Pragmatischer Balanceakt zwischen Auslagerung und On-Premises Hybride Cloud: Mittelstand setzt auf Mischmodelle

Ein Gastbeitrag von Alexander Krauter* 4 min Lesedauer

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Unternehmen setzen zunehmend auf Edge-Computing-Lösungen, um Daten direkt am Entstehungsort zu verarbeiten. Effizienz, Latenzzeiten und Sicherheit profitieren – und neue Ansätze wie KI-Integration treiben die Entwicklung weiter voran.

Ein hybrides Konzept kombiniert Cloud- und On-Premise-Lösungen. Für Fertigungsfirmen erweist sich dieser Weg als optimal.(Bild:  Starmarpro - stock.adobe.com)
Ein hybrides Konzept kombiniert Cloud- und On-Premise-Lösungen. Für Fertigungsfirmen erweist sich dieser Weg als optimal.
(Bild: Starmarpro - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung von zentralen Geschäftsprozessen stellt mittelständische Unternehmen in Deutschland vor einige Herausforderungen. Insbesondere der industrielle Mittelstand muss einen Weg finden, die Vorteile moderner Cloud-Lösungen zu nutzen, ohne dabei bewährte und individualisierte Prozesslandschaften aufzugeben.

Ein hybrides Konzept, das Cloud- und On-Premises-Lösungen intelligent kombiniert, erweist sich zunehmend als optimaler Weg für Fertigungsunternehmen.

Modifikationen als Hemmnis

Kernsysteme in die Obhut eines IT-Partners zu legen, ist ein Schritt, der überlegt sein will – strategisch wie technisch. Wie intensiv Unternehmen – ungeachtet der Branche – in Richtung Cloud lenken, hängt sehr stark vom jeweiligen Standardisierungsgrad ab. Gerade bei ihren komplexen und individualisierten Fertigungsprozessen sind mittelständische Unternehmen noch zurückhaltend. Je näher etwa eine Applikation an den Kernprozessen eines Unternehmens liegt, desto zurückhaltender sind Unternehmen, sie in der Cloud betreiben zu lassen. Umgekehrt bedeutet das: Je weiter entfernt eine Anwendung von den Kernprozessen ist und je stärker standardisiert, desto einfacher lässt sich diese als Software-as-a-Service, also als vollumfängliche Cloud-Lösung, umsetzen.

Mittelständische Unternehmen in Deutschland zeichnen sich oft durch einen hohen Individualisierungsgrad ihrer unternehmenskritischen Geschäftsprozesse aus, was ihnen wettbewerbsentscheidende Alleinstellungsmerkmale verschafft. Gleichzeitig stellt dies jedoch eine Herausforderung bei der Migration von Kernprozessen in die Cloud dar. Besonders zentrale Prozesse wie Materialwirtschaft, Produktionsteuerung und Logistik sind tief in der Unternehmensinfrastruktur verankert, die in Cloud-Umgebungen nicht immer problemlos abgebildet werden können. Häufig sind diese Prozesse hoch modifiziert und an firmenspezifische Bedürfnisse angepasst, was den Weg in die Cloud maßgeblich erschwert.

Ohne eine umfassende Harmonisierung der Prozesslandschaft und den Einsatz von Branchen-Templates sowie Industry Best Practices können die Vorteile der Cloud nicht optimal genutzt werden. Innovationen kommen nur dann zum Tragen, wenn mittelständische Fertiger mit dieser Entwicklung mitgehen. Hier sind auch die Anbieter gefordert, sich den unterschiedlichen Geschwindigkeiten in Sachen Digitalisierung ihrer Kunden anzupassen.

Sensible Daten und Know-how-Schutz

Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für oder gegen Cloud-Lösungen in mittelständischen Unternehmen ist auch der Schutz sensibler Unternehmens- und Prozessdaten. Viele Firmenverantwortliche haben Bedenken, ihr unternehmerisches Wissen und sensible Daten in die Cloud zu verlagern. Besonders bei unternehmenskritischen Informationen bevorzugen es Unternehmen, die vollständige Kontrolle über Zugriffsrechte und Sicherheit zu behalten. Daher belassen viele Unternehmen, die eine Cloud-Transformation in Betracht ziehen, die Speicherung und Verwaltung dieser Daten on-premises, um Sicherheitsmaßnahmen und Zugriffe besser kontrollieren zu können. Zudem spielt die Erfüllung gesetzlicher Datenschutzvorgaben, besonders in Bereichen mit sensiblen Daten, eine entscheidende Rolle. Unternehmen müssen sicherstellen, dass Cloud-Lösungen alle rechtlichen Anforderungen zum Schutz von Kundendaten und Geschäftsgeheimnissen erfüllen.

Kostenaspekte: Die Realität hinter dem Cloud-Versprechen

Eines der Hauptargumente für die Cloud war ursprünglich das Versprechen spürbarer Kosteneinsparungen. Die Praxis zeigt jedoch, dass die tatsächlichen Ausgaben de-facto auch höher ausfallen können, als erwartet. Marktforscher von IDC haben in ihrer Cloud-Pulse-Umfrage für 4Q/2023 einen klaren Trend identifiziert, wonach Unternehmen ihre Workloads teilweise wieder aus der Cloud zurückholen, weil die tatsächlichen Kosten die ursprünglichen Kalkulationen übertreffen.

Die Gründe hierfür sind nicht das Ergebnis einer subjektiven Wahrnehmung, sondern durch konkrete Zahlen belegt: So ergab die IDC-Studie, dass fast die Hälfte der Befragten im Jahr 2023 mehr für die Cloud ausgegeben hat als ursprünglich geplant, und 59 Prozent rechneten zudem auch für das Folgejahr mit ähnlichen Überschreitungen. Die Komplexität von Cloud-Umgebungen, gepaart mit unvorhersehbaren externen Einflüssen, macht es für Unternehmen deshalb schwer, anfallende Kosten genau zu kalkulieren.

Denn nicht selten kommen versteckte Kosten erst zu spät ans Licht – etwa in Form von Datenübertragungsgebühren, unverständliche Kostenberechnungen für Speicher oder Abonnements mit zu langen Laufzeiten. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen selektiv Workloads wieder in ihre On-Premises-Umgebung zurückholen.

Der hybride Ansatz als Lösung für den Mittelstand

Angesichts dieser Herausforderungen verspricht eine Hybrid-Strategie im Sinne einer sinnvollen Kombination beider Welten, die On-Premises- und Cloud-Lösungen kombiniert, für viele mittelständische Unternehmen mittelfristig – wenn nicht sogar langfristig – den größten Benefit. Dieser Ansatz geht über ein „entweder oder“ hinaus und setzt auf ein „sowohl als auch“. Firmen können, je nach Anwendung, die jeweils beste Betriebsart wählen und so die Stärken beider Welten miteinander verbinden. Dadurch profitieren sie in Bereichen wie E-Procurement oder Vertrieb von den Vorteilen der Cloud, während in produktionsnahen Bereichen die On-Premises-Lösung weiterhin zum Einsatz kommt. Für ERP-Anbieter wie Proalpha bedeutet dies, ihre Kunden bei der schrittweisen Erweiterung traditioneller Kernsysteme durch vollständig integrierte Cloud-Services zu unterstützen.

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Ein zunehmend dynamisches und unberechenbares Marktumfeld verändert zudem die Wertschöpfung und auch die Geschäftsmodelle von Fertigungsunternehmen. Dabei ist für sie neben dem Blick auf die Cloud-Entwicklung vor allem die Entwicklung an der funktionalen Front von besonderem Interesse. Es reicht eben nicht, alten Wein in neue Schläuche abzufüllen und tradierte Geschäftsanwendungen einfach nur auf der Infrastruktur eines Hyperscalers zu betreiben.

Die richtige Balance finden

Die Entscheidung, welche Anwendungen in die Cloud ausgelagert und welche on-premises bleiben sollten, erfordert eine detaillierte Analyse der spezifischen Anforderungen eines Unternehmens. Der hybride Ansatz bietet die Möglichkeit, Cloud-Innovationen zu nutzen, ohne die Kontrolle über die individuellen, unternehmenskritischen Prozesse aus der Hand zu geben.

Denn Cloud im Mittelstand ist mehr als nur eine technische Umstellung, sondern eine strategische Entscheidung, die sowohl Innovation als auch Sicherheit gewährleisten muss. Der Weg zur Cloud muss daher sorgfältig geplant und Schritt für Schritt umgesetzt werden, wobei Unternehmen die Stärken beider Welten miteinander kombinieren können, um langfristig erfolgreich zu sein.


* Der Autor Alexander Krauter ist Product Manager Cloud bei der Proalpha Group.

Bildquelle: Proalpha

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