Nach Nordcloud und Aiven macht sich mit Cloudshift21 ein weiteres finnisches Unternehmen nach Zentraleuropa auf, um dort Kunden aller Größen und Branchen für sein Cloud-Angebot zu gewinnen. Wir sprachen mit den beiden Gründern Ilkka Wijkberg (nun CEO) und Göran Nummelin (nun CTO).
Cloudshift21 bietet eine integrierte Schicht über der grundlegenden Cloud-Infrastruktur, eine Art „gekapselte“ Cloud.
Im Jahr 2014 begann Nokia für die internen Bedürfnisse seiner früheren Global Services Organisation mit dem Aufbau einer 5G-Telco-Cloud-Plattform für multinationale Telekommunikationsunternehmen, die für jede andere Cloud-Plattform, private Cloud oder physische Cloud-Infrastruktur nutzbar sein sollte. 2021 wurde das Projekt unter dem Namen Cloudshift21 als unabhängiges Unternehmen mit Sitz in Helsinki, Finnland, ausgegliedert.
„Die Plattform ist eine Integrationsschicht, die über der Cloud läuft und auch direkt auf VMs oder sogar auf einer Bare-Metal-Basis ausgeführt werden kann. Sie basiert auf Kubernetes und bietet eine Reihe von Diensten in einer vollständig mandantenfähigen und gesicherten virtuellen Struktur namens Workspace“, erläutert CTO Göran Nummelin gegenüber CloudComputing-Insider. „Ein Benutzer kann über mehrere Workspaces verfügen, die zwar Daten und Ressourcen gemeinsam nutzen, aber jeweils eine völlig autonome und separate Umgebung darstellen. Die Einrichtung eines Entwicklungs-, Test- und Entwicklungsszenarios ist sehr einfach, da alle in einem eigenen Arbeitsbereich untergebracht werden können, aber dennoch Daten und Benutzerrechte gemeinsam nutzen.“
CTO Göran Nummelin.
(Bild: Cloudshift21)
Die Plattform offeriert eine Reihe von Diensten wie einen Notebook-Manager (Jupyter), Container-as-a-Service (CaaS), Datenbank-as-a-Service (DBaaS), Virtual Kubernetes und Monitoring. „Das alles ist im Setup enthalten, die Top Level-Ressourcenzuweisung, die dem Konto gegeben wird, wird von allen geteilt“, erläutert der Technikchef. Die Besonderheit von Cloudshift21 bestehe aber in seiner „gekapselten" Cloud: „Sie bietet eine integrierte Schicht über der grundlegenden Cloud-Infrastruktur, die den Aufwand, die Risiken und den Bedarf an hochqualifizierten Fachleuten für die Einrichtung einer funktionierenden Cloud-Umgebung beseitigt. Sie erhalten ein Konto, melden sich an und können sofort mit der Arbeit beginnen, ohne dass zusätzliche Einrichtungsarbeiten erforderlich sind.“
Nummelin spricht in diesem Zusammenhang von einem „Super-Paas-Konzept“ und benennt damit eine infrastruktur- und technologieunabhängige PaaS-Schicht, mit der Unternehmen ihre Cloud-Plattform zwischen öffentlichen, privaten oder Edge-Clouds (oder von zentral über regional bis lokal) verschieben können. „Max Kossatz von Red Hat definiert dies als Supercloud – der nächste Schritt im Cloud-Geschäftsmodell, der einen On-Demand-Zugang zu einem Ökosystem von Plattform- und Anwendungsdiensten über eine ganzheitliche Schnittstelle bietet, die als Substrat sowohl öffentliche Clouds als auch On-Premises-Rechenzentren und Edge-Geräte umspannt.“
Wer braucht Cloudshift21?
Deutsche Unternehmen legt Nummelin Cloudshift21 insbesondere deswegen ans Herz, weil die Lösung von oben nach unten, d.h. von den Bedürfnissen des Anwenders beziehungsweise Entwicklers her konzipiert worden sei, „und nicht von unten nach oben, wie die meisten bestehenden Cloud-Provider-Services. Alle haben mit dem Angebot von Infrastruktur-Ressourcen begonnen und dann Plattform-Services in einer Art Lego-Baukasten hinzugefügt. In diesem Szenario liegt es immer in der Verantwortung des Nutzers, dafür zu sorgen, dass die resultierende Struktur funktioniert, sicher ist und gute Leistungen erbringt.“ Bei einem „Top-down“-Aufbau wie bei Cloudshift21 kümmere sich die Plattform selbst um alle Grundlagen und die allgemeine Sicherheit.
Die Plattform ziele zunächst auf einzelne Nutzer ab, mit Tendenz zu Start-ups. „Der große Vorteil für ein kleines Unternehmen oder einen einzelnen Nutzer ist der einfache Einstieg in die Cloud-Entwicklung in einer Umgebung, die dann linear bis zur Produktion skaliert werden kann.“ Auf der Anwendungsebene müsse nichts geändert werden. Für Firmen mit wenig Erfahrung im Umgang mit der Cloud biete Cloudshift21 so die Möglichkeit, mit der Cloud zu experimentieren, ohne im Vorfeld eine Menge investieren zu müssen. Ein weiterer Vorteil der Lösung sei ihr „Festpreis-Setup“.
Super-PaaS gegen den Lock-in
Cloudshift21 sei zudem der ideale Weg, den gefürchteten Cloud-Lock-in zu vermeiden: „Das derzeitige Geschäftsmodell aller Hyperscale-Unternehmen entwickelte sich aus einem reinen Infrastrukturangebot, das dann in ein Plattformangebot umgewandelt wurde, als sie herausfanden, dass sie mit diesen Services viel mehr Geld verdienen können“, erläutert CEO Ilkka Wijkberg im Gespräch mit CloudComputing-Insider. „Jeder von ihnen baut diese Angebote hauptsächlich auf einer Reihe von Open-Source-Diensten auf, die sie so optimiert haben, dass sie in ihrer eigenen Umgebung am besten funktionieren. Das bedeutet, dass jeder Dienst als solcher nur bei diesem Anbieter funktioniert. Dies führt zu einem sehr hohen Lock-in-Faktor, da alles, was bei einem Anbieter entwickelt wurde, nicht einfach zu einem anderen übertragen werden kann.“
CEO Ilkka Wijkberg.
(Bild: Cloudshift21)
Je komplexer eine Entwicklung sei, desto weniger könne ein Unternehmen langfristig die Kosten für eine Migration tragen. Wijkberg verweist auf den Analysten Andreessen Horowitz, der es ein „Billionen-Dollar-Paradoxon“ nennt, wenn die Kosten für die Cloud deren Nutzen übersteigen: „Mehr als die Hälfte der Unternehmen realisieren nicht die Vorteile, die sie anstreben: Kostensenkung, Verbesserung der Ausfallsicherheit oder Erzielung neuer Einnahmen“, berichtet der CEO.
Stand: 08.12.2025
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Hier komme die Lösung von Cloudshift21 ins Spiel – sie verwendet nur Upstream-Versionen von Open-Source-Komponenten und könne eine virtuelle Kubernetes-Umgebung bereitstellen, von der aus Lösungen leicht auf jeden externen Kubernetes-Cluster migriert werden können. Ebenso ließe sich alles, was auf dem Container-as-a-Service-Teil entwickelt und ausgeführt werde, auf eine externe Container-Laufzeit übertragen: „Unsere Lösung hilft den Kunden, Abhängigkeiten zu vermeiden, schneller in die Cloud – oder zwischen den Clouds – zu migrieren, die Entwicklung zu beschleunigen und die Kosten und Komplexität der Cloud-Wartung zu reduzieren.“
Modularer Aufbau lässt KI anflanschen
Software entwickelt sich ständig weiter. Die Cloudshift21-Plattform sei für eine einfache Integration und Multi-Cloud-Setups ausgelegt, weshalb sie für jede Art von Anforderungen eigne – auch die angesagte künstliche Intelligenz (KI) ließe sich leicht als Add-on anflanschen: „Vieles hängt davon ab, auf welcher Ebene Unternehmen mit der Nutzung dieser Fähigkeiten beginnen wollen“, erklärt Nummelin. „Die direkte Nutzung der KI-APIs und der Aufbau einer eigenen KI-fähigen Lösung erfordert hohe Kompetenzen im Unternehmen. Die Cloudshift21-Plattform kann dabei helfen, indem sie der zentrale Punkt ist, der alle Dienste über interne und externe APIs miteinander verbindet. Wenn der Bedarf bescheidener ist, könnte ein Benutzer z. B. einen bestehenden KI-Dienst innerhalb der Plattform nutzen und ihn dazu verwenden, interne Lösungen mit diesem Dienst zu verbinden.“
Zupass käme den Anwendern, dass die Plattform quelloffen ist: „Das bedeutet, dass wir eine Vielzahl von Diensten anbieten können, ohne dass die Nutzer Geld und Mühe für externe Lizenzen aufwenden müssen. Und wir können die Funktionalität entsprechend den neuesten Entwicklungen im Open-Source-Bereich kontinuierlich weiterentwickeln.“
Spezielle Strategie für Deutschland?
Geschäftsführer Wijkberg sieht Cloudshift21 allerdings noch in einem frühen Entwicklungsstadium, den Start der Beta-Version visiert er für das dritte Quartal dieses Jahres an. „Der Service selbst ist vom ersten Tag an global, wir konzentrieren uns also nicht auf ein bestimmtes geografisches Gebiet. Unsere Hauptnutzer sind Cloud-Architekten, Entwickler von Cloud-nativen Anwendungen, Big-Data-Analysten, Datenwissenschaftler, Experten für maschinelles Lernen und Cloud-Ingenieure.“
Die Plattform soll in Deutschland über Partner vertrieben werden: „Sie bringen lokales Fachwissen und Branchenkenntnisse mit, um Nutzer und Kunden in bestimmten Märkten oder Bereichen am effektivsten zu bedienen“, so Wijkberg. „Als führender Markt und Wirtschaft in Europa sehen wir Deutschland als sehr wichtigen Markt in der EU. Unser Plan ist es, langfristige Beziehungen mit deutschen Beratungsunternehmen, Integratoren, SW-Engineering-Häusern und anderen Auftragnehmern aufzubauen und zu pflegen, die nicht nur lokale Kunden bedienen, sondern auch über den DACH-Markt hinausreichen.“ Aktuell befinde sich das Entwicklungsteam und das Management aber noch ausschließlich in Finnland.
Dass es seit 2014 in Deutschland mit Cloudshift bereits einen fast gleichnamigen Cloud-Experten gibt, irritiert Wijkberg nicht: „Wir sehen keinen Konflikt oder eine sich überschneidende Technologie, sondern eher eine Chance. Unsere Lösung könnte deren Serviceportfolio ergänzen.“
Der CEO hält abschließend fest: „Öffentliche Untersuchungen sowie unsere Gespräche mit potenziellen Partnern und Kunden bestätigen, dass die meisten Unternehmen – unabhängig von ihrem Standort – mit den gleichen Problemen im Zusammenhang mit der Cloud konfrontiert sind: steigende Komplexität und Kosten, erhebliche Kosten für die Migration zwischen öffentlichen und privaten Clouds, Anbieterbindung, die den gesunden Wettbewerb zerstört, und steigende Wartungskosten“, so Wijkberg. Cloudshift21 sei selbstredend die Antwort auf all diese Herausforderungen.