„D2D Connect“ für den mobilen Datenaustausch

Wie Sync & Share auch bei schwacher Netzwerkverbindung möglich ist

| Autor / Redakteur: Christian Sprajc * / Elke Witmer-Goßner

D2D Connect beschleunigt Datentransfer und Synchronisation, wenn Netze schwächeln.
D2D Connect beschleunigt Datentransfer und Synchronisation, wenn Netze schwächeln. (Bild: gemeinfrei Krzysztof Niewolny/Pixabay / Pixabay)

Der problemlose Austausch von Daten zwischen mobilen Endgeräten und auch die Synchronisation mit der Cloud gehört schon lange zu den selbstverständlichen Grundlagen im beruflichen wie im privaten Alltag. Im Katastrophenfall kann aus dieser Annehmlichkeit sogar eine lebenswichtige Notwendigkeit werden.

Diese Situation kennen sicher viele von uns: Da will man auf einer Fachmesse oder einem Kongress einem Geschäftspartner „mal eben“ eine umfangreichere digitale Mappe mit Produktinformationen auf dessen Smartphone schicken und stellt dann fest, dass das Netz am Veranstaltungsort mal wieder komplett überlastet ist und wir jedem Byte einzeln zum Abschied die Hand schütteln dürfen. Da bleibt dann meist nur ein „Na gut, ich schicke es Ihnen dann per Mail, wenn ich wieder im Office bin.“ Was hier einfach nur ärgerlich ist, da Verwaltung, Austausch und Synchronisation für die Produktivität von Unternehmen inzwischen zu einer wichtigen Schlüsselfrage geworden sind.

Für Rettungskräfte und Hilfsorganisationen im Katastrophenfall ist es aber von ungleich größerer Wichtigkeit, sind sie doch erst recht auf den sicheren und schnellen Austausch von Dokumenten, Daten und Informationen angewiesen. Standardlösungen wie etwa Dropbox, Apple iCloud, Skydrive, Owncloud oder Cloudme sind in Fällen mit unzureichendem, schwachem Netz keine Hilfe, erfordern sie doch eine stets aktive Verbindung zur Cloud oder zum Server, um die Daten zu übermitteln und zu synchronisieren, und bieten keine Peer-to-Peer Verbindung an.

Nur, was macht man, wenn das Netz völlig überlastet ist und die Bytes nur noch im Schneckentempo weitergereicht werden? Eine mögliche Lösung heißt „D2D Connect“. Die Düsseldorfer dal33t GmbH, Entwickler der File-Sync&Share-Lösung PowerFolder, hat in mehrjähriger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Technik sozialer Netzwerke der Universität Düsseldorf und gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium eine Technologie namens „D2D Connect“ entwickelt. Mit dieser können Daten auch bei extrem schwacher Netzverbindung noch sicher und einigermaßen zügig zwischen mobilen Endgeräten ausgetauscht und synchronisiert werden können – und dies ohne Umwege über nicht zu kontrollierende Geräte oder Verbindungen.

Technik und Arbeitsweise

D2D Connect basiert auf einem von der dal33t GmbH zusammen mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf neu entwickelten, schlanken und einfach zu nutzenden Binärprotokoll auf Basis von Google Protocol Buffers (protobuf) und Transport Layer Security (TLS). Das Ganze wird über SSL/TLS organisiert mit einer eigenen Public Key Infrastructure (PKI). Das heißt, dass der Server selbst ein Root Zertifikat ausgibt, mit dem dann die SSL Zertifikate (TLS 1.2) für die Geräte signiert werden, so dass sowohl eine sichere Kommunikation innerhalb des Systems als auch zum Server möglich ist. Zudem kann D2D Connect auch das Apple interne System der Multi Peer Connectivity (AirDrop) nutzen, um direkt mit den Geräten kommunizieren zu können.

Mit D2D Connect können mobile Geräte direkt miteinander kommunizieren, ohne dass eine Infrastruktur vorhanden sein muss. Der Datenaustausch funktioniert direkt aus der PowerFolder-App wahlweise per Bluetooth, WLAN Ad-Hoc oder – falls gerade vorhanden – auch per WLAN. Die App checkt dabei, welche der Verbindungsarten gerade verfügbar und am besten geeignet ist, wählt diese selbstständig aus und verbindet sich automatisch mit den geeigneten, dafür frei gegebenen Devices in der Nähe. Integriert wurde D2D-Connect in die Version 14 der Mobile App (iOS) von PowerFolder, die inzwischen von Apple frei gegeben wurde und im Appstore zu finden ist; eine Android-Version ist in Arbeit.

Eine Verbindung zum Internet (via LTE / UMTS / GRPS) wird dabei nicht mehr zum Austausch und der Synchronisation der Daten benötigt, sondern nur, um die Berechtigungen für den Datentransfer abzufragen, zur Authentifizierung also. Das funktioniert auch mit einer sehr schwachen Leitung zum Server. Die Geschwindigkeit des Transfers via D2D-Connect hängt von der möglichen Verbindung ab und ist naturgemäß am größten, wenn ein lokales WLAN-Netz genutzt werden kann. Hier erfolgt die Limitierung dann lediglich durch die Begrenzung der Hardware.

D2D Connect lässt sich zudem gut in den täglichen Workflow integrieren. So können darüber Files auch sowohl zu jeder anderen App geschickt werden als auch von jeder anderen App zu D2D Connect. Demnächst soll über D2D Connect auch direkt auf Dateien innerhalb von Office Apps zugegriffen werden können. Über die PowerFolder App selbst lassen sich automatisch Files und Verzeichnisse synchronisieren, es können Verzeichnisse erstellt, umbenannt und auch via FileLinks geteilt werden, oder Nutzer und Gruppen erstellt, hinzugefügt und verwaltet werden.

D2D Connect in der Zukunft

Christian Sprajc, PowerFolder GmbH.
Christian Sprajc, PowerFolder GmbH. (Bild: PowerFolder)

Der Austausch zwischen mobilen Endgeräten ist aber erst der Anfang. Mit Hilfe von D2D Connect soll mittelfristig auch die Kommunikation im Internet der Dinge effizienter und vor allem auch sicherer und unabhängig von externen Einflüssen gestaltet werden. Momentan ist das IoT (Internet of Things) noch recht anfällig: schlecht gesicherte Geräte wie Drucker, Kühlschränke und Fernseher, aber auch komplette Gebäudesicherungssysteme werden immer wieder von Hackern zu riesigen Botnetzen verknüpft.

D2D Connect ist in der Lage, die Kommunikation zwischen diesen Geräten, aber auch zwischen Fahrzeugen oder Industrieanlagen in dynamischen Netzen zu vereinfachen und zu automatisieren – selbst in Umgebungen, in denen der Datenaustausch über die klassische Infrastruktur entweder nicht möglich oder aus Sicherheitsgründen gar nicht erwünscht ist. Damit kann D2D Connect auch zu einem wichtigen Baustein in der „Industrie 4.0“ werden.

Der Autor: Christian Sprajc ist Gründer und CEO von PowerFolder.

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