Lünendonk-Studie 2019

Dank Cloud: IT-Dienstleister wachsen weiter zweistellig

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Stephan Augsten

Die Nachfrage nach IT-Beratungs- und -Umsetzungsleistungen flacht nicht ab. Trotz weltweiter Unsicherheitsfaktoren wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China oder dem (un)wahrscheinlichen Brexit investieren Unternehmen weiterhin stark in die Digitalisierung.
Die Nachfrage nach IT-Beratungs- und -Umsetzungsleistungen flacht nicht ab. Trotz weltweiter Unsicherheitsfaktoren wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China oder dem (un)wahrscheinlichen Brexit investieren Unternehmen weiterhin stark in die Digitalisierung. (Bild: gemeinfrei, geralt / Pixabay)

Die Nachfrage nach IT-Beratungs- und -Umsetzungsleistungen flacht nicht ab. Trotz weltweiter Unsicherheitsfaktoren wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China oder dem (un)wahrscheinlichen Brexit investieren Unternehmen weiterhin stark in die Digitalisierung – und haben damit 2018 für ein Rekordjahr bei den IT-Dienstleistungsanbietern gesorgt. 2019 wird voraussichtlich nur marginal schlechter.

Mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 11,9 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr konnten die von Lünendonk analysierten IT-Dienstleistungsunternehmen ihre Prognose für 2018 (11,6 Prozent) noch leicht übertreffen. Die Erwartungen für 2019 und 2020 sind zwar etwas vorsichtiger, aber mit 10,6 beziehungsweise 10,8 Prozent weiterhin sehr positiv. Als Treiber der Entwicklung sehen die Anbieter vor allem die Integration digitaler Lösungen in die Backend-IT, agile Anwendungsentwicklung sowie Cloud-Implementierungen.

Das sind aktuelle Ergebnisse der Lünendonk-Studie 2019 „Der Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland“. „Der IT-Dienstleistungsmarkt hat sich 2018 in neue Höhen geschwungen. IT-Dienstleister können auch künftig aufgrund fehlender Fachkräfte und fehlenden Know-hows in ihren Kundenunternehmen zur Entwicklung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien mit einer weiterhin hohen Nachfrage nach externen Dienstleistungen rechnen“, so Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk & Hossenfelder.

Besonders stark wollen die Anwenderunternehmen ihre IT-bezogenen Ausgaben für IT-Strategie/IT-Architektur, Anwendungsentwicklung und Implementierung sowie Weiterentwicklung und Modernisierung der IT-Landschaft erhöhen. Allerdings zeigen die Antworten der befragten Manager auch, dass z.B. die Automobilindustrie und die Finanzdienstleistungsbranche stärker in Softwareentwicklung und die Modernisierung der IT-Landschaft investieren werden. „Dies spiegelt einerseits den höheren Veränderungs- und Innovationsdruck in beiden Wirtschaftszweigen sowie andererseits die veralteten IT-Strukturen in vielen Unternehmen sehr gut wider“, sagt Zillmann.

Modernisierung und Automatisierung

Insgesamt beschäftigen die Studienteilnehmer vor allem die drei Themen moderne Business-Applikationen, die stärkere Automatisierung von Fachprozessen und die Modernisierung der IT als solides Fundament für digitale Prozesse und Geschäftsmodelle. So berichten 64 Prozent der befragten IT-Entscheider, dass sie auch künftig einen Investitionsschwerpunkt auf den Rollout von neuen Softwareanwendungen legen werden. Den zweiten Block bei den wichtigsten Investitionsthemen bildet die Automatisierung der fachlichen Kern- und IT-Prozesse. Hier planen 59 Prozent für die Jahre 2019 und 2020, in die Automatisierung entsprechender Fachprozesse zu investieren.

Jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) wird einen signifikanten Teil der IT-Budgets für die Automatisierung der IT-Prozesse vorsehen. Bei der IT-Modernisierung setzt sich die Entwicklung der letzten Jahre, z.B. die Migration von On-Premises-Anwendungen in die Cloud, fort. Für 45 Prozent der befragten Unternehmen stehen Investitionen in die Modernisierung ihrer Softwareanwendungen und der IT-Infrastruktur weiterhin „sehr stark“ bis „stark“ auf der Agenda. Und immerhin 31 Prozent planen, mehr für den Aufbau von Cloud-Plattformen aufzuwenden, um damit neue Geschäftsmodelle und Innovationen zu ermöglichen.

Zunehmende Nachfrage aus den Fachbereichen

Auf den Innovations- und Digitalisierungsdruck reagieren insbesondere die Fachbereiche mit weiteren Investitionen in digitale Technologien. Das wirkt sich auf einen Anstieg der IT-bezogenen Projekte in den Fachbereichen sowie die Umsatzanteile der befragten IT-Dienstleister aus. Während die Aufträge aus den Fachbereichen 2017 bei 34 Prozent lagen, stieg ihr Anteil 2018 auf rund 38 Prozent des Umsatzes der Anbieter. „Dabei wird die Nachfrage aus den Fachbereichen weiter zunehmen, da immer mehr betriebliche Kernprozesse wie Produktion, Supply Chain und Vertrieb in die Cloud verlagert und mit Hilfe von digitalen Innovationen modernisiert werden (müssen)“, weiß Mario Zillmann.

Dabei kommen bei Digitalisierungsprojekten immer häufiger agile Methoden wie Scrum und DevOps zum Einsatz. Jedes dritte IT-Projekt setzen die untersuchten Anwenderunternehmen bereits im agilen Modus um. Besonders häufig werden agile Methoden bei der Softwareentwicklung und der Legacy-Modernisierung eingesetzt. 2019 rechnen die befragten Unternehmen damit, dass der Anteil von agil umgesetzten Projekten auf 38,2 Prozent ansteigt.

Mangel an Fachkräften

Jedoch hält sich die Zahl aller tatsächlich realisierten Projekte noch in Grenzen. Lediglich 14 Prozent der untersuchten Anwenderunternehmen ist es gelungen, alle IT-Projekte auch abzuschließen. „Zwar werden immer wieder begonnene IT-Projekte aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr weiterverfolgt “, so Mario Zillmann. „Dass jedoch in 31 Prozent der Unternehmen etwa jedes fünfte IT-Projekt nicht abgeschlossen wurde, war auch für uns eine Überraschung.“

Wesentliche Gründe dafür sind zum einen das Spannungsfeld aus der Vielzahl an gleichzeitig laufenden Projekten, dem verfügbaren Budget und der Priorisierung auf die wichtigsten Vorhaben. Zum anderen wird der Aufwand oft falsch eingeschätzt, sodass sich der ursprüngliche Business Case nicht mehr rechnet. Aber vor allem der Mangel an Fach- und Technologie-Know-how erschwert die Projektumsetzung in den befragten Anwenderunternehmen. Aber auch viele Beratungs- und IT-Dienstleister gaben an, einen Teil ihrer Projektanfragen aus Mangel an Fachkräften ablehnen zu müssen. Beispielsweise fehlen am externen Markt ausreichend Fachkräfte für eine ganze Reihe an Skills, wie Data Scientists, Cloud- und Security-Experten und Softwareentwickler.

Darüber hinaus mangelt es, besonders bei mittelständischen Anwenderunternehmen und IT-Dienstleistern, an ausreichend SAP-Spezialisten für die bevorstehenden Transformationsprojekte auf die neue ERP-Version S/4. Da SAP das Ende der Wartung für die aktuelle ERP-Version für das Jahr 2025 angekündigt hat, bleibt den SAP-Kunden nicht mehr viel Zeit für die Systemumstellung, und die Nachfrage nach Fachpersonal nimmt entsprechend zu.

Kunden erwarten unterschiedliche Leistungen aus einer Hand

Der Digitalisierungstrend verändert laut den Ergebnissen dieser Studie die Anforderungen an die Zusammenarbeit mit Beratungs- und IT-Dienstleistern. „Der IT-Dienstleistungsmarkt befindet sich in einem massiven Veränderungs- und Anpassungsprozess“, so Zillmann. „Digitalprojekte erfordern immer öfter eine End-to-End-Umsetzung, also eine Kombination von Kreativ- und Designleistungen zur Entwicklung digitaler Produkte und Marken mit IT-nahen Umsetzungsleistungen, wie Data Management, agile Softwareentwicklung und Implementierung der digitalen Produkte und Softwaretools in die Prozess- und IT-Welt.“

Zur Studie

Für die Lünendonk-Studie „Führende IT-Beratungs- und IT-Service- Unternehmen in Deutschland – mit Sonderkapitel zum IT-Mittelstand“ wurden neben rund 70 IT-Dienstleistungsunternehmen knapp 150 IT-Verantwortliche aus dem gehobenen Mittelstand sowie aus Großunternehmen und Konzernen befragt. Die vollständige Studie ist kostenfrei unter www.luenendonk.de verfügbar.

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