Die Cloud als Rettung im Kampf der Energiefresser

Drei Cloud-Trends 2020 in der Energieversorgung

| Autor / Redakteur: Dennis Martin* / Elke Witmer-Goßner

IT-Umgebungen und -Zubehör sowie Internet und webbasierte Anwendungen gehören zu den größten Energieverbrauchern unserer Zeit.
IT-Umgebungen und -Zubehör sowie Internet und webbasierte Anwendungen gehören zu den größten Energieverbrauchern unserer Zeit. (Bild: gemeinfrei © Markus Spiske - Pixabay / Pixabay)

Der prognostizierte globale Stromverbrauch soll in den nächsten Jahren immens ansteigen. Dies stellt auch Energieversorger vor ungeahnte Herausforderungen. Cloud-basierte Lösungsansätze könnten aber die gesamte Energiebranche revolutionieren.

Von den vielen Faktoren, die den Stromverbrauch beeinflussen werden, sind vier als besonders relevant herauszustellen: Erstens die hohe Mobilität und der gestiegene Umfang der Kommunikation. Der neue Funkstandard 5G soll den Stromverbrauch in den nächsten vier Jahren um bis zu 3,8 Milliarden Kilowattstunden in die Höhe treiben. Zum Zweiten Industrie 4.0, mit all ihren Transformationsprozessen in den Bereichen Design (CAE, CAD), Produktion (zunehmender 3D-Druck-, Robotereinsatz und Produktionsprozesse) oder der IT-gestützten Steuerung und Logistik. Drittens der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf batteriebetriebene Fahrzeuge. Schlussendlich das Internet an sich als Schnittstelle bei der Verknüpfung der meisten modernen Anwendungen und Knotenpunkt für das wirtschaftliche und geopolitische Wachstum, aber eben auch einer der größten Stromfresser unserer Zeit.

Für die effiziente Nutzung der energetischen Ressourcen bedarf es einer intelligenten Steuerung von Erzeugung und Verbrauch. Leistungsfähige, cloud-gehostete Lösungen könnten hier den Durchbruch schaffen, wie die folgenden Trends zeigen.

Kritische Verringerung der Prognosezeiten

Um die Energieversorgung – gerade in Zeiten der Energiewende – sicherzustellen, bedarf es der Berechnung zahlreicher Kennwerte, etwa bei der Nachfrage (Verbrauch- oder Lastgangprognosen), der Erzeugung (Erzeugungsprognose von Wind, Solar und Wasserkraft), dem Netz an sich (Netzprognose für Auslastung, Verlust, Effizienz,) sowie bei den Preisprognosen für Strom und Gas. Für große Anbieter bedeutet das, täglich Prognoseberechnungen für mehr als ein Terabyte an Daten vorzunehmen.

Die hierfür notwendige Skalierbarkeit und Geschwindigkeit wird durch eine große Anzahl von kurzfristig bereitstellbaren Containern erreicht. Mit der Azure Cloud in Verbindung mit mP Energy, der Prognoselösung von metalogic, konnte eine derartig dynamische Nutzung von Containern erfolgreich orchestriert werden, um den erforderlichen Durchsatz zu erreichen. Die Bearbeitungszeit für Prognosen ist im Vergleich zu einer On-Premise-Lösung um Größenordnungen geringer. Und wenn die Container nicht genutzt werden, entstehen auch keinerlei Betriebskosten.

Forecasting-as-a-Service und Managed Services

Gerade neue Energieversorger und Energie-Start-Ups werden von Forecasting-as-a-Service (FaaS) und Managed Services profitieren. Mit FaaS können die Input-Daten für die Prognose einfach hochgeladen und der gesamte Prognoseprozess vom Anbieter ausgeführt werden. Die Ergebnisse werden dann täglich zur gewünschten Uhrzeit geliefert. Dies ist ideal für junge Unternehmen, die nicht in Personal (Analysten) oder IT-Ressourcen investieren wollen oder können. Metalogic beispielsweise berechnet die eigenen FaaS-Services nach einer monatlichen Pauschalgebühr oder nach Aufwand.

Insgesamt bieten Managed Forecasting Services eine bessere Gesamtleistung, höhere Qualität und große Flexibilität. Durch die hohe Effizienz spart man nicht nur viel Zeit, sondern auch Kosten, da nach dem Pay-as-you-go-Prinzip nur die tatsächlich benötigte Zeit für die Berechnung einer Prognose abgerechnet wird. So gehen enorme Kosteneinsparungen Hand in Hand mit einer deutlichen Steigerung der operativen Effizienz.

Cloud-Lösungen für die Energiewende

Die hohe Performance und Verfügbarkeit von Cloud-Lösungen macht es für Energieversorger leicht, neue auf Daten basierende Services anzubieten. Ein Beispiel aus Schweden zeigt, wie Microsoft und Vattenfall für deren Kunden über Azure einen Dienst aufgesetzt haben, der ihnen über ein Dashboard präzise ihren aktuellen Energie-Mix aufschlüsselt. So können die dortigen Verbraucher sicher sein, dass sie zum Beispiel nur mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt werden.

Cloud-gehostete Prognosen, seien sie geplant oder reaktiv, oder Prozesse zur Ausführung einer Netzsicherung oder der Umleitung von Stromquellen können also in der Cloud gehostet werden, die durch ihre hohe Ausfallsicherheit und Geschwindigkeit eine rechtzeitige Ausführung unterstützen. Kostensenkung, Effizienzsteigerung und Flexibilität sind letztendlich die entscheidenden Schlüsselfaktoren, die langfristig alle Unternehmen im Energiesektor zur Migration in die Cloud anregen werden.

* Der Autor Dennis Martin ist Experte bei der Metalogic GmbH in München, einem Anbieter von Prognosen-Software und cloud-basierten Managed Prognose Services für Energieversorger.

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