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Software-Bereitstellungsmodelle Cloud und On-Premise im Jahr nach Snowden

| Autor / Redakteur: Das Interview führte Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Über Dinge, die sich im Geheimen abspielen, lässt sich schwer objektiv sprechen. Tatsache ist, dass der Abhörskandal auch mit Wirtschaftsspionage in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Redaktion sprach mit Holger Pfister, Direktor Lizenzvertrieb bei Comparex, über die Cloud, ewige Lizenzen und die Unsicherheit im Markt.

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PC-Arbeiter kommen sich zunehmend durchleuchtet vor.
PC-Arbeiter kommen sich zunehmend durchleuchtet vor.
(Bild: VBM-Archiv)

Als Direktor Lizenzvertrieb bei Comparex haben Sie sicherlich ein differenziertes Bild in der Frage „Software kaufen oder mieten?“. Die „ewige Lizenz“ hat ihre Vor- und Nachteile, das Software-Abo aber auch. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Aspekte in dieser Kontroverse?

Holger Pfister, Direktor Lizenzvertrieb bei Comparex
Holger Pfister, Direktor Lizenzvertrieb bei Comparex
(Bild: Comparex)

Pfister: Vor fünf Jahren war die Antwort einfach: Kaufen. Mietlizenzen haben sich nur in den seltensten Fällen gerechnet. Die Wartung für Kauflizenzen enthielt im Prinzip nur das Recht auf Upgrades. Inzwischen haben Software-Hersteller bestimmte Nutzungsrechte an die Wartung geknüpft, sodass ihre Kunden auf permanent aktive Wartung angewiesen sind. Ein Beispiel ist die License Mobility bei Microsofts SQL-Server. Unternehmen, die SQL-Server auf virtuellen Serverfarmen nutzen, können auf die Wartung gar nicht mehr verzichten.Deshalb stellt sich heute oft die Frage, warum Unternehmen überhaupt noch eine Lizenz kaufen sollen, wenn sie ohnehin jährliche Nutzungsgebühren zahlen müssen. In diesem Fall rechnet sich oft die Miete.

Nach den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden ist die Welt eine andere. Sicherheitsparadigmen in der IT werden derzeit neu ausgelotet. Die Denke dahinter könnte man zusammenfassen mit „Private statt Public Cloud, interne statt externe Datenhaltung, verschlüsselter statt unverschlüsselter Datenverkehr und Zertifizierungen für Backdoor-freie Geräte“. Viele der Cloud-Modelle passen von ihrer Machart her schlecht in die neue Zeit, in der offen über Themen wie Wirtschaftsspionage durch „befreundete“ Dienste diskutiert wird. Was sagen Sie zu dieser Gemengelage?

Pfister: Jedes Unternehmen muss die Frage, welche Daten es wo speichert, für sich selbst beantworten. Daten im eigenen Haus zu speichern ist per se nicht sicherer. Für ein Maklerbüro ist die Frage anders zu beantworten als für einen Technologiekonzern.

Durch die aktuelle Diskussion wird die Herausforderung für IT-Entscheider noch größer. In der Vergangenheit war es bereits schwer, den Nutzern den Komfort zu bieten, den sie aus dem privaten Bereich kannten und auch im beruflichen Umfeld forderten. Mit Blick auf das Mobiltelefon der Kanzlerin könnte man solche Diskussionen jetzt mit dem Verweis auf die Sicherheit beenden. Ich denke aber, dass das zu kurz gedacht ist und man so auf Dauer nicht wettbewerbsfähig sein kann.

Allerdings macht es einen Unterschied, ob Unternehmen über Gesetzgebung und Rechtssprechung zur geheimen Zusammenarbeit mit den Diensten verdonnert werden können, oder nicht. Insofern spielt der Rechtsstand eines Anbieters eine Rolle. Im Gegensatz zu den USA kann in Deutschland kein Anbieter zu einer Zusammenarbeit und Stillschweigen darüber verpflichtet werden. Wie bewerten sie diesen Aspekt?

Pfister: Diese Feststellung ist sicher richtig. Aber nach allem, was ich zu den Möglichkeiten der NSA lese, kommen sie an alle Daten, wenn sie denn wollen. Wenn aber ein amerikanischer Richter einen Anbieter verpflichtet, Daten herauszugeben, dann gehe ich davon aus, dass zumindest die Vermutung eines Rechtsverstoßes vorliegt. Schließlich ist die USA – mit Verlaub – immer noch ein Rechtsstaat und keine Bananenrepublik. Und ich bleibe dabei: Die Entscheidung über die Datenspeicherung muss jedes Unternehmen für sich selbst entscheiden. Dabei kann auch die Rechtslage in den USA eine Rolle spielen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Patriot-Act-Problematik.

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