Meister der Cloud-Strategie Cloud Broker: Was sie tun, für wen sie sich lohnen

Ein Gastbeitrag von Henrik Hasenkamp* 5 min Lesedauer

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Clouds helfen Unternehmen dabei, ihre Prozesse schneller und kosteneffizienter zu gestalten. Die Auswahl an möglichen Partnern ist allerdings groß, wenn nicht gar überwältigend: Gartner zählte schon im Jahr 2019 ca. 360 PaaS-Anbieter und nochmal 550 Plattform-Services – die Anzahl dürfte weiter gewachsen sein.

Unabhängige Cloud Broker vermitteln zwischen Cloud-Anbietern und Kunden, um die bestmögliche Cloud-Lösung für die Anforderungen des Kunden zu finden.(Bild:  ipopba - stock.adobe.com)
Unabhängige Cloud Broker vermitteln zwischen Cloud-Anbietern und Kunden, um die bestmögliche Cloud-Lösung für die Anforderungen des Kunden zu finden.
(Bild: ipopba - stock.adobe.com)

Herauszufinden, welcher Anbieter zum eigenen Unternehmen passt, erfordert deshalb einiges an Recherche- und Abstimmungsarbeit. Schließlich gilt es nicht nur, eine performante und zuverlässige Cloud zu finden, auch Sicherheits- und Compliance-Anforderungen müssen erfüllt werden. Hinzu kommt: Buchen Unternehmen Cloud-Dienste, die auf den ersten Blick passen – beispielsweise weil sie kostengünstig sind –, ohne die IT-Abteilung in den Prozess einzuweihen, kommen weitere Herausforderungen auf den Betrieb zu.

Wie Cloud Broker helfen

Ein Cloud Broker vermittelt als unabhängiger Berater zwischen Cloud-Anbietern und Kunden, um die bestmögliche Cloud-Lösung für die Anforderungen des Kunden zu finden. Er ist in der Regel Teil eines IT-Beratungsunternehmens. In seiner Funktion vergleicht er die Dienstleistungen, Kosten und möglichen Risiken der verschiedenen Cloud-Optionen und bietet Beratung und Unterstützung bei der Implementierung und Nutzung der ausgewählten Cloud-Lösung an.

Der Cloud Broker stellt sicher, dass die Cloud-Optionen des Kunden Datenschutz, Compliance- und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Dieses Modell ermöglicht, dass Kunden sich eine maßgeschneiderte Cloud-Lösung zusammenstellen, die zu 100 Prozent an ihre speziellen Bedürfnisse angepasst ist. Zudem profitieren sie von einer größeren Auswahl an Multi-Cloud-Diensten, die sie von einem einzelnen Cloud-Anbieter nicht beziehen könnten.

Für Cloud-Computing-Anbieter heißt das, dass sie ihre Services innerhalb eines Ökosystems aus unterschiedlichen IT-Dienstleistungen anbieten und so ihren Kunden umfangreiche Cloud-Plattformen bereitstellen können. Größter Vorteil daran sind die hohe Individualität und Flexibilität dieser Lösungen.

Für welche Unternehmen kommen Cloud Broker in Frage?

Grundsätzlich gilt: Cloud Broker lohnen sich für große Unternehmen, die sich einen entsprechenden Dienstleister leisten können. Insbesondere für Unternehmen mit komplexen IT-Infrastrukturen und -Anforderungen, die mehrere Cloud-Anbieter nutzen, kann ein Cloud Broker dazu beitragen, die Prozesse zu vereinfachen, Kosten zu optimieren und die Effizienz zu steigern. Darüber hinaus können Unternehmen von einem Cloud Broker profitieren, wenn sie die Sicherheit und Compliance ihrer Cloud-Infrastruktur verbessern möchten.

Worauf sollten Unternehmen bei ihrem Cloud Broker achten?

Ähnlich wie bei Cloud Providern gibt es auch bei entsprechenden Brokern mittlerweile eine große Auswahl. An diesen Merkmalen erkennen Unternehmen, ob der Dienstleister für ihre IT-Infrastruktur in Frage kommt:

  • Expertise: Gute Cloud Broker verfügen über umfassende Fachkenntnisse und Erfahrungen in der Auswahl und Implementierung von Cloud-Lösungen. Der Dienstleister sollte über ein tiefes Verständnis der verschiedenen Cloud-Plattformen, Services und Lösungen verfügen.
  • Flexibilität: Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind wichtige Eigenschaften für einen Cloud Broker. Er sollte in der Lage sein, sich schnell auf die sich ändernden Bedürfnisse und Anforderungen seiner Kunden einzustellen.
  • Transparenz: Der Cloud Broker sollte transparent arbeiten und dem Kunden jederzeit vollständige Informationen zu Kosten, Performance und Sicherheit seiner Cloud-Lösungen zur Verfügung stellen.
  • Kundenorientierung: Die Zusammenarbeit mit dem Kunden sollte direkt und zeitnah erfolgen, um deren Geschäftsanforderungen zu verstehen und passende Cloud-Lösungen zu empfehlen. Auch ein nahbarer Support direkt durch den Broker ist hierbei entscheidend.
  • Sicherheit: Ein guter Cloud Broker sollte über umfassende Erfahrungen in der Sicherheitsarchitektur von Cloud-Lösungen verfügen und seinen Kunden sicherheitsrelevante Empfehlungen zur Verfügung stellen.
  • Preisgestaltung: Ein guter Cloud Broker sollte eine transparente und faire Preisstruktur anbieten, die auf den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen seiner Kunden basiert.

Trotz der Vorteile, die ein Cloud Broker bieten kann, gibt es auch Bedenken im Zusammenhang mit dem Einsatz eines Cloud Brokers: Unternehmen sind darauf angewiesen, dass der Broker ständig über neue Cloud-Technologien, -Optionen und -Angebote auf dem Laufenden ist.

Der Einsatz eines Cloud-Brokers erhöht zudem die Komplexität bei der Einhaltung der Sicherheitsanforderungen eines Unternehmens in der gesamten Lieferkette, da der Broker eine zusätzliche Ebene zwischen den Cloud-Service-Anbietern und dem Unternehmen bildet.

Hinzu kommt: Ändert oder beendet der Cloud Broker sein Angebot, sind Unternehmen dem erst einmal ausgeliefert. Ein Wechsel des Anbieters und der dazugehörigen Clouds ist mit hohen Aufwänden und Kosten verbunden. Und auch wenn die Cloud generell für sinkende Kosten in Unternehmen sorgt, produziert ein weiterer Dienstleister zusätzlichen Aufwand, der einen möglichen Kostenvorteil wieder relativiert.

Die richtige Plattform macht’s

Welche Angebote können aber Unternehmen in Anspruch nehmen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um einen Cloud Broker zu engagieren? Die Antwort darauf lautet: entsprechend ausgerichtete Cloud-Ökosysteme und Multi- Cloud-Plattformen, die über eine einheitliche Technologie die eigenständige Orchestrierung verschiedener Anbieter erlauben.

Mit der richtigen Plattform im Hintergrund können Unternehmen sich ihre Multi-Cloud-Umgebung auch ohne spezifisches Know-how im Bereich Cloud-Management ihren Bedürfnissen entsprechend zusammenstellen: Prozessdaten werden beispielsweise in einer Cloud in Deutschland verarbeitet, um durch die Nähe zum Unternehmensstandort eine möglichst geringe Latenzzeit zu gewährleisten während eine weitere Cloud an einem Rechenzentrumsstandort im Ausland besonders kostengünstige Storage-Ressourcen für ergänzende Backups zusteuert. Das Cloud-Ökosystem fungiert hier mit seinem Partnernetzwerk selbst als Cloud Broker, das Clouds mit unterschiedlichen Ausprägungen hinsichtlich geografischem Standort, Kostenstruktur, Leistungsangebot oder auch Zertifizierungsgrad und Sicherheitslevel in Europa bereitstellt.

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Auch für lokale SaaS-, PaaS- und IaaS-Anbieter, die mit dem Plattform-Betreiber innerhalb des Ökosystems kooperieren, bietet ein solches Modell viele Vorteile: Ihre Anwendungen, Ressourcen und XaaS-Dienste sind über die Teilhabe am Ökosystem unmittelbar für einen großen Anwenderkreis und damit auch für die Kunden anderer Cloud-Provider nutzbar. Die gegenseitige Kompensation und entsprechende Verrechnung der in Anspruch genommenen Ressourcen erfolgt dabei in der Regel durch den Plattformbetreiber.

Neue Angebote auch für „Kleine“

Cloud Broker mit entsprechender Expertise spielen eine wichtige Rolle dabei, Unternehmen bei der Auswahl, Implementierung und Verwaltung von Cloud-Diensten zu unterstützen. Sie vermitteln zwischen Cloud-Anbietern und Kunden, um die bestmögliche Lösung für die Anforderungen des Kunden zu finden und stellen sicher, dass die Cloud-Optionen des Kunden die gesetzten Anforderungen hinsichtlich Kosten, Sicherheit und Leistungsfähigkeit erfüllen. Allerdings stellen sie besonders für kleine und mittlere Unternehmen einen weiteren Kostenpunkt und letztlich auch eine weitere Abhängigkeit dar.

KMUs sollten sich deshalb nach Möglichkeiten umschauen, die ihnen eine eigenständige und einfache Orchestrierung ihrer Multi-Cloud-Umgebungen ermöglichen. Umfassende Ökosysteme aus unterschiedlichen regionalen und nationalen Providern mit einheitlich verwendeter Technologie und Verwaltungsoberfläche werden sich hier künftig zu einer attraktiven Alternative neben den Hyperscalern und Multi-Cloud-Brokern im Markt etablieren.


* Der Autor Henrik Hasenkamp ist CEO von Gridscale.

Bildquelle: Gridscale GmbH

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