IT-Infrastruktur im Wandel IT-Modernisierung: Fast jedes zweite Unternehmen in Europa hinkt hinterher

Von Ira Zahorsky 4 min Lesedauer

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Fast jedes zweite Unternehmen in Europa liegt bei der IT-Modernisierung hinter dem eigenen Zeitplan. Zugleich treiben KI, Cloud und Digitale Souveränität den Umbau voran. Eine Kyndryl-Studie zeigt, wo Firmen Nutzen sehen und wo Projekte stocken.

In Europa gerät fast jedes zweite Unternehmen bei der Erneuerung seiner IT-Landschaft in Verzug. Dennoch gewinnt der Umbau durch Künstliche Intelligenz, Cloud-Lösungen und das Streben nach Digitaler Souveränität an Fahrt.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
In Europa gerät fast jedes zweite Unternehmen bei der Erneuerung seiner IT-Landschaft in Verzug. Dennoch gewinnt der Umbau durch Künstliche Intelligenz, Cloud-Lösungen und das Streben nach Digitaler Souveränität an Fahrt.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

49 Prozent der Unternehmen in Europa kommen mit ihren IT-Modernisierungszielen nicht wie geplant voran. Gleichzeitig wächst der Bedarf, Infrastrukturen für Künstliche Intelligenz (KI), Cloud-Dienste und neue Anforderungen an Digitale Souveränität auszurichten. Das zeigt der Modernization Report 2026 von Kyndryl.

Die Studie zeichnet ein widersprüchliches Bild: Unternehmen erkennen konkrete Vorteile des Umbaus, etwa stabilere Systeme und geringere Kosten. Doch viele Vorhaben verzögern sich, und der geschäftliche Nutzen bleibt teils unklar. Modernisierung ist damit weniger ein befristetes IT-Projekt als eine dauerhafte Aufgabe – deren Umsetzung häufig hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Verlässlichkeit zählt mehr als Kostensenkung

Als wichtigste Gründe für die Modernisierung nennen europäische Unternehmen mehrere Ziele nahezu gleich häufig:

  • 37 % wollen Agilität und Innovationsfähigkeit verbessern.
  • 37 % wollen die Kontrolle und Steuerbarkeit kritischer IT-Umgebungen erhöhen.
  • 37 % schätzen die KI-Fähigkeiten.
  • 36 % führen bessere Leistung, Sicherheit und Integration an.

Die erwarteten Ergebnisse sind konkreter:

  • 56 % sehen den größten bislang erzielten Nutzen in höherer Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit ihrer Systeme.
  • 45 % nennen eine schnellere Bereitstellung neuer Funktionen oder Produkte.
  • 40 % fokussieren weniger Betriebskosten.
  • 18 % sehen nur begrenzten oder nicht eindeutig erkennbaren Mehrwert.

Auch die geplante Nutzung der Infrastruktur verschiebt sich. Innerhalb der kommenden zwölf Monate wollen

  • 76 % den Einsatz von Software as a Service (SaaS) ausbauen,
  • 69 % die Nutzung öffentlicher Cloud-Angebote erweitern,
  • 62 % mehr souveräne Cloud-Regionen oder dedizierte Zonen,
  • 40 % mehr Nutzung des Mainfraimes.

KI verändert Infrastruktur und Modernisierungspläne

KI beeinflusst nicht nur Anwendungen, sondern auch die Anforderungen an Netze und Plattformen. Laut Bericht ist sie ein wichtiger Modernisierungstreiber für Netzwerke, Edge-Umgebungen, Mainframes und Anwendungen. Bei Private Cloud und SaaS rangiert sie unter den wichtigsten Treibern.

In Europa nennen 49 Prozent die Vorbereitung der Netzwerkkonnektivität auf den Ausbau von KI als Grund für eine Modernisierung. 44 Prozent wollen Sicherheit und Konnektivität besser zusammenführen, 43 Prozent KI-gestützte Innovation ermöglichen. Bei Mainframe-Strategien spielen neue KI-Funktionen für 41 Prozent eine wichtige Rolle.

Die Kostenkontrolle bleibt dabei eine Hürde: 42 Prozent der europäischen Befragten bewerten es als sehr oder äußerst schwierig, die Kosten von KI-Workloads in Cloud-Umgebungen vorherzusagen, zu verfolgen und zu steuern. Global liegt der Anteil bei 46 Prozent. Der Ausbau von KI-Infrastruktur allein löst das Problem folglich nicht; Unternehmen müssen auch den Ressourcenverbrauch und die Kosten im Blick behalten.

Souveränität bleibt oft eine Frage der Compliance

Mit der zunehmenden Verteilung von IT-Systemen gewinnt auch die Frage an Gewicht, wo Daten verarbeitet werden und wer den Betrieb kontrolliert. Eine umfassende Verankerung Digitaler Souveränität in der Unternehmenstransformation ist der Umfrage zufolge jedoch selten: Nur 6 Prozent der europäischen Befragten beschreiben diesen Ansatz als Leitprinzip.

37 Prozent berücksichtigen Souveränität vor allem dort, wo externe Vorgaben gelten. 25 Prozent betrachten sie hauptsächlich unter Compliance-Gesichtspunkten. Zwar planen viele Unternehmen einen stärkeren Einsatz souveräner Cloud-Angebote, doch die Antworten deuten darauf hin, dass strategische Überlegungen häufig hinter konkreten Anforderungen zurückstehen.

Verzögerungen haben Folgen

Fast die Hälfte der europäischen Unternehmen liegt bei der Modernisierung hinter dem Zeitplan; 43 Prozent sind auf Kurs, 8 Prozent voraus. Aufgeschobene Projekte bleiben selten folgenlos: 43 Prozent der Befragten nennen höhere langfristige Kosten, 41 Prozent eine verzögerte Einführung neuer Fähigkeiten und 40 Prozent Sicherheits- oder Compliance-Risiken. 28 Prozent berichten von Schwierigkeiten, Fachkräfte zu halten oder zu gewinnen.

Die Unternehmen setzen dabei auf unterschiedliche Vorgehensweisen. 40 Prozent modernisieren vorwiegend schrittweise mit regelmäßigen Releases. Bei 15 Prozent ist der Umbau dauerhaft in die Entwicklungsteams eingebettet. 29 Prozent beginnen mit Pilotprojekten, während 14 Prozent größere, geplante Umstellungen bevorzugen. Die Studie berichtet, dass Unternehmen mit kontinuierlichem Vorgehen in Europa weniger Reibung bei der Abstimmung mit dem Geschäft feststellen.

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Wer Cloud-Kosten senkt, verwendet die frei werdenden Mittel häufig erneut für den Umbau: 56 Prozent investieren sie in neue Innovationsvorhaben, etwa KI oder Anwendungen; 50 Prozent in umfassendere Modernisierungsmaßnahmen. Einsparungen werden damit vielfach nicht als Endpunkt betrachtet, sondern als Finanzierung weiterer Veränderungen.

Agentische KI soll Abhängigkeiten sichtbar machen

Ein Hindernis für Modernisierungsprojekte ist unvollständiges Wissen über Anwendungen und ihre technischen Abhängigkeiten. In Europa sind 42 Prozent der Befragten überzeugt, diese Verbindungen vor Projektbeginn vollständig zu kennen. 15 Prozent fühlen sich damit wenig sicher.

Agentische KI könnte bei der Analyse, Dokumentation und Prüfung von Anwendungen unterstützen. In Europa setzen 9 Prozent sie bereits produktiv für mehrere Modernisierungsfälle ein; 23 Prozent testen entsprechende Ansätze. Weitere 34 Prozent prüfen das Potenzial, ohne die Technologie bislang eingesetzt zu haben. Ein breiter produktiver Einsatz steht damit noch aus.

Die Zahlen machen den Abstand zwischen Modernisierungsanspruch und Umsetzung sichtbar: Unternehmen wollen ihre IT für KI, Cloud und neue Souveränitätsanforderungen fit machen, kämpfen aber weiterhin mit Verzögerungen, Kostenkontrolle und Wissenslücken. Der Nutzen hängt daher nicht allein von der Wahl der Technologie ab. Entscheidend ist auch, ob Unternehmen die Modernisierung über Architektur, Betrieb, Finanzen, Sicherheit und Fachbereiche hinweg koordinieren.

Über den Modernization Report 2026 von Kyndryl

Für den Bericht befragte das Marktforschungsunternehmen Coleman Parkes im Auftrag von Kyndryl 2.000 IT- und Geschäftsverantwortliche aus zwölf Branchen. 35 Prozent der Befragten arbeiten in Europa. Die Ergebnisse beruhen auf Selbstauskünften und bilden die Einschätzungen der Führungskräfte ab.

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