Interview zum Hosting und Service Provider Summit

Lokale Anbieter punkten am Markt

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Anbieter zum Thema

Sind Private Clouds ein wichtiges Geschäftsfeld deutscher Anbieter?

Ab einer gewissen Anwendergröße betreibt jeder Anbieter Private Clouds. Faktisch aber heißt das, dahinter stehen dedizierte Server, weil sich sonst vereinbarte Services, zum Beispiel Antwortzeiten, nicht halten ließen. Ich finde es essentiell für einen Provider, genau auf den Kunden zugeschnittene Private Clouds anzubieten. Für den Kunden kann sich das Ausstiegsszenario vereinfachen; notfalls nimmt er seine ganze Private Cloud mit.

Gibt es so etwas wie einen Marktstandard für Private Clouds?

Nein, es gibt viele Alternativen, und das macht es für Anwender interessant. Denn in der Public Cloud gibt es aus wirtschaftlichen Gründen fast nur Server-Virtualisierung mit KVM. In der Private Cloud dagegen, kann es auch VMware sein. Es muss auch nicht OpenStack sein. Die richtige Herangehensweise für Anbieter ist, sich anzuschauen, was der Kunde braucht, welche besonderen Umstände eventuell für ihn gelten und daraus eine Lösung aufzubauen. Es wäre falsch, das Angebot von vornherein zu beschränken, beispielsweise auf VMware oder KVM.

Mein Unternehmen favorisiert keine Cloud-Variante. Vielmehr sprechen wir mit den Kunden über seine Absichten und Ziele. Davon hängt die technische Art des Angebots ab. Wenn Unternehmen, beispielsweise Sozialorganisationen von Microsoft besonders günstige Preise bekommen, ist es sinnvoll mit Microsoft zu arbeiten. Andere Unternehmen haben diesen Vorteil nicht, und hier könnte es nutzbringender sein, eine Lösung auf Linux und KVM aufzubauen.

Ist der Standort Deutschland noch bezahlbar?

Auf jeden Fall. Natürlich ist es vorteilhaft, wenn in nordischen Ländern der Aufwand für die Kühlung der Rechenzentren geringer ist. Aber da besteht wieder die Problematik der Datentransferraten. Einer der Hauptkostentreiber in Deutschland ist der hohe Stromverbrauch der Klimasysteme in den Rechenzentren.

Wie wirken sich die Energiepreise am deutschen Markt aus?

Da werden sich einige warm anziehen müssen, die in der Nähe zu den europäischen Nachbarländern arbeiten. Denn rundherum sind die Strompreise deutlich niedriger. Die größeren Anbieter, die europaweit vertreten sind, haben damit überhaupt keine Schwierigkeiten. Das Problem sind nicht so sehr die Strompreise, sondern die Steuern. Insofern wird die Energiewende keine Veränderung der Stromkosten bringen.

Sind demzufolge Hoster und Provider besonders sensibel, wenn es um Energieersparnis geht?

Leider gar nicht. Die legen die Kosten einfach um. Früher hat man den Internet-Traffic per Gigabyte abgerechnet. Heute gilt die Flatrate, aber statt derer berechnet man den Stromverbrauch. Weil der Kunde den kompletten Strombedarf zahlt, bringt es dem Anbieter keine Vorteile, wenn sie ein paar Prozent Strom einsparen. Dennoch ist es uns nicht egal - wir achten darauf, den Energiebedarf und den Stromverbrauch in unserem Rechenzentrum zu minimieren.

Zeichnet sich in der deutschen Hoster-Landschaft ein Konzentrationsprozess ab?

So etwas könnte schon kommen. Kleinen, lokal aufgestellten Anbietern wie uns und den großen gehört die Zukunft. Die mittleren werden es schwer haben. Denn sie haben das Problem, mit den großen Anbietern konkurrieren zu müssen. Bei Anwendern, die in mehreren Ländern vertreten sind, bieten die großen Hoster globale oder multinationale Verträge an. Da kann ein mittelgroßer Anbieter nicht mithalten. Andererseits können beide nicht mit den kleinen Anbietern mithalten, die auch kleine Kunden bedienen. Auf die gehen größere gar nicht erst ein. Denn sie können ihre Infrastruktur gar nicht so klein unterteilen, wie es für solche Kunden notwendig wäre.

Ist die lokale Nähe zum Hoster und Provider wichtig für kleine und mittelständische Unternehmen?

Mittelständler wissen schon gern, wo ihre Daten sind. Es gibt ihnen ein sicheres Gefühl, wenn sie jemanden haben, den sie sich im Fall der Fälle greifen können. Bei einem internationalen Konzern haben sie niemanden. In Deutschland ist das Geschäft auch eine Frage des persönlichen Vertrauens. Es ist ganz normal, dass Referenzen angerufen werden und nach Erfahrungen gefragt wird. Das können gerade kleinere Anbieter dem Mittelstand bieten.

Ist es zwecks der Nähe zum Kunden für Hoster und Provider von Vorteil, mehrere Rechenzentren zu betreiben?

Ja, unbedingt. Bei gewissen Kunden und Branchen ist das wegen der Ausfallsicherheit notwendig. Für börsennotierte Unternehmen sind redundante Rechenzentren Pflicht. Das wird ein immer wichtigerer Faktor. Die Kunst besteht darin, die Rechenzentren nur so weit zu verteilen, dass die Kommunikation zwischen ihnen noch wirtschaftlich ist. Zwischen Karlsruhe und Frankfurt kann die Bandbreite schon richtig teuer werden. Wir haben zu unserem Serverhotel in Heidelberg drei weitere Räumlichkeiten angemietet, bauen aber gerade ein zweites Serverhotel. Dort werden wir die Abwärme für die Heizung nutzen.

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* Das Interview führte Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in Kelheim.

HOSTING & SERVICE PROVIDER SUMMIT 2016

Am Donnerstag und Freitag, 12. und 13 Mai 2016, lädt die Vogel IT-Akademie zum „HOSTING & SERVICE PROVIDER SUMMIT 2016“ in der Villa Kennedy in Frankfurt am Main. Die Veranstaltung richtet sich an Managed Service Provider (MSPs), Hoster (ISPs), Telcos und Carrier, Rechenzentrumsbetreiber, interne Dienstleister großer Unternehmen sowie Systemhäuser, die ihr Geschäftsmodell um Service Providing ergänzen wollen (VARs, ISVs, Web Dienstleister).

Im Mai kann der Innenhof der Villa Kennedy einladend und gemütlich sein, was guten Gesprächen zuträglich ist. Hier eine Aufnahme vom HSP Summit 2015. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Im Mai kann der Innenhof der Villa Kennedy einladend und gemütlich sein, was guten Gesprächen zuträglich ist. Hier eine Aufnahme vom HSP Summit 2015.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Die homogene Gruppe gibt dem Gipfel den Charakter eines Treffens unter Gleichgesinnten. Das bestätigt unter anderem Dr. Christian Böing Vorstandsvorsitzender bei Strato und Beirat der Veranstaltung: „Der HOSTING & SERVICE PROVIDER SUMMIT zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass nicht das Produkt im Vordergrund steht, sondern man im elitären und kleinen Kreis, auf Vorstand- und Geschäftsführerebene auch noch am Abend zusammensitzt und zu aktuellen Themen beziehungsweise Trends diskutiert.“

Zu den Premium-Partnern des Events gehören unter anderem Acronis, die Deutsche Telekom und Hewlett Packard Enterprise sowie IBM, Microsoft und VMware.

Die reguläre Tagungsgebühr für die Teilnahme an einem Veranstaltungstag inklusive Verpflegung beträgt 290 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Doch es gibt auch die Möglichkeit, sich für ein VIP-Ticket zu bewerben.

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