Eine konsequente Multi-Cloud-Strategie vermeidet Chaos

Deutsche Firmen favorisieren Multi-Clouds für die IT-Infrastruktur

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Die Nutzung mehrerer Clouds gleichzeitig lässt sich gut regeln.
Die Nutzung mehrerer Clouds gleichzeitig lässt sich gut regeln. (Bild: gemeinfrei Greg Montani/Pixabay / Pixabay)

Das beste Mittel gegen das drohende Cloud-Chaos in Unternehmen, verursacht durch die Nutzung mehrerer Cloud-Provider gleichzeitig oder durch ungefragt genutzte Cloud-Dienste – Stichwort Schatten-IT –, ist eine integrierte Multi-Cloud-Strategie.

Und hier sind sehr viele deutsche Unternehmen bereits auf einem guten Weg. Bislang haben zwar nur 11,0 Prozent der deutschen Unternehmen eine geplante Multi-Cloud implementiert. 36,8 Prozent wollen eine entsprechende Strategie in den nächsten 18 Monaten umsetzen. Bei 32,8 Prozent dauert es noch ein bisschen länger. Bei weiteren 11,8 Prozent ist die Multi-Cloud als Folge von Schatten-IT organisch gewachsen. Nur 7,6 Prozent zeigen gar kein Interesse oder nutzen nur einen Cloud-Provider. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage von Research in Action im Auftrag von Interxion.

Funktionen vor Finanzen

Die befragten Unternehmen haben klare Vorstellungen und Ziele, wenn sie Multi-Clouds einsetzen: „Deutsche Unternehmen gehen das Thema Multi-Cloud vor allem strategisch geplant und damit behutsam an, stellen sich also ganz bewusst den kommenden Herausforderungen in Bezug auf Innovation und technologischer Flexibilität bei gleichzeitigem Kostenbewusstsein“, sagt Holger Nicolay, Business Development Manager bei Interxion Deutschland. 27,4 Prozent der deutschen Unternehmen sehen vor allem die jeweiligen fachlichen Vorteile und Schwerpunkte der Angebote als wichtigste Vorteile. Knapp dahinter folgen mit 26,4 Prozent möglichst günstige Kosten. Deutlich abgeschlagen auf den Plätzen drei bis fünf landen die Vermeidung eines Vendor Lock-ins (16,6 Prozent), die Maximierung der Ausfallsicherheit für Services (14,2 Prozent) und ein besserer Datenschutz (5,6 Prozent).

Das größte Hindernis, um diese Vorteile zu erreichen, bildet dabei die Integration der Services, da die technische Verbindung zwischen den Cloud-Diensten nicht einfach zu bewerkstelligen ist (38,4 Prozent). 18,4 Prozent sehen Sicherheitsrisiken durch die Verwendung verschiedener Cloud-Dienste. Viele Unternehmen wissen nicht genau, auf welcher Infrastruktur die kritischen Daten und Anwendungen betrieben werden (17,8 Prozent). Auch die stärkere Komplexität des Managements und die größere Auslastung der personellen Ressourcen (14,6 Prozent) stellen erhebliche Herausforderungen dar.

Die beliebtesten Services und Anbieter

Entscheiden sich deutsche Unternehmen für die Multi-Cloud, nutzen sie diese vor allem für Infrastructure-as-a-Service (34,6 Prozent), Platform-as-a-Service (29,8 Prozent), hybride Infrastrukturen (21,8 Prozent) und Software-as-a-Service (10,2 Prozent). Damit sehen IT-Entscheider die Multi-Cloud also eher als Optimierungsmöglichkeit für die IT-Infrastruktur, während sie im Software-Umfeld lieber nur auf einen Anbieter setzen. Hier ist die Abhängigkeit vom spezifischen Anbieter noch sehr hoch, weshalb die Single-Cloud zur Zeit noch unausweichlich erscheint.

Bei den Partnern für die Multi-Cloud wählen deutsche Unternehmen vor allem Hyperscaler (30,6 Prozent) sowie branchenspezifische Cloud-Angebote in Kombination mit Hyperscalern (20,2 Prozent). Für die großen Anbieter sprechen zum Beispiel die einfache Nutzung, die hohe Skalierbarkeit sowie die Kompatibilität mit bestehenden Lösungen. Ausschließlich branchenspezifische Cloud-Angebote oder anwendungsspezifische Clouds nutzen 17,8 Prozent der Befragten, nur lokale Cloud-Provider 11,0 Prozent.

Vertikale Unterschiede

Am weitesten bei der Implementierung einer Multi-Cloud-Strategie ist die Technologie- und Beratungsbranche (26,4 Prozent), gefolgt von der Medien- und TK-Branche (15,4 Prozent) sowie dem Finanzsektor (13,2 Prozent). Schlusslicht mit jeweils 3,5 Prozent sind der Einzelhandel sowie die Transport- und Logistikbranche. Auffallend ist vor allem eine Sonderstellung des Bereichs „Öffentliche Hand und Gemeinnütziger Sektor“. Hier setzen 37,5 Prozent der Befragten auf einen oder gar keinen Cloud-Provider. Das ist ein deutlicher Spitzenwert, da auf Platz 2 das Gesundheitswesen mit nur 7,3 Prozent folgt. Dieser Ausreißer mag sich dadurch erklären, dass viele Behörden entweder nur einem staatlich organisierten IT-Provider vertrauen oder aufgrund der DSGVO gar keine Daten in die Cloud auslagern. Doch immerhin plant jeder fünfte Befragte im Öffentlichen Sektor langfristig mit einer Multi-Cloud-Strategie, 5,6 Prozent wollen in den kommenden 18 Monaten damit beginnen.

Für die Studie hat Research in Action 1.400 Personen aus sieben europäischen Ländern befragt, darunter 500 aus Deutschland. Sie alle waren IT-Entscheider in Unternehmen ab 250 Millionen Euro Jahresumsatz. Die Zahlen beziehen sich nur auf die deutschen Befragten.

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