12 Fragen an Spiceworks-Gründer Francis Sullivan

DevOps und wie sich die Arbeit von Admins verändert hat

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

DevOps steht für einen Prozessverbesserungsansatz in der IT, durch den sich auch die Arbeit von IT-Administratoren deutlich verändert.
DevOps steht für einen Prozessverbesserungsansatz in der IT, durch den sich auch die Arbeit von IT-Administratoren deutlich verändert. (Bild: © NicoElNino - Fotolia.com)

DevOps ist der Hype der Stunde, nicht zuletzt wenn Sie ein Programmierer sind. Wie wirkt sich der Prozessverbesserungsansatz auf die Entwicklung und die Entwickler aus? Welche Erfolge und Erleichterungen stellen sich ein? Gibt es neue Probleme? Wie am besten anfangen, wie ein Projekt erfolgreich durchziehen? Und: Schaffen sich die Admins am Ende gar selbst ab?

Diese und viele andere Fragen haben wir Francis Sullivan gestellt. Er gründete vor über zehn Jahren Spiceworks und dient dem Administratoren-Netzwerk nun als CTO. Der gelernte Softwareentwickler hat tiefe Einblicke in die Seele der Admins dieser Welt – und deren Arbeitsweise. Er beschreibt, wann der Einsatz von DevOps lohnt, wie die Entwickler seiner Erfahrung nach damit umgehen, und wo die versteckten Mehrwerte zu finden sind.

1. Wie definieren Sie DevOps in Ihren Worten bzw. laut Ihren praktischen Erfahrungen?

Sullivan: DevOps sitzt mitten zwischen den Stühlen Entwicklung, Qualitätssicherung und dem Business. Es ist ein Gemisch aus mehreren verschiedenen Methoden – als da wären Constraints-Theorie, Betriebsführung, Lean Management, IT-Service-Management und agile Softwareentwicklung – dabei geht es immer um die kontinuierliche Bereitstellung, also die schnelle Veröffentlichung und Iteration von Software. Ein auf DevOps geprägter Mitarbeiter versteht all diese Verfahren und arbeitet im Team an der Automatisierung verschiedener Prozesse.

2. Was sind die Auswirkungen von DevOps auf die Tätigkeit als Softwareentwickler?

Sullivan: DevOps führt zu Cross-Funktionalitäten, geteilter Verantwortung und Vertrauen. Für den Softwareentwickler erweitert es den Gedanken des Continuous Development und der agilen Entwicklungsmethoden in den Bereich der Unternehmensführung hinein.

3. Wie verändert DevOps die Rolle des Admin?

Sullivan: DevOps ermutigt den Admin, den Änderungs- und Release-Prozess, der bislang sehr benutzerdefiniert und mühsam war, zu automatisieren. Es hilft den Administratoren, Ineffizienzen zu identifizieren und diese in enger Abstimmung mit den Entwicklerkollegen und der Qualitätssicherung anzugehen.

4. Automatisierung spielt bei DevOps also eine entscheidende Rolle. So entscheidend, dass sie mittel- oder langfristig den Admins den Job kosten wird? Automatisieren sich die Admins selbst ins Abseits?

Sullivan: Ja, Automatisierung spielt eine absolut wichtige Rolle. Und umso mehr dadurch geschäftliche Vorteile erzielt werden können, umso mehr wird man diesen Prozess forcieren wollen. Dafür braucht es noch mehr Admins. Diese werden auch künftig benötigt, um noch mehr Bereiche zu identifizieren, die automatisiert werden können, um so die Betriebskosten zu senken. Entlassungen von Admins wären in diesem Zuge kontraproduktiv.

5. Eines der vielen Argumente für DevOps lautet, dass Upgrades zu einem Kinderspiel werden. Ist das wirklich so? Wie sind Ihre Erfahrungen in diesem Bereich?

Sullivan: Nun, es kommt es auf das Projekt an. Ohne jeden Zweifel erhöht jede Anpassung die Komplexität – entsprechend ist es absolut entscheidend, bereits im Vorfeld jeglichen Upgrades die Bereiche zu definieren, die dem Business wirklich zu Gute kommen. Je mehr Sie standardisieren und glätten können, desto besser. Wenn Sie das beherzigen und sich nicht verzetteln, dann sollte ein Upgrade tatsächlich zu einem Kindespiel und mit einem Knopfdruck machbar werden.

6. Für die Umsetzung von DevOps sind Toolchains nötig – welche Toolchain bzw. welche Bestandteile davon werden von Spiceheads-Admins besonders gerne und oft verwendet?

Francis Sullivan, CTO von Spiceworks
Francis Sullivan, CTO von Spiceworks (Bild: Spiceworks)

Sullivan: Das ist ein wirklich heisses Eisen – und ständig warden neue Toolchains generiert. Da gibt es jede Menge guter Ideen, die sich gegenseitig befruchten und zu wieder neuen Ergebnissen führen. Das Problem ist, dass die Entwicklung im Moment so schnell voransschreitet, dass man keinen wirklichen Gewinner ausmachen kann. Alles ist im Moment im Fluß – was großartig ist für die Kunden!

Zusätzlich sollte man sich vor Augen führen, dass der Einsatz von bestimmten Techniken situationsabhängig ist. Im Bereich der Container haben Sie es momentan beispielsweise mit Mesosphere und Kubernetes zu tun, beide liefern hervorragende Arbeit. Auf der anderen Seite haben Sie tolle Vitrtualisierungstools von etablierten Experten wie KVM oder VMware. Es kommt wirklich immer auf die Art des Einsatzes und die Situation an.

7. Würden Sie bestimmten Unternehmen dazu raten, ihre Toolchains selbst zu entwickeln?

Sullivan: Ich würde Unternehmen raten, sich weitgehend auf die „Big Player“ zu verlassen, zugleich aber offen zu sein für Anpassungen je nach Bedarf. Ich würde ihnen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht dazu raten, ihre eigenen Toolchains zu entwickeln, da die nötigen Investitionen die inkrementellen Gewinne übersteigen.

8. Lohnt sich der Einsatz von kommerziellen und quelloffenen Lösungen für Toolchains, die bereits massenhaft auf dem Markt sind? Und falls ja: Für wen?

Sullivan: Die Entwicklung schreitet so schnell voran, und die Einsatzszenarien variieren von Unternehmen zu Unternehmen, so dass es kaum möglich ist, eine pauschale Aussage zu treffen. Was ich dazu sagen kann ist, dass man den Markt ununterbrochen im Auge behalten sollte und von Fall zu Fall den Blick auf ein spezifisches neues Produkt scharf stellen sollte. Sprechen Sie mit den Kollegen, um zu verstehen, was für sie funktioniert und was nicht. Testen Sie, testen Sie noch mehr und dann testen Sie. Wenn Sie etwas finden, dass für Sie funktioniert, dann nehmen Sie das als Ausgangspunkt und arbeiten Sie sich weiter vor.

9. Es haben sich anscheinend zwei dominante „DevOps-Sprachen“ herauskristallisiert: Chef und Puppet. Wozu raten Sie?

Sullivan: Sowohl Chef als auch Puppet haben ihre Daseinsberechtigung. Man kann schwerlich zu dem einen oder anderen raten, ohne das Anwendungsszenario und die erhofften Ergebnisse zu kennen. Außerdem bieten sich gerade im Moment andere neue und vielversprechende Verfahren an – Sie müssen sich einfach das passende Tool für Ihre Infrastruktur aussuchen.

10. Wie sollte man in DevOps einsteigen? Geht das Schritt für Schritt oder braucht es einen Masterplan?

Sullivan: Das Ziel von DevOps ist die kontinuierliche Bereitstellung. Sie können einen Masterplan für die Vollautomatisierung ersinnen, aber ich denke, es ist besser, in kleinen Schritten loszugehen und die ersten positiven Reaktionen von Seites des Business abzuwarten. Einen großen Wurf können Sie, falls etwas schief geht, nicht wieder revidieren. Ich denke, es ist am besten, kleine Fortschritte zu machen und von da aus immer weiter zu machen. Versuchen Sie nicht, alles auf einmal zu ändern.

11. Was ist ausschlaggebend für den Erfolg eines DevOps-Projektes?

Sullivan: Beißen Sie nicht mehr ab, als Sie kauen können. Konzentrieren Sie sich auf die Bedürfnisse und Ziele des Business und überlegen Sie, wie sie diese am besten befriedigen und erreichen können. Das Endziel wird nicht in einem Schritt erreicht, es sind wie gesagt viele kleine Schritte und Erfolge nötig.

12. Kennen Sie ein Projekt, das Sie als beispielhaft für andere DevOps-Projekte empfehlen würden?

Sullivan: Ich bin, was Containers angeht, sehr euphorisch und optimistisch. Die bereits angesprochenen Projekte Mesosphere und Kubernetes sind in diesem Fall Orchestrierungs-Frameworks, die ich jedem ans Herz legen würde.

Die Fragen stellte Dr. Dietmar Müller

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