Ob einzelne Cloud-Services, Dual-, oder Multicloud-Umgebungen: Eine klare Cloud-Strategie ist Schlüsselinstrument digitaler Unabhängigkeit. Voraussetzung dafür ist, dass alle Technologieentscheidungen konsequent auf Flexibilität, Kontrolle und digitale Souveränität einzahlen.
Wer mehrere Anbieter strategisch kombiniert, gewinnt Kontrolle, Resilienz und Innovationskraft. So werden regulatorische Vorgaben erfüllt, Risiken verteilt und die digitale Souveränität langfristig gesichert.
Die digitale Infrastruktur moderner Unternehmen lässt sich gut mit einem vielseitigen Baukastensystem vergleichen: Komponenten lassen sich gezielt zusammenstellen und erweitern – je nach Geschäftsanforderung, Innovationsdruck oder regulatorischem Kontext. Doch im Zentrum steht nicht die Vielfalt der „Bausteine“, sondern die Fähigkeit, die eigene IT-Architektur souverän und strategisch anzupassen. Gerade beim Einsatz von Cloud-Technologien rückt dabei die Frage ins Zentrum: Wie souverän und resilient können Unternehmen heute und in Zukunft ihre Daten, Prozesse und Systeme gestalten?
Strategie mit Spielraum: Das passende Cloud-Modell finden
Cloud ist längst kein Entweder-oder mehr, sondern eine strategische Architekturfrage. Unternehmen stehen vor der Überlegung, wie sie Kontrolle, Flexibilität und Unabhängigkeit in ihrer IT sinnvoll austarieren.
Eine Single-Cloud bietet klare Strukturen, einfachere Integration und eine zentrale Kostenübersicht. Nachteile können eine erhöhte Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter, potenzielle Risiken bei Ausfällen und eine eingeschränkte Flexibilität sein. Mit Dual-Cloud-Ansätzen können Unternehmen dieses Risiko aufteilen und die Ausfallsicherheit verbessern, vor allem im Hinblick auf Business Continuity, regulatorische Anforderungen (z. B. DSGVO, DORA, NIS2) oder geografisch verteilte Datenhaltung.
Noch mehr Spielraum bietet der Multicloud-Ansatz: Unternehmen nutzen dabei gezielt mehrere Cloud-Anbieter parallel, wählen Services passgenau je nach Schutzbedarfen, Kritikalität der Workloads und Anforderungen an Cloud-Services aus, um Innovationszyklen zu verkürzen und Kosten flexibel zu steuern. Die workload-spezifische Nutzung unterschiedlicher Anbieter ermöglicht Unternehmen z. B. besonders rechenintensive KI-Anwendungen auf spezialisierte GPUs auszulagern. So kann eine belastbare, zukunftssichere Infrastruktur ohne vollständige Neustrukturierung der IT bestehen.
Entscheidend bleibt jedoch die strategische Passung: Welche regulatorischen Vorgaben gelten? Wie hoch ist der Innovationsdruck? Wie viel Flexibilität wird benötigt? Wer die Cloud als dynamisches Baukastensystem begreift, kann sich langfristig technologische Handlungsfähigkeit sichern.
Warum Cloud-Strategien klare Leitplanken brauchen
Die Wahl des Cloud-Modells ist nur der Anfang, aber erst die konsequente Umsetzung sorgt für echte Souveränität. Unternehmen, die Cloud-Infrastrukturen strategisch nutzen wollen, müssen ihre konkreten Anforderungen kennen. Insbesondere die Nutzung eines Multicloud-Modells braucht Klarheit: Welche Technologien unterstützen die Geschäftsziele? Wo ist Automatisierung und Skalierung sinnvoll? Wie interoperabel, skalierbar und verfügbar müssen die Systeme sein? Auch regulatorische Vorgaben und mögliche Anbieterunabhängigkeit sind früh zu berücksichtigen. Cloud-Agnostik ist kein Selbstzweck, sondern ein Hebel für langfristige Flexibilität und Kontrolle.
Technisch beginnt eine Cloud-Strategie mit der Einrichtung einer Landing Zone: dem standardisierten Fundament aus Netzwerkkonzept, Zugriffssteuerung, Verschlüsselung, Schlüsselmanagement und Policy-as-Code. Logging, Monitoring und Cost Controls werden von Beginn an zentral integriert. Die Governance ist klar geregelt und wird über zentral definierte Richtlinien, Rollenmodelle und technische Guardrails durchgesetzt. Ein CCoE verantwortet Architekturleitlinien, Enablement und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Cloud-Strategie.
Ebenso wichtig ist der Aufbau von Cloud-Kompetenz, denn der souveräne Umgang mit Containern, Automatisierung, Security und Compliance erfordert spezialisiertes Fachwissen. Erst das Zusammenspiel von Technologie, klaren Strukturen und qualifizierten Teams macht eine cloudbasierte Selbstbestimmung möglich.
Multicloud-Herausforderungen strategisch meistern
Die Nutzung von Multicloud bietet viele Vorteile, führt jedoch auch zu Herausforderungen: Jeder zusätzliche Anbieter bringt eigene APIs, Authentifizierung, Abrechnungsmodelle, Managed Services und Tools mit. Ohne Harmonisierung drohen Fragmentierung und eine unkoordinierte Nutzung von Cloud-Ressourcen oder -Diensten außerhalb der IT-Governance. Dabei besteht ein kontinuierlicher Spagat zwischen einheitlichem Tooling und der Nutzung Provider-spezifischer Tools, welche auf den Cloud-Provider perfekt abgestimmt sind.
Organisatorisch benötigt eine digitale Souveränität durch Multicloud kontinuierliches Training. Denn ein stabiler Multicloud-Betrieb braucht Know-how: Ohne Fachkräfte, die Cloud-Umgebungen orchestrieren, können Sicherheitslücken und Ineffizienzen entstehen. Zudem droht der sogenannte „Cloud Whiplash“ – eine Überforderung durch zu schnelle Cloud-Einführung, aufgrund der Vielfalt der Services und ständiger Strategieänderungen. Die Folge: überlastete Teams, steigende Risiken und operative Reibungsverluste.
Stand: 08.12.2025
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Zudem herrscht in vielen IT-Abteilungen akuter Ressourcenmangel. Externe Partner oder Partnerinnen mit technischer Tiefe und strategischem Weitblick können hier entscheidend unterstützen – nicht nur beim Aufbau der Infrastruktur, sondern auch bei Governance, Sicherheitsfragen und regulatorischer Compliance.
Smartes Management für Cloud-Diversität
Der Umstieg auf Multicloud kann komplex wirken. Um die beschriebenen Risiken und Hürden zu minimieren, können Multicloud-Management-Plattformen Abhilfe schaffen: Sie bündeln Ressourcensteuerung, Kostenkontrolle und Automatisierung in einem zentralen Interface – und erleichtern so den täglichen Betrieb. Über ein zentrales Portal lassen sich Cloud-Services verschiedenster Anbieter einfacher vergleichen und nutzen. Das spart Zeit, entlastet die IT und schafft Flexibilität.
Solche Plattformen ermöglichen die Auswahl passender Clouds, erfüllen Sicherheits- und Compliance-Anforderungen und etablieren Governance-Strukturen. Die Begleitung durch erfahrene externe Partner oder Partnerinnen, der bzw. die Strategie, Technik und Umsetzung ganzheitlich miteinander verknüpfen, kann entscheidend dazu beitragen, beispielsweise den Umstieg auf Multicloud erfolgreich zu gestalten.
Souveränität durch strategische Vielfalt
Bei entsprechenden Anforderungen kann Multicloud nicht nur eine technische Option, sondern ein strategischer Hebel sein, um Kontrolle, Innovationsfähigkeit und digitale Unabhängigkeit zu sichern. Entscheidend ist dabei nicht die Menge an Anbietern, sondern deren gezielte Kombination entlang der Geschäftsziele. Unternehmen, die ihre Cloud-Strategie aktiv gestalten, verschaffen sich echte Wahlfreiheit – wirtschaftlich, technologisch und regulatorisch.
Denn wer heute Vielfalt bewusst orchestriert, bleibt morgen souverän. Eine sinnvoll strukturierte Multicloud-Architektur kann nicht nur Sicherheit und Skalierbarkeit bieten, sondern auch die Flexibilität, auf neue Anforderungen schnell zu reagieren. Sie funktioniert wie ein intelligentes Baukastensystem: modular und anpassbar in diverse Richtungen.
*Über die Autorin Als Senior Consultant for Cloud Solutions bei der BTC AG spielt Alena Mattfeldt eine zentrale Rolle in der Entwicklung und Umsetzung der Cloud-Aktivitäten. Sie hat maßgeblich am Aufbau der Cloud-Unit als agile IT-Service-Organisation mitgewirkt, die heute das Fundament sämtlicher Cloud-Aktivitäten bei BTC bildet. Als zentrale Kundenansprechpartnerin für namhafte Unternehmen und Projektleiterin des Multi-Cloud Management Portals gestaltet sie aktiv die Business-Development- und Sales-Strategie.