Europäische Cloud-Infrastruktur Bitdefender startet Programm für souveräne EU-Cybersicherheit

Von Ira Zahorsky 4 min Lesedauer

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85 Prozent der Teilnehmer einer IDC-Umfrage bewerten Digitale und KI-Souveränität als sehr oder extrem wichtig. Bitdefender reagiert mit einer Cloud-Infrastruktur, die europäische Organisationen beim Wechsel zu EU-basiertem Hosting und Datensicherheit unterstützen soll.

Das Bitdefender Sovereign Acceleration Program will sicherstellen, dass Daten zu Kunden, Konfigurationen, Sicherheitsereignissen, Telemetrie sowie Informationen für den Kundensupport niemals außerhalb der EU zugänglich sind, noch übertragen oder anderswo verarbeitet werden. (Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Das Bitdefender Sovereign Acceleration Program will sicherstellen, dass Daten zu Kunden, Konfigurationen, Sicherheitsereignissen, Telemetrie sowie Informationen für den Kundensupport niemals außerhalb der EU zugänglich sind, noch übertragen oder anderswo verarbeitet werden.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Im Mittelpunkt des Sovereign Acceleration Program von Bitdefender steht eine Cloud-Umgebung für Datensicherheit und Hosting, die vollständig innerhalb der Europäischen Union betrieben werden soll. Kundendaten, Konfigurationen, Sicherheitsereignisse, Telemetrie und Informationen für den Support sollen dabei weder außerhalb der EU verarbeitet noch dorthin übertragen oder von dort aus zugänglich sein.

Cloud-Standort allein reicht nicht aus

Die Debatte um souveräne Cloud-Dienste geht über den Standort eines Rechenzentrums hinaus. Zwar können Daten in der EU gespeichert werden, während der Anbieter selbst weiterhin einer außereuropäischen Rechtsprechung unterliegt. Auch Eigentumsverhältnisse, Subdienstleister, administrative Zugriffe und die Steuerung des Betriebs beeinflussen die tatsächliche Kontrolle über Cloud-Daten.

Andrei Florescu, Präsident und General Manager der Bitdefender Business Solutions Group(Bild:  Bitdefender)
Andrei Florescu, Präsident und General Manager der Bitdefender Business Solutions Group
(Bild: Bitdefender)

Bitdefender bezeichnet Praktiken, bei denen ein EU-Rechenzentrum als alleiniger Nachweis für Souveränität dient, als „Sovereignty Washing“. Für Unternehmen mit Anforderungen aus DSGVO, NIS2 oder DORA ist diese Abgrenzung relevant. Entscheidend sind nicht nur Speicherorte, sondern auch Datenflüsse, Betriebsprozesse und rechtliche Zuständigkeiten. „Nicht alle Angebote für Datensouveränität versprechen dasselbe. Die meisten Anbieter von Cybersicherheit vertrauen allein auf die Präsenz eines Datenzentrums in Europa. Sie überlassen die Rechtsprechung, die Kontrolle der Abläufe und die Supply Chain außereuropäischen Händen“, kritisiert Andrei Florescu, Präsident und General Manager der Bitdefender Business Solutions Group.

GravityZone soll Sicherheitsfunktionen aus der EU-Cloud liefern

Die Cloud-Infrastruktur bildet die Grundlage für die GravityZone-Plattform. Sie bündelt Funktionen für Sicherheit, Risikoanalyse und Compliance. Zum Leistungsumfang gehören:

  • Endpoint Protection Platform (EPP)
  • Endpoint Detection and Response (EDR)
  • Extended Detection and Response (XDR)
  • cloudnative Sicherheitsfunktionen für die Lieferkette
  • Funktionen für Sicherheits-, Risiko- und Compliance-Prozesse

Mit kontinuierlich positiven Ergebnisse bei AV-TEST und AV-Comparatives will Bitdefender zeigen, dass eine EU-basierte Cloud-Umgebung nicht automatisch zu Einbußen bei Schutz und Effizienz führen muss. Die Testergebnisse beziehen sich jedoch nicht unmittelbar auf die Cloud-Souveränität. Für eine belastbare Bewertung müssen Organisationen zusätzlich prüfen, wo Managementdaten verarbeitet werden, wer Administrationsrechte besitzt und welche Cloud-Partner oder weiteren Dienstleister eingebunden sind.

Europäische Cloud-Partner bilden das Betriebsmodell

Für den Aufbau des Programms arbeitet Bitdefender mit zertifizierten europäischen Cloud-Partnern zusammen. Das Unternehmen nennt unter anderem OVHcloud, dessen CISO Julien Levrard erklärt: „Echte Souveränität verlangt nach einer betriebssicheren Infrastruktur, einer nachweislichen Cybersicherheit und nach dem Vertrauen, dass kritische Technologien, Daten und Abläufe von einem europäischen Gesetzesrahmen gelenkt sind und gelenkt bleiben.“

Die Verbindung von Cloud-Infrastruktur und Sicherheitsplattform soll Organisationen einen Wechsel zu einem vollständig europäischen Betriebsmodell erleichtern. Für Cloud-Provider, Systemhäuser und Managed-Service-Anbieter verschiebt sich damit der Prüfmaßstab: Nicht nur die technische Leistungsfähigkeit der Plattform zählt. Ebenso wichtig sind Nachweise über Datenresidenz, Zugriffskontrollen, Lieferketten und die Zuständigkeiten im laufenden Betrieb.

Souveränes MDR aus der Cloud angekündigt

Das Programm soll auch Managed-Detection-and-Response-Dienste (MDR) umfassen. Sie kombinieren KI-basierte Gefahrenerkennung und Eindämmung mit menschlicher Analyse und Überprüfung. Das Threat Monitoring soll kontinuierlich erfolgen und Sicherheitsteams bei der Erkennung und Bearbeitung von Vorfällen entlasten.

Die souveränitätskonformen MDR-Dienste sollen im Verlauf des Sommers verfügbar und sämtliche Leistungen innerhalb der EU erbracht werden. Damit betrifft die Souveränitätsfrage nicht nur die Speicherung von Daten in der Cloud, sondern auch den Ort, an dem Experten auf Telemetrie, Warnmeldungen und Sicherheitsereignisse zugreifen.

Gerade bei MDR-Diensten sind diese Zugriffswege entscheidend. Ein EU-Rechenzentrum allein stellt noch nicht sicher, dass Support- und Security-Teams ausschließlich innerhalb des gewünschten Rechtsraums arbeiten. Anbieter müssen deshalb transparent machen, wie Fernzugriffe, Eskalationen und Incident Response organisiert sind.

Migration soll über Vertragskauf erleichtert werden

Das Sovereign Acceleration Program von Bitdefender richtet sich an europäische Organisationen, die von einem nicht in der EU ansässigen Cybersicherheitsanbieter wechseln wollen. Zu den möglichen Kunden zählen unter anderem öffentliche Einrichtungen, Finanzdienstleister, Gesundheits- und Bildungsorganisationen sowie Unternehmen aus kritischen Infrastrukturen, Energie und Produktion.

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Die Migration will Bitdefender per Vertragskauf erleichtern, der die wirtschaftlichen Hürden eines Anbieterwechsels reduzieren soll. Zusätzlich begleitet das Unternehmen nach eigenen Angaben die Migration und will Auswirkungen auf den laufenden Betrieb begrenzen.

Für die Umsetzung müssen Cloud- und Security-Migration gemeinsam geplant werden. Zu den zentralen Prüfpunkten gehören:

  • 1. Datenflüsse erfassen: Welche Telemetrie, Konfigurationen und Supportdaten verlassen die EU?
  • 2. Zugriffsrechte prüfen: Welche Personen und Dienstleister können auf Cloud- und Sicherheitsdaten zugreifen?
  • 3. Lieferkette bewerten: Welche Cloud-Partner und Subdienstleister sind beteiligt?
  • 4. Compliance abgleichen: Deckt das Betriebsmodell die Anforderungen aus DSGVO, NIS2, DORA und branchenspezifischen Vorgaben ab?
  • 5. Betrieb absichern: Wie funktionieren Migration, Incident Response und Notfallbetrieb ohne Unterbrechung?

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