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Von wegen Wolken-Kuckucksheim Die Cloud im deutschen Mittelstand

Autor / Redakteur: Madeleine Beil * / Florian Karlstetter

Mit dezentraler Infrastruktur und TÜV-geprüften Datenschutzrichtlinien bringt Cloud&Heat den deutschen Mittelstand in die Wolke – und die CO2-Bilanz in den Keller.

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Mit ihrer Abwärme beheizen die dezentral verteilten Server von Cloud&Heat Gebäude.
Mit ihrer Abwärme beheizen die dezentral verteilten Server von Cloud&Heat Gebäude.
(Bild: Cloud&Heat)

Industrie 4.0, Big Data und mittendrin die Cloud – das sind die Themen von Tech-Entscheidern in Deutschlands Unternehmen. Denn die Anforderungen an die Reaktionsgeschwindigkeit der Firmen im globalen Wettbewerb steigen stetig, ebenso die Datenmenge. 2020 soll diese laut der „EMC Digital Universe“ bei 44 Zettabytes liegen, 44 Billionen Gigabyte. Cloud-Lösungen schaffen Abhilfe und Anbieter wie Cisco, Amazon oder Oracle sind dabei, den Markt unter sich aufzuteilen. Doch für hiesige Mittelständler ist Datenschutz nach US-Standards keine Option. Smarte Wissenschaftler aus Dresden bieten deshalb TÜV-geprüfte Cloud-Lösungen für den Mittelstand: Das von IT-Professor Christof Fetzer (Strategic Consultant) und dem Physiker Dr. Jens Struckmeier (CTO) gegründete Startup Cloud&Heat hat überraschende Antworten gefunden – und ganz nebenbei mindern die preisgekrönten Tüftler auch noch den CO2-Fußabdruck ihrer Kunden.

Cloud-Computing und Datenwolken sind dem Mittelstand nicht geheuer. Doch was ist das eigentlich? Nichts anderes, als eine „IT aus der Steckdose“. Statt aufwendiger EDV-Installationen werden Rechenleistung, Speicherplatz oder Programme extern untergebracht – im Internet, in der Cloud eben. Und diese Wolke gewinnt weltweit immer mehr an Bedeutung. Bereits 2019 sollen 86 Prozent der Arbeitsleistung in der Cloud abgearbeitet werden, prognostiziert Cisco in ihrem „Global Cloud Index“. Nur noch 14 Prozent blieben damit für die normalen Datenzentren übrig.

Potenziale vs. Skepsis

Diese Dynamik resultiert aus der Erkenntnis, dass sich damit im Vergleich zum eigenen Rechenzentrum Geld sparen lässt. Denn statt der üblichen Kosten für die Anschaffung der Hardware, Installations-, Betriebs und Wartungsarbeiten fällt für die Cloud nur eine Dienstleistungsgebühr an. Diese ist abhängig von der tatsächlichen Nutzung und jederzeit adaptierbar. Das setzt Geld für andere Projekte frei – und ebenso Personalkapazitäten, zum Beispiel der internen IT-Experten. Nicht nur viele Unternehmen haben deswegen die Cloud für sich entdeckt, sondern auch Investoren. Laut der Deloitte Global Venture Capital Confidence Survey des Jahres 2015 halten Risikokapitalgeber, die Venture-Capital-Fonds, das Thema „Cloud“ nun schon das dritte Jahr in Folge für das stärkste Tech-Investment. Bis zu fünf Punkte waren zu vergeben – 4,18 kamen heraus.

TÜV-geprüfte Datenschutzrichtlinien

Trotzdem ist Deutschland im internationalen Vergleich eher skeptisch gegenüber der Wolke. Vor allem die Sorge um die Datensicherheit treibt Unternehmen um. Kein Wunder, denn das Rückgrat der deutschen Wirtschaft basiert vor allem auf Know-how. Es sichert die hohen Margen und wird von den Unternehmen streng gehütet. Gerade der Server-Standort USA wird seit der NSA-Affäre mit gerunzelter Stirn gesehen. „Für viele Unternehmen spielt das Thema Datensicherheit und physischer Zugriff eine große Rolle. Sie befürchten, dass Daten kopiert oder im schlimmsten Fall gelöscht werden. Für uns sind diese Befürchtungen ein Wettbewerbsvorteil, denn wir sitzen in Deutschland und haben die Einhaltung der deutschen Datenschutzrichtlinien durch den deutschen TÜV prüfen lassen. Wir setzen damit Standards, bei welchen Amazon und Co. nicht mithalten können“, erklärt Nicolas Röhrs, Geschäftsführer Cloud&Heat. Statt eines großen zentralen Server-Parks im Ausland, setzt Cloud&Heat auf Dezentralität an deutschen Kleinstandorten. Mehr als 100 Server-Schränke sind über die gesamte Bunderepublik verteilt. Fällt einer aus, springen andere ein. Sei es im Fall eines profanen Wasserrohrbruchs oder im Fall eines versuchten Datendiebstahls, bei dem an den Panzerschränken manipuliert wird. Wie ein Netz aus Nervenzellen interagieren die einzelnen Schränke von Cloud&Heat – Daten werden an ganz verschiedenen Stellen verarbeitet, verschlüsselt und gesichert, damit das große Ganze weiterhin funktioniert.

Röhrs: „Besonders der Mittelstand hat großen Nachholbedarf und steht vor der großen Herausforderung, die bestehende IT auf Performance und Kosten zu optimieren und weiter zu entwicklen.“ So zeigen diverse Studien: 2015 gab es zum Beispiel erstmals mehr Interessenten an der neuen Technologie als Skeptiker. Das belegt ebenso der Cloud-Monitor der Beratungsgesellschaft KPMG und des Branchenverbands Bitkom. Während 2011 nur 28 Prozent der befragten Unternehmen offen für die Cloud waren, waren 2014 schon 40 Prozent überzeugt. Zusammen mit den 25 Prozent der Unentschiedenen ein klares Votum für die Wolke. Großunternehmen sind dabei die Vorreiter – von den Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern haben rund zwei Drittel Cloud-Lösungen im Einsatz. Nur 44 Prozent sind es bei den Unternehmen mit zwischen 20 und 99 Mitarbeitern. Trotzdem ist das Phänomen Wolke auch bei ihnen auf der Agenda. Denn 58 Prozent des deutschen Mittelstands wissen, was das ist. Nur 21 Prozent der befragten Unternehmen muss passen, belegt eine Studie der PwC „Cloud-Computing im Mittelstand“. Nicolas Röhrs: „Oft fehlen in kleineren Unternehmen die notwendigen Experten, um eine zukunftsorienierte und moderne IT Infrastruktur aufzubauen. Hier können Unternehmen sehr viel Geld sparen!“

Flexible Nutzung und Abrechnung

Zudem ist die Cloud flexibel. Anders als bei einer klassischen, hausinternen Lösung wird nur gezahlt, was auch wirklich verbraucht wurde. Nutzer müssen benötigte Kapazitäten nicht mehr prognostizieren sowie teure Über- oder Unterkapazitäten fürchten. Stattdessen können die Leistungen in der Wolke flexibel aufgestockt oder reduziert werden. Das lohnt sich insbesondere bei Branchen mit saisonal schwankendem Geschäft, wie dem Handel mit seinem Weihnachtsgeschäft.

Da der Cloud-Anbieter die Installations-, Betriebs und Wartungsarbeiten übernimmt, werden fixe Kosten zu variablen Kosten. Noch mehr Flexibilität verschafft die OpenStack-Technologie. Diese Software ermöglicht es den Kunden, eine große Anzahl an virtuellen Rechnern in der Cloud spielend leicht und effizient zu nutzen. Auch Cloud&Heat nutzt diese Technologie, die sich inzwischen zu einem der wichtigsten Grundpfeiler für Cloud-Lösungen entwickelt hat. „Wir haben ein Team aufbauen können, das zu den Top-5-Experten zum Thema OpenStack in Europa gehört. Wir sind Ideen- und Taktgeber der OpenStack Summits in Paris und Vancouver und können Unternehmen einen enormen Mehrwert bieten. Mittelgroße Unternehmen können Kosten im sechsstelligen Bereich pro Jahr sparen“, erklärt Nicolas Röhrs, Geschäftsführer Cloud&Heat.

Heizung und Server innovativ vereint

Doch die Erfindung von Cloud&Heat kann noch mehr: Ihre Dezentralität ist eine innovative Antwort auf die Herausforderung der riesigen Datenmengen sowie der zunehmenden Geschwindigkeit, mit der Daten hin- und herpulsen. Denn je näher ein Server-Schrank seinem Nutzer kommt, um so schneller kann der arbeiten. Die Daumenregel: 30 Kilometer kosten eine Millisekunde (siehe Kasten). Ein Server-Park in den USA ist damit für den deutschen Kunden deutlich langsamer als ein enggewobenes heimisches Netz. Zündet dann mit 5G die nächste Entwicklungsstufe, das Mobilfunknetz der fünften Generation, werden die Anforderungen weiter steigen – und im Zusammenspiel mit dem dezentralen Netz dafür sorgen, dass datenintensive Anwendungsvisionen wahr werden, zum Beispiel computergelenkte Autos.

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Wenngleich Licht im Vakuum knapp 300 Kilometer pro Millisekunde zurücklegt, wurde bei der Angabe im Text keine Null vergessen. Vielmehr liegen der Schätzung folgende Annahmen zugrunde:

Innerhalb einer Glasfaser beträgt die Lichtgeschwindigkeit 200 Kilometer pro Millisekunde. Die Latenz zwischen zwei Rechenzentren resultiert aus der Paketumlaufzeit (RTT). Bei zwei 30 km voneinander entfernten Standorten muss also die doppelte Strecke – also: 60 km – zurückgelegt werden. Weil die Länge der Glasfasern größer der Luftlinie zwischen den Rechenzentren ist, wird dieser Wert auf 100 km erhöht.

Das ergäbe bei 200 km pro Millisekunde eine Antwortzeit von 0,5 Millisekunden. Hinzu wird noch eine Verarbeitungszeit gleicher Länge addiert. Macht in Summe rund eine Millisekunde bei zwei 30 km Luftlinie voneinander entfernten Standorten.

Bekannt wurde Cloud&Heat vor rund zwei Jahren zunächst mit dem zweiten Teil des Firmennamens, der sich auf die umweltfreundliche Nutzung der Serverabwärme bezieht. Die Server und Rechenzentren von Cloud&Heat nutzen die Abwärme und führen diese dem Wärmekreislauf des Hauses zu. Hausbesitzer und Unternehmen in ganz Deutschland waren sofort überzeugt. Die langen Wartelisten für Heater-Schränke bis 2017 zeigen: Öko-Aktivisten und Sparfüchse reißen sich gleichermaßen um das kleine Kraftwerk für den Keller. Im Ergebnis werden 90 Prozent der Rechner-Energie eingespart, da diese nicht für die Kühlung verschwendet werden müssen. So ist Cloud&Heat nicht nur eine sichere Lösung für den deutschen Mittelstand, sondern bietet gleichzeitig die weltweit grünste Cloud, die die CO2-Bilanz eines Unternehmens dramatisch reduzieren kann. Und es gibt weitere gute Nachrichten: Haben sich Unternehmen nämlich erst einmal für den Schritt in die Wolke entschieden, bereuen sie in aller Regel nichts. 44 Prozent der Nutzer sind „durchweg“ zufrieden und 34 Prozent verbuchen zumindest „eher“ positive Erfahrungen, so die KPMG-Studie. Die Cloud – eine nur wolkige Idee, ein binäres Wolken-Kuckucksheim? Von wegen.

* Madeleine Beil ist eine Geschäftsführerin von „Beil² - Die PR-Strategen GmbH“ – einer für Cloud&Heat tätigen Agentur.

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