Rund 4.600 Entwickler und Anwender trafen sich Anfang November in Paris zum mittlerweile fünften OpenStack Summit. Während die Organisatoren das Bild eines produktiven Frameworks zeichneten, verwiesen Nutzer und Integratoren auf noch immer bestehende Probleme.
Die OpenStack Summits finden alle sechs Monate an wechselnden Orten statt. Anfang November 2014 machte der Kongress erstmals in Europa halt.
(Bild: Srocke)
Vom 3. bis 7. November fand erstmals in Europa ein OpenStack Summit statt. Etwa 4.600 Entwickler und Anwender waren nach Paris gereist, um sich im Palais des Congrès über den aktuellen Stand der Cloud Computing Software Plattform zu informieren – soviel wie bei keinem der Summits zuvor. Die Liste der Sponsoren und Aussteller liest sich wie das "Who is Who" der IT-Branche. Bezeichnenderweise zählte zu den Unterstützern auch Citrix; der Anbieter hatte mit Cloud.com die konkurrierende Lösung CloudStack übernommen, bietet jetzt aber auch eine OpenStack-Integration für die eigenen NetScaler Application Delivery Controller an.
Mit seinen 3.723 Plätzen lieferte des Grand Amphithéâtre eine beeindruckende Kulisse für perfekt ausgeleuchtete und inszenierte Keynotes. Die Botschaft der Redner war klar: OpenStack ist eine ausgereifte „Cloud Computing Software“-Plattform für den produktiven Einsatz. Jonathan Bryce – OpenStack Foundation Executive Director – verglich den Erfolg von OpenStack mit dem von Lego. Das Cloud-Framework helfe komplexe Rechenzentrumslösungen beliebig miteinander zu kombinieren. An die Stelle zentraler Planungskomitees treten mündige Nutzer, die die für sich besten Lösungen zusammenstellen.
Torvalds, Stallman,... Gandhi
Für manchen Geschmack dürften die Darbietungen mitunter etwas zu pathetisch ausgefallen sein, etwa wenn eingespielte Zwischensequenzen die Open-Source-Größen Linus Torvalds und Richard Stallman in eine Reihe mit Mahatma Gandhi stellten oder wenn sich Jim Zemlin – Executive Director der Linux Foundation – auf der "richtigen Seite der Geschichte" wähnte.
Die große Bühne bot allerdings auch Platz für etliche Fallstudien und Praxisbeispiele. So berichtete Dr. Stefan Lenz – IT Infrastructure Department Manager Datacentre bei BMW – von ersten Gehversuchen mit einer OpenStack-Umgebung auf einem Testserver. Mittlerweile haben Datenbank- und Web-Entwickler Zugriff auf die Plattform. In den kommenden Quartalen soll das System dann auch produktiv genutzt werden. Für OpenStack sprechen laut Lenz die offenen Schnittstellen und Datenmodelle, eine große Zahl an Unterstützern sowie die nicht anfallenden Lizenzkosten: Wenn die Installation wachse, so die Argumentation, verdient daran kein Lizenzanbieter mit.
Die als Superuser ausgezeichneten Forscher vom CERN zeigten zudem, wie sie mit OpenStack die riesige Datenmengen des Large Hadron Collider (LHC) auswerten. Dabei nutzen die Wissenschaftler länderübergreifende Serverstandorte. Besonders begeistert zeigte sich das Publikum vom Code, den die Forscher zum OpenStack-Projekt beigesteuert haben. Gemeinsam mit Rackspace hatte das CERN die "federate identity in multi-cloud environments" vorangetrieben.
Durchschnittsanwender dürften bei der OpenStack-Implementierung jedoch noch immer auf die Dienste geschulter Berater vertrauen. Die sind rar und teuer – glaubt Canonical-Gründer Mark Shuttleworth und präsentierte mit dem "Autopilot" gleich Abhilfe. Per Web-GUI geführt könnten Anwender damit zumindest eine Cloud-Referenzarchitektur einrichten. Individuellere Installationen benötigen dann freilich zusätzliches Expertenwissen.
Ganz nebenbei kündigte Shuttleworth auch noch einen Hypervisor für Container an. Mit der lxd (sprich: “lex di“) genannten Lösung könnten Arbeitslasten zwischen Linux-Maschinen migriert werden. Das als Demon laufende lxd biete dabei ähnlich Vorteile wie klassische Hypervisoren, verzichte aber auf deren Overhead und laufe deutlich performanter.
Die von Ruchi Bhargava – IT Hybrid Cloud Product Owner bei Intel – vorgetragenen Verbesserungswünsche an OpenStack dürften die aktuellen Releases zumindest teilweise bedienen. So wünschte sich Bhargava eine Federated Identity – also den Single Sign-On (SSO) für hybride Cloud-Umgebungen. Entsprechende "Federated identity enhancements" sind Teil des im Oktober erschienenen OpenStack-Releases Juno.
Schwierigkeiten gibt es derweil noch immer bei Upgrades – die sind nicht ohne Downtime möglich. Zudem bemängelte Bhargava eine fehlende Integration mit bestehenden Infrastrukturen.
Community, CPU und Cloud
In den Seminarräumen des Palais des Congrès diskutierte die OpenStack-Community derweil über alle menschlichen und technischen Aspekte der Plattform. Die OpenStack Ambassadors kamen mit der Basis ins Gespräch. Karrierechancen in der OpenStack-Welt wurden aufgezeigt. Die Frauen der Community trafen sich unter anderem zu einer "Women of OpenStack Working Session".
Intel zeigte beispielsweise, wie sich die CPU-Erweiterung Trusted Execution Technology (TXT) per OpenStack in hybriden Clouds nutzen lässt; damit könnten Nutzer virtueller Maschinen garantieren, dass WorkloadsCompliance-gerecht und ausschließlich in vertrauenswürdigen (geographischen) Umgebungen aufgeführt werden. SUSE demonstrierte in einem Workshop, wie sich hochverfügbare OpenStack-Clouds aufsetzen lassen.
Stand: 08.12.2025
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Wenige Gehminuten vom Palais des Congrès entfernt trafen sich schließlich OpenStack-Entwickler zum Design Summit. Im Untergeschoss des Hotel Le Meridien Etoile Paris wurde dabei schon am kommenden OpenStack-Release Kilo geplant.
Der Autor dieses Beitrages reiste auf Einladung und Kosten von Speakeasy Strategies nach Paris. Zu den Klienten der PR-Agentur zählt die OpenStack Foundation.