Virtual Locations von Gridscale

Ein fester Ort für dedizierte Cloud-Server

| Autor / Redakteur: Henrik Hasenkamp* / Elke Witmer-Goßner

Im Dienst „Virtual Locations“ wird ein Server im Rechenzentrum für einen einzelnen Kunden reserviert.
Im Dienst „Virtual Locations“ wird ein Server im Rechenzentrum für einen einzelnen Kunden reserviert. (Bild: © Funtap - stock.adobe.com)

Infrastruktur aus der Cloud ist flexibel und dynamisch. Doch die Compliance-Regeln in manchen Branchen erfordern dedizierte Server, die bislang mit der Cloud im Widerspruch standen. Das ändert sich jetzt mit speziellen Lösungen für Virtual Locations.

Ein Hochleistungs-Server, der einem Unternehmen rund um die Uhr jeden Tag im Jahr alleine zur Verfügung steht? Angesichts moderner, virtueller Cloud-Infrastrukturen wirkt das wie aus der Zeit gefallen. Denn Dedicated Server bringen einen Nachteil mit sich, der durch die Cloud überwunden schien: Die Prozessorkerne verbringen bei solch einem Gerät lange Stunden des Tages im Idle-Modus. In den meisten IT-Organisationen gilt nun gerade das inzwischen als Ressourcenverschwendung.

Dennoch haben dedizierte Server auch heute noch ihre Berechtigung. Viele Unternehmen möchten sie für einzelne Workloads nutzen, um eine bestimmte Menge an Ressourcen jederzeit verfügbar zu haben – beispielsweise dauerhaft 64 Kerne, mindestens 128 GB RAM oder nicht weniger als acht Terabyte Plattenplatz. Diesen Bedarf gibt es in vielen Branchen, in denen heikle Daten verarbeitet werden, etwa im Gesundheitswesen, in der Versicherungs- und der Finanzwirtschaft. Hier sind dedizierte IT-Ressourcen aber schon alleine aus Compliance-Gründen notwendig. Zudem gibt es dort viele zeitkritische Aufgaben, die mit hoher Priorität abgearbeitet werden müssen.

Ein Beispiel: Versicherungsunternehmen erledigen bestimmte Aufgaben bei der Verarbeitung ihrer Vertragsdatenbanken in einem genau definierten Zeitfenster. Hierbei zählt jede Minute, selbst kurze Wartezeiten auf die Zuordnung neuer Ressourcen sprengen bei häufigen „Skalierungssprüngen“ die Zeitpläne der Unternehmen. Deshalb setzen solche Organisationen auf IT-Ressourcen, die nur ihnen zur Verfügung stehen und besser in ihre vorhandenen Prozesse passen. Diese Anforderung wird in Hosting-Rechenzentren durch dedizierte Hardware erfüllt. Die Nutzer des Dedicated Server greifen tatsächlich auf einen bestimmten Hardware-Server zu. Er bringt die gewünschten Leistungsdaten und steht nur diesem Kunden als fixe Netzwerkressource bereit. Die Einzelmaschine wird von niemand anderem genutzt und arbeitet auch ohne Workloads im 24×7-Betrieb. Sie wirkt aus Sicht der Nutzer so, als habe man eine entsprechende Hardware in einem eigenen Serverraum.

Dedizierte Server kann es auch aus der Cloud geben

Das Gegenteil davon ist die moderne, virtuelle IT-Infrastruktur in der Cloud. „Infrastructure as a Service“ (IaaS) bietet virtuelle Cloud-Services, die dynamisch und flexibel skalierbar sind – in alle Richtungen. Hierbei sind die Server, die Anzahl der genutzten Kerne, das verfügbare RAM und die genutzten Storage-Kapazitäten im Grunde lediglich Metaphern. Sie stehen für eine Software-definierte und je nach Nutzung zusammengestellte Infrastruktur. Auf Hardware-Ebene kann es durchaus vorkommen, dass sich Prozessorkerne, RAM und Storage auf ganz unterschiedliche Server verteilen.

Zwischen diesen beiden Möglichkeiten der IT-Bereitstellung besteht vor allem hinsichtlich des Servicelevels eine deutliche Kluft, denn der dedizierte Server kann ausfallen. Dies kommt zwar nur selten vor, da die Hardware redundant ausgelegt ist – es kann zum Beispiel eine defekte Festplatte während des Betriebs entfernt werden, ohne dass der Workload unterbrochen wird. Trotzdem ist bei dedizierter Hardware eine Verfügbarkeit von hundert Prozent schwer zu garantieren.

Die besten Werte erreichen Hochverfügbarkeitsrechenzentren. Sie garantieren eine Verfügbarkeit von 99,9999 Prozent. Dies ist Verfügbarkeitsklasse 6, die etwa 31,6 Sekunden Ausfallzeit pro Jahr entspricht. Doch in einer halben Minute kann viel passieren. Sollte ein Datenbank-Workload beispielsweise im Moment der Störung Tabellen umstrukturieren, ist unter Umständen die gesamte Datenbank defekt. Nun müssen bei erneuter Verfügbarkeit des Servers zunächst Backups eingespielt werden – eine weitere Verzögerung, die sich mit anderen Arbeiten an Software und Daten auf Stunden summieren kann.

Reservierung sichert Verfügbarkeit

Diese Schwierigkeiten umgeht etwa die Infrastrukturlösung von Gridscale, die hundert Prozent Verfügbarkeit bietet. Möglich ist so etwas, weil die virtuelle Infrastruktur auf mehrere Rechenzentren und dort auf ausreichende Hardware-Ressourcen verteilt ist. Sollte es einen Ausfall geben, so merkt der Nutzer davon nichts. Die Verwaltungsschicht der Cloud-Lösung verlagert die entsprechenden Ressourcen in Echtzeit auf andere Hardware-Elemente. Genau diese hohe Ausfallsicherheit ist einer der wichtigsten Gründe für den Einsatz virtualisierter Cloud-Infrastrukturen.

Henrik Hasenkamp, CEO der Gridscale GmbH.
Henrik Hasenkamp, CEO der Gridscale GmbH. (Bild: Gridscale)

Doch ausgehend vom Bedarf stellt sich die Frage: Lassen sich die Vorteile von flexibler Cloud und exklusivem Hardware-Server auch kombinieren, ohne dass die Nachteile eines geringeren Service Levels mit übernommen werden? Die Antwort lautet Virtual Locations. Sie bieten eine direkte Verknüpfung zwischen dem vom Nutzer gebuchten Server und den darunter liegenden Hardware-Ressourcen. Dabei wird dem virtuellen Gerät ein entsprechend großes physisches Gerät zugeordnet. Vereinfacht ausgedrückt reserviert der Betreiber einen seiner Server im Rechenzentrum für einen einzelnen Kunden.

Zu virtuellen Servern gibt es einen wichtigen Unterschied: Ein neuer dedizierter Server steht erst mit einer kurzen Verzögerung bereit, da die entsprechenden Ressourcen zunächst freigemacht und dann für den Nutzer reserviert werden müssen. In jeder anderen Hinsicht verhält sich der Server wie gewohnt, er besitzt aber einen spezifischen „Ort“ im Rechenzentrum des Cloud-Services. Deshalb hat Gridscale seinen demnächst verfügbaren Dienst „Virtual Locations“ getauft. Er kann unter der einfachen Benutzeroberfläche des Infrastrukturanbieters parallel zu den herkömmlichen virtuellen Servern gebucht werden und arbeitet nahtlos mit ihnen zusammen. Er steht auf der bekannten Benutzeroberfläche mit denselben Automatisierungsfunktionen wie ein virtueller Server bereit. Lediglich bei der Buchung ist keine minutengenaue, nur eine tagesgenaue Abrechnung möglich.

* Der Autor Henrik Hasenkamp ist CEO der Gridscale GmbH.

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