmenprozesse in Richtung Cloud könnte Konfliktpotenzial mit der IT-Abteilung nach sich ziehen. Die Mitarbeiter hier befürchten weniger Einfluss auf wichtige Entscheidungen hinsichtlich der verwendeten IT-Systeme zu haben und auch den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Denn schließlich ist ein Administrator im Unternehmen in der Lage, maximal 15 Serversysteme zu pflegen, im Rechenzentrum ist die gleichzeitige Administration von 140 Servern pro IT-Fachkraft möglich. Dennoch sollte die Überlegung zu Einsparungen nicht an erster Stelle stehen, so German Cloud. Vielmehr gehe es um erhöhte Sicherheit und Verbesserung der Unternehmensperformance.

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