Digitale Souveränität im Spannungsfeld Welche Entscheidungen heute Cloud-Strategien bestimmen

Ein Gastbeitrag von Sebastian Paas und Hauke Schaettiger* 4 min Lesedauer

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IT-Verantwortliche bewegen sich heute in einem Spannungsfeld aus Innovationsdruck, Kostendisziplin, Regulierung und geopolitischen Unsicherheiten. Digitale Souveränität entsteht dabei vor allem durch die strategische Weichenstellung in der Plattformstrategie. Eine PwC-Studie zeigt, wie Cloud- und Multicloud-Setups den Weg dafür ebnen.

Im Zentrum souveräner Cloud-Strategien stehen Fragen der Standardisierung und Differenzierung, der Balance zwischen Flexibilität und Resilienz sowie der Transparenz über Wertbeiträge und Kosten der Plattformlandschaft.(Bild: ©  NeoLeo - stock.adobe.com)
Im Zentrum souveräner Cloud-Strategien stehen Fragen der Standardisierung und Differenzierung, der Balance zwischen Flexibilität und Resilienz sowie der Transparenz über Wertbeiträge und Kosten der Plattformlandschaft.
(Bild: © NeoLeo - stock.adobe.com)

Digitale Souveränität ist in vielen Unternehmen vom politischen Schlagwort zur konkreten Managementaufgabe geworden. Im Mittelpunkt steht die Herausforderung, die Kontrolle über Daten, Prozesse und technologische Abhängigkeiten zu sichern und gleichzeitig die Innovationskraft globaler Plattformen zu nutzen. Der EMEA Cloud Business Survey von PwC zeigt, dass 74 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud-Technologien bereits umfassend einsetzen – häufig in Form komplexer Multi- und Hybrid-Setups. Sie bilden damit das Rückgrat der digitalen Wertschöpfung und bestimmen unmittelbar, wie schnell neue Angebote entstehen, wie Daten genutzt werden und wie robust der Betrieb funktioniert.

Für IT- und Digitalverantwortliche entsteht daraus ein dauerhaftes Spannungsfeld, das vor allem durch die Erwartungen an KI und agentische Ansätze getrieben wird. Die Cloud entwickelt sich zur Umgebung für lernende, automatisierte Systeme, die nicht nur analysieren, sondern aktiv in Entscheidungen eingreifen. Entsprechend achten 67 Prozent der Befragten bei der Wahl ihrer Cloud-Partner gezielt auf deren KI-Fähigkeiten. KI verschiebt aber nicht nur technologische Grundlagen, sondern auch die Governance und die Prioritäten im Unternehmen. Vor diesem Hintergrund bedeutet digitale Souveränität nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, einen klar definierten Rahmen zu schaffen, der Innovation zulässt, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben.

Zugleich nehmen Kostendruck, regulatorische Vorgaben und geopolitische Unsicherheiten spürbar zu. Die technologische Basis ist in vielen Unternehmen gelegt – die eigentliche Herausforderung liegt heute jedoch darin, in diesem Umfeld tragfähige und zukunftsfähige Entscheidungen für die Plattformstrategie zu treffen. Digitale Souveränität zeigt sich daher weniger in der Wahl einzelner Technologien oder Anbieter als vielmehr in der Qualität der strategischen Ausrichtung. Im Zentrum stehen Fragen der Standardisierung und Differenzierung, der Balance zwischen Flexibilität und Resilienz sowie der Transparenz über Wertbeiträge und Kosten der Plattformlandschaft.

Plattformstrategie als Balanceakt: standardisieren oder differenzieren?

Die Cloud Business Survey zeigt: Viele Unternehmen haben ihre initialen Migrationsprojekte weitgehend abgeschlossen und arbeiten nun an der Optimierung ihrer IT-Landschaften. An die Stelle einer dominanten Zielplattform tritt dabei häufig ein Zusammenspiel verschiedener Modelle: Public- und Private-Umgebungen werden mit speziell regulierten Lösungen kombiniert, die auf branchenspezifische oder regionale Anforderungen zugeschnitten sind. Die technologische Vielfalt ist damit in vielen Fällen Realität – unabhängig davon, ob sie bewusst geplant oder historisch gewachsen ist.

In dieser Situation rückt eine Grundsatzentscheidung in den Mittelpunkt: Wo ist ein hoher Standardisierungsgrad auf wenigen Plattformen sinnvoll, und wo erfordern strategische Ziele bewusst differenzierte Lösungen? Hyperscaler, spezialisierte Anbieter und regionale Plattformen werden dabei als unterschiedliche Bausteine wahrgenommen, die je nach fachlichem, regulatorischem oder branchenspezifischem Profil ihren Platz haben. Digitale Souveränität entsteht in diesem Kontext dort, wo Unternehmen klare Leitplanken definieren, welche Workloads und Daten auf welchen Plattformen laufen sollen – und wo Abweichungen vom Standard nicht zufällig, sondern strategisch begründet sind.

Wie globale Entwicklungen Architekturentscheidungen beeinflussen

Externe Faktoren prägen zunehmend, wie Organisationen ihre Plattformlandschaften ausgestalten. Regulatorische Vorgaben, geopolitische Spannungen, Energiepreise und Anforderungen an Versorgungssicherheit haben direkten Einfluss darauf, wo Unternehmen ihre Daten verarbeiten, welche Dienste sie nutzen und wie kritisch sie einzelne Abhängigkeiten bewerten. Viele IT-Verantwortliche prüfen ihre bestehenden Setups erneut, um besser zu verstehen, welche Teile der Landschaft besonders verwundbar sind – etwa durch die Konzentration auf bestimmte Regionen oder Märkte.

Damit rücken Plattformentscheidungen stärker in den Kontext des Risikomanagements. Es geht nicht nur darum, welche Services funktional am besten passen, sondern auch darum, welche Kombinationen die nötige Anpassungsfähigkeit sichern. Datenklassifizierungen, alternative Bereitstellungsoptionen, Exit-Szenarien und abgestufte Betriebsmodelle werden zu entscheidenden Stellschrauben, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben. Digitale Souveränität zeigt sich hier darin, dass Unternehmen ihre Abhängigkeiten kennen, bewusst steuern und ihre Plattformarchitektur so gestalten, dass sie auch unter veränderten politischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragfähig bleibt.

Wertbeiträge steuern, Fähigkeiten stärken

Mit der zunehmenden Verbreitung von Cloud- und KI-Workloads wächst auch der finanzielle Fußabdruck der Plattformlandschaften. Die Cloud Business Survey zeigt, dass viele Unternehmen ihre Budgets ausweiten, um neue datenintensive Anwendungen und agentische Ansätze produktiv zu machen. Gleichzeitig nennen 42 Prozent der Befragten die steigende Integrationskomplexität als eines der zentralen Hindernisse für messbaren Mehrwert. Der Engpass liegt damit weniger in der Verfügbarkeit von Services als vielmehr in der Fähigkeit, deren Nutzen und Kosten über Domänen, Plattformen und Organisationseinheiten hinweg transparent zu steuern. Ansätze wie FinOps können hier einen Rahmen schaffen, in dem Nutzung, Ausgaben und Verantwortlichkeiten kontinuierlich sichtbar bleiben – vorausgesetzt, sie werden nicht als reines Controlling-Instrument verstanden, sondern als gemeinsamer Steuerungsmechanismus von IT, Fachbereichen und Finance.

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Damit rückt der Kompetenzaufbau in den Mittelpunkt. Gefragt sind Teams, die Architekturentscheidungen im Kontext von Regulierung und Geopolitik einordnen können, Plattformvielfalt beherrschen, finanzielle Auswirkungen verstehen und neue Technologien in den eigenen Geschäfts- und Datenkontext übersetzen können.

Digitale Souveränität zeigt sich vor diesem Hintergrund in der Fähigkeit, in einem dynamischen Umfeld informierte Entscheidungen zu treffen, Leitplanken zu setzen und die eigene Plattformstrategie bei Bedarf nachzujustieren. Unternehmen, die diese Fähigkeiten systematisch stärken, machen aus ihrer Cloud- und Plattformlandschaft keinen starren Zielzustand, sondern ein agiles Instrument, das ihre Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft sichert.

* Über die Autoren
Hauke Schaettiger (l.) führt bei PwC Deutschland als Partner den Bereich Cloud Transformation. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der IT- und Consulting-Branche und hat zahlreiche Transformationsinitiativen für internationale Kunden erfolgreich umgesetzt. Er berät CIOs mit Fokus auf Cloud-Architektur, IT-Infrastruktur, IT-Organisation und IT-Sourcing. Sebastian Paas ist Partner und EMEA Cloud Transformation Leader bei PwC Deutschland. In seiner mehr als 25-jährigen Tätigkeit als strategischer Berater in führenden Beratungshäusern hat der Digitalisierungsexperte zahlreiche Transformationsprojekte vorangebracht. Zu seinen Schwerpunkten zählen Cloud Computing, künstliche Intelligenz und strategisches IT-Management.

Bildquelle: PwC

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