Software-Compliance in der Cloud

Fünf Mythen der Lizenzierung

| Autor / Redakteur: Thomas Reiber* / Florian Karlstetter

Software-Compliance in der Cloud - fünf Mythen der Lizenzierung.
Software-Compliance in der Cloud - fünf Mythen der Lizenzierung. (Bild: © Egor - stock.adobe.com)

Trotz aller Beliebtheit, manche Vorbehalte hinsichtlich Cloud und Software-as-a-Service (SaaS) halten sich einfach hartnäckig. Das betrifft insbesondere Fragen rund um die Lizenzierung. Was es rund um die Software-Compliance zu beachten gilt, zeigen fünf (entzauberte) Mythen.

1. Die Cloud macht alles einfacher – auch das Software Asset Management

Hier trifft eher das Gegenteil zu: Gerade weil Cloud-Services so einfach zu beschaffen und einzurichten sind, besteht die Gefahr den Überblick über die Software Assets zu verlieren. Bei vielen Anbietern von Public Clouds, wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoft® Azure, kann der Kunde einfach und schnell mit seiner Kreditkarte und E-Mail-Adresse ein Konto anlegen und eine Cloud-Instanz einrichten. Wächst der Bedarf lassen sich problemlos zusätzliche Cloud-Instanzen und Kapazitäten hinzufügen – in vielen Fällen auch ohne sich vorab an IT-Abteilung oder den Einkauf wenden zu müssen.

Die Folge: „Cloud Sprawl“ – eine unkontrollierte Ausbreitung von Cloud-Instanzen, begünstigt durch fehlende Möglichkeiten zur Einsichtnahme oder durch fehlende Kontrolle in Bezug auf Kauf und Nutzung von Cloud-Diensten. Niemand weiß genau, wie viel Geld unternehmensweit für die Cloud ausgegeben wird. Und da der Einblick über die Kosten der abonnierten Cloud-Dienste fehlt, wird letztendlich mehr Geld ausgegeben als ursprünglich budgetiert. Wer über kein effektives Management der Cloud-Ressourcen verfügt, kann zudem die Investitionsrendite nicht berechnen und keine fundierte Entscheidung darüber treffen, ob die Bereitstellung vor Ort oder über die Cloud kostengünstiger ist.

2. Liegt eine Lizenz für eine Anwendung einmal vor, kann diese auch in der Cloud genutzt werden

Ein häufiger Irrtum, denn unter dem Aspekt der Lizenzierung macht es sehr wohl einen Unterschied ob eine Anwendung in der Cloud, auf physikalischer Hardware, auf virtuellen Maschinen im eigenen Rechenzentrum oder in externen Rechenzentren läuft. Mit der Einführung der Virtualisierung haben auch die verschiedenen Anbieter von Software unterschiedliche – und oft verwirrende – Bestimmungen vorgegeben, die die Nutzung ihrer Software im Detail regeln. Einige Anbieter bieten eine solche Nutzung beispielsweise nur im Rahmen von Speziallizenzen an. Andere verbieten ausdrücklich die Nutzung ihrer Software in der Cloud.

Nur weil eine Software also innerhalb einer Cloud-Umgebung installiert und genutzt werden kann, heißt dies nicht automatisch, dass Unternehmen dies auch dürfen. Um also potentielle, kostspielige Compliance-Verstöße zu vermeiden, sollten IT-Abteilungen in Zusammenarbeit mit den für die Lizenzierung verantwortlichen Teams genau überprüfen, ob die Cloud-Nutzung auch durch die vom Unternehmen erworbene Lizenz tatsächlich abgedeckt ist.

3. Cloud und „Infrastructure as a Service“ (IaaS) sparen Geld

Ganz ohne Frage lassen sich über die Cloud IT-Kosten bei der Beschaffung und Wartung von Hardware, Software und Rechenzentren reduzieren. Allerdings gibt es auch Kostenfallen.

So kommen beispielsweise bei Test-Workloads in der Regel IaaS-Modelle zum Einsatz, um für einen begrenzten Zeitraum Cloud-Instanzen (üblicherweise virtuelle Maschinen) zu nutzen. Sind die Tests abgeschlossen, werden die Instanzen abgeschaltet ohne dass weitere Kosten entstehen. In der Theorie eine optimale Lösung. Doch in der Praxis laufen virtuelle Maschinen oft einfach weiter. Häufig zahlen Unternehmen also für Cloud-Services, die sie gar nicht benötigen. Die Kosten dafür belaufen sich auf wenige Cents pro Stunde und sind auf den ersten Blick vergleichsweise niedrig. Bei großen Unternehmen mit Hunderten oder Tausenden virtueller Maschinen, steigt der Betrag allerdings schnell in die Höhe.

Bei Produktionsabläufen, bei denen Maschinen rund um die Uhr laufen, ist es fraglich ob tatsächlich Kosten eingespart werden können. Daher sollten Unternehmen vorab überprüfen, welche Cloud Provider Subscription-Modelle (Abo) mit niedrigeren Kosten für „Reserveinstanzen“ anbieten. Die Einsparungen im Vergleich zum reinen On-Demand-Modell können mit 40 bis 50 % erheblich sein.

Die Kosten hängen zudem von der Wahl der richtigen virtuellen Maschinen ab. Virtuelle Maschinen werden gerne mit viel RAM und CPU-Kernen bestückt, um im Bedarfsfall jederzeit darauf zugreifen zu können. Doch das ist nicht immer der Fall. Oft reichen einfachere VMs vollkommen aus. Wenn die Workloads durch kurze Bedarfsspitzen bei CPU und RAM gekennzeichnet sind, können skalierbare (Reserve)Instanzen gewählt werden. Auf lange Sicht kommt das günstiger.

4. Die Flexibilität und Einfachheit der Cloud bringt wenig angesichts der komplizierten und starren Lizenzierungsbestimmungen der Softwareanbieter

Auf den ersten Blick stimmt das. In der Vergangenheit ging es bei Lizenzvereinbarungen um eine maximale Kapazität, die genau festlegte, wie viele Lizenzen ein Kunde nutzen durfte. In der Regel waren dabei die Kosten im Vorfeld festgelegt – das heißt, der Kunde zahlte den vollen Preis, auch wenn er unter Umständen gar nicht die komplette Kapazität nutzte.

Mit dem Trend zu cloudbasierten Services ist hier momentan ein Umdenken zu beobachten. Immer häufiger kommt es nun zu Verträgen mit variablem Preismodell und ermäßigten Gebühren solange ein Mindestmaß an Nutzung nicht überschritten wird. Einige Softwareanbieter ermöglichen ihren Kunden bereits Lizenzmodelle, bei denen sich die Bezahlung an Transaktionen oder Nutzung richtet. Prominentestes Beispiel ist das Microsoft Enterprise Agreement, bei dem der Kunde die Cloud-Services von Microsoft Azure nutzen kann und nur mehr bezahlen muss, wenn die Nutzungsdauer über ein vorher definiertes Limit hinausgeht.

Anwendungen im Rahmen von Software as a Service (SaaS) werden für gewöhnlich anhand von Abonnements (Subscriptions) pro Nutzer lizensiert. Oft gibt es dabei verschiedene Abo-Modelle mit verschiedenen Preisen und mehr oder weniger verfügbaren Funktionen. Hier besteht die Herausforderung für Unternehmen darin, sicherzustellen, dass nicht zu viel Geld für Abos ausgegeben wird, deren teuer bezahlte Funktionen vom Nutzer gar nicht benötigt werden.

5. Virtuelle Private Cloud, externe Cloud-Komponenten und klassischen On-Premise-Lizenzen lassen sich nicht unter einen Hut bringen

Die Herausforderungen bei hybriden Cloud-Systemen sind tatsächlich groß. Um komplexe und heterogene IT-Umgebungen managen zu können, braucht es Asset-Management-Prozesse und Tools, die sich entsprechend weiterentwickeln. Solche Lösungen unterstützen Unternehmen beispielsweise dabei zurückzuverfolgen, wo Cloud-Services verwendet werden und welche Kosten sie verursachen. So werden auf der einen Seite Unterauslastung unterbunden und Kosten reduziert. Auf der anderen Seite wird eine zu hohe Nutzung entgegen der Lizenzbestimmungen verhindert, wodurch das Compliance-Risiko sinkt. Die Nutzungsdaten schaffen zudem eine gute Verhandlungsgrundlage, wenn es darum geht eventuelle Volumenrabatte abzusprechen.

Die IT entwickelt sich hier zu einem service-basierten Geschäftsbereich, wobei das Managements von Cloud-Services zentralisiert, der Aufwand minimiert, Kosten effektiver gemanagt und die Rückbuchung von Kosten für Cloud-Services zugunsten des Unternehmens vereinfacht wird. Einer optimalen Lizenzierung und Verwaltung von Software steht somit nichts mehr im Wege - sowohl in der Public Cloud als auch in hybriden Cloud-Systemen.

Thomas Reiber, Regional Vice President DACH bei Flexera.
Thomas Reiber, Regional Vice President DACH bei Flexera. (Bild: Flexera)

Der Autor

In seiner Funktion als Regional Vice President bei Flexera verantwortet Thomas Reiber die Bereiche Softwarelizenzoptimierung und Data Platform für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Softwarebranche sowie seinen umfangreichen Kenntnissen zu Schlüsselthemen wie Infrastruktur, BigData, eCommerce, PLM und Applikationsbasistechnik unterstützt er Kunden in DACH in unterschiedlichsten Branchen. Vor seinem Wechsel zu Flexera war er unter anderem als Vertriebsmanager bei BMC und als VP EMEA bei Endeca Oracle tätig.

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