WebEngine belässt Daten beim Nutzer

Fernuniversität Hagen entwickelt dezentrale Suchmaschine

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Wer sucht, findet in der Regel auch – und hinterlässt Spuren und Daten, die nicht immer im Sinne ihres Besitzers ausgewertet und genutzt werden.
Wer sucht, findet in der Regel auch – und hinterlässt Spuren und Daten, die nicht immer im Sinne ihres Besitzers ausgewertet und genutzt werden. (Bild: © faithie - stock.adobe.com)

Wer hat heute nicht schon mindestens einmal etwas „gegoogelt“? Natürlich mit dem Wissen, was Suchmaschinen-Konzerne und Social-Media-Unternehmen mit den persönlichen Daten machen, die wir ihnen schulterzuckend überlassen: Das ist eben der Preis, den wir für Informationen zahlen müssen, im Beruf wie im Privatleben.

Wer im Internet recherchiert, nutzt normalerweise eine der großen, zentralisierten Websuchmaschinen. Doch weder sind sie energie- und ressourcenschonend noch stellen ihre Ergebnisse immer zufrieden. Und immer mehr Menschen sorgen sich um ihre dort gespeicherten Daten. Denn Informationen sind im Internet-Datendschungel an Orten gespeichert, die mit ihren Inhalten nichts zu tun haben. Gigantische Datenbanken von Suchmaschinen und sozialen Netzwerken stellen die Zusammenhänge zwischen Inhalten und Speicherorten wieder her. Jedoch entziehen sie den Besitzern die Kontrolle ihrer Daten und sind immer wieder Ziele von Hackerangriffen.

Mit einer dezentralen Suchmaschine dagegen könnten Nutzerinnen und Nutzer die vollständige Kontrolle über ihre Daten behalten. Und genau so eine hat die das Lehrgebiet Kommunikationsnetze der Fernuniversität in Hagen entwickelt. Die neue dezentrale Suchmaschine „WebEngine“ lässt Daten dort, wo sie hingehören: auf dem eigenen Rechner der Nutzer. Diese können selbst über Datenfreigabe, ihre Veränderung oder richtige Löschung entscheiden. Und trotzdem können sie alle Vorteile herkömmlicher Suchmaschinen und sozialer Medien genießen.

Im Web eigene Daten in der Hand behalten

Um Informationen im Web und Suchanfragen in Übereinstimmung zu bringen, ohne dass die Daten auf fremden Servern abgelegt werden müssen, entwickelten Prof. Dr. Herwig Unger und Privatdozent Dr. Mario Kubek an der Fernuniversität Hagen ein neues Konzept dafür, wie Webdokumente ohne jedes menschliche Zutun kategorisiert werden können. Analog zu physikalischen „Massenschwerpunkten“ konnten sie „Bedeutungsschwerpunkte“ von Dokumentinhalten als Textkategorien, also als inhaltliche Schwerpunkte, definieren. Dafür muss man wissen, wie stark verschiedene, in den Dokumenten enthaltene Wörter zueinander in Relation stehen. Diese kann man – wie beim Lesen – aus vielen Dokumenten ableiten.

Parallel dazu erweiterten Unger und Kubek die Struktur des Web durch die Entwicklung der dezentralen Suchmaschine „WebEngine“. Als integraler Teil eines jeden Webservers kategorisiert sie lokal – also auf den Rechnern der Nutzerinnen und Nutzer – die angebotenen Webseiten und verbindet sich mit anderen Webservern, auf denen diese Software ebenfalls läuft. Der Schutz persönlicher Daten ist garantiert, weil diese automatisierten Prozesse für niemanden überschaubar oder kontrollierbar sind. Im World Wide Web verwaltet ein dezentraler Assoziativspeicher Such-Kategorien und hierzu passende Webseiten auf Webservern, die selbst Daten anbieten. Das System managt dabei Größe, Struktur, Ort und Fehlertoleranz durch lokal arbeitende Verfahren selbst.

Bei der Entwicklung arbeitete das Lehrgebiet Kommunikationsnetze der FernUniversität mit der thailändischen King Mongkut's University of Technology North Bangkok zusammen. Die Erprobungen der Software im fortgeschrittenen Prototypenstadium sind laut FU Hagen bisher sehr erfolgversprechend.

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