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Zwei aaSe, wer sticht? (Teil 1) IaaS oder PaaS – eine Entscheidungshilfe

| Autor / Redakteur: Michael Abey, Thomas Hengster und Ekkehard Schmider * / Florian Karlstetter

Ob disruptive Entwicklungen im Markt, digitale Transformationsvorhaben oder kürzere Time-to-Market von neuen Features: Public Cloud Computing wird für immer mehr Unternehmen zur Sourcing-Alternative. Doch welche Public-Cloud-Betriebsart passt zum eigenen Vorhaben: Infrastructure-as-a-Service (IaaS) oder Plattform-as-a-Service (PaaS)?

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Die Stärken und Schwächen von IaaS und PaaS: Merkmale wie Interoperabilität, Portabilität, oder Skalierbarkeit auf dem Prüfstand.
Die Stärken und Schwächen von IaaS und PaaS: Merkmale wie Interoperabilität, Portabilität, oder Skalierbarkeit auf dem Prüfstand.
(© Jérôme Rommé - Fotolia.com)

Der Treiber der Entwicklung hin zum Cloud Computing scheint ein Schnelligkeits- und Flexibilitätsversprechen, das IT-Organisationen mit festen Strukturen und Abteilungsabläufen nicht geben können.

Die erste Frage, die technische Verantwortliche sich beim Gang in die Cloud stellen, betreffen Geschäftsmodell und Anwendungsfall: Dürfen alle notwendigen Daten extern gehostet werden? Ist das geklärt, stehen die Public-Cloud-Betriebsarten zur Auswahl: Passen Infrastructure-as-a-Service (IaaS) oder Plattform-as-a-Service (PaaS) zum eigenen Vorhaben?

Erfahrungsgemäß gibt es fünf Anforderungen, die zu berücksichtigen sind: notwendige Interoperabilität und Offenheit für Anbieterwechsel, Skalierbarkeit, gewünschter Leistungsumfang und Ausmaß der Eigenleistung bei Aufsetzen und Betrieb der Infrastruktur.

IaaS und PaaS: Vorteile und Einschränkungen

PaaS schneidet bei der Skalierbarkeit, dem Funktionsumfang und dem Einrichtungs- und Administrationsaufwand besser ab als IaaS. IaaS hat bei der Interoperabilität die Nase vorn – vorteilhaft, wenn ein Anbieterwechsel möglich sein soll.

PaaS

(+) Hoher Funktionsumfang: Der Kunde wählt sein Paket aus dem Dienste-Angebot aus und aktiviert nur die gewünschten Funktionen.

(+) Hohe Skalierbarkeit: Das PaaS-Angebot ist dynamisch ausbaubar.

(-) Begrenzte Interoperabilität bei PaaS: Architekturvorgaben des Providers, proprietäre Datenformate und nicht-standardisierte Schnittstellen binden Kunden an die Plattform.

(-) Wenig Transparenz: Informationen für Anpassungen sind teils nur schwer zugänglich.

(-) Anbieterwechsel mit hohem Aufwand: Spezielle Kombinationen aus Features und Konfigurationsmöglichkeiten werden nicht von allen Providern angeboten. Zusammen mit proprietären Datenformaten, Schnittstellen und Architekturvorgaben macht das einen Anbieterwechsel mühsam.

Zudem wenig Administrationsaufwand: Der Dienstanbieter liefert Betriebsthemen wie Stabilität, Sicherheit oder Skalierung auf Knopfdruck und übernimmt die Plattform-Wartung inklusive Security -und Software-Updates für alle Komponenten. Der Einarbeitungsaufwand für den Applikationsbetreiber ist gering. Tutorials unterstützen ihn effizient. Doch Vorsicht: Auch wenn der Applikationsbetreiber sich die einzelnen Komponenten zusammenklicken kann – die Sicherheits- und Infrastruktur-Umgebung muss genauso sorgfältig geplant werden wie bei der eigenen Infrastruktur.

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IaaS, PaaS und SaaS kurz erklärt

Mit einem IaaS-Angebot mietet ein Unternehmen Server in einem externen Rechenzentrum. Der Kunde startet Server in der virtualisierten Infrastruktur des Betreibers auf Knopfdruck. Kosten fallen nur für tatsächlich gestartete Server an. Bauliche Infrastruktur wie Kühlung oder Brandschutz sind inklusive, Software und Hardware für die Betriebsinfrastruktur stellt der Anbieter. Der Kunde verlängert die eigene Infrastruktur um externe Hardware.

Bei PaaS hosten oder entwickeln Unternehmen eigene Software-Anwendungen. Der Anbieter liefert dafür fertig eingerichtete und gehostete Entwicklungs- oder Laufzeitumgebungen inklusive physikalischer Sicherungsmaßnahmen und Komponenten, die zur Betriebsumgebung gehören, etwa Load Balancer oder Firewalls. Kapazitäten lassen sich dynamisch zuschalten, die Skalierbarkeit und die Möglichkeit, sofort loszulegen, sind die großen Stärken von PaaS-Angeboten. Im Unterschied dazu bekommt man bei IaaS einen leeren Server, den man an die eigenen Bedürfnisse anpasst.

Bei Software-as-a-Service (SaaS) kauft ein Unternehmen den Betrieb einer Standard-Software wie eines CRM- oder Buchhaltungssystems bei einem spezialisierten Anbieter. Für die in diesem Artikel adressierten Fälle von Laufzeit-, Test- oder Entwicklungsumgebungen eignet sich SaaS nicht.

IaaS

(-) Begrenzter Funktionsumfang: Der Kunde installiert, konfiguriert und wartet Dienste selbst.

- Skalierbarkeit in Eigenverantwortung: Der Betreiber sorgt für die Erweiterbarkeit seines Angebots.

(+) Hohe Interoperabilität: Die Schnittstellen, Verbindungsarten und Formate sind selbstbestimmt und können flexibel angepasst werden, beispielsweise das Monitoring und Controlling der Maschine.

(+) Transparenz vergleichbar zum eigenen Rechenzentrum: Logfiles oder Versionsnummern von Umgebungskomponenten können sofort eingesehen werden. Sie liegen an der erwarteten Stelle, jeder findet sich leicht zurecht.

- Anbieterwechsel mit vertretbarem Aufwand: Beim Wechsel zwischen Anbietern werden Nutzdaten, Quellcode, Prozessskripte oder Konfiguration in eine neue Umgebung migriert.

- Administrationsaufwand vergleichbar mit dem Aufwand im eigenen Rechenzentrum: Einrichtung und Administration bleiben beim Kunden, die gewünschte Infrastruktur ist bei guter Vorarbeit und mit der vom Anbieter angebotenen Management-Konsole schnell verfügbar. Der Administrator muss sich in die Sicherheits- und Netzwerkinfrastruktur des IaaS-Anbieters einarbeiten.

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Über MaibornWolff

MaibornWolff ist ein in München ansässiger IT-Dienstleister mit Standorten in Frankfurt, Berlin und Bern.

Das 1989 gegründete Unternehmen unterstützt bei Beratung und Umsetzung in allen Phasen von IT-Projekten - von der Strategieberatung über die frühen Phasen, Software Engineering und Mobile Engineering bis hin zum Testmanagement.

Und in meinem Fall? Ein Ausblick auf Teil 2 des Beitrags

Die Vor- und Nachteile der beiden Public-Cloud-Angebote geben einen Hinweis, welche Betriebsart Verantwortliche im Detail auf ihre Anforderungen prüfen sollten. Die eigene Systemlandschaft fließt in die Bewertung der Kriterien ein. Für Szenarien wie beispielsweise eine ausgelagerte Entwicklungsumgebung werden manche der oben angesprochenen Punkte besonders wichtig, andere Aspekte kommen neu hinzu. Gezeigt wird dies anhand von vier Fallbeispielen - im zweiten Teil des Beitrags.

* Michael Abey und Thomas Hengster, Software-Ingenieure bei MaibornWolff; Ekkehard Schmider ist Senior Marketing Manager und Mitglied der Geschäftsleitung beim IT-Dienstleister MaibornWolff.

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