Studie zu „Disruption im Datacenter“

Cloud verdrängt eigene Rechenzentren

| Autor / Redakteur: Philip Reisberger * / Elke Witmer-Goßner

Der hohe Aufwand, den Unternehmen für den eigenen RZ-Betrieb treiben müssen, macht die Cloud immer attraktiver.
Der hohe Aufwand, den Unternehmen für den eigenen RZ-Betrieb treiben müssen, macht die Cloud immer attraktiver. (Bild: © Schlierner - Fotolia)

Bei Unternehmen steht eine erfolgreiche Digitalisierung als drängende Herausforderung ganz weit oben auf der Agenda. Wie entscheidend dabei der Einsatz der Cloud wirklich ist, hat jetzt die Studie „Disruption im Datacenter“ untersucht. Fakt ist: Ohne Cloud geht nichts.

Die Beziehung zwischen der Cloud und deutschen Unternehmen stand anfangs unter keinem guten Stern und war vor allem durch Skepsis und Misstrauen geprägt: Zu schwammig das ganze Thema und vor allem zu unsicher. In den letzten zwei Jahren hat sich das Beziehungsgefüge deutlich verändert. Standardisierte Prozesse und Technologien, deutsche Cloud-Anbieter und ein größeres Bewusstsein für das Thema, haben die Cloud heute zur Commodity werden lassen. Unternehmen, die Cloud-Modelle bereits operativ einsetzen, wollen oder können oft gar nicht mehr ohne.

Tiefere Einblicke in dieses Beziehungsgeflecht liefert die gemeinsame Studie „Disruption im Datacenter“ des Analystenhauses Crisp Research und des IT-Spezialisten Nexinto. Sie zeigt: Die Cloud ist unabdingbar und die Schlüsseltechnologie für den digitalen Wandel. Anhand ihres Reifegrades lässt sich der Digitalisierungserfolg im Unternehmen ablesen. Für die repräsentative Studie wurden IT- und Digitalisierungsentscheider von 155 Unternehmen aus zwölf verschiedenen Branchensegmenten befragt.

Auf der Agenda ganz oben

Schon innerhalb der letzten zwölf Monate hat sich in deutschen Unternehmen die Bedeutung der Digitalisierung für ihr jeweiliges Geschäft enorm verändert. Nachdem im vergangenen Jahr noch rund die Hälfte angab, dass die Digitalisierung keine oder nur eine schwache Auswirkung auf ihr Unternehmen habe, zeigt sich heute ein anderes Bild: Mit 64 Prozent sehen mehr als zwei Drittel starke Auswirkungen. Diese Einschätzung schlägt sich unmittelbar in den strategischen Handlungsfeldern nieder. An erster Stelle steht bei den Entscheidern die Digitalisierung der Kundenbeziehung (52 Prozent), dicht gefolgt von der Flexibilisierung der IT hin zu Cloud-Plattformen (51 Prozent). Beide Bereiche sind eng miteinander verflochten: So braucht es vor allem eine passende IT-Infrastruktur, die mit der schnelleren Taktung einer digitalisierten Kundenbeziehung mithält. Daher sehen Entscheider diese Themen als nahezu gleichwertig relevant an.

Die Cloud ist Treiber und Träger der Digitalisierung. Sie erfordert angepasste Strukturen in Unternehmen. Vor allem ist das Zusammenspiel zwischen IT-Infrastruktur und Anwendungen wichtig. Organisatorische sowie technische Konzepte müssen überdacht und an digitalisierte Prozesse angepasst werden. In diesem Kontext geht die Studie der Frage nach, in wie weit sich der zunehmende Cloud-Einsatz auf die Infrastrukturen der Unternehmen auswirkt. Aufschluss geben hier aktuelle und geplante IT-Betriebsmodelle. Noch verfügen 86 Prozent über eigene Rechenzentren. Gleichzeitig wollen nur 26 Prozent diese auch in Zukunft weiter ausbauen. Das bedeutet: Deutlich mehr als zwei Drittel planen ihre RZ-Standorte zu konsolidieren (34 Prozent), skalieren ihre IT in Zukunft über die Cloud (25 Prozent) oder nutzen diese bereits komplett ohne eigene RZ-Infrastruktur (14 Prozent). Unterm Strich befinden sich Unternehmen in puncto Rechenzentren im Rückbau und in Sachen Cloud-Infrastruktur im Ausbau.

Stärkere Zusammenarbeit mit Cloud-Providern

Bei dieser Entwicklung spielen die Vorteile der Cloud wie Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und ein On-Demand-Sourcing eine zentrale Rolle. Auch die Möglichkeit, Infrastructure as Code einzusetzen sowie den Automatisierungsgrad als Basis für eine fortschreitende Digitalisierung zu erhöhen, sind elementare Gründe. Ein wesentlicher Faktor, der zudem zusätzlich die Zusammenarbeit mit Managed Cloud Service Providern vorantreibt, ist der 24/7-Betrieb der Rechenzentren und IT-Infrastrukturen. Lediglich 37 Prozent geben an einen 24/7-Betrieb ihres unternehmenseigenen Rechenzentrums mit festen SLAs und zertifiziert nach ISO 27001 gewährleisten zu können. Der Rest kann keinen (19 Prozent) oder nur einen eingeschränkten Rund-um-die-Uhr-Betrieb (44 Prozent) vorweisen. Dies hängt oft an den arbeitsvertraglichen Regelungen im Unternehmen selbst, die keine Schicht- oder Wochenendarbeit abdecken.

Gerade in diesem Bereich punkten Managed Cloud Provider, die Unternehmen daher immer stärker in ihre IT-Sourcing-Strategien einbinden. Die Mehrheit der Entscheider misst dem Outsourcing, dem Public Cloud Computing sowie dem Managed Cloud Services in Zukunft eine hohe oder sogar sehr hohe Bedeutung bei. Dieser Shift zu externen Cloud-Strukturen schlägt sich auch in den Investitionsplänen der Unternehmen nieder: In Zukunft sinkt der Anteil für den Eigenbetrieb von Rechenzentren am IT-Budget um zehn Prozent. Im Gegenzug fließen bereits heute 60 Prozent des IT-Infrastrukturbudgets an externe Dienstleister.

Cloud löst traditionelle Rechenzentren ab

Philip Reisberger ist Chief Strategy Officer bei Nexinto.
Philip Reisberger ist Chief Strategy Officer bei Nexinto. (Bild: Nexinto / www.rene-lahn.de)

Die Studie von Crisp Research und Nexinto zeigt, dass Unternehmen Cloud Computing nicht nur akzeptieren, sondern als feste Größe in ihrer IT-Sourcing-Strategie verankert haben. In diesem Kontext wird der Eigenbetrieb von Rechenzentren zunehmend unattraktiv für Unternehmen: Nur noch ein Viertel beabsichtigt überhaupt, seinen RZ-Standort in Zukunft auszubauen. Ein Großteil hingegen plant oder arbeitet bereits mit IT-Infrastrukturen aus der Cloud. Sie bildet die Basis für eine weitere Automatisierung der Prozesse und ist Grundlage für den Einsatz neuer software-defined Technologien. Dabei setzen Unternehmen verstärkt auf Managed Cloud Provider, die über die notwendigen Ressourcen für einen reibungslosen Betrieb der Cloud-Infrastrukturen verfügen.

* Der Autor Philip Reisberger ist Chief Strategy Officer bei Nexinto.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44341509 / Hosting und Outsourcing)