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Was die Vermutung eines Rechtsverstoßes als Grundlage für Überwachung angeht, sehe ich die Sachlage ganz anders. Aber lassen Sie uns zu Software-Abos zurückkommen: Bei Abo-Modellen werden seitens der Anbieter gerne die größere Flexibilität und positive buchhalterische Aspekte hervorgehoben. Wie ordnen Sie das ein?
Pfister: Ein großer Vorteil beim Miet-Modell ist, dass die Kosten direkt als Aufwendung in die Bilanz einfließen und nicht wie Kauf-Lizenzen abgeschrieben werden müssen. Außerdem kann ein Unternehmen bei einem Miet-Modell die Anzahl der Nutzer einfach reduzieren, ohne sich über das leidige Thema der „Gebrauchtlizenzen“ Gedanken machen zu müssen. Demgegenüber stehen die gesamten Lizenzkosten, die über einen längeren Zeitraum gesehen, oft höher sind. Wenn Unternehmen keine Upgrades planen und die Services, die im Rahmen der Abo-Modelle geboten werden, nicht nutzen wollen, rechnet sich ein Abonnement in der Regel nicht.
Welche Auswirkungen haben die Abonnements auf Bereiche wie Software-Lizenzmanagement oder Compliance?
Pfister: Da Unternehmen nur das nutzen können, wofür sie im Rahmen eines Abonnements zahlen, verringert sich der Aufwand für das Software Asset Management. Denn die Zahl der genutzten Lizenzen entspricht genau der Zahl der bezahlten. Da Unternehmen aber derzeit nicht für sämtliche Software auf Mietmodelle wechseln können, bleibt die Herausforderung im Lizenzmanagement bestehen.
Lohnt sich das Konzept für Betriebe aller Größen?
Pfister: An sich sind Software-Abos für sämtliche Unternehmen relevant und interessant. Allerdings gilt: Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Abhängigkeiten bestehen zwischen den Anwendungen. Diese Abhängigkeiten erschweren es oft, die Services zu nutzen, die die Abo-Modelle ja häufig gerade interessant machen. Als kleines Unternehmen kann ich die Zusatzdienste schneller in komplettem Umfang einsetzen und dadurch Kosten sparen.
In einer E-Mail aus der Redaktion hat IT-BUSINESS die Kostensituation beim Standardprodukt Office in Hinblick auf die Optionen „Software-Abo oder ewige Lizenz“ hinterfragt. Der These, dass jemand, der im Grunde einfach nur Word und Excel für die private Korrespondenz benötigt, noch kein passendes Cloud-Angebot findet, fand in den Leserkommentaren eher Zustimmung als Ablehnung. Mal unabhängig von dem Beispiel – sollte man Software-Abos aus dieser Perspektive nicht öfters und kritisch als Vehikel der Hersteller betrachten, die Zahl der Versionsüberspringer zu reduzieren und regelmäßige Einnahmen zu generieren?
Pfister: Das Interesse der Software-Hersteller liegt natürlich auf der Hand: Es geht ihnen um planbare, kontinuierliche Einnahmen. „Versionsüberspringer“ sind die Hersteller gewohnt. Sie planen nicht ein, dass jeder immer die neueste Version erwirbt, und bieten meist ein Recht zum Downgrade. Häufig ist es in der Praxis eher nachteilig für die Kunden: Überspringt ein Unternehmen eine oder mehrere Versionen, sind die Schulungskosten höher.
Die Frage ist nicht, was das Interesse der Software-Hersteller ist, sondern wie ich mich als Unternehmen darauf einstelle.
Aus Sicht des IT-Channels sorgt der Wechsel vom klassischen Lizenzgeschäft hin zur Vermittlung von cloudbasierten Software-Abos mitunter für Aufregung. Da mehr Aufgaben direkt vom Hersteller übernommen werden, sinken die Möglichkeiten zur Wertschöpfung und die Vermittlungsprovisionen sind vielen zu niedrig. Ist Kritik aus dem Channel an Software-Abos ähnlich zu bewerten wie damals der Protest der Pferdekutscher zur Einführung der Eisenbahn oder können Sie die Abo-Skeptiker im Channel verstehen?
Pfister: Sehr gut sogar. In unserem Haus beschäftigen wir uns derzeit intensiv mit der Frage, welche Dienstleistungen wir künftig rund um die Vermittlung von Nutzungsrechten anbieten werden. Der IT-Channel unterliegt einem ständigen Wandel. Ich kann mich noch gut an die Aufregung erinnern, als Microsoft-Office-Pakete zu Konditionen im Elektronikhandel aufgetaucht sind, die unter den Einkaufspreisen der Distribution lagen. Auch damals haben einige das Ende des Channels heraufziehen sehen. Die Erfahrung zeigt also, dass sich unser Markt weiter entwickelt und sich neue Wege auftun. Nach der ganzen NSA-Diskussion glaube ich zum Beispiel, dass wir einen Trend zur lokalen Public Cloud erleben werden. Und hier wird es ohne den IT-Channel nicht funktionieren.
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