Cloud Business Software

Augen auf bei ­Software-Miete und -Kauf

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Auf dem Markt für Software-Produkte tümmeln sich etliche Schwarze Schafe in den Kreisen der Anbieter.
Auf dem Markt für Software-Produkte tümmeln sich etliche Schwarze Schafe in den Kreisen der Anbieter. (Bild: djvstock - stock.adobe.com)

Die „Cloud-Skeptiker“ werden immer leiser. Ist Software als ewige Lizenz zur Installation oder in einem flexiblen Abo-Modell verfügbar, gewinnt immer häufiger letzteres. Wird gekauft statt gemietet, spielt die Cloud als Download-Plattform eine wachsende Rolle – mit Fallstricken.

Der Bitkom kam in einer Untersuchung Mitte des Jahres zu dem Ergebnis, dass hierzulande etwa die Hälfte der Unternehmen (51 %) Private-Cloud-Anwendungen nutzt, während fast ein Drittel (31 %) auf Public-Cloud-Lösungen setzt. Dabei, so der Bitkom, ziehen immer mehr Unternehmen die Public Cloud in Betracht. Der Grund: Mit dieser haben Nutzer besseren ortsunabhängigen Zugriff auf die Unternehmens-Applikationen, was drei von vier Nutzern (75 %) bestätigen. Für die Hälfte der Teilnehmer wurde die Datensicherheit verbessert (50 %), und 21 Prozent konnten ihre Kosten senken. Allerdings klagen ­viele Unternehmen auch über Ausfälle beziehungsweise Konnektivitätsprobleme. So konnten insgesamt sieben von zehn Cloud-Anwendern (69 %) kurzzeitig nicht auf ­ihre Cloud-Lösungen zugreifen. Die Ursachen: Technische Probleme auf Seiten des Cloud-Providers (46 %), technische Probleme in der internen IT (23 %) und bei über jedem dritten Unternehmen (35 %) eine fehlende Netzwerk-Anbindung.

Capex-Opex-Betrachtung ist nicht genug

In der Praxis sollte daher die Frage „Kauf oder Miete?“ bei Business Software nicht nur aus buchhalterischer Sicht durch die Capex-Opex-Brille betrachtet werden. Ist beispielsweise kein Breitbandanschluss verfügbar, lösen sich damit auch Cloud-Träume in Luft auf. Hybrid- und Multicloud-Ansätze im Software-Umfeld lassen Grenzen zwischen den Cloud- und On-Premises-Lösungen verschwimmen.

Service-Level-Agreements müssen mit den realen Anforderungen abgestimmt, Zuständigkeiten im Support-Fall geklärt und Migrations-Szenarien für die Daten in der Cloud geklärt werden. Es gibt keine „allheilsbringende Cloud im Himmel“, sondern, wenn man so will, nur Server mehr oder weniger fremder Leute mit denen man Geschäfte macht.

Flexibilität ist Trumpf

Neben den Vorteilen im Sinne der Finanzbuchhaltung ist Cloud-Software in der ­Regel mit flexiblen Abo-Kündigungsmöglichkeiten, wenn nicht gar mit einem Pay-per-Use-Modell verbunden. Die Skalierbarkeit über die Cloud ist beim klassischen Software as a Service (SaaS) ohne eigene Hardware-Anschaffungen zu stemmen. Die Vorteile bei der Anbindung von Geräten außerhalb des Firmennetzwerks sind groß. Zudem ist das Nutzungslizenzmanagement hier tendenziell übersichtlicher als das Organisieren einer entsprechenden nötigen Anzahl ewiger Lizenzen. Wird letztendlich doch gekauft statt gemietet, sei es aus Gründen der zur Verfügung ­stehenden Internet-Bandbreite, aus Sicherheitsüberlegungen heraus, aus Kompatibilitätsgründen zu Altsystemen oder schlichtweg, weil es die benötigte Software nur so gibt, kommt die Cloud mitunter dennoch ins Spiel – nämlich in Form einer Download-Plattform im Online-Handel.

Schwarze Schafe unter der Lupe

Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat Beschwerden aus diesem Umfeld ausgewertet. Demnach fehlen bei vielen der untersuchten Angebote relevante Angaben, etwa zur Herkunft der Lizenz oder ob es sich bei einem Produkt um Gebrauchtsoftware handelt. Unzuverlässiger Kundenservice und dubiose Angebote sind bei Drittanbieter-Shops ­offenbar ein ernstes Problem. So beschwerten sich Kunden, dass Anbieter bei Software-Angeboten im Internet nicht darüber informieren, dass es sich um gebrauchte Software handelt. Andere Shops klären laut der Beschwerden nicht oder fehlerhaft über das Widerrufsrecht auf. Manche erhielten trotz Zahlung keinen Lizenzschlüssel, und ein Kunde wurde nach mehreren Jahren wegen des unwissentlichen Erwerbs einer Raubkopie strafrechtlich belangt.

Ergänzendes zum Thema
 
Die Cloud verwandelt Capex- zu Opex-Ausgaben

Lizenzschlüssel nicht verschickt

Selbst in Software-Boxen befindet sich mitunter nur eine Download-Anleitung und ein Lizenzschlüssel.
Selbst in Software-Boxen befindet sich mitunter nur eine Download-Anleitung und ein Lizenzschlüssel. (Bild: iconicbestiary - stock.adobe.com)

Die Untersuchung zeigt zudem, dass sich seriöse von unseriösen Software-Angeboten mitunter schwer unterscheiden lassen. Bei drei von sechs getesteten Shops haben die Marktwächter im Anschluss an die Bestellung keinen Lizenzschlüssel zur Aktivierung der Software erhalten. „Auch hinter vermeintlich vertrauenswürdig ­erscheinenden Webseiten können sich dubiose Anbieter verstecken. Weder Preis noch Aufmachung sind dabei ein sicherer Indikator, ob es sich um ein seriöses Angebot handelt oder nicht“, so Manfred Schwarzenberg, Teamleiter bei den Marktwächtern. Unter Kaufleuten sind laut Rechtssprechung Zweifel angebracht, wenn Angebote zu marktunüblichen Preisen offeriert werden.

Im Rahmen der Testkäufe wurden Lizenzschlüssel erfolgreich erworben, die um 95 Prozent günstiger waren als der Listenpreis. Auf der anderen Seite können dubiose Anbieter auch marktübliche Preise verlangen, so begründete Zweifel damit ausräumen und gleichzeitig ihre Marge steigern. Wer sich Software von einem Download-Marktplatz „aus der Cloud“ beschafft oder entsprechend Lizenzschlüssel erwirbt, sollte als Endkunde sowie Reseller ein besonderes Augenmerk auf das Renommee des Anbieters richten.

Seriöse Anbieter finden

Im Zweifel gilt: Lieber den etablierten ­Anbieter wählen als jenen, von dem man noch nie etwas gehört hat. Der offizielle Distributor sollte im Zweifel den No-­Name-Subdistri schlagen, und Einkaufsquellen, die erkennbar bei den Begrifflichkeiten ins Schwammige abdriften, sind zu meiden. Werden beispielsweise komplizierte Fachbegriffe und Abkürzungen wie „OEM“, „RETAIL-Keys“, „MAR-“ oder „Recovery-Version“ bei Software-Angeboten verwendet, bei denen es sich augenscheinlich um gebrauchte Software handeln könnte, heißt es generell „Finger weg!“. Seriöse Software-Handelsplätze sind um Transparenz bei ihren internen Prozessen bemüht. Nur so können böse Überraschungen bei einem möglichen Software-Audit vermieden werden.

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