Weitere Schritte in Richtung Digitale Souveränität „Corona legt Schwachstellen bei der Digitalisierung offen“

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Deutschland müsse sich stärker anstrengen, um mehr digitale Souveränität zu erreichen und sich aus der Abhängigkeit weniger Anbieter zu befreien, forderte Univentions CEO Peter Ganten auf dem 13. Jahres-Summit seines Unternehmens. Und kündigte wichtige Projekte für die Umsetzung an.

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Laut Univention-Chef Peter Ganten habe Corona viele Schwachstellen bei der Digitalisierung offengelegt, weshalb weitere Schritte Richtung Digitale Souveränität notwendig seien.
Laut Univention-Chef Peter Ganten habe Corona viele Schwachstellen bei der Digitalisierung offengelegt, weshalb weitere Schritte Richtung Digitale Souveränität notwendig seien.
(Bild: Univention)

„Die Corona-Krise hat die Schwächen Deutschlands bei der Digitalisierung schonungslos offengelegt – dennoch haben wir im vergangenen Jahr sehr viel erreicht“, fasste Ganten die Lage in Deutschland zusammen. Unter dem Motto „Digital Sovereignity – Spread possibilites, not dependencies“ versammelten sich Vertreter aus der IT-Branche und Anwenderorganisationen auf dem zum ersten Mal rein virtuellen Univention Summit, zentraler Treffpunkt der deutschen Open-Source-Gemeinde. In 35 Vorträgen, Workshops und Roundtables informierten sie sich über Trends der IT-Modernisierung und tauschten sich über Tipps und Lösungen für mehr Digitale Souveränität aus.

So ordnete der Chef der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), Rafael Laguna de la Vera, in seiner Keynote digitale Souveränität mit Hilfe von Open Source im Sinne Immanuel Kants als „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ ein. Nextcloud-Chef Frank Karlitschek ging in seinem Vortrag auf die Roadmap der Kollaborations- und Kommunikationsplattform Nextcloud Hub ein. Indra Cloet von Agorum erklärte, vor welchen besonderen Anforderungen Unternehmen vor dem Hintergrund der beschleunigten Digitalisierung bei gleichzeitigem Fachkräftemangel stehen.

Deutliche Forderungen beim Thema Digitale Souveränität

Im Panel-Gespräch „Digitale Souveränität in der Öffentlichen Verwaltung“ stellte der Bremer Staatsrat Dr. Martin Hagen fest, dass „wir uns digitale Souveränität erarbeiten müssen, weil wir noch nicht souverän sind“. Er forderte eine entsprechende „Änderung der Vergabepraxis in Bund und Ländern“. Schleswig-Holsteins CIO Sven Thomsen stellte fest: „Digitale Souveränität bedeutet nicht Isolation, sondern seine Handlungsfähigkeit zu erweitern.“

Dr. Johann Bizer, CEO von Dataport, unterstrich, dass man mit Phoenix ein äußerst wichtiges Projekt für mehr digitale Unabhängigkeit für die öffentliche Hand ermöglichen wird. Resümee der Diskussion war für Peter Ganten: „Die klare Botschaft ist, dass man im Norden gemeinsam voranschreitet, um Digitale Souveränität zu realisieren und dabei Open-Source-Lösungen bereits umsetzt, statt nur darüber zu reden.“

Neue Partnerschaften und Lösungen angekündigt

Ganz in diesem Sinne kündigte Univention-CEO Ganten in seiner Keynote eine engere Partnerschaft mit Open-Xchange und Nextcloud für die Entwicklung eines Open-Source-Arbeitsplatzes für Büroarbeit und kollaboratives Arbeiten für die Öffentliche Verwaltung an: die Sovereign Productivity Suite (wir berichteten).

Die für digitale Bildung optimierte Plattform UCS@school stellt Lernmanagementsysteme, E-Mail, Cloud- und Office-Anwendungen verschiedener Anbieter für Schulen, Schulträger und Länder über deren eigene Portale bereit.
Die für digitale Bildung optimierte Plattform UCS@school stellt Lernmanagementsysteme, E-Mail, Cloud- und Office-Anwendungen verschiedener Anbieter für Schulen, Schulträger und Länder über deren eigene Portale bereit.
(Bild: Univention)

Als weiteres wichtiges Projekt will Univention gemeinsam mit dem Land Bremen und der Mathematik-Lernplattform Bettermarks einen ID-Broker entwickeln, mit dem es bis zum kommenden Schuljahreswechsel möglich sein soll, über eine standardisierte zentrale Authentifizierungsschnittstelle unterschiedliche digitale Bildungsangebote bundesweit miteinander zu vernetzen, beispielsweise von Schulbuchverlagen, Softwareanbietern oder Open Education Ressources.

Zudem hob Ganten in seiner Eröffnungs-Keynote wichtige Unternehmens-Erfolge und -Entwicklungen im Pandemie-Jahr hervor: Univention unterstütze mit dem Sovereign Cloud Stack (SCS) einen der grundlegenden Cloud-Standards für das europäische Gaia-X-Projekt und habe mit dem Projekt eines Open Source Code Repository gemeinsam mit der Open Source Business Alliance und Vitako eine wichtige Initiative in Richtung Digitaler Souveränität bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung begleitet.

Dennoch mahnte Ganten, jetzt nicht nachzulassen: „Die Notwendigkeit bleibt, noch bessere Angebote für Digitale Bildung zu ermöglichen, sie zu integrieren und die IT-Infrastruktur ganz Deutschlands zu modernisieren, um sich aus der Abhängigkeit von wenigen Anbietern zu befreien.“

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