Die Digitalisierung in Deutschland erfährt durch Corona nochmal eine neue Bewertung. Andreas Zipser, Managing Director Central Europe bei Sage, stellt im Interview den aktuellen Cloud-Fahrplan seines Unternehmens vor und welche Vorteile dieser für den Mittelstand mit sich bringt. Für die Zukunft setzt er stark auf künstliche Intelligenz.
Seit 1. Oktober 2018 Managing Director Central Europe bei Sage: Andreas Zipser.
(Bild: Sage)
Herr Zipser, welche Entwicklungen sehen Sie aktuell im IT-Markt? Wie zeigt sich das Gesamtbild an IT-Lösungen im Mittelstand, und worin sollten Mittelständler gegebenenfalls investieren?
Aktuell müssen wir die Entwicklungen vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Herausforderungen sehen. Das Virus hat uns alle beeinflusst. Wir sehen, dass dadurch die Digitalisierung noch wichtiger geworden ist. Keine Schule, keine Universität kommt mehr ohne Online-basierte Lehrformate aus. Und auf Unternehmensseite sieht es in Bezug auf Homeoffice genauso aus. Das hat auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Digitalisierung quer durch die gesamte Gesellschaft hindurch drastisch erhöht. Kleine und mittlere Unternehmen waren auch vor Covid-19 schon in vielen Fällen von der Cloud überzeugt. IDC berichtet uns, dass mittlerweile 78 Prozent aller mittelständischen Betriebe in Deutschland Cloud-basierte Services nutzen. Damit ist das Zukunftspotential, das in dieser Technologie liegt, vom deutschen Mittelstand klar erkannt. Deutschland hinkt in dieser Beziehung keineswegs mehr den anderen Ländern hinterher. Diese Erkenntnis wurde aber nicht nur durch Covid angestoßen. Bereits zuvor hat sich eine wachsende Zahl an Betrieben aus Kostengründen für die Cloud entschieden oder weil sie damit die Anforderungen in ihrem Marktsegment besser erfüllen und sich damit Wettbewerbsvorteile sichern konnten. Der Vorteil Cloud-basierter Systeme ist, dass für deren Betrieb in-house kein spezifisches IT-Know-how mehr nötig ist und die Mitarbeiter sich so ganz auf ihre Arbeit konzentrieren können. Die IT ist ja selten der Kern eines Unternehmens, sondern nur sondern nur ein „Enabler“ für die erfolgreiche Umsetzung des jeweiligen Geschäftsmodells. Vor dem Hintergrund dieser Situation zeigt sich klar: Deutschland ist keineswegs mehr Nachzügler in Sachen Cloud Computing, sondern längst voll auf den Cloud-Zug aufgesprungen.
Wie können Mittelständler das Thema Digitalisierung denn strategisch angehen? Worauf sollten sie achten?
Wir empfehlen, immer bei den Kernprozessen anzufangen und die Cloud-Transformation dann schrittweise auf die vor- und nachgelagerten Prozesse auszuweiten. Ohne Not alle Prozesse zu digitalisieren und in die Cloud zu bringen, ist nicht der richtige Weg. Mit einer Bestandsaufnahme kann schnell geklärt werden, welche Prozesse maßgeschneidert auf das jeweilige Geschäftsmodell am sinnvollsten priorisiert angegangen werden sollten. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass Digitalisierungsbudgets so sinnvoll wie möglich investiert sind – insbesondere auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten wie jetzt. Wichtig dabei ist, auch immer die Mitarbeiter mitzunehmen. Die Mitarbeiter sind in diesem Zusammenhang ein wichtiger Eckpfeiler, damit der digitale Wandel funktioniert. Digitale Transformation ist ein Paradigmenwechsel, der im Unternehmen nicht nur die Workflows optimiert, sondern auch das digitale Know-how der Mitarbeiter fördern muss. Denn die neu implementierten Systeme müssen von Beginn an sinnvoll im Sinne des wirtschaftlichen Erfolgs eines Unternehmens eingesetzt werden. Durch die Digitalisierung, die sich in einem ersten Schritt vielfach durch die Automatisierung von Prozessen bemerkbar macht, werden den Mitarbeitern zeitaufwändige Routinearbeiten abgenommen. Aufgrund der so freiwerdenden Kapazitäten können sie sich wieder verstärkt auf Tätigkeiten mit unmittelbarem Wertschöpfungsbezug konzentrieren. Das wirkt nicht nur positiv auf die Motivation der Beschäftigten aus, sondern auch auf die unternehmerische Performance.
Was sind die konkreten Vorteile von Software-Lösungen aus der Cloud? Welche Optionen bietet Sage seinen mittelständischen Kunden?
Cloud-basierte Systeme bieten zunächst einmal ein großes Automatisierungspotential bei betrieblichen Prozessen, was viel Arbeit abnimmt. Dazu kommt die gesteigerte Mobilität, also die Ortsunabhängigkeit der Arbeit und der Mitarbeiter, die durch Software aus der Cloud ermöglicht wird. Technologisch ist die permanente Datenverfügbarkeit ein großer Vorteil. Cloud-Lösungen sind zudem weniger komplex in Installation und Bedienung. Nicht zu vergessen auch das Thema der Sicherheit: Kein KMU kann seine IT so absichern, wie das die großen Provider mit ihren Rechenzentren tun, in denen beispielsweise unsere Cloud-Services gehostet werden. Die dabei zum Einsatz kommenden Sicherheitstechnologien übersteigen die Möglichkeiten eines mittelständischen Betriebs bei Weitem. Seine IT wird also um ein Vielfaches sicherer, wenn er sie in die Cloud hebt und in die Hände eines professionellen Providers gibt. Dann haben wir das Thema der Kosten: Unternehmen, die Cloud-Lösungen im Einsatz haben, müssen sich nicht mehr mit dem Thema Wartung beschäftigen. Service Packs oder neue Versionen zu implementieren und einzuführen, ist nicht mehr nötig. Darüber hinaus muss keine unternehmensinterne IT-Infrastruktur mehr gekauft, betrieben und gewartet werden, die für On-Premises-Software nötig wäre. Hier spart der Anwender zusätzlich erheblich Kosten ein. Organisatorisch bedeutet dies auch, dass Ressourcen frei werden, die direkt für das Business und die unternehmerische Wertschöpfung genutzt werden können. Generell kann man sagen, dass cloud-basierte Anwendungen gegenüber stationären Systemen einen klaren Kostenvorteil haben. Was Sage seinen Kunden bietet, ist vor allem eine freie Wahl. ERP-Systeme sind ja bereits seit Jahrzehnten in vielen Unternehmen etabliert. Entsprechend viele Legacy-Systeme finden sich noch in den Firmen. Mit unseren Systemen können Anwender frei entscheiden, wann sie ihre bestehende IT in die Cloud heben wollen. Unsere Cloud Plattform und die darauf basierenden ERP-Produkte Sage 100 und Sage 50 können sowohl on-premises als auch cloud-basiert betrieben werden. Das heißt: Wenn für ein Unternehmen der Zeitpunkt gekommen, in die Cloud zu gehen, kann die Migration nahtlos erfolgen.
Stand: 08.12.2025
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Was sind immer noch die größten Bedenken von Unternehmen beim Gang in die Cloud?
Die Sicherheit von Cloud-Services ist nach wie vor ein wichtiges Thema, welches kritisch hinterfragt wird. Allerdings ist die Tendenz diesbezüglich spürbar abnehmend. Wie bereits gesagt: 78 Prozent der KMU nutzen die Cloud bereits. Die Akzeptanz ist also mittlerweile da, auch das Wissen darum, dass die Daten in der Cloud sicher sind. Aber auch die anderen Themen, die dem Mittelstand auf den Nägeln brannten, wie etwa die Stabilität von cloud-basierter Software und auch deren netzbedingte Verfügbarkeit, was beides im Übrigen zusammenhängt, sind mittlerweile erledigt: Bandbreite steht mittlerweile fast überall ausreichend zur Verfügung und die Systeme laufen stabil.
Im Hinblick auf den aktuellen Produktlaunch von Sage 50: Was muss cloud-basierte Geschäftssoftware aktuell und zukünftig leisten?
Wir befinden uns gegenwärtig in einem Transformationsprozess hin zu einer reinen Cloud-Company. Die Einführung der nativen Cloud-Version von Sage 50 ist ein wichtiger Meilenstein in dieser Weiterentwicklung. Buchhaltung, Auftragsverarbeitung und Warenwirtschaft sind die Kernfunktionen des Systems, mit dem Stammdaten von Kunden, Lieferanten und Artikeln erfasst und Geschäftsprozesse verwaltet werden können. Es ist auch möglich, Angebote und Rechnungen auf vorher definierte Kostenstellen und Kostenträger auszustellen und diese mit einzeln gestaltbaren Textbausteinen für den jeweiligen Empfänger individualisiert aufzubereiten. Technologisch basiert die Software auf der gleichen Datenbank und Systemlogik wie Sage 100, unserem ERP-System für mittlere Unternehmen. KMU auf Wachstumskurs können nahtlos von Sage 50 auf Sage 100 wechseln. Genau das muss eine moderne Cloud-Lösung leisten. Wir verbinden mit ihr gleichsam Tradition und Moderne. Auf der einen Seite handelt es sich um die Neuentwicklung eines rein cloud-basierten Systems. Auf der anderen Seite ist unser Know-how aus jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich Unternehmenssoftware mit eingeflossen.
Wie sieht die aktuelle Cloud-Strategie von Sage aus?
Integration ist hier an erster Stelle zu nennen. Unsere nativen Cloud-Services integrieren nahtlos auf der Sage Business Cloud. Nach Sage 50 werden wir kommendes Jahr auch Sage 100 als natives Cloud-System anbieten. Künftig heben wir zudem unsere HR-Produkte auf dieselbe Plattform. So entstehen etwa Synergien zur Lohnbuchhaltung.
Welche Zukunftstechnologien schreiben Sie im Blick auf die Lösungen, die Sie am Markt zur Verfügung stellen, im kommenden Jahr den größten Einfluss zu?
Noch vor einem Jahr hätte ich hier die Multi- bzw. Hybrid-Cloud-Architekturen genannt, aber das ist mittlerweile fast Standard geworden. Den größten Einfluss auf zukünftige Technologie erwarte ich mir vielmehr von der künstlichen Intelligenz (KI). Daraus ergeben sich unzählige Möglichkeiten für die Automatisierung von Prozessen, wobei das System dann auch Entscheidungen unabhängig vom Menschen treffen wird. Ein mitdenkendes System könnte beispielsweise die Lohnbuchhaltung automatisch steuern. Dieser Prozess würde in Unternehmen folglich komplett unsichtbar werden. Freiwerdende Kapazitäten könnten die Mitarbeitern in der Personalabteilung dann beispielsweise für die strategische Personalplanung und Weiterentwicklung der Belegschaft nutzen – ein Feld, welches in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden digitalen Anforderungen immer wichtiger wird. Ich gehe davon aus, dass die KI das beherrschende Thema der kommenden Jahre sein wird.
Zur Person: Andreas Zipser kam 2015 als Managing Director SMB zu Sage Deutschland und verantwortete in dieser Rolle das gesamte Mittelstandsgeschäft, von der Produktentwicklung über Marketing, Vertrieb und Consulting bis zum Support. Im Zuge der global funktionalen Neuausrichtung der Sage Organisation übernahm er 2016 die Funktion des Vice President Sales Central Europe. Bevor Zipser zu Sage kam, war der Diplom-Wirtschaftsmathematiker mehr als acht Jahre Mitglied der Geschäftsführung bei der CAS Software AG. Dort verantwortete er ebenfalls das Mittelstandsgeschäft und die Vertriebspartner. Davor arbeitete Zipser in leitenden Positionen für SAS Institute, Reader’s Digest sowie für die Unternehmensberatungen Sempora GmbH und CVMC.